UNESCO-Welterbe Alte Buchenwälder und Buchenurwälder der Karpaten und anderer Regionen Europas

Einzigartiges Waldökosystem von enormer Diversität

Deutschland wäre ohne den Einfluss des Menschen heute zu zwei Dritteln mit Buchenwäldern bedeckt. Das Erscheinungsbild Europas ist durch seine Buchenwälder geprägt: Vor 6.500 Jahren bedeckten sie 40 Prozent des europäischen Kontinents. Es ist die Anpassungsfähigkeit der Buche, die es ihr ermöglicht hat, sich innerhalb weniger Jahrtausende nach der letzten Eiszeit aus isolierten Gebieten in den Alpen, Karpaten und Pyrenäen auszubreiten.

Illustration Welerbestätten

Ursprünglich bestand die im Jahr 2007 zum Welterbe ernannte, grenzüberschreitende Stätte aus zehn Waldgebieten in der Slowakei und der Ukraine. Im Jahr 2011 kamen fünf Buchenwaldgebiete in Deutschland hinzu, womit die Welterbestätte fortan als „Buchenurwälder der Karpaten und Alte Buchenwälder Deutschlands“ bekannt wurde. Mit dieser ersten Erweiterung empfahl das Welterbekomitee gleichzeitig, weitere außerordentliche Buchenwaldbestände in Europa zu identifizieren, um den Schutz dieses einzigartigen Waldökosystems zu gewährleisten und den Ausbreitungsprozess der Buche angemessen abzubilden. 2017 wurde die Welterbestätte um 63 Teilgebiete erweitert und umfasst nun Buchenwaldgebiete in zwölf Vertragsstaaten der UNESCO-Welterbekonvention unter dem Titel „Alte Buchenwälder und Buchenurwälder der Karpaten und anderer Regionen Europas“. 

Zusammen bilden die Teilgebiete ein außergewöhnliches Beispiel für ungestörte, komplexe Laubwälder der gemäßigten Zone und zeigen die vollständigsten und umfangreichsten ökologischen Muster und Prozesse reiner Bestände der europäischen Buche in einer Vielzahl unterschiedlicher Umweltbedingungen auf (Aufnahmekriterium ix). Sie enthalten das unschätzbare genetische Reservoir der Buche und vieler Arten, die mit diesen Waldhabitaten verbunden und von ihnen abhängig sind.

Fakten

  • Aufnahmejahr: 2007 (Erweiterungen 2011 (Aufnahme des deutschen Teils) sowie 2017)
  • Bundesland: Brandenburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen
  • Staaten: Albanien, Belgien, Bulgarien, Deutschland, Italien, Kroatien, Österreich, Rumänien, Slowakei, Slowenien, Spanien, Ukraine
  • Art der Stätte: transnational
  • Erfüllte Aufnahmekriterien:
    (ix)
  • Webseite des UNESCO-Welterbezentrums
  • Webseite der Stätte

In Deutschland gehören zu den als UNESCO-Welterbe anerkannten Teilgebieten der Grumsiner Forst in Brandenburg, der Nationalpark Kellerwald-Edersee in Hessen, der Nationalpark Jasmund auf Rügen und der Serrahner Buchenwald im Müritz-Nationalpark in Mecklenburg-Vorpommern sowie der Nationalpark Hainich in Thüringen. Der Nationalpark Jasmund zeigt Tiefland-Buchenwälder auf Kalk und Geschiebelehm. Buchenwälder, Kalkklippen und das Meer bilden eine faszinierende Kulisse. Der Buchenwald scheint an den Kalkklippen in die See zu stürzen. Das raue Küstenklima und dessen Interaktion mit der Topografie führten zu einer Vielzahl verschiedener Buchenwaldgesellschaften, die vereinzelt zwischen Strömen und Mooren liegen. Im Teilgebiet Serrahn des Müritz-Nationalparkes, gelegen inmitten einer ausgedehnten Wald- und Seenlandschaft, vermittelt der Buchenwald eine Vorstellung dessen, wie die deutschen Tiefland-Buchenwälder einst ausgesehen haben. Seen und Moore bereichern die Waldlandschaft, schaffen eine reiche Diversität der Habitate und bilden die Grundlage für eine üppige Biodiversität. Im UNESCO-Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin befindet sich der größte, noch zusammenhängende Tiefland-Buchenwald der Erde.

Das UNESCO-Welterbe-Teilgebiet Buchenwald Grumsin liegt vollständig in einer seit 1990 ausgewiesenen Kernzone des Biosphärenreservates. Wasser und Wald sind in Grumsin eng miteinander verknüpft. Im Wald gelegene Seen, Marsch- und Moorgebiete in tiefen Tälern wechseln sich mit markanten Erhebungen ab und beschwören atmosphärische Waldbilder. Im Nationalpark Hainich wachsen die wertvollsten Buchenwälder in Mittelgebirgen. Sie beeindrucken durch ihre Vielfalt an Baumarten und große Kalk-Buchenwälder, die in keinem anderen Gebiet in dieser unberührten, naturbelassenen Form gefunden werden können. Weder Straßen noch Siedlungen unterbrechen die außergewöhnlichen alten, weiten Wälder des Kellerwalds, in dem einzigartige Urwaldrelikte überdauert haben. Die Buche erreicht ihre natürliche Vegetationsgrenze an Felsen und Geröllhalden und formt dabei eine bizarre Waldlandschaft. Besucher finden hier eine große Vielfalt für Laubwälder typischer Arten wie den seltenen Uhu, Roten Milan und Schwarzstorch.

Für das künftige transnationale Management der Stätte kooperieren die zwölf an der Stätte beteiligten Staaten eng.

Mit ihren Besucherzentren ermöglichen die einzelnen Teilgebiete Einblick in das wertvolle Ökosystem der europäischen Buchenwälder mit ihrer Flora und Fauna, geführte Touren und Mitmach-Angebote vor Ort machen den Ausflug ins Welterbe zu einem besonderen Erlebnis. Auch mittels einer kostenlosen App kann man sich über die spezielle Charakteristik der fünf deutschen Teilgebiete umfassend informieren. 

Unter dem Motto „Kultur liebt Natur – Natur liebt Kultur“ kooperiert die Welterbestätte in Deutschland nachhaltig mit der Wartburg. Erklimmt der Besucher den Aussichtsturm im Hainich, so wird er nicht nur über das Naturerlebnis des Buchenwaldes informiert, sondern auch über die wechselvolle Geschichte der in Sichtweite liegenden Wartburg. Bei seinem Besuch der Wartburg wiederum wird der Gast auf den Hainich eingestimmt. Dabei sind die nachhaltige Mobilität und ein einfacher Zugang zu den touristischen Highlights genauso wichtig wie die gegenseitige Vermittlung. Der „Wunderbare Wanderbus“ sorgt für den reibungslosen Transport von einer Erbestätte zur anderen. Damit erlebt der Gast gleichermaßen Natur- und Kulturerbe. Eben in solchen Partnerschaften liegt der Kern des Welterbegedankens.

Publikation

Konferenzbericht: Perspektiven der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit im Welterbe - Ein Erfahrungsaustausch in und mit Deutschland.
Deutsche UNESCO-Kommission, 2017

Perspektiven

Natur Natur sein lassen
Manfred Großmann

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