Auf ein Wort

O-Töne aus dem Welterbe - Völklinger Hütte

Prof. Dr. Meinrad Grewenig
Generaldirektor von "Weltkulturerbe Völklinger Hütte", Europäisches Zentrum für Kunst und Industriekultur

Der nachhaltige Schutz von Welterbestätten sowie die Vermittlung des Welterbegedankens und des außergewöhnlichen universellen Wertes des Welterbes sind nur mit dem engagierten Einsatz der Zuständigen vor Ort sowie auf regionaler und nationaler Ebene möglich. Erfahrene Koordinatoren, Manager, Referenten, Beauftragte und sogenannte Focal Points bilden mit ihren Teams das Herzstück der Aktivitäten an Kultur- und Naturerbestätten. Sie zeigen, dass Welterbe mehr ist als bauliche Substanz, gewachsene Landschaften oder Naturräume – Welterbe ist gelebtes Erbe und tägliche Arbeit.

Die Deutsche UNESCO-Kommission hat sich auf die Suche nach O-Tönen aus der vielseitigen Gemeinschaft der mit Welterbe betrauten Expertinnen und Experten in Deutschland begeben und ihnen vier Fragen zu ihrer Arbeit, ihren Erfahrungen und Wünschen gestellt.

Prof. Dr. Meinrad Grewenig ist Generaldirektor des Welterbes Völklinger Hütte und somit vor Ort einer der zentralen Verantwortlichen für die Welterbestätte, welche 1994 in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen wurde.

Seit wann betreuen Sie die Welterbestätte Völklinger Hütte, und welchen Hintergrund bringen Sie mit?

Seit 1999 bin ich der Generaldirektor/CEO des Weltkulturerbes Völklinger Hütte. Ich habe Kunstgeschichte, klassische Archäologie, Philosophie, Erziehungswissenschaften und katholische Theologie an der Universität des Saarlandes, Saarbrücken, und an der Paris-Lodron-Universität Salzburg bis zur Promotion studiert.

Bei welcher Einrichtung ist das Management Ihrer Welterbestätte angesiedelt, und was sind Ihre Hauptaufgaben?

Das Management des Weltkulturerbes Völklinger Hütte gehört zur 1999 gegründeten Trägergesellschaft Weltkulturerbe Völklinger Hütte - Europäisches Zentrum für Kunst und Industriekultur GmbH, deren Aufgabe die Entwicklung und der Betrieb des UNESCO-Weltkulturerbes Völklinger Hütte ist. Ein wesentlicher Teil des Gesellschaftsauftrags besteht auch in der Sanierung und Inwertsetzung des Denkmalensembles.

Worin sehen Sie die größte Herausforderung bei Ihrer Arbeit?

Das Konzept des UNESCO-Weltkulturerbes Völklinger Hütte zeigt heute, dass ein zentrales Thema der Industriekultur die innovative Erhaltung dieser gigantischen Anlage als Gedächtnisort für die Nachwelt ist. Es ist die wissenschaftliche und besucherorientierte Aufarbeitung der großtechnischen Anlagen, der Maschinen, ihrer Einhausung, aber auch die Situation der Menschen am Ort. Gleichzeitig bedeutet die Hinwendung zur Industriekultur auch eine Sondierung des neuen Koordinatensystems der Kultur, in dem die Grenzen klassischer Kulturgattungen, wie der Museumsgattung mit ihrer Gedächtniskultur, der Archive und Bibliotheken sowie den inszenatorischen Kulturen des Theaters und das sie steuernde wissenschaftliche Fundament, die Universität, überwunden werden. Zudem entwickelt die Weltkulturerbe Völklinger Hütte Gesellschaft große kulturhistorische Ausstellungen, die ein Portal zu den Weltkulturen öffnen, und handlungsorientierte Vermittlungskonzepte. Das ScienceCenter Ferrodrom®, zu den Themen Feuer, Wasser, Erde, Luft, aber auch Eisen und Stahl wurde 2004 als erstes ScienceCenter in der Großregion SaarLorLux eingerichtet.

Zur Finanzierung dieses Sanierungsprojektes gibt es eine Finanzvereinbarung zwischen der Bundesrepublik Deutschland und dem Saarland, nach dem die Hälfte der Sanierungslast vom Bund getragen wird und die andere Hälfte vom Saarland und von der
Europäischer Union.

Wie arbeiten Sie mit anderen Welterbestätten zusammen, und was würden Sie gerne einmal mit anderen Welterbestätten – oder auch Biosphärenreservaten oder Geoparks – gemeinsam machen?

Das Weltkulturerbe Völklinger Hütte ist Mitglied in verschiedenen Institutionen und Vereinigungen (z.B. UNESCO-Welterbestätten Deutschland e.V.) und pflegt gute Kontakte zu vielen nationalen und internationalen UNESCO-Welterbestätten. Mit einigen von ihnen, wie dem Weltkulturerbe Zeche Zollverein, dem Weltkulturerbe Rammelsberg und dem Weltkulturerbe Fagus-Werk, gibt es auch eine Kooperation im Bereich UNESCO-Welterbestätten der Industriekultur in Deutschland. Auch über ERIH - European Route of Industrial Heritage, das größte Kulturnetzwerk Europas für die Verankerung der Industriekultur im Tourismusbereich, arbeiten wir mit anderen UNESCO-Welterbestätten verschiedenster Art europa- und weltweit zusammen.

Völklinger Hütte
Völklinger Hütte

Welterbe in Deutschland

Völklinger Hütte

Die Völklinger Hütte ist die weltweit einzige erhaltene Hütte aus der Glanzzeit der Eisen- und Stahlindustrie im 19. und 20. Jahrhundert und Ausdruck der grenzüberschreitenden Industrialisierung in Europa.
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Industriekomplex Zeche Zollverein in Essen
Hauptgebäude Zeche-Zollverein

Welterbe in Deutschland

Industriekomplex Zeche Zollverein in Essen

Der Industriekomplex Zeche Zollverein in Essen ist bedeutendes Industriedenkmal und zugleich architektonischer Ausdruck der Formsprache des Bauhauses. Die komplett erhaltenen Anlagen einer historische Kohlezeche sind seit 2001 UNESCO-Welterbe.
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