Zwischenstaatlicher Ausschuss Immaterielles Kulturerbe

30 Neuaufnahmen in die internationalen UNESCO-Listen 2013

Der Zwischenstaatliche Ausschuss der UNESCO für die Erhaltung des Immateriellen Kulturerbes hat auf seiner Tagung im Dezember 2013 in Baku, Aserbaidschan, 25 Kulturtraditionen und Wissensformen neu in die "Repräsentative Liste des Immateriellen Kulturerbes" aufgenommen. Dazu gehören das Shrimp-Fischen in Belgien, ein Weihnachtsritual in der Republik Moldau und Rumänien sowie die türkische Kaffeekultur. Die "Liste des dringend erhaltungsbedürftigen Immateriellen Kulturerbes" verzeichnet vier Neueinträge, darunter ein Maisanbauritual aus Guatemala. Als "Gutes Praxisbeispiel" wurde ein Projekt aus Spanien anerkannt.

Repräsentative Liste des Immateriellen Kulturerbes der Menschheit

Die "Repräsentative Liste des Immateriellen Kulturerbes der Menschheit" soll die Vielfalt der lebendigen kulturellen Ausdrucksformen anhand ausgewählter Beispiele sichtbar machen. Mit den 25 Neuaufnahmen, darunter eine Erweiterung, sind in der Repräsentativen Liste nun insgesamt 281 traditionelle Kulturformen aus allen Weltregionen verzeichnet.

Algerien: Pilgerreise zum Mausoleum von Sidi Abd el-Qader Ben Mohammed (Sidi Cheikh). Ende Juni jeden Jahres unternehmen Sufi-Gemeinschaften eine dreitägige Pilgerreise zum Mausoleum von Sidi Abd el-Qader Ben Mohammed in Sidi Cheikh. Die Pilgerreise stärkt die friedlichen Beziehungen unter den Sufi-Bruderschaften. Zudem fördert sie die Werte und die gemeinsamen Praktiken der Gemeinschaften, wie beispielsweise Gastfreundschaft, säkulare Gesänge und Tänze sowie Koranrezitationen. Ergänzend zu den Gebeten und Ritualen der Pilgerreise finden Festlichkeiten mit Fechten, Reitwettbewerben und Tänzen statt.

Algerien, Mali, Niger: Imzad-Musik der Tuareg-Gemeinschaften. Die für die afrikanischen Tuareg-Gemeinschaften charakteristische Musik wird von Frauen auf dem Streichinstrument Imzad gespielt. Es wird zur melodischen Begleitung von poetischen oder populären Liedern verwendet, die zu zeremoniellen Anlässen von Tuareg-Männern gesungen werden. Der Klang der Imzad soll böse Geister vertreiben und die Schmerzen von Kranken lindern. Das musikalische Wissen wird traditionell durch mündliche Unterweisungen, Beobachten und Nachahmen überliefert.

Äthiopien: Feierlichkeiten zum Gedenken an den Fund des "Wahren Heiligen Kreuzes von Christus". Das Festival Meskel wird in ganz Äthiopien jährlich am 26. September anlässlich der Ausgrabung des Wahren Heiligen Kreuzes von Christus gefeiert. Die Feierlichkeiten konzentrieren sich auf die Verbrennung des Damera-Scheiterhaufens auf dem Meskel-Platz in Addis Abeba. Hundertausende Menschen unterschiedlicher Gemeinschaften strömen zu dem Platz, auf dem bunt gekleidete Priester Loblieder und Gebete singen und rhythmische Tänze aufführen. Meskel bringt Familien und Gemeinschaften aus dem ganzen Land zusammen und fördert spirituelles Leben durch Versöhnung, sozialen Zusammenhalt und friedliche Koexistenz.

Bangladesch: Traditionelle Kunst der Jamdani-Weberei. Jamdani ist eine zeit- und arbeitsintensive Art des Webens am Handwebstuhl, die traditionell von Handwerksmeistern rund um die Hauptstadt Dhaka praktiziert wird. Die Textilien aus reiner Baumwolle sind bekannt für ihren Reichtum an Motiven, die direkt am Webstuhl gewoben werden. Bengalische Frauen tragen Jamdani-Saris als Symbol ihrer Identität, Würde und Selbstwahrnehmung, sowohl als Alltagskleidung als auch als Festkleidung. Die traditionellen Motive und Webtechniken werden von Webmeistern an ihre Schüler und innerhalb von Familien weitergegeben.

Belgien: Krabbenfischen auf Pferden in Oostduinkerke. In Oostduinkerke fangen Garnelenfischer Krabben, indem sie auf einem Pferd sitzend ein Netz durch die Brandung ziehen. Essenziell sind dabei sehr gute Kenntnisse des Meeres und der Küsten sowie eine enge Beziehung zu dem Pferd. Die Tradition verleiht der Gemeinschaft ein starkes Gefühl kollektiver Identität und spielt eine zentrale Rolle bei sozialen und kulturellen Veranstaltungen, insbesondere beim zweitägigen Shrimps-Festival. Zwölf Haushalte mit jeweils eigenem Spezialgebiet sind als Garnelenfischer aktiv. Das Wissen wird von Generation zu Generation weitergegeben, indem erfahrene Fischer Anfängern ihre Fangtechniken zeigen.

Brasilien: Círio de Nazaré in Belém (Pará). Das Festival "Cirio de Nazaré" ist eine der weltweit größten religiösen Prozessionen. Es findet jährlich am zweiten Sonntag im Oktober in Belém statt. Viele Menschen reisen aus ganz Brasilien an, um an den Prozessionen teilzunehmen. Das Festival verbindet geistliche und weltliche Elemente mit den reichen multikulturellen Elementen der brasilianischen Gesellschaft. Kinder begleiten ihre Eltern zu den Festlichkeiten, so ist die Weitergabe des Kulturerbes gewährleistet.

China: Zhusuan – Wissen und Praxis der mathematischen Kalkulation mit dem Abakus: Zhusuan ist eine traditionelle Rechenmethode mit dem Abakus. Durch das Verschieben von Perlen entlang von Stäben können diejenigen, die die Technik beherrschen, addieren, subtrahieren, multiplizieren und dividieren, aber auch kompliziertere Berechnungen wie exponentielles Multiplizieren und Wurzelziehen durchführen. Zhusuan wird auf traditionelle Weise durch mündliche Unterweisungen und Selbststudium von Generation zu Generation weitergegeben. Anfänger können bereits recht schnell nach einer grundlegenden Einführung mithilfe des Abakus rechnen. Die Rechenmethode wird auch heute noch vielfach im Alltag eingesetzt und ist ein wichtiges Symbol der traditionellen Kultur und Identität Chinas.

Frankreich: Reliquienfeiern im Limousin. Alle sieben Jahre finden die Ostensionen in der Region Limousin statt. Es sind große Zeremonien und Prozessionen zur Verehrung der Reliquien christlicher Heiliger. Große Menschenmassen besuchen die Feierlichkeiten, um die durch die Städte getragenen Reliquien zu sehen. Die Vorbereitung der Ostensionen ist eine gemeinschaftliche, ein Jahr dauernde Arbeit, die dazu beiträgt, soziale Bindungen zu stärken. Die Feierlichkeiten spielen unter anderem eine wichtige Rolle, um zugezogene Bewohner zu integrieren und Familien oder Freunde zusammenzuführen.

Georgien: Traditioneller Weinausbau in Amphoren (Quevri). Diese traditionelle Methode des Weinausbaus hat ihren Namen von den typischen eiförmigen Tongefäßen, den Quevri, in denen Wein fermentiert und gelagert wird. Als Teil der kulturellen Identität georgischer Gemeinden spielt die Tradition eine tragende Rolle im täglichen Leben und bei Feiern. Dies spiegelt sich in einer Vielzahl mündlicher Überlieferungen und traditioneller Lieder wider, in denen Wein und Weinreben gepriesen und besungen werden. Das Wissen um dieses Erbe wird von Familien, Nachbarn, Freunden und all denjenigen, die sich an der Ernte und Weinherstellung beteiligen, weitergegeben.

Griechenland, Italien, Kroatien, Marokko, Portugal, Spanien, Zypern: Mediterrane Esskultur (Erweiterung des bestehenden Eintrags). Die mediterrane Esskultur steht in Verbindung mit einer Reihe von Fertigkeiten, Ritualen, Symbolen und Traditionen rund um Saat, Ernte, Fischerei, Tierhaltung, Konservierung, Verarbeitung, Zubereitung und insbesondere des Teilens von Essen. Gemeinsames Essen ist eine Grundlage der kulturellen Identität und der Kontinuität von Gesellschaften im gesamten Mittelmeerraum. Die mediterrane Esskultur betont die Werte der Gastfreundschaft, des gutnachbarschaftlichen Verhaltens, interkulturellen Dialogs und Kreativität. Sie spielt eine entscheidende Rolle bei Feiern und an Festtagen, indem sie Menschen jedes Alters und unterschiedlicher sozialer Schichten zusammenbringt.

Indien: Sankirtana – rituelles Singen, Trommeln und Tanzen in Manipur. Das Sankirtana-Ritual wird anlässlich religiöser Feiern und dem Beginn verschiedener Lebensphasen der Vaishnavas, Angehörige der hinduistischen Glaubensrichtung Vishnuismus, ausgeübt. Es umfasst eine große Zahl an Kunst- und Aufführungsformen: Trommler und singende Tänzer inszenieren das Leben und die Taten der Gottheit Krishna mit hingebungsvollen Liedern, die häufig eine ekstatische Reaktion der Anhänger hervorrufen. Sankirtana stärkt die Gemeinschaft, da sich alle Mitglieder als Mitwirkende oder Zuschauer an der Ausübung des Rituals beteiligen und dafür zusammenkommen. Das spezifische Wissen und die Fertigkeiten werden traditionell von Mentoren an Schüler weitergegeben.

Italien: Prozessionen mit Schulter-Turmschreinen. Katholische Prozessionen, bei denen hohe Turmkonstruktionen von Männern auf ihren Schultern durch die Stadt getragen werden, finden in ganz Italien anlässlich unterschiedlicher kommunaler Feiern statt, insbesondere in den Städten Nola, Palmi, Sassari und Viterbo. Die Prozessionen werden von Musikern und Sängern begleitet. Handwerker stellen die Türme, Kleidung und weitere zeremonielle Gegenstände her. Die Türme werden jedes Jahr auf der Grundlage von traditionell weitergegebenen Techniken neu gebaut.

Japan: Washoku – traditionelle Nahrungskultur, insbesondere zur Feier des Neujahrsfestes: Washoku ist ein umfassendes Set von Fähigkeiten, Wissen und Traditionen im Zusammenhang mit der Zubereitung und dem Verzehr von Nahrungsmitteln und betont besonders die Achtung natürlicher Ressourcen. In der Regel wird Washoku am japanischen Neujahrsfest praktiziert. Es drückt sich in Form von speziellen Mahlzeiten und kunstvoll dekorierten Gerichten aus frischen Zutaten aus, von denen jede eine eigene symbolische Bedeutung hat. Das Washoku wird gemeinsam in der Familie oder innerhalb der Gemeinde geteilt. Die grundlegenden Kenntnisse und Fertigkeiten, die mit Washoku verbunden sind, werden während gemeinsamer Mahlzeiten innerhalb der Familie weitergegeben.

Kirgisistan: Epos-Trilogie: Manas, Semetey, Seytek. Die Epos-Trilogie Manas, Semetey und Seytek drückt das historische Gedächtnis der Kirgisen aus. Sie verdankt ihr Überleben einer Gemeinschaft von Geschichtenerzählern, die die Epen bei Dorfereignissen, landesweiten Feierlichkeiten und an Nationalfeiertagen darbieten. Die Aufführungen der Epos-Trilogie zeichnen sich durch spezielle Erzählweisen, Rhythmen, Klänge und Gestiken aus. Die Trilogie vermittelt jungen Menschen ein Verständnis ihrer eigenen Geschichte und Kultur, der natürlichen Umwelt und der Völker der Welt. Zudem stiftet sie ein Identitätsgefühl und fördert Toleranz und Multikulturalismus.

Republik Korea (Südkorea): Kimjang – gemeinschaftliche Herstellung von Kimchi. Kimchi ist der Name für einen unverzichtbaren Teil koreanischer Mahlzeiten: Gemüse, das mit Gewürzen und Meerestieren eingemacht und fermentiert wird. Die Jahreszeit für Kimjang, der Herstellung von Kimchi, ist der Spätherbst. In den Gemeinden werden gemeinsam große Mengen Kimchi eingemacht und untereinander aufgeteilt, damit jeder Haushalt ausreichend Kimchi für den Winter hat. Der Brauch betont die Bedeutung des Teilens und erinnert an die Notwendigkeit, in Einklang mit der Natur zu leben. Der kollektive Herstellungsprozess Kimjang bestärkt die Identität der Koreaner und dient auch der Festigung des Familienzusammenhalts.

Ehemalige jugoslawische Republik Mazedonien: Fest der Heiligen vierzig Märtyrer in Stip: Das Fest der Heiligen vierzig Märtyrer wird jedes Jahr am 22. März gefeiert, um die Märtyrer von Sebaste zu ehren und den Beginn des Frühlings zu markieren. Großeltern, Eltern und Kinder steigen zusammen auf den Isar-Hügel und machen Halt an der Kirche, um den Märtyrern Ehre zu bezeugen. Das Fest erfordert die selbstlose Mitarbeit vieler Menschen aller Altersgruppen und sozialer Schichten und verbindet auch Menschen aus verschiedenen ethnischen Gruppen und Religionen.

Republik Moldau, Rumänien: Colindat-Ritual. Am Weihnachtsabend ziehen in Dörfern in Rumänien und der Republik Moldau Gruppen von jungen Männern von Haus zu Haus und singen festliche Lieder. Die Inhalte werden jeweils auf die persönlichen Umstände des Gastgebers angepasst. Die Männer singen auch für unverheiratete Mädchen. Nach den Aufführungen überreichen die Gastgeber den Sängern Geschenke und Geld. Colindat spielt eine wichtige Rolle zur Erhaltung der sozialen Identität und für den Zusammenhalt der Gemeinschaften.

Mongolei: Traditionelle Baukunst der Gers. Mongolische Gers sind runde Zeltbauten, die aus Pfählen, Seilen, Planen und Filz hergestellt werden. Die Zeltbauten können flexibel gefaltet und eingepackt werden und überstehen den häufigen Auf- und Abbau. Für Nomaden eignet sich das Ger durch sein leichtes Gewicht ideal für den Transport. Die Herstellung des Gers ist eine gemeinschaftliche Aufgabe, bei der Männer das Holz schnitzen und Frauen die Planen nähen und den Filz herstellen. Gemeinsam werden die Zelte kunstfertig gestaltet und bemalt.

Peru: Wissen, Fertigkeiten und Rituale um den jährlichen Wiederaufbau der Brücke von Qeswachaka. Die Hängeseilbrücke Qeswachaka führt über eine Schlucht des Apurimac-Flusses in den südlichen Anden. Vier Quechua sprechende bäuerliche Gemeinschaften kommen jährlich zusammen, um die Brücke mit seit Inka-Zeiten überlieferten traditionellen Techniken und Materialien zu erneuern. Während des dreitägigen Prozesses wird Stroh mehrlagig zu dicken Seilen geflochten, die zusammengewoben werden und die Brücke bilden. Der Brauch strukturiert das Leben der teilnehmenden Gemeinschaften, stärkt die jahrhundertealten Beziehungen untereinander und bestätigt jährlich aufs Neue ihre kulturelle Identität. Nach der Fertigstellung der Brücke halten die Gemeinschaften ein Fest ab.

Senegal: Xooy, Wahrsagungszeremonie der Serer. Xooy ist eine Wahrsagungszeremonie der Serer-Gemeinschaft, die traditionell vor Beginn der Regenzeit stattfindet. Während der langen nächtlichen Zusammenkunft treten berufene Seher, die sogenannten Saltigue, in einen Kreis und treffen vor dem faszinierten Publikum Vorhersagen. Die Kombination aus bunter Kleidung, Liedern und Tänzen erzeugt die Atmosphäre einer farbenfrohen und zugleich dramatischen Zeremonie, bei der die Seher das Publikum bis zum Morgengrauen in Atem halten. Die Saltigues bewahren den Xooy-Brauch und vermitteln das Wissen, das der Zeremonie zugrunde liegt.

Slowakei: Musik von Terchová. Das Dorf Terchová im Nordwesten der Slowakei ist für seine kollektive Gesangs- und Instrumentalmusik bekannt. Drei-, vier- oder fünfköpfigen Streicherensembles spielen zusammen mit einem kleinen zweisaitigen Bass oder diatonischen Ziehharmonikas. Die Instrumentalgruppe wird von mehrstimmigem Gesang und Volkstänzen begleitet. Die Aufführungen finden bei Jubiläen, Geburtstagen und Festivals statt. Die traditionelle Musikkultur wird mündlich weitergegeben und drückt Stolz und Identität der Bewohner von Terchová und der umliegenden Gebiete aus.

Türkei: Kaffeekultur. Die türkische Kaffeetradition umfasst zum einen spezielle Zubereitungstechniken und ist zum anderen ein Ausdruck von Gemeinschaftlichkeit. Kaffee wird in der Türkei hauptsächlich in Kaffeehäusern getrunken, wo sich die Menschen treffen, um sich zu unterhalten, Neuigkeiten auszutauschen und Bücher zu lesen. Die Tradition ist ein Symbol für Gastlichkeit, Freundschaft wie auch Eleganz und strahlt auf alle Lebensbereiche aus. Die türkische Kaffeekultur spielt eine wichtige Rolle bei gesellschaftlichen Anlässen wie Verlobungen, Zeremonien und Feiertagen.

Ukraine: Petrykivka-Malerei. Die Bewohner des Dorfes Petrykivka schmücken ihre Wohnräume, ihren Hausrat und Musikinstrumente mit Malereien, die sich durch einen reichen symbolischen Stil mit herrlichen Blumen und anderen natürlichen Elementen auszeichnen. Im Volksglauben bieten die Gemälde den Menschen Schutz vor Leid und dem Bösen. Die Petrykivka-Malerei ist integraler Bestandteil des täglichen Lebens der Gemeinde, in jeder Familie gibt es mindestens einen Träger der Tradition und sie wird auch in den lokalen Schulen gelehrt.

Venezuela: die "Parranda" des Heiligen Petrus in Guarenas und Guatire. In den Städten Guarenas und Baruta feiern Anhänger den Tag des Heiligen Petrus mit einer Reihe von Volksfesten und Ritualen. Heiligenbilder werden, begleitet von Musikern, Tänzern und Troubadouren, durch die Straßen getragen. Die Geschichte der Heilung der Tochter einer Sklavin durch den Heiligen Petrus wird nachgespielt. Frauen schmücken die Kirchen und Bilder des Heiligen und kochen traditionelle Gerichte. Erwachsene und Kinder der Gemeinden begehen die Tradition, die den Kampf gegen Ungerechtigkeit und Ungleichheit symbolisiert und bekräftigt, gemeinsam.

Vietnam: Đờn ca tài tử-Musik. Đờn ca tài tử wird auf Festivals, bei Ritualen aus Anlass von Todestagen und bei Feiern aufgeführt. Die Musik reflektiert das Leben und Arbeiten auf dem Land und entlang der Flüsse in Südvietnam. Instrumentalisten und Sänger drücken ihre Gefühle durch Improvisation, Verzieren und Variieren der Grundmelodie und der typischen rhythmischen Muster aus. Đờn ca tài tử wird durch mündliche Weitergabe vom Meister an seine Schüler vermittelt.

Gefährdetes Immaterielles Kulturerbe

Dringend erhaltungsbedürftiges Immaterielles Kulturerbe: Vier Kulturpraktiken, für deren Erhaltung besondere Erhaltungsmaßnahmen erforderlich sind, wurden neu in die "Liste des dringend erhaltungsbedürftigen Immateriellen Kulturerbes" aufgenommen:

Aserbaidschan: Chovkan – traditioneller Reitsport auf Karabakh-Pferden. Chovkan ist ein traditioneller Reitsport, der als Vorläufer des Polosports gilt. Das Spiel wird auf einem Rasenplatz zwischen zwei gegnerischen Mannschaften, bestehend aus jeweils fünf Reitern auf Karabakh-Pferden, ausgetragen. Die Spieler verwenden Holzschläger, um einen kleinen ledernen oder hölzernen Ball in das gegnerische Tor zu befördern. Das Spiel wird von der instrumentalen Volksmusik "Janghi" begleitet. Chovkan hat seine Wurzeln in der nomadischen Kultur. Die Ausübung und Weitergabe von Chovkan ist durch sozio-ökonomische Faktoren geschwächt worden. Daher gibt es heute nur noch wenige Spieler, Trainer und Karabakh-Pferde.

Guatemala: Paach-Zeremonie. Die Paach-Zeremonie ist ein Erntedankfest, das auf Traditionen der Maya zurückgeht. Sie ist ein in San Pedro Sacatepéquez zelebriertes Ritual zum Dank für eine gute Maisernte. Das Ritual beschreibt das Wachstum und die Ernte von Mais und umfasst Tänze, Gebete in der Mam-Sprache und ein gemeinsames Mahl. Während der Zeremonie bekleiden ältere Männer und Frauen Maiskolben wie Puppen. Sie koordinieren die Vorbereitung und die Verteilung des Essens und führen zeremonielle Tänze zu Marimba-Musik auf. In den letzten Jahren leidet die Paach-Zeremonie darunter, dass sie kaum an jüngere Generationen weitergegeben wurde. Darum gibt es nur wenige junge Menschen, die an dem Ritual teilnehmen.

Mongolei: Mongolische Kalligraphie. Die mongolische Kalligraphie ist eine besondere Schreibtechnik der klassischen mongolischen Schrift. Die mongolische Schrift besteht aus neunzig Buchstaben, die zur Bildung von Wörtern vertikal mit einen durchgehenden Strich verbunden werden. Nach Jahrzehnten der Unterdrückung erlebte die mongolische Kalligraphie seit der Demokratisierung des Landes in den 1990er-Jahren eine Wiedergeburt. Traditionell wählen Lehrmeister die besten Schüler aus und bilden sie über den Zeitraum von fünf bis acht Jahren zu Kalligraphen aus. Derzeit gibt es jedoch nur drei Gelehrte mittleren Alters, die eine kleine Gemeinschaft von nur knapp zwanzig jungen Kalligraphen ehrenamtlich ausbilden.

Uganda: Empaako-Tradition der Batooro, Banyoro, Batuku, Batagwenda und Banyabindi. Nach dem Empaako-System erhalten Kinder der fünf Gemeinschaften während einer Zeremonie zusätzlich zu ihrem Vor- und Familiennamen einen weiteren Namen – einen von zwölf festen Namen, der ihnen vom Clanältesten verliehen wird. Wenn die Person später bei diesem Namen angesprochen wird, ist dies eine Bestätigung der sozialen Identität und Ausdruck von Einheit, Zuneigung, Respekt und Ehre. Auch Spannungen können dadurch entschärft werden. Die Weitergabe der Empaako-Tradition ist durch einen Rückgang der Wertschätzung traditioneller Kultur in der Region dramatisch gesunken.

Register Guter Praxisbeispiele

Ein Projekt, das modellhaft die Grundsätze und Ziele des Übereinkommens zur Erhaltung des Immateriellen Kulturerbes widerspiegelt, wurde neu in das "Register Guter Praxisbeispiele" aufgenommen:

Spanien: Methodik zur Inventarisierung von immateriellem Kulturerbe in Biosphärenreservaten – Erfahrungen aus dem UNESCO-Biosphärenreservat Montseny. Das UNESCO-Zentrum Katalonien, eine Nichtregierungsorganisation, hat ein Projekt zur Identifizierung und Bestandsaufnahme des immateriellen Kulturerbes im Biosphärenreservat Montseny initiiert. Ziel des Programms ist es, die regionalen Traditionen, Wissensformen und Kulturpraktiken zu identifizieren, zusammenzutragen und zu erhalten. Im Rahmen des Projekts wurde intensiv mit lokalen Akteuren und Institutionen zusammengearbeitet und eine partizipative Methodik entwickelt: Die Bevölkerung wird bei der Identifizierung, Dokumentation und Erforschung des immateriellen Kulturerbes vorbildlich einbezogen. Die Methodik eignet sich zur Nachahmung und Anwendung in verschiedenen Kontexten auch in anderen Ländern.

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