UNESCO-Welterbe Museumsinsel Berlin

Materieller Ausdruck der Aufklärung im Herzen Berlins

Die Öffnung vormals fürstlicher Sammlungen und Schatzkammern für die Allgemeinheit wurde seit der Französischen Revolution zur Forderung. 1810 verfügte der preußische König Friedrich Wilhelm III., in Berlin eine öffentliche Kunstsammlung anzulegen. So entstand die Museumsinsel, wie der nördliche Teil der Spreeinsel in Berlin genannt wird.

Illustration Welerbestätten

Die Berliner Museumsinsel ist ein einzigartiges Ensemble historischer Museumsbauten von besonderer künstlerischer und geisteswissenschaftlicher Bedeutung. Über die Zeitspanne eines Jahrhunderts erbaut, sind sie Ausdruck der Entwicklung von Museumskonzepten und eindrucksvolles Beispiel der Verschmelzung von Gebäuden und ausgestellten Sammlungen.

Den Gedanken der Aufklärung folgend, ist die Museumsinsel eine außergewöhnliche materielle Umsetzung der revolutionären Forderung, Sammlungen für die Allgemeinheit zu öffnen (Aufnahmekriterium iv). Von den berühmten preußischen Architekten Karl Friedrich Schinkel und Friedrich August Stüler errichtet, zeugen das Alte Museum, das Neue Museum, die Alte Nationalgalerie, das Bode-Museum und das Pergamonmuseum trotz der über hundertjährigen Bauphase von planerischer und architektonischer Kontinuität. Mit dem Bau des Alten Museums zwischen 1824 und 1828 als erstes öffentlich zugängliches Museum Preußens beginnt die Baugeschichte der Museumsinsel. Mit der Errichtung des Pergamonmuseums wurde sie 1930 beendet. 

Der kulturelle Wert der Museumsinsel ist eng mit ihrer historischen Rolle in der Entwicklung des Gebäudetyps des modernen Museums verbunden (Aufnahmekriterium ii). Zwischen Gebäuden und Sammlungen besteht eine direkte Beziehung, die in den architektonischen Formen und Volumina Ausdruck findet.

Eine architektonische Besonderheit im Alten Museum ist die Anordnung und Ausgestaltung der Sammlungsräume, die sich um die zentrale Rotunde als geistiges Zentrum anordnen. In diesem Kuppelraum sollten nach Schinkels Vorstellung die herausragenden Kunstwerke aller Epochen aufgestellt werden und dem Betrachter die Summe des geistigen Erbes als Bildungsziel vor Augen halten.

1841 verfügte der preußische König Friedrich Wilhelm IV., die ganze Spree-Insel zu einer Freistätte für Kunst und Wissenschaft auszugestalten.

Fakten

Publikation

Welterbe in Deutschland. Deutschsprachige Sonderausgabe der Zeitschrift 'World Heritage', Nr. 76, des UNESCO-Welterbezentrums.
UNESCO; Deutsche UNESCO-Kommission, 2014

Im Zweiten Weltkrieg wurden die fünf Museumsgebäude unterschiedlich stark beschädigt. Mit Ausnahme des Neuen Museums konnten sie nach 1945 restauriert und rekonstruiert werden. Nach der Wiedervereinigung Deutschlands wurden die auf Ost- und Westberlin aufgeteilten Sammlungen schrittweise wieder zusammengeführt. Das Neue Museum blieb aufgrund starker Schäden für 60 Jahre lang unberührt. Erst ab 2003 wurde es restauriert und 2009 wiedereröffnet. Die Restauration unter Leitung des britischen Architekten David Chipperfield folgte dem Prinzip der ergänzenden Wiederherstellung, demzufolge die noch erhaltenen Bestandteile des Gebäudes denkmalgerecht restauriert und wo nötig durch neue Bauteile ergänzt wurden. Wie alle weiteren Sanierungen an den Museumgebäuden erfolgten auch Restauration und Rekonstruktion des Neuen Museums auf der Grundlage des Masterplans Museumsinsel. Dieser Masterplan soll gleichermaßen den Schutz der historischen Bausubstanz und eine moderne, besucherorientierte Sanierung sicherstellen.

Die auf der Museumsinsel präsentierten Sammlungen dokumentieren die Entwicklungen der Menschheit und den ständigen Austausch zwischen Kulturen, Religionen und Gebieten. Als Orte der interkulturellen Begegnung und der kulturellen Vielfalt leisten die Museen in Hinblick auf die Integration Geflüchteter und Zugezogener einen Beitrag zu einer inklusiven, nachhaltigeren Gesellschaft. Das Projekt „Multaka: Treffpunkt Museum - Geflüchtete als Guides in Berliner Museen“, erwachsen aus der Kooperation von vier Museen, bietet die Möglichkeit, die eigene Geschichte in der Fremde wiederzufinden und gemeinsames Kulturerbe zu entdecken.

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