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Juni 2012

40 Jahre Bilderbuch der Menschheit

Rund 500 Gäste bei Welterbe-Festakt im Theater Stralsund

Von Farid Gardizi

Seit zehn Jahren gehören die beiden Hansestädte Wismar und Stralsund zum UNESCO-Welterbe. Die Voraussetzung dafür wurde vor genau 40 Jahren mit der Welterbekonvention geschaffen. Die Deutsche UNESCO-Kommission erinnerte im Rahmen ihrer 72. Hauptversammlung an die Erfolgsgeschichte. Zum Festakt in das Theater von Stralsund waren am 21. Juni rund 500 Gäste aus Politik, Wissenschaft, Bildung und Kultur gekommen.

UNESCO-Welterbe Stralsund
© Hansestadt Stralsund

Die Idee war seinerzeit einzigartig: Es gibt Kulturdenkmäler, deren Bedeutung so außergewöhnlich ist, dass sie ideell nicht alleine dem Staat "gehören", auf dessen Territorium sie sich befinden. Seit 1972 schützt die UNESCO das Kultur- und Naturerbe der Menschheit, 190 Staaten haben die Welterbekonvention bis heute unterzeichnet. Sie gilt als die effektivste völkerrechtliche Vereinbarung der jüngeren Geschichte. "Es ist gelungen, den kulturellen Schatz quer durch die Jahrhunderte und Gesellschaften zu bewahren, in die Gegenwart zu holen und zu einem 'Lernort der Jugend' zu machen", sagte der Präsident der Deutschen UNESCO-Kommission Walter Hirche zur Eröffnung des Festakts im Theater von Stralsund. "Das ist auch eine Referenz an die Pflege des Hansegeistes, den wir hier in Stralsund erleben."

Das Fremde gehört zum Eigenen

An die Erfolgsgeschichte der Welterbekonvention erinnerte auch die sächsische Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst Sabine von Schorlemer in ihrer Festrede. Weltweit verstünden die Menschen heute die großartige Idee und betrachteten das kulturell Fremde als etwas Eigenes. "War Kultur in der Menschheitsgeschichte immer auch ein Vehikel der Überbietung und Infragestellung, so entwindet die Welterbekonvention das Bedeutendste an den kulturellen Errungenschaften der nationalen Klammer und öffnet es prinzipiell allen Menschen", sagte von Schorlemer.

Prof. Dr. Dr. Sabine von Schorlemer, Sächsische Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst
© DUK

Die Welterbekonvention habe sich in den 40 Jahren ihres Bestehens immer wieder als ein anpassungsfähiges Instrument erwiesen. Die Einführung der Kategorie Kulturlandschaft sei 1992 "ein weiterer Meilenstein in der Entwicklung des Welterbegedankens" gewesen, so von Schorlemer. Damit habe die UNESCO nicht nur die enge Verflechtung von Natur und Mensch berücksichtigt, sondern auch den Gedanken einer nachhaltigen Entwicklung. Besonders erfreulich sei, dass man die Bedeutung der indigenen Bevölkerung für den Schutz von Kultur- und Naturerbe anerkenne.

Zugleich stellte von Schorlemer fest, dass sich mit dem über die Jahrzehnte gewachsenen Prestige der Welterbeliste auch die Versuche der politischen Einflussnahme verstärkt hätten. "Es sollte aber im deutschen Interesse sein, dass wir uns mit Nachdruck dafür einsetzen, die Glaubwürdigkeit der Welterbekonvention zu wahren und in jeder Hinsicht transparente, fachlich nachvollziehbare Entscheidungsprozesse zu fordern und zu unterstützen", erklärte von Schorlemer. Mit einer weiteren "Politisierung des Welterbes" sei niemandem gedient. Damit verwies sie auf die Debatte um Jerusalem oder den Austritt Thailands aus der Welterbekonvention nach einem bewaffneten Streit mit Kambodscha um den Preah-Vihear-Tempel.

Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsident Erwin Sellering
© DUK

"Ritterschlag" stärkt Regionen

Wie sehr Menschen und Regionen vom Prädikat "Welterbe" profitieren, daran erinnerte Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsident Erwin Sellering. Seit 2002 gehören die Hansestädte Stralsund und Wismar zum UNESCO-Welterbe. "Der Titel macht viele Kulturinteressierte, viele Besucher neugierig. Bei den Stralsundern und den Wismarern ist der Stolz auf die eigene Stadt noch mal gestiegen", sagte Sellering. Die Bürger hätten "viel Kraft und Geld" eingesetzt, um ihre Altstädte zu sanieren. Stralsunds Oberbürgermeister Alexander Badrow bezeichnete die Aufnahme in die Welterbeliste als Initialzündung für die weitere Stadtentwicklung. Er erinnerte daran, dass die Altstadt im Jahr 1989 "beinahe verloren, trostlos und kaum reparabel war".

Dass das deutsche Engagement weit über die Pflege der eigenen Welterbestätten hinausreicht, hob die Staatsministerin im Auswärtigen Amt Cornelia Pieper in einem Grußwort hervor. Mit zahlreichen Initiativen unterstütze Deutschland heute – vom Nahen Osten über Afrika bis nach Latein- und Zentralamerika – den Erhalt wichtiger Kulturgüter. Dieses Engagement werde das Auswärtige Amt in den kommenden vier Jahren auch im Welterbekomitee weiterverfolgen. Als deutsches Mitglied werde man sich für eine "zukunftsorientierte Weiterentwicklung des Welterbegedankens" und eine "nachhaltige Entwicklung der Welterbestätten" einsetzen, so Pieper.

"1.000 Welterbestätten sind nicht viel"

Bei der anschließenden Talkrunde "Stimmen aus dem Welterbe", die von der Schriftstellerin Amelie Fried moderiert wurde, waren sich die Vertreter von deutschen Welterbestätten einig, dass die Konvention politisch und konzeptionell ein einzigartiger internationaler Erfolg ist. Langeoogs Bürgermeister Uwe Garrels betonte jedoch, dass entscheidend sei, dass das Welterbe nicht zum "Werbeklischee" verkomme. "Das Wattenmeer ist bereits Event genug, um daraus viele Attraktionen entwickeln zu können", sagte Garrels. Der Direktor der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Michael Rohde sieht es ebenfalls als Drahtseilakt an, die historischen Parks in Berlin und Potsdam zu erhalten. Man bewege sich in einem Spannungsfeld zwischen filigraner Landschaftspflege und populären Freizeitorten.

Talkrunde 'Stimmen aus dem Welterbe': v.l.n.r. Dr. Birgitta Ringbeck, Welterbebeauftragte der Kultusministerkonferenz; Matthias Ripp, Welterbekoordinator der Stadt Regensburg; dr. Britta Rudolff, Internationaler Rat für Denkmalpflege; Prof. Dr. Michael Rohde, Direktor der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten; Uwe Garrels, Bürgermeister von Langeoog; Thomas Beyer, Bürgermeister von Wismar; Amelie Fried, Schriftstellerin und TV-Moderation
© DUK

Diskutiert wurden auch die von Kritikern oft erwähnte "Inflation" an Einträgen, die "Aufweichung" der Kriterien und der "Eurozentrismus" der Welterbeliste. Die Welterbebeauftragte der Kultusministerkonferenz Birgitta Ringbeck erinnerte aber daran, dass die UNESCO sich dieser Probleme bewusst sei. Die Organisation beschränke inzwischen die Aufnahme neuer Welterbestätten und unterstütze heute Länder, die bisher auf der Liste unterrepräsentiert seien. "1.000 Welterbstätten sind im Verhältnis zur Geschichte nicht viel", betonte Ringbeck. "Die Menschen haben uns seit Jahrtausenden zahlreiche Kulturgüter hinterlassen. Auch künftige Generationen werden das Welterbe mit außergewöhnlichen Leistungen prägen."

Herausforderungen der Zukunft komplex

Weltweit sind heute 936 Stätten aus 153 Staaten auf der UNESCO-Welterbeliste verzeichnet: 725 Kulturdenkmäler, 183 Naturerbestätten sowie 28 Stätten, die sowohl zum Kulturerbe als auch zum Naturerbe zählen. Deutschland, das seit 1976 Vertragsstaat ist, gehört mit 36 Welterbestätten zu den "Top Ten" der Staaten mit den meisten Einträgen auf der Welterbeliste. Die Herausforderungen der Zukunft sind durch die globalen Entwicklungen komplex: Kriege und gewaltsam ausgetragene Konflikte, Naturkatastrophen und Klimawandel, Migration und Stadtplanung erfordern nachhaltige Lösungen für die Welterbestätten. Nach Ansicht der Experten wird sich die UNESCO in Zukunft vermehrt mit diesen Themen auseinandersetzen müssen.

Stralsunder Resolution zum UNESCO-Welterbeprogramm
 
Die Deutsche UNESCO-Kommission verabschiedete am 22. Juni die "Stralsunder Resolution" zum UNESCO-Welterbeprogramm. 
 
Darin appelliert die DUK unter anderem für einen nachhaltigen Tourismus an Welterbestätten. In ihrer Bildungsarbeit sollen die Welterbestätten enger mit Universitäten und Schulen zusammenarbeiten. Sie appelliert an alle Beteiligten, die Empfehlungen zum präventiven Monitoring der UNESCO-Welterbestätten in Deutschland nachvollziehbar umzusetzen. 
 
Die DUK dankt der Bundesregierung, dass sie dem Erhalt der UNESCO-Welterbestätten in Deutschland einen hohen Stellenwert einräumt und mit 220 Millionen Euro unterstützt. Sie begrüßt darüber hinaus die Pläne des Bundes, auch das UNESCO-Übereinkommen zur Erhaltung des immateriellen Kulturerbes noch in diesem Jahr zu ratifizieren.
 
Stralsunder Resolution zum UNESCO-Welterbeprogramm

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