Auf ein Wort

O-Töne aus dem Welterbe - Fagus-Werk in Alfeld

Karl Schünemann

Karl Schünemann
Familienunternehmen Fagus-GreCon Greten GmbH & Co. KG

Der wirksame Schutz von Welterbestätten sowie die Vermittlung des Welterbegedankens und des außergewöhnlichen universellen Wertes des Welterbes sind nur mit dem engagierten Einsatz der Zuständigen vor Ort sowie auf regionaler und nationaler Ebene möglich. Erfahrene Koordinatoren, Manager, Referenten, Beauftragte und so genannte Focal Points bilden mit ihren Teams das Herzstück der Aktivitäten an Kultur- und Naturerbestätten. Sie zeigen, dass Welterbe mehr ist als bauliche Substanz, gewachsene Landschaften oder Naturräume – Welterbe ist gelebtes Erbe und tägliche Arbeit.

Aus diesem Grund hat sich die Deutsche UNESCO-Kommission auf die Suche nach O-Tönen aus der vielseitigen Gemeinschaft der mit Welterbe betrauten Expertinnen und Experten in Deutschland begeben und ihnen vier Fragen zu ihrer Arbeit, ihren Erfahrungen und Wünschen gestellt.

Karl Schünemann vom Familienunternehmen Fagus-GreCon Greten GmbH & Co. KG ist einer der Verantwortlichen für die Welterbestätte Fagus-Werk, die 2011 in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen wurde.

Seit wann betreuen Sie die Welterbestätte Fagus-Werk in Alfeld, und welchen Hintergrund bringen Sie mit?

Meine Tätigkeit im Zusammenhang mit dem Welterbe begann bereits in den 1990er Jahren. Das Fagus-Werk stand auf der Tentativliste und somit wurden die Vorbereitungen, um Ziel Weltkulturerbe zu werden, rechtzeitig begonnen. Da ich in dieser Zeit in den Bereichen Werbung und Messebearbeitung in der Firma Fagus-GreCon für die Produktpräsentationen des Maschinenbaus und der Elektronikfertigung zuständig war und die historischen Werte der Fagus-Werk Architektur aus meiner langjährigen Betriebszugehörigkeit kannte, bekam ich die Aufgabe, das Antragsverfahren vorzubereiten. Da Fagus-GreCon bis heute ein Familienunternehmen ist, hatte der Inhaber und Urenkel des Gründers, Ernst Greten, größtes Interesse die Bearbeitung der Welterbekriterien rechtzeitig vorzunehmen. So haben wir zusammen alle Möglichkeiten genutzt, um das Ziel zu erreichen. Mit Unterstützung des Amtes für Denkmalpflege und der niedersächsischen Landesregierung wurden wir 2011 in Paris als UNESCO-Welterbe anerkannt. So war ich von der Vorbereitungszeit bis zur Welterbe-Auszeichnung und darüber hinaus aktiv dabei.

Bei welcher Einrichtung ist das Management Ihrer Welterbestätte angesiedelt, und was sind Ihre Hauptaufgaben?

Das Fagus-Werk ist eine Welterbestätte in Privatbesitz. Zuständig sind die Geschäftsführer von Fagus-GreCon. Ich habe die Abteilung UNESCO-Marketing aufgebaut. Inzwischen sind junge ausgebildete Marketing-Fachkräfte zuständig, um aktuell dieses Thema weiter nach vorn zu bringen. Wir gehören in den UNESCO-Bereich der Industrie-Welterbestätten, jedoch sind auch Verbindungen zum UNESCO-Welterbe Bauhaus Dessau und Weimar und auch zu der Weißenhof-Siedlung im Raum Stuttgart vorhanden. Für uns ist es wichtig, mit diesen Welterbestätten eine gute Verbindung zu pflegen und im Austausch zu stehen.

Worin sehen Sie die größte Herausforderung bei Ihrer Arbeit?

Zunächst wollen wir der gesamten Bevölkerung in der unmittelbaren Nähe unserer Fabrik die Wertigkeit dieser Welterbestätte vermitteln. Weiterhin möchten wir Jugendlichen, Schülern und Studenten das Thema Weltkulturerbe durch Führungen, moderne Ausstellungstechnik und Vorträge näher bringen. Alle Informationen über das Welterbe Fagus-Werk werden über verschiedene Medien im In- und Ausland gestreut, um möglichst viele Besucher bei uns begrüßen zu können.

Wie arbeiten Sie mit anderen Welterbestätten zusammen, und was würden Sie gerne einmal mit anderen Welterbestätten - oder auch Biosphärenreservaten oder Geoparks - gemeinsam machen?

Unsere Zusammenarbeit mit den Welterbestätten in Hildesheim, Goslar, Quedlinburg und Höxter wird seit Jahren in Form eines Arbeitskreises praktiziert. Außerdem stehen wir mit der Zeche Zollverein in Essen und der Völklinger Hütte in ständigem Kontakt. Gerne stehen wir der Zusammenarbeit mit anderen Einrichtungen wie zum Beispiel Biosphärenreservaten oder Geoparks positiv gegenüber.

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