Bundesweites Verzeichnis Immaterielles Kulturerbe

Spergauer Lichtmeß

Die Spergauer Lichtmeß wird jedes Jahr Anfang Februar in Spergau, einem Ortsteil der Stadt Leuna im Saalekreis in Sachsen-Anhalt, gefeiert. Zum Lichtmeßtag ist das ganze Dorf auf den Beinen.

Illustration Immaterielles Kulturerbe

Fakten

  • Aufnahmejahr: 2018
  • Verbreitung: Spergau (Sachsen-Anhalt)
  • Zentraler Termin: Anfang Februar
  • Bereich: Gesellschaftliche Bräuche, Rituale und Feste

Die Spergauer Lichtmeß wird jedes Jahr am ersten Sonntag, der auf oder nach den 2. Februar fällt, in Spergau, einem Ortsteil der Stadt Leuna im Saalekreis in Sachsen-Anhalt, gefeiert. Zum Lichtmeßtag ist das ganze Dorf auf den Beinen. Für jeden Spergauer ist es selbstverständlich, seinen Hof an diesem Tage zu öffnen. Verwandte und ehemalige Spergauer reisen an diesem Tag aus allen Himmelsrichtungen an. Lichtmeß heißt in Spergau Winteraustreibung. Der erste Hinweis auf diesen Spergauer Brauch findet sich in der handschriftlichen Ortschronik des Jahres 1688.

Die Spergauer Lichtmeß ist im Kern ein Junggesellenbrauch, nur unverheiratete junge Männer gehören der Lichtmeßgesellschaft mit zirka 60 Teilnehmern an. Sie organisiert als ausführendes Gremium die Lichtmeß. Die Rollen in der Gesellschaft und beim Heischebrauch nennen sich wie folgt: Eierfrauen (die jüngsten Teilnehmer mit 14 Jahren), Pritscher, Schwarzmacher, Soldaten, Karre, Wurststangenträger, Sänger, Bärenführer, Guckekastenmann, Handelsleute, der Registrator, der Läufer (oder Bändermann genannt) und die Küchenburschen. Die Küchenburschen sind die ältesten Teilnehmer. Sie sind für den Ablauf der Lichtmeß verantwortlich. Sie haben sechs Küchenmädchen an ihrer Seite, die aber nicht der Lichtmeßgesellschaft angehören. Sie müssen ebenfalls unverheiratet sein. Man wird erst Küchenmädchen, wenn ein oder mehrere junge Frauen bei der Lichtmeß nicht mehr teilnehmen wollen. Des Weiteren gibt es den Bär (der aus dem Winterschlaf erwacht ist), die Pferde, die die Karre ziehen und den Milchkannenträger. Diese Positionen werden nicht von Teilnehmern der Lichtmeßgesellschaft besetzt. Sie werden frei bestimmt und können auch von schon verheirateten Männern wahrgenommen werden. Wichtig für den Erhalt der Tradition ist die Weitergabe des umfangreichen Wissens, sei es zur Figur oder zum gesamten Ablauf des Festes. Dies geschieht durch die Übernahme der entsprechenden Funktion vom Vorgänger. Hier wird nicht nur das Kostüm übergeben, sondern es werden auch die Besonderheiten der Figur weitervermittelt.

Bereits im September des Vorjahres treffen sich die Küchenburschen und stimmen die Termine ab. Im Dezember findet dann die erste Lichtmeßversammlung mit allen Teilnehmern statt. Hier werden die Figuren festgelegt. Dabei werden Aufgaben, Abläufe und Termine bekanntgegeben. Die Figuren werden durch das Alter des Lichtmeßteilnehmers festgelegt. Hört ein Älterer auf, steigt der Jüngere eine Position auf. Ist der Lichtmeßtag dann gekommen, beginnt um 6.45 Uhr vor dem "Gasthof zur Linde" der Lichtmeßumzug. Hier wird ein Feuer gezündet und symbolisch verbrannt, was im neuen Jahr nicht mehr gebraucht wird. Als Pferde verkleidete Männer jagen mit einem alten Pflug durchs Feuer. Das soll die Pflugscharen für die mit dem Frühjahr beginnende Feldarbeit stählen. Der Registrator hebt sein Namensverzeichnis und die ganze Lichtmeßgesellschaft beginnt mit dem Heischegang, indem sie von Haus zu Haus zieht und Gaben eintreibt, ein Ständchen singt und den Bär tanzen lässt. Der Heischegang endet am Abend am Bäckerplatz. Von dort geht es froh gelaunt zurück zur „Linde“, wo der Lichtmeßtag mit Musik ausklingt.

Um die Erhaltung des Brauches zu wahren, wurde im Jahre 1986 eine „kleine“ Lichtmeß wieder ins Leben gerufen, die es laut Überlieferung schon vor dem Ersten Weltkrieg gegeben haben soll. Bei der kleinen Lichtmeß, die eine Woche vor der eigentlichen Veranstaltung stattfindet, wird von den Kindern der Ortschaft Spergau, die an der „großen“ Lichtmeß wegen ihres Alters noch nicht offiziell mitmachen dürfen, das Brauchgeschehen mit all seinen Höhepunkten nachgestellt.

Publikation

Wissen. Können. Weitergeben.
Deutsche UNESCO-Kommission, 2017

weitere Artikel

Heiligenstädter Palmsonntagsprozession
Heiligenstädter Palmsonntagsprozession

Bundesweites Verzeichnis Immaterielles Kulturerbe

Heiligenstädter Palmsonntagsprozession

Die Heiligenstädter Palmsonntagsprozession ist ein religiöser Umzug, der alljährlich am Sonntag vor Ostern stattfindet und sich nach einer überlieferten Ordnung durch die Straßen von Heiligenstadt bewegt. Bei der Prozession werden sechs überlebensgroße Figuren mitgeführt, die an den Leidensweg von Jesus Christus erinnern.
weiterlesen
Der "Pfingsttanz" als Basis der kommunalen Entwicklung in der Verbandsgemeinde Mansfelder Grund-Helbra
Pfingsttanz

Register Guter Praxisbeispiele

Der "Pfingsttanz" als Basis der kommunalen Entwicklung in der Verbandsgemeinde Mansfelder Grund-Helbra

Pfingstvereine gibt es zahlreich, aber jene in den Dörfern Ahlsdorf, Blankenheim, Hergisdorf und Kreisfeld in der Verbandsgemeinde Mansfelder Grund-Helbra zeigen modellhaft, wie ein gemeinsamer Brauch zu intensiver Zusammenarbeit auf kommunaler und kultureller Ebene führen kann.
weiterlesen