UNESCO-Welterbe Altstadt von Bamberg

Gesamtkunstwerk voller lebendiger Traditionen

Das in Franken, im Norden Bayerns, gelegene Bamberg war fast tausend Jahre lang das Zentrum kaiserlicher und erzbischöflicher Macht. Die Stadt ist ein einzigartiges und sehr gut erhaltenes städtebauliches Gesamtkunstwerk - eine Synthese der Architektur aus Hochmittelalter und Barock.

Seit dem 11. Jahrhundert übte Bamberg großen Einfluss auf die Stadtentwicklung in Mitteleuropa aus (Aufnahmekriterium ii). Heinrich II, Herzog von Bayern und ab 1002 König von Bayern, richtete 1007 in Bamberg seinen Bistumssitz ein und plante, die Stadt zu einem "neuen Rom" werden zu lassen. Die Altstadt umfasst die drei historischen Stadtbezirke Berg-, Insel- und Gärtnerstadt. Alle drei gehören zum 142 Hektar großen UNESCO-Welterbe und repräsentieren in einzigartiger Weise die auf frühmittelalterlichen Grundstrukturen aufbauende mitteleuropäische Stadt (Aufnahmekriterium iv). Die historische Substanz der Bamberger Altstadt ist bis heute weitgehend original erhalten, über 1000 Häuser stehen unter Denkmalschutz.

Zum 25-jährigen Jubiläum des Welterbetitels der Altstadt von Bamberg (© Zentrum Welterbe Bamberg)

Schon im entscheidenden Akt der Stadtwerdung 1007, als Heinrich II. (973 – 1024), Herzog von Bayern, Bamberg zum Bischofs- und königlichen Herrschaftssitz erhob, war die Stadt zum Denkmal bestimmt. Mit dem Begriff „fränkisches Rom“ wird Bamberg bis heute beschrieben – nicht zuletzt, weil die Stadt wie das antike Rom auf sieben Hügeln erbaut wurde. In der Barockzeit beauftragte Bamberg bekannte Künstler mit der Modernisierung der Stadt. Zum historischen Stadtkern gehören 1300 Einzeldenkmäler aus dem 11. bis 18. Jahrhundert. Mit seinen vier Türmen ist der Kaiserdom St. Peter und St. Georg das markanteste Bauwerk der Stadt. Der Dom beherbergt so bedeutende Zeugnisse mittelalterlicher Kunst wie den Bamberger Reiter, das Grab des Papstes Clemens II., das einzige päpstliche Grab nördlich der Alpen, und die Grabstätten Kaiser Heinrichs II. und seiner Frau, Kaiserin Kunigunde. Weitere architektonische Höhepunkte in der Altstadt sind das alte Rathaus, das im Fluss Regnitz errichtet wurde, das frühere Fischerdorf „Klein Venedig“, das barocke Böttingerhaus, die Renaissancegebäude der Alten Hofhaltung, das frühere Benediktinerkloster St. Michael und die Gärtnerstadt. Für die Bamberger Bevölkerung hat die Grünflächenbewirtschaftung seit dem Mittelalter eine bedeutende wirtschaftliche und kulturelle Rolle gespielt.

Bamberg engagiert sich in zahlreichen Netzwerken. Diese reichen vom landesweiten Arbeitskreis Bayerischer Welterbestätten bis hin zur internationalen Organisation der Welterbe-Städte (OWHC). Darüber hinaus begrüßt die Stadt Bamberg regelmäßig nationale und internationale Delegationen zum Zwecke des Erfahrungsaustausches – zuletzt beispielsweise aus Süd-Korea und dem thailändischen Welterbeaspiranten Chiang Mai. 

In der Welterbevermittlung setzt die Welterbestätte wichtige Impulse. Um Lehrkräften die Vielzahl der Möglichkeiten aufzuzeigen, mit denen Welterbe in den Unterricht aufgenommen werden kann, bietet das Zentrum Welterbe Bamberg in Kooperation mit dem Bamberger Zentrum für Lehrerbildung Fortbildungen für Lehrkräfte an. Mit den Materialsammlungen  welterbe.elementar und bamberg.elementar stellt das Zentrum Welterbe Bamberg darüber hinaus Unterrichtsmaterialen zum Welterbe, Weltdokumentenerbe und Immateriellen Kulturerbe in Bayern zu Verfügung. Ein Besucherzentrum bildet seit seiner Eröffnung 2019 den zentralen Ausgangspunkt zur Erkundung der vielen Facetten der Welterbestadt. Auf seiner Facebook- und Instagramseite informiert die Stadt über alles, was „ihr“ Welterbe betrifft. Die Welterbevermittlung ist in der Welterbekonvention von 1972 als Aufgabe aller Welterbestätten festgehalten und von großer Bedeutung, um den langfristigen Erhalt der Stätte zu sichern und Wissen über die völkerverbindende Grundidee des Welterbes zu teilen.

Mit der Gärtnerstadt ist ein Stadtviertel Teil des Welterbes, in dem seit vielen Jahrhunderten lokales Gemüse in arbeitsintensiver manueller Bewirtschaftung angebaut wird. Lokale Lieferanten und Dienstleister fördern regionale Kreisläufe und tragen mit kurzen Wegen zum Klimaschutz bei. Um den außergewöhnlichen universellen Wert der Welterbstätte authentisch zu erhalten, muss auch die Gärtnerstadt langfristig bewahrt werden. Vor diesem Hintergrund hat es sich unter anderem der Verein Bamberger Sortengarten – Grünes Erbe Bamberg zur Aufgabe gemacht, die Gartenflächen in der Gärtnerstadt in Teilen weiter mit regionalen Sorten zu bestellen. Damit tragen sie zum nachhaltigen Erhalt regionalen Erbes und zur Weitergabe der Traditionen und des Wissens bei. Der innerstädtische Erwerbsgartenbau in Bamberg ist 2016 in das Bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes eingetragen worden. Die Staatsbibliothek Bamberg beherbergt mit dem Lorscher Arzneibuch und den Reichenauer Handschriften mehrere Werke, die zum UNESCO-Weltdokumentenerbe gehören.

Perspektiven

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Patricia Alberth

Belebtes Welterbe - Welterbe-Teamer entdecken die Bamberger Altstadt

 

 

 

 

"Die noch immer lebendige Gärtnertradition gehört bei uns zum Welterbe dazu."

Patricia Alberth, Leiterin Zentrum Welterbe Bamberg

 

Extra-Ausgabe der Zeitschrift für Wissenschaft und Kunst in Bayern aviso - Welterbestätten in Bayern

Publikation

Welterbe in Deutschland. Deutschsprachige Sonderausgabe der Zeitschrift 'World Heritage', Nr. 76, des UNESCO-Welterbezentrums.
UNESCO; Deutsche UNESCO-Kommission, 2014

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