UNESCO-Welterbe Grenzen des Römischen Reiches

Einzigartige Militärarchitektur aus der Blütezeit Roms

Das Römische Reich ist eines der größten Reiche, die es je gab. Der Obergermanisch-Raetische Limes ist ein Teil der römischen Grenzbefestigung mit Kastellen, Wachtürmen, Mauern und Palisaden, mit dem die einstige Weltmacht ihr Reich gegen das freie Germanien hin abgrenzte. Hier begegnete die hoch entwickelte Kultur der römischen Antike dem kulturellen Entwicklungsland des "barbarischen" Germanien.

Illustration Welerbestätten

Der Obergermanisch-Raetische Limes wurde im Juli 2005 als Erweiterung der ab diesem Zeitpunkt ‚Grenzen des Römischen Reiches‘ genannten Stätte in die Welterbeliste der UNESCO aufgenommen. Zusammen mit dem Hadrianswall (Anerkennung 1987) und dem Antoninuswall (Anerkennung 2008) im Vereinigten Königreich Großbritannien und Nordirland bildet der Obergermanisch-Raetische Limes somit eine transnationale Welterbestätte. 

Die deutschen Teilgebiete umfassen etwa eine Fläche von 250 Quadratkilometern und durchziehen von Bad Hönningen/ Rheinbrohl am Rhein bis zum Kastell Eining an der Donau über 150 Kommunen und 20 Landkreise. Mit 550 Kilometern Länge bilden sie das längste Bodendenkmal Europas. Der Obergermanisch-Raetische Limes wurde in mehreren Phasen zwischen 100 n. Chr. und dem Ende des 2. Jahrhunderts n. Chr. errichtet. Neben im Original erhaltenen römischen Relikten finden sich auch Rekonstruktionen, Ausgrabungen und Nachbauten. Stellenweise ist der Obergermanisch-Raetische Limes, der auf weiten Strecken geradlinig Wald und Feld durchquert, noch im Original erkennbar.

Das Römische Reich war in seiner territorialen Ausdehnung eines der größten Reiche, die es je gab. Es umschloss die Mittelmeerwelt und die sie umgebenden Gebiete und wurde durch ein Netzwerk aus Grenzen geschützt, die sich von der Atlantikküste im Westen bis zum Schwarzen Meer im Osten, von Schottland im Norden bis an den nördlichen Rand der Sahara im Süden erstreckten. Große Teile dieser Grenze haben über- und unterirdisch überdauert. Die Grenze wurde hauptsächlich im 2. Jahrhundert n. Chr. erbaut, als das Reich seine größte Ausdehnung erreicht hatte. An einigen Stellen war sie eine lineare Barriere oder eine Reihe geschützter Bereiche, an anderer Stelle bestand sie aus einem vollständigen Militärgebiet. 

Die Überreste umfassen Teile der linearen Grenze sowie natürliche Grenzen wie das Meer, Flüsse und Wüsten und ein Netzwerk aus militärischen Anlagen und Nebenbauwerken. Die als Welterbe anerkannten Grenzen sind ein außergewöhnliches Beispiel für die Militärarchitektur und Bauweise im Römischen Reich (Aufnahmekriterium iv). Sie legen Zeugnis ab von der Macht des Römischen Reiches und seinem großen Einfluss auf die von ihm beherrschten Gebiete (Aufnahmekriterium iii). Mit ihren Kastellen, Wachtürmen, Mauern, Palisaden, ihrer Infrastruktur und zivilen Siedlungsbereichen, in denen Händler, Handwerker und die Familien der Soldaten lebten, zeugt die Stätte vom Austausch menschlicher und kultureller Werte zur Blütezeit des Römischen Reiches (Aufnahmekriterium ii).

Fakten

  • Aufnahmejahr: 1987 (2005 erweitert um deutschen Teil der Stätte; sowie 2008)
  • Bundesland: Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Rheinland-Pfalz
  • Deutschland, Vereinigtes Königreich Großbritannien und Nordirland
  • Art der Stätte: serielle, transnationale Kulturstätte
  • Erfüllte Aufnahmekriterien:
    (ii), (iii), (iv)
  • Webseite des UNESCO-Welterbezentrums
  • Webseite der Stätte

Publikation

Welterbe in Deutschland. Deutschsprachige Sonderausgabe der Zeitschrift 'World Heritage', Nr. 76, des UNESCO-Welterbezentrums.
UNESCO; Deutsche UNESCO-Kommission, 2014

Die eingetragenen Überreste bilden ein umfangreiches Relikt einer Kulturlandschaft, die den einenden Charakter des Römischen Reiches durch seine gemeinsame Kultur zeigt, jedoch auch seinen markanten Umgang mit der lokalen Geografie und seine Reaktion auf politische und wirtschaftliche Bedingungen. Er wurde zur Kontrolle der Handelsrouten und zur Eingliederung landwirtschaftlich reicher Gebiete konzipiert, wie der Wetterau, dem Nördlinger Ries und den kalkreichen Böden der Fränkischen Alb.

Große Teile des Obergermanisch-Raetischen Limes waren willkürlich gezogene gerade Linien, die auf den Meter genau entlang seines Verlaufs bestimmt wurden und das Römische Reich gegen das freie Germanien hin abgrenzte. Der Limes war aber nicht nur ein militärisches Bollwerk: Er bestimmte auch die kulturellen und wirtschaftlichen Grenzen und wurde so zu einer kulturellen Grenze zwischen der romanisierten und der nicht romanisierten Welt der germanischen Stämme. 

Als transnationales Erbe der Menschheit erfordert die Welterbestätte auch ein alle beteiligten Staaten vereinendes Management. Verantwortlich für die transnationale Koordination ist ein zwischenstaatliches Komitee, das Intergovernmental Committee (IGC). Der britisch-deutsche Austausch in Managementfragen sowie in allen praktischen Fragen der Denkmalerhaltung und -vermittlung erfolgt auf Arbeitsebene in der sogenannten „Hexham Group“. 

Die Welterbestätte vermittelt den außergewöhnlichen Wert der Stätte interaktiv. So informieren zum Beispiel das Limes-Informationszentrum Baden-Württemberg, das Limesmuseum Aalen oder die RömerWelt am Caput Limitis in Rheinbrohl Besucher aller Altersklassen über die Hochkultur der römischen Antike. Gemeinsam mit den britischen Partnern wurden außerdem mehrere Apps entwickelt, die die römischen Grenzanlagen sichtbar und Kultur und Geschichte der Welterbestätte erlebbar machen. Die Vermittlungsarbeit, festgehalten in der Welterbekonvention von 1972 als Aufgabe aller Welterbestätten, ist von großer Bedeutung, um die Bevölkerung für den langfristigen, nachhaltigen Erhalt der Stätte zu begeistern und Wissen über die völkerverbindende Grundidee des Welterbes zu vermitteln.

Publikation

Konferenzbericht: Perspektiven der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit im Welterbe - Ein Erfahrungsaustausch in und mit Deutschland.
Deutsche UNESCO-Kommission, 2017

Perspektiven

Erhalt und Wahrung der Authentizität sind Herkulesaufgaben

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