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Stellungnahme der UNESCO-Generaldirektorin zu Jerusalem

Am 18. Oktober 2016 hat der UNESCO-Exekutivrat die Resolution 200 EX/25 „Occupied Palestine“ verabschiedet. Deutschland hat die Resolution nicht unterstützt und mit „Nein“ abgestimmt.

Die UNESCO-Generaldirektorin Irina Bokova veröffentlichte folgende Stellungnahme:

Stellungnahme der UNESCO-Generaldirektorin zur UNESCO-Welterbestätte Altstadt und Stadtmauern von Jerusalem

“Wie ich in der Vergangenheit wiederholt und jüngst während der 40. Sitzung des UNESCO-Welterbekomitees betont habe, ist Jerusalem die Heilige Stadt der drei monotheistischen Religionen – des Judentums, des Christentums und des Islams. Angesichts dieser außergewöhnlichen Vielfalt und der kulturellen und religiösen Koexistenz wurde die Stätte in die UNESCO-Welterbeliste eingeschrieben.

Das Erbe Jerusalems ist unteilbar. Jede Gemeinschaft hat ein Recht auf die explizite Anerkennung ihrer Historie und ihrer Verbindung zur Stadt. Das Bestreiten, Verbergen oder Negieren von jüdischen, christlichen und muslimischen Traditionen untergräbt die Integrität der Stätte und wiederspricht den Gründen für ihre Aufnahme in die UNESCO-Welterbeliste. 

Nirgendwo mehr als in Jerusalem teilen jüdisches, christliches und muslimisches Erbe und Traditionen einen gemeinsamen Raum. Sie sind so sehr miteinander verwoben, dass sie sich wechselseitig stützen. Diese kulturellen und spirituellen Traditionen bauen auf Texten und Verweisen auf, die uns allen bekannt sind. Sie sind ein intrinsischer Teil der Identitäten und der Geschichte der Menschen. In der Thora ist Jerusalem die Hauptstadt von König David, in der Salomon den Tempel erbaut und die Bundeslade hinterlegt hat. In der Bibel ist Jerusalem die Stadt des Leidenswegs und der Auferstehung Jesu Christi. Im Koran ist Jerusalem die drittheiligste Stätte des Islams, an der Mohammed von seiner nächtlichen Reise von der Al Haram Moschee (Mekka) in Al Aqsa ankommt.

Im Mikrokosmos der spirituellen Vielfalt der Menschheit verehren verschiedene Völker dieselben Orte, zuweilen unter anderen Namen. Die Anerkennung, Nutzung und der Respekt für diese unterschiedlichen Namen ist von höchster Bedeutung. Die Al Aqsa Moschee / Al Haram al-Sharif, das Heiligtum der Muslime, ist gleichzeitig der Har HaBayit – oder Tempelberg – dessen westliche Mauer das höchste Heiligtum des Judentums ist, nur einige Schritte entfernt von der von Christen verehrten Grabeskirche und dem Ölberg.

Der außergewöhnliche universelle Wert der Stadt und der Grund, warum sie in die UNESCO-Welterbeliste eingeschrieben wurde, liegen in der Synthese, die ein Aufruf zu Dialog, nicht zur Konfrontation ist. Wir haben eine kollektive Verantwortung, diese kulturelle und religiöse Koexistenz durch Taten ebenso wie durch Worte zu stärken. Diese Aufgabe ist dringlicher denn je, um die Differenzen, die den multireligiösen Charakter der Altstadt schwächen, zu überwinden.

Wenn diese Differenzen in die UNESCO – eine Organisation, die sich dem Dialog und dem Frieden verpflichtet hat  – hineingetragen werden, behindern sie uns bei der Erfüllung unserer Aufgaben. Es liegt in der Verantwortung der UNESCO, einen Geist der Toleranz und des Respekts für die Historie zu fördern. Das ist meine tägliche Aufgabe als Generaldirektorin, gemeinsam mit allen Mitgliedstaaten. Dazu verpflichte ich mich unter allen Umständen, denn das ist unsere „raison d’être“, der Grund, warum es die UNESCO gibt:  uns daran zu erinnern, dass wir eine Menschheit sind und dass Toleranz der einzige Weg in einer vielfältigen Welt ist.“

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