Bundesweites Verzeichnis Immaterielles Kulturerbe

Passionsspiele Oberammergau

Bei den Passionsspielen stellt ein ganzes Dorf die letzten fünf Tage im Leben Jesu in einer mehrstündigen Aufführung dar. Die Passionsspiele sind geprägt von der Leidenschaft der Oberammergauer Bürgerinnen und Bürger, die im Rhythmus der Dekaden die Passionsspiele auf die Bühne bringen und danach ihr Leben einteilen.

Illustration Immaterielles Kulturerbe

Fakten

  • Aufnahmejahr: 2014
  • Verbreitung: Oberammergau (Bayern)
  • Zentraler Termin: alle 10 Jahre (nächste Aufführungen: 16. Mai bis 4. Oktober 2020)
  • Bereich: Darstellende Künste

Kontakt

Stadt Oberammergau
Bürgermeister Arno Nunn 
nunn@gemeinde-oberammergau.de
www.passionsspiele-oberammergau.de

1633, zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges, als in Oberammergau bereits 80 Menschen an der Pest verstorben waren, gelobten die Dorfbewohner, alle zehn Jahre Passionsspiele aufzuführen. Fortan starb niemand mehr an der Seuche. Ihrem Schwur sind die Oberammergauer seit 1634 inzwischen beinahe 400 Jahre lang treu geblieben. Vor allem im Laufe des 19. Jahrhunderts wurden die Passionsspiele zu einem gesellschaftlichen Ereignis mit Bedeutung über Bayern hinaus: König Maximilian II., König Ludwig II. und zahlreiche andere gekrönte Häupter Europas sowie berühmte Persönlichkeiten, u.a. Richard Wagner, der Chemiker Max von Pettenkofer und der amerikanische Automobilproduzent Henry Ford, ließen es sich nicht nehmen, Oberammergau zu besuchen. Bei der Passion 2010 waren über 500.000 Zuschauer aus aller Welt zu Gast.

Nur Bürgerinnen und Bürger, die in Oberammergau geboren sind oder seit mehr als 20 Jahren in Oberammergau leben, dürfen teilnehmen. Alle Mitwirkenden, von den Schauspielern, über den Chor und das Orchester, bis hin zu den Platzeinweisern im Theater, sind Einheimische. In Oberammergau, einem Dorf von hervorragenden Schnitzer und Handwerkern, spielt die technische und handwerkliche Ausgestaltung einer großen Theateraufführung eine wichtige Rolle. In Gemeinschaftsleistung der Werkstätten entstehen annähernd 2000 Kostüme und 24 Szenenbilder. Schreiner, Bildhauer, Maler und Schneiderinnen arbeiten über ein Jahr vor der Premiere an der Umsetzung. 2010 beteiligten sich insgesamt 2.500 Personen, also die Hälfte der Bevölkerung Oberammergaus, an der Umsetzung.

Vor allem im Laufe des 19. Jahrhunderts wurden die Passionsspiele zu einem gesellschaftlichen Ereignis mit Bedeutung über Bayern hinaus: König Maximilian II., König Ludwig II. und zahlreiche andere gekrönte Häupter Europas sowie berühmte Persönlichkeiten, u.a. Richard Wagner, der Chemiker Max von Pettenkofer und der amerikanische Automobilproduzent Henry Ford, ließen es sich nicht nehmen, Oberammergau zu besuchen. Bei der Passion 2010 waren über 500.000 Zuschauer aus aller Welt zu Gast.

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, während der zwei Weltkriege, erlebten die Spiele die dunkelste Zeit ihrer Geschichte. Der Nationalsozialismus nutzte die Bekanntheit der Spiele zu Propagandazwecken. . In den letzten Jahrzehnten wurde geschichtsbewusst daran gearbeitet, Antijudaismen aus dem Spiel herauszunehmen, was durch grundlegende Textänderungen gelang. In einem modernen Mysterienspiel um das Leiden, das Sterben und die Auferstehung Jesu Christi erlebt man nun Jesus als Menschen und sein Handeln als notwendige Folge der historischen Geschehnisse.

Publikation

Wissen. Können. Weitergeben.
Deutsche UNESCO-Kommission, 2017

Perspektiven

"Oberammergau ist total geprägt von den Passionsspielen."

Die Auseinandersetzung mit dem großen Thema und die Erarbeitung der künstlerischen Mittel, bestimmt das Leben der Oberammergauer auch zwischen den Passionsjahren. Kinder und Jugendliche wachsen in dieses Umfeld hinein und werden umfassend musisch gefördert. Durch die stetige Arbeit an Text, Bühne, Ausstattung, Musik und schauspielerischer Darstellung bleibt die Tradition über die Jahrhunderte hinweg lebendig. Zu den Kennzeichen der Passionsspiele gehört die Verbindung von Traditionstreue und Offenheit für die Gegenwart, die nur ermöglicht wird durch den Dialog der Generationen, Glaubensrichtungen, Vertretern der Orthodoxie und Moderne etc. Durch die unzähligen historischen Fragestellungen zur Passion Jesu kam es in Oberammergau auch zu einem intensiven, bereichernden Gespräch mit Vertretern des Judentums. Aus den Oberammergauer Passionsspielen ist so ein völkerverbindendes Ereignis geworden.

Kulturtalente

Kulturtalente in ganz Deutschland prägen und gestalten das Immaterielle Kulturerbe. Sie erhalten kulturelle Traditionen durch Anwendung und Weitergabe ihres Wissens und Könnens. Die Deutsche UNESCO-Kommission stellte von Juli 2016 bis Juli 2017 zwölf Kulturtalente vor und zeigt, wie sie das Immaterielle Kulturerbe hierzulande kreativ weiterentwickeln. Frederik Mayet ist das Kulturtalent des Monats September 2016.

Zur Übersicht aller Kulturtalente

weitere Artikel

Historisches Festspiel „Der Meistertrunk“ zu Rothenburg ob der Tauber
Historisches Festspiel „Der Meistertrunk“ zu Rothenburg ob der Tauber

Bundesweites Verzeichnis Immaterielles Kulturerbe

Historisches Festspiel „Der Meistertrunk“ zu Rothenburg ob der Tauber

In Rothenburg ob der Tauber wird alljährlich zu den Pfingstfeiertagen an ein zentrales Ereignis der Stadtgeschichte im Jahr 1631 erinnert. Damals, während des Dreißigjährigen Krieges, konnte die Belagerung der Stadt nur durch eine Mutprobe abgewendet werden. Das historische Festspiel „Der Meistertrunk“ erzählt diese Geschichte. Es wird durch über 100 Laiendarsteller zwölfmal im Jahr aufgeführt.
weiterlesen
Kulturtalente prägen, gestalten und erhalten
Postkarte Kulturtalente

Immaterielles Kulturerbe

Kulturtalente prägen, gestalten und erhalten

Kulturtalente in ganz Deutschland prägen, gestalten und erhalten Immaterielles Kulturerbe durch Anwendung und Weitergabe ihres Wissens und Könnens. Die Deutsche UNESCO-Kommission stellt zwölf Kulturtalente vor, die persönliche Einblicke geben, wie sie Immaterielles Kulturerbe tagtäglich leben, kreativ weiterentwickeln und an nachfolgende Generationen weitergeben.
weiterlesen