UNESCO-Welterbe Klosteranlage Maulbronn

Authentisches Zeugnis vom Leben der Zisterzienser

Das 1147 gegründete Zisterzienserkloster Maulbronn gilt als eine der am vollständigsten und besten erhaltenen Klosteranlagen des Mittelalters nördlich der Alpen (Aufnahmekriterium iv). In seiner Gesamtheit ist Maulbronn weltweit ein Einzelfall, der es ermöglicht, ein zuverlässiges Bild von zahllosen beschädigten Klosteranlagen zu rekonstruieren.

Die zwischen dem 12. und 16. Jahrhundert erbauten Hauptgebäude sind von starken Mauern umgeben und wurden zu einem prägenden Merkmal der umgebenden Landschaft. Insbesondere die Klosterkirche beeinflusste die Ausbreitung der gotischen Architektur über weite Teile Nord- und Mitteleuropas (Aufnahmekriterium ii). Der Zisterzienserorden war auch für seine Erfindungen auf dem Gebiet der Wassertechnik bekannt. Dies wird durch das ausgeklügelte System der Wasserspeicher, Bewässerungskanäle und Abläufe des Klosters deutlich.

Der mittelalterliche Grundriss und Bau des für die Tradition der Zisterzienser typischen Zentralgebäudes ist nahezu vollständig. Bis ins Detail lassen sich Leben und Arbeit des Zisterzienserordens vom 12. bis 16. Jahrhundert veranschaulichen. Der Innenhof des Klosters ist noch immer von Türmen umgeben, die über die Unterkünfte und Nebengebäude sowie eine Verteidigungsmauer von etwa einem Kilometer Länge hinaus ragen. Seit der Reformation wurden nur das Refektorium der Mönche und die Schlafräume der Laienbrüder umgestaltet. Die dreischiffige Basilika, der älteste Teil der Anlage, wurde 1178 geweiht. Im getrennten Mönchschor zeigt das aus dem 15. Jahrhundert stammende Chorgestühl mit seinen 92 Plätzen den Umfang des Klosters in dieser Zeit. Die Einrichtungen, die zur Versorgung eines Klosters benötigt wurden, befinden sich innerhalb der Anlage. Dazu kommen die zugehörigen angrenzenden Felder und ein Wasserwirtschaftssystem, das ebenfalls erhalten geblieben ist. Über dieses System wurde das Wasser für die Gemeinschaft, zur Fischzucht und zur Bewässerung der ausgedehnten landwirtschaftlichen Flächen transportiert.

 

Illustration Welerbestätten

Fakten

Bedeutend für die Architekturgeschichte im gesamten mitteleuropäischen Raum sind einige Bauteile aus der Zeit von 1200 bis 1210: die frühgotische Kirchenvorhalle, der Südflügel des Kreuzganges und das Herrenrefektorium, der wohl aufwändigste Speisesaal des 13. Jahrhundert. Hier zeigt sich die Kraft der Kunst am Anfang einer neuen Epoche. Das spezifische Formenrepertoire ist das frühste Zeugnis der Auseinandersetzung mit der neuen gotischen Baukunst aus Frankreich. In diesem Anfang geriet der Speisesaal der Herrenmönche zur Königshalle. Die Gebäude des Klosters aus dem 13. Jahrhundert stimulierten die Entwicklung der gotischen Architektur in Deutschland entscheidend. Die Klosterkirche hat die wichtigsten Teile ihrer Ausstattung bewahrt. Sie ist ein bedeutendes Beispiel der oberrheinischen Spätromanik. Ihre Architektur folgt den Forderungen Bernards von Clairvaux, Verbreiter des zisterziensischen Reformdenkens, schlichte Kirchen aus schmucklosen Stein zu errichten: keine Türme, keine Krypta, keine Empore, kein Bau- oder Kunstluxus. Aus der Wendezeit zur Spätgotik 1340/50 stammt das Brunnenhaus, ein Glanzstück der Maulbronner Klosterarchitektur.

Die Welterbestätte Klosteranlage Maulbronn beteiligt sich am internationalen Freiwilligenprogramm World Heritage Volunteers der UNESCO. Ziel dieses UNESCO-Programms im Bereich der Welterbevermittlung sind unter anderem die verstärkte Einbindung der jungen Generation in Bemühungen um den nachhaltigen Schutz und die Bewahrung des Erbes der Menschheit sowie die Vermittlung praktischer Fähigkeiten und Kenntnisse. 

 

Publikation

Welterbe in Deutschland. Deutschsprachige Sonderausgabe der Zeitschrift 'World Heritage', Nr. 76, des UNESCO-Welterbezentrums.
UNESCO; Deutsche UNESCO-Kommission, 2014

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