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Bonner Erklärung

Wir, die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der UNESCO-Weltkonferenz Bildung für nachhaltige Entwicklung, die vom 31. März bis 2. April 2009 in Bonn, Deutschland, stattfand, verabschieden die folgende Erklärung einschließlich eines Aufrufs zum Handeln:

1. Trotz beispiellosen Wirtschaftswachstums im 20. Jahrhundert leiden noch immer zu viele Menschen unter anhaltender Armut und Ungleichheit. Dies gilt besonders für die am meisten Verwundbaren. Zahlreiche Konflikte unterstreichen die Notwendigkeit, eine Kultur des Friedens zu schaffen. Die globale Finanz- und Wirtschaftskrise macht die Risiken nicht-nachhaltiger ökonomischer Entwicklungsmodelle und auf kurzfristigen Gewinn ausgerichteter Praktiken deutlich. Die Nahrungsmittelkrise und der Hunger in der Welt sind eine zunehmend ernste Herausforderung. Nicht-nachhaltige Produktions- und Konsummuster haben ökologische Auswirkungen, die die Handlungsoptionen gegenwärtiger und zukünftiger Generationen und das Leben auf der Erde gefährden, wie am Klimawandel deutlich wird.

2. Am Ende des ersten Jahrzehnts des 21. Jahrhunderts steht die Welt vor grundlegenden, komplexen und miteinander verflochtenen Herausforderungen und Problemen, die Entwicklung und Lebensstil betreffen. Ursache für diese Herausforderungen sind Wertorientierungen, die zu nicht-nachhaltigen Gesellschaften geführt haben. Die Herausforderungen sind miteinander verflochten; ihre Lösung erfordert höhere politische Verbindlichkeit und entschiedenes Handeln. Wir besitzen das Wissen, die Technologie und die Fähigkeiten, die für ein Umsteuern erforderlich sind. Wir müssen nun all unsere Kraft mobilisieren, um alle Möglichkeiten zu nutzen, die zu besserem Handeln und zu Veränderung führen.

3. Die Auswirkungen nicht-nachhaltiger Entwicklung, die Prioritäten, Verantwortlichkeiten und Möglichkeiten unterscheiden sich von Region zu Region sowie zwischen Entwicklungs- und entwickelten Ländern. Alle Länder werden zusammenarbeiten müssen, um jetzt und in der Zukunft eine nachhaltige Entwicklung zu gewährleisten. Investitionen in Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) sind Investitionen in die Zukunft. Sie können Leben retten, besonders in Post-Konflikt- und in den am wenigsten entwickelten Ländern.

4. Aufbauend auf den Versprechen von Jomtien, Dakar und Johannesburg benötigen wir eine gemeinsame Verpflichtung auf eine Bildung, die Menschen zum Wandel befähigt. Eine derartige Bildung muss die Werte, das Wissen, die Fähigkeiten und die Kompetenzen vermitteln, die für ein Leben im Sinne der Nachhaltigkeit, gesellschaftliche Partizipation und menschenwürdige Arbeit erforderlich sind. Das Programm "Bildung für alle" unterstreicht, dass der Zugang zu Grundbildung entscheidend für nachhaltige Entwicklung ist. Ebenso betont es frühkindliche Bildung, die Bildung der ländlichen Bevölkerung und die Alphabetisierung Erwachsener. Erfolge im Bereich der Alphabetisierung und der rechnerischen Fähigkeiten tragen zur Bildungsqualität bei und werden für den Erfolg der BNE ebenfalls ausschlaggebend sein.

5. Durch Bildung und lebenslanges Lernen können wir Lebensstile erreichen, die auf wirtschaftlicher und sozialer Gerechtigkeit beruhen, auf Nahrungsmittelsicherheit, ökologischer Integrität, dauerhaft gesicherten Lebensgrundlagen, auf Respekt für alle Lebensformen und auf starken Werten, die gesellschaftlichen Zusammenhalt, Demokratie und kollektives Handeln fördern. Die Gleichstellung der Geschlechter, insbesondere die Teilhabe von Frauen und Mädchen an Bildung, ist entscheidend dafür, Entwicklung und Nachhaltigkeit zu ermöglichen. Bildung für nachhaltige Entwicklung ist unmittelbar notwendig, um sicherzustellen, dass junge Menschen tragfähige Optionen im Leben haben, Ziele verfolgen können und eine Zukunft haben.

Bildung für nachhaltige Entwicklung im 21. Jahrhundert

6. Bildung für nachhaltige Entwicklung gibt eine neue Richtung für das Lernen und die Bildung aller Menschen vor. Sie fördert qualitativ hochwertige Bildung und Inklusion. Sie basiert auf Werten, Prinzipien und Praktiken, die erforderlich sind, um gegenwärtigen und zukünftigen Herausforderungen wirkungsvoll zu begegnen.

7. BNE unterstützt Gesellschaften beim Umgang mit verschiedenen Handlungsfeldern und Themen, darunter Wasser, Energie, Klimawandel, Katastrophenvorsorge, Verlust der Artenvielfalt, Nahrungsmittelkrisen, Gesundheitsgefährdungen, soziale Verwundbarkeit und Unsicherheit. Sie ist entscheidend für die Entwicklung neuen ökonomischen Denkens. Durch einen systemischen und integrierten Ansatz trägt BNE zum Aufbau widerstandsfähiger, gesunder und nachhaltiger Gesellschaften bei. Sie verleiht Bildungs- und Ausbildungssystemen eine neue Relevanz, Qualität, Bedeutung und Ausrichtung. Sie bezieht die formale, non-formale und informelle Bildung sowie die Gesellschaft als Ganze in einen Prozess lebenslangen Lernens ein.

8. BNE beruht auf den Werten der Gerechtigkeit, Fairness, Toleranz, Unabhängigkeit und Verantwortung. Sie fördert die Gleichberechtigung der Geschlechter, gesellschaftlichen Zusammenhalt sowie Armutsbekämpfung und legt wert auf Fürsorge, Integrität und Aufrichtigkeit im Sinne der Erd-Charta. BNE basiert auf Prinzipien, die eine nachhaltige Lebensweise, Demokratie und menschliches Wohlergehen unterstützen. Schutz und Wiederherstellung der Umwelt, Erhalt natürlicher Ressourcen und deren nachhaltige Nutzung, Bekämpfung nicht-nachhaltiger Produktions- und Konsummuster sowie die Schaffung gerechter und friedlicher Gesellschaften sind ebenfalls wichtige Prinzipien, auf denen BNE basiert.

9. BNE betont kreative und kritische Ansätze, langfristiges Denken, Innovation und die Befähigung, mit Unsicherheit umzugehen und komplexe Probleme zu lösen. BNE hebt die wechselseitige Abhängigkeit von Umwelt, Wirtschaft, Gesellschaft und kultureller Vielfalt von der lokalen bis zur globalen Ebene hervor und berücksichtigt Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

10. Verknüpft mit den verschiedenen Bedürfnissen sowie den konkreten Lebensbedingungen der Menschen fördert BNE die Fähigkeit zu Problemlösungen und bezieht dabei die Praktiken und das Wissen lokaler Kulturen ebenso ein wie neue Ideen und Technologien.

Fortschritte in der UN-Dekade "Bildung für nachhaltige Entwicklung"

11. In den ersten fünf Jahren der UN-Dekade "Bildung für nachhaltige Entwicklung", die von der federführenden UNESCO koordiniert wird, haben viele Länder Fortschritte bei der Umsetzung von BNE gemacht und innovative politische Rahmenbedingungen geschaffen. Eine Vielzahl von UN-Organisationen, Nichtregierungsorganisationen, regionalen Institutionen und Partnernetzwerken engagieren sich mit konkreten Aktivitäten in einzelnen Bereichen der BNE. Viele Menschen und Organisationen sind mit großem Engagement aktiv. Bemühungen um ein besseres Verständnis der Qualität der BNE, deren Förderung, Umsetzung und Überprüfung werden unternommen. Der Rahmen für ein weltweites Monitoring und Evaluierung von BNE liegt vor. Bemühungen auf globaler Ebene werden durch regionale Strategien und Initiativen ergänzt.

12. Wir erkennen an, dass Bildung eine signifikante Rolle bei der Verbesserung des menschlichen Wohlergehens spielt. Wir verfügen heute über das Wissen und die Erfahrung, um Bildungsinhalte, -methoden und -ziele signifikant zu verbessern. Wir wissen, wie wir Bildungssysteme in Richtung lebenslanges Lernen ausrichten können. Durch BNE lernen wir, Verbindungen zwischen formaler, non-formaler und informeller Bildung zu verbessern. Wir wissen, wie wichtig es ist, Wissen über Wandlungsprozesse in der Bildung zu stärken und untereinander auszutauschen.

13. Die Wissenschaft hat uns bessere Kenntnisse über den Klimawandel und die Lebenserhaltungssysteme der Erde verschafft. Sie hat bedeutendes Wissen über HIV und AIDS, Malaria, Tuberkulose, Herzerkrankungen und andere schwerwiegende Gesundheitsgefährdungen gesammelt. Wir wissen mehr über natürliche Systeme und den menschlichen Einfluss darauf und darüber, wie die Artenvielfalt zu unserem Wohlergehen beiträgt. Wir wissen, dass sich das gegenwärtige ökonomische Denken ändern muss und dass es notwendig ist, nicht-nachhaltige Produktions- und Konsummuster zu vermeiden und die Entstehung 'nachhaltig entwickelter' Länder zu befördern und zu unterstützen. Die Sozialwissenschaften gewähren uns Einsichten in ethische, kulturelle, kognitive und affektive Aspekte der menschlichen Entwicklung und in die Soziologie des Wandels.

14. Wir müssen dieses Wissen nun in konkretes Handeln umsetzen. Dies ist insbesondere wichtig, um in den nächsten fünf Jahren die Resultate der UN-Dekade "Bildung für nachhaltige Entwicklung" zu stärken und zu verbreitern, aber auch, um die längerfristige Umsetzung der BNE zu gewährleisten.

Aufruf zum Handeln

15. Der Fortschritt im Bereich BNE ist weiterhin ungleich verteilt, was in unterschiedlichen Kontexten unterschiedliche Ansätze erfordert. In den kommenden Jahren besteht für entwickelte und Entwicklungsländer, die Zivilgesellschaft und internationale Organisationen die eindeutige Notwendigkeit, bedeutende Anstrengungen zu unternehmen, um:

auf politischer Ebene in den Mitgliedstaaten:

a) Den Beitrag von BNE für Bildung insgesamt und zum Erreichen von Bildungsqualität voranzutreiben und dabei besonders die Verknüpfungen zwischen BNE und Bildung für alle im Rahmen eines kohärenten und systemischen Ansatzes voranzutreiben. Die Ziele der BNE-Agenda müssen in internationalen Foren und auf nationaler Ebene vorangetrieben werden.

b) Das öffentliche Bewusstsein und Verständnis von nachhaltiger Entwicklung und BNE durch Mainstreaming und Ausbau der in den ersten fünf Jahren der UN-Dekade gewonnenen Erkenntnisse und Einsichten in der öffentlichen Bewusstseinsbildung und verschiedenen Formen der informellen Bildung zu stärken. Dazu gehört auch das Herausstellen des Beitrags und der Rolle der Medien bei der Stärkung des öffentlichen Bewusstseins und des Verständnisses für Nachhaltigkeitsfragen. Medienexperten müssen entsprechende Fähigkeiten und Fertigkeiten vermittelt werden.

c) Angemessene Ressourcen und Finanzmittel für BNE zu mobilisieren, insbesondere durch die Integration von BNE in nationale Entwicklungspolitik und Budgetrahmen, in die gemeinsame Programmplanung der Vereinten Nationen für einzelne Länder und andere politische Rahmen auf Länderebene (beispielsweise sektorübergreifende Ansätze) sowie in Initiativen im Kontext Bildung für alle und der UN-Millenniumsziele. BNE muss in die Prioritäten von Stiftungen und anderen Geldgebern einbezogen werden.

d) Bildungs- und Ausbildungssysteme durch kohärente nationale und lokale Politiken so umzugestalten, dass sie sich Anliegen der nachhaltigen Entwicklung widmen. Politische Maßnahmen im Hinblick auf BNE müssen durch intersektorelle und interministerielle Ansätze unter Einbeziehung von Wirtschaft und Unternehmen, der Zivilgesellschaft, lokaler Gemeinwesen und der Wissenschaft entwickelt und umgesetzt werden.

e) Bestehende internationale, regionale und nationale Unterstützungsmechanismen und Kooperationen für BNE, die kulturelle Vielfalt berücksichtigen, weiterzuentwickeln und zu stärken. Auf regionaler und nationaler Ebene müssen Gremien, Netzwerke und Akteursgemeinschaften für BNE eingerichtet werden, die die Verbindungen zwischen der lokalen und der nationalen sowie der nationalen und globalen Ebene stärken und die die Nord-Süd-Süd- und Süd-Süd-Zusammenarbeit verbessern.

auf praktischer Ebene

f) Die Einbeziehung von Fragen der nachhaltigen Entwicklung mittels eines integrierten und systemischen Ansatzes in der formalen, non-formalen und informellen Bildung auf allen Ebenen zu unterstützen, insbesondere durch die Entwicklung wirkungsvoller pädagogischer Ansätze, Lehrerausbildung, Lehrpraxis, Lehrpläne, Lernmaterial und die Weiterbildung von Führungskräften im Bildungssektor, sowie indem der wichtige Beitrag der non-formalen Bildung und des informellen Lernens, der Berufsbildung und des Lernens am Arbeitsplatz anerkannt wird. Nachhaltige Entwicklung ist ein Querschnittsthema, das für alle Lehrfächer und Bildungsbereiche von Bedeutung ist.

g) Lehrpläne und Lehrerbildungsprogramme so umzuorientieren, dass BNE sowohl in berufsvorbereitende als auch in berufsbegleitende Programme integriert wird. Lehrerbildungseinrichtungen, Lehrer und Professoren müssen unterstützt werden, um solide pädagogische Praktiken zu entwickeln, zu erforschen und miteinander zu verknüpfen. Insbesondere müssen Lehrer bei der Entwicklung von BNE-Strategien, die in größeren Schulklassen anwendbar sind, und bei der Evaluierung von BNE-Lernprozessen unterstützt werden.

h) Evidenzbasierten politischen Dialog zu BNE auf der Grundlage relevanter Forschungs-, Monitoring- und Evaluierungsstrategien und des Austauschs und der Anerkennung guter Praxis zu fördern. Nationale BNE-Indikatoren müssen für eine effektive Umsetzung und Überprüfung der Ergebnisse und Prozesse der BNE entwickelt werden.

i) BNE-Partnerschaften zu entwickeln und zu verbreitern, um BNE in Ausbildung, Berufsbildung und Lernen am Arbeitsplatz zu integrieren, indem die Zivilgesellschaft, der öffentliche und der private Sektor, Nichtregierungsorganisationen und Entwicklungspartner eingebunden werden. BNE muss zu einem festen Bestandteil der Ausbildung von Führungskräften in Wirtschaft und Industrie, Gewerkschaften, dem gemeinnützigen Sektor und ehrenamtlichen Vereinigungen sowie dem öffentlichen Dienst werden. Die Berufsausbildung ist so umzuorientieren, dass sie BNE umfasst.

j) Jugend in die Gestaltung und Umsetzung von BNE einzubeziehen. Engagement, Solidarität und Potenzial Jugendlicher und ihrer Organisationen und Netzwerke müssen genutzt werden, um Bildung für nachhaltige Entwicklung zu befördern. Die Teilhabe junger Menschen an Fragen und Themen der BNE muss vorangetrieben werden.

k) Den maßgeblichen Beitrag und die Schlüsselrolle der Zivilgesellschaft bei der Anregung von Diskussionen, der öffentlichen Partizipation und der Initiierung von BNE-Aktivitäten auszubauen. Wege sind zu suchen, auf denen diese Beteiligung und dieses Engagement gefördert werden können.

l) Den bedeutenden Beitrag traditioneller, indigener und lokaler Wissenssysteme für BNE wertzuschätzen und anzuerkennen sowie unterschiedliche kulturelle Beiträge zur Förderung von BNE wertzuschätzen.

m) BNE muss die Gleichstellung der Geschlechter aktiv fördern und Bedingungen und Strategien gestalten, die es Frauen ermöglichen, ihr Wissen und ihre Erfahrung zu kommunizieren, sozialen Wandel und menschliches Wohlergehen zu erreichen.

n) Wissen durch BNE-Netzwerke zu mehren. Schulen, Universitäten und andere höhere Bildungs- und Forschungseinrichtungen, Bildungszentren und -netzwerke sind zu identifizieren und zu unterstützen, die als Zentren für Expertise und Innovation im Sinne der Entwicklung und Weiterverbreitung von Wissen dienen können und Ressourcen für Bildung für nachhaltige Entwicklung darstellen. Das Potenzial einzelner Orte und Regionen, die als geographisch definierte "BNE-Laboratorien" dienen können, ist zu eruieren.

o) Wissenschaftliche Exzellenz, Forschung und Entwicklung neuen Wissens für BNE durch Einbeziehung von höheren Bildungseinrichtungen und Forschungsnetzwerken zu fördern und zu verbreitern. Die Kernaufgaben von Universitäten – Lehre, Forschung und Teilhabe am Gemeinwesen – müssen aktiviert werden, um globales und lokales Wissen zu BNE zu stärken; dabei müssen UNESCO-Lehrstühle im Bereich BNE und UNESCO-Netzwerke genutzt werden. Institutionelle und organisatorische Strukturen sind zu etablieren, die Flexibilität, studentische Partizipation und multidisziplinäre Programme ermöglichen sowie Modellprojekte entwickeln, die der Komplexität und Dringlichkeit der BNE gerecht werden. Honorierungssysteme zur Unterstützung von Initiativen und Forschung zur BNE in der Hochschulbildung müssen entwickelt und umgesetzt werden.

p) Institutionelle Mechanismen im Laufe der UN-Dekade "Bildung für nachhaltige Entwicklung" und anderer laufender Dekaden wie etwa der UN-Aktionsdekade "Wasser für das Leben" zu entwickeln, um zu gewährleisten, dass BNE auch nach Ablauf dieser Dekaden weiterhin umgesetzt wird.

q) Innerhalb des UN-Systems vorhandene Expertise zu nutzen, um Bildung für nachhaltige Entwicklung innerhalb zentraler Konventionen zur nachhaltigen Entwicklung zu stärken, beispielsweise in den Konventionen zur Artenvielfalt, zum Klimawandel, zur Wüstenbildung und zum immateriellen Kulturerbe.

r) Anstrengungen innerhalb von Bildungs- und Ausbildungssystemen zu intensivieren, um entscheidenden und dringlichen Nachhaltigkeitsherausforderungen wie Klimawandel, Wasser und Nahrungsmittelsicherheit zu begegnen, indem unter dem Schirm und im Rahmen von Partnerschaften der UN-Dekade "Bildung für nachhaltige Entwicklung" spezifische Aktionspläne und/oder Programme entwickelt werden.

16. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Weltkonferenz Bildung für nachhaltige Entwicklung 2009 fordern die UNESCO als federführende UN-Sonderorganisation für die Dekade auf:

a) Ihre Führungs- und Koordinierungsrolle für die UN-Dekade "Bildung für nachhaltige Entwicklung" auf der Basis des Internationalen Umsetzungsplans und in Zusammenarbeit mit anderen UN-Organisationen und -Programmen auszubauen, wie unter anderem dem UN-Umweltprogramm UNEP, der Universität der Vereinten Nationen UNU, den mit Bildung für Alle befassten Einrichtungen (Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen UNICEF, Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen UNDP, Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen UNFPA, Weltbank), und Bildung für nachhaltige Entwicklung in Strategien der Initiative "Eine UN" auf Länderebene zu integrieren, insbesondere durch die Prozesse des Entwicklungshilfe-Programmrahmens der Vereinten Nationen (UNDAF).

b) Mitgliedstaaten und andere Partner bei der Umsetzung der UN-Dekade "Bildung für nachhaltige Entwicklung" zu unterstützen, insbesondere durch verstärktes Capacity-Building und Politikberatung zur Entwicklung kohärenter nationaler Strategien, durch Monitoring und Evaluierung, Anerkennung und Austausch guter Praxis der BNE, Interessensvertretung für BNE und die Entwicklung globaler Partnerschaften unter angemessener Berücksichtigung von Post-Konflikt- und am wenigsten entwickelten Ländern.

c) Die BNE-Agenda in anderen bedeutenden Foren der Bildungs- und Entwicklungspolitik zu vertreten und/oder zu befördern, etwa in internationalen Konferenzen und Verhandlungen wie G8, G20, der Kopenhagener Klimakonferenz, der High-level Group des Programms "Bildung für alle", dem Koordinierungsrat der Leiter von UN-Organisationen und den UNESCO-Weltkonferenzen (neben anderen laufenden Veranstaltungen und Aktivitäten).

d) Das vorhandene Fachwissen in UNESCO-Biosphärenreservaten, Welterbestätten und anderen Wissenschafts-, Kultur- und Bildungsprogrammen wie TTISSA (Teacher Training Initiative for Sub-Saharan Africa), UNESCO-Projektschulen und LIFE (Literacy Initiative for Empowerment) zu nutzen, um die Ziele der BNE zu fördern und zu gewährleisten, dass zentrale Prioritäten der BNE in längerfristige Programme und Strategien innerhalb der UNESCO integriert werden.

e) BNE-bezogene Forschung durch die Programme der UNESCO zu fördern, um die Qualität und empirische wissenschaftliche Grundlage der BNE zu verbessern. Das globale Monitoring- und Evaluierungssystem muss vorangetrieben werden, um BNE zu überprüfen. Initiativen zur Entwicklung internationaler Strategien und Praktiken, die zu einem erfolgreichen Abschluss der UN-Dekade "Bildung für nachhaltige Entwicklung" mit sichtbaren und konkreten Ergebnissen führen können, müssen ergriffen werden.

f) Die Relevanz und Wichtigkeit von Bildung und Ausbildung beim UN-Klimagipfel (COP 15) in Kopenhagen, Dänemark, im Dezember 2009 in Absprache und in Zusammenarbeit mit anderen Partnern herauszustellen.

g) Bemühungen zu intensivieren und Initiativen zu starten, um im Rahmen der UN-Dekade "Bildung für nachhaltige Entwicklung", im Kontext der UNESCO-Strategie zum Klimawandel und als Bestandteil UN-weiten Handelns Bildungsmaßnahmen zum Thema Klimawandel höher auf der internationalen Agenda zu verankern.

17. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer dieser Konferenz verpflichten sich dazu, auf die Umsetzung dieser Erklärung hinzuwirken.

18. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer rufen zur Mobilisierung angemessener Finanzmittel für die in dieser Erklärung enthaltenen Empfehlungen auf.

19. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Weltkonferenz Bildung für nachhaltige Entwicklung danken der deutschen Regierung für die Ausrichtung dieser Konferenz und begrüßen die Absicht der Regierung Japans, gemeinsam mit der UNESCO die Abschlusskonferenz der Weltdekade auszurichten.

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