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Oktober 2012

71 Millionen Jugendliche besuchen keine Sekundarschule

UNESCO-Weltbildungsbericht 2012

Der UNESCO-Weltbildungsbericht 2012 fordert mehr Investitionen in die berufliche Qualifikation von Jugendlichen. Jeder achte Jugendliche weltweit ist arbeitslos. Über ein Viertel aller Jugendlichen übt eine Tätigkeit aus, die ihn an oder unter der Armutsgrenze leben lässt.

Titelseite des Weltbildungsberichts 2012
© UNESCO

Thematischer Schwerpunkt des diesjährigen Berichts ist die Qualifikation Jugendlicher. Der Bericht betont, dass der Abschluss der unteren Sekundarstufe das Minimum ist, um die Kenntnisse zu erlangen, die man für die Ausübung eines guten Berufs braucht. 250 Millionen Kinder im Grundschulalter können weder lesen noch schreiben. 71 Millionen Teenager besuchen keine Sekundarschule und haben daher keine Chance, sich die nötigen Kenntnisse für eine berufliche Perspektive anzueignen.

Die Vernachlässigung der Qualifikation Jugendlicher hat langfristige Folgen. Auf der Basis von OECD-Daten schätzt der Weltbildungsbericht, dass auch in den Industrieländern 160 Millionen Erwachsene nicht in der Lage sind, eine Zeitung zu lesen oder sich für eine Stelle zu bewerben, weil ihnen die entsprechenden Kenntnisse fehlen.

Alle Jugendlichen weltweit, so fordert der Bericht, müssen eine qualitativ gute Sekundarschulbildung erhalten. Berufsrelevante Kenntnisse und Schlüsselqualifikationen müssen vermittelt werden. Es sei dringend notwendig, mehr Mittel für die Qualifikation Jugendlicher bereitzustellen. Diese Investition lohnt sich auch aus volkswirtschaftlicher Sicht: Der Bericht schätzt, dass jeder US-Dollar, der für die Bildung eines Menschen ausgegeben wird, während dessen Arbeitslebens zwischen 10 und 15 US-Dollar Wirtschaftswachstum erbringt.

Das duale Berufsbildungssystem in Deutschland, das den Besuch einer Berufsschule mit einer praktischen Ausbildung in einem Betrieb kombiniert, wird in dem Bericht positiv hervorgehoben. Es habe dazu beigetragen, dass die Arbeitslosenquote bei Jugendlichen in Deutschland im Januar 2012 bei vergleichsweise geringen 8 Prozent lag, im Vergleich zu 23 Prozent in Frankreich und 22 Prozent in Großbritannien.

"Die hohe Jugendarbeitslosigkeit in vielen Ländern der Europäischen Union ist beunruhigend. Daher müssen auch wir in Europa der beruflichen Bildung in Zukunft hohe Aufmerksamkeit schenken, damit wir nicht in wenigen Jahren schon von einer verlorenen Generation sprechen müssen", sagt Dieter Offenhäußer, stellvertretender Generalsekretär der Deutschen UNESCO-Kommission.

Sechs globale Bildungsziele bis 2015

In einigen Regionen sind in der Bildung deutliche Fortschritte erzielt worden. Dennoch sind viele Entwicklungsländer weit davon entfernt, die Ziele des weltweiten Aktionsprogramms "Bildung für alle" bis 2015 zu erreichen: Trotzdem die Zahl der Kinder in vorschulischen Einrichtungen stark gestiegen ist, profitiert nur eines von zwei Kindern von frühkindlicher Förderung. Die Zahl der Kinder, die keine Grundschule besuchen, ist seit 1999 von 108 Millionen auf 61 Millionen gesunken, doch seit 2010 stagniert diese Zahl. Die weltweite Analphabetenrate sinkt, aber zu langsam: Nach wie vor sind 775 Millionen Erwachsene weltweit Analphabeten, zwei Drittel davon Frauen. Lehrermangel und schlechte Lehrerausbildung führen in vielen Regionen zu Problemen bei der Bildungsqualität.

Der Weltbericht "Education for all – Global Monitoring Report" wird im Auftrag der UNESCO von einem unabhängigen Team verfasst. Er liefert jährlich einen Zwischenstand zur Umsetzung des weltweiten Aktionsprogramms "Bildung für alle". 164 Länder haben sich auf dem Weltbildungsforum in Dakar 2000 verpflichtet, sechs Bildungsziele bis zum Jahr 2015 zu erreichen: Ausbau der frühkindlichen Förderung und Erziehung, Grundschulbildung für alle Kinder weltweit, Absicherung der Lernbedürfnisse von Jugendlichen und Erwachsenen, Halbierung der Analphabetenrate unter Erwachsenen, Gleichberechtigung der Geschlechter und Verbesserung der Bildungsqualität.

Launch des Weltbildungsberichts in Bonn

Podiumsdiskussion zum Weltbildungsbericht 2012. Von links: Christian Osterhaus (Don Bosco Mondo), Roland Schwartz (DVV), Dieter Offenhäußer (DUK), Andreas König (Moderation), Joachim Prey (GIZ) und Arlina Elmiger (KfW)
Podiumsdiskussion mit Christian Osterhaus (Don Bosco Mondo), Roland Schwartz (DVV), Dieter Offenhäußer (DUK), Andreas König (Moderation), Joachim Prey (GIZ) und Arlina Elmiger (KfW). © GIZ/Jani Kitz

Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung und die Deutsche UNESCO-Kommission haben den Weltbildungsbericht am 16. Oktober in Bonn vorgestellt. Zeitgleich fand in Paris der internationale Launch statt. Die Eröffnungsrede von UNESCO-Generaldirektorin Irina Bokova wurde per Videokonferenz übertragen. François Leclercq, Mitglied des Redaktionsteams aus Paris stellte die Ergebnisse des Berichts vor. Im Anschluss setzten sich Experten aus unterschiedlichen Bereichen der Bildung und Entwicklungszusammenarbeit mit den Inhalten auseinander.

Dieter Offenhäußer, stellvertretender Generalsekretär der Deutschen UNESCO-Kommission, bewertete den Weltbildungsbericht in einer Podiumsdiskussion als das wichtigste weltweite Referenzdokument für Bildungsdaten von inzwischen unangefochtener Qualität. Der Bericht biete immer wieder Anlass für wichtige Bildungsdebatten, wie in diesem Jahr zum Stand der beruflichen Bildung, die auch für Europa angesichts hoher Jugendarbeitslosigkeit von großer Brisanz sei.

Weitere Informationen:
Website der UNESCO

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