Deutsche UNESCO Kommission e.V.

Das Übereinkommen zur Erhaltung des immateriellen Kulturerbes

Die UNESCO-Generalkonferenz hat das Übereinkommen zur Erhaltung des immateriellen Kulturerbes am 17. Oktober 2003 verabschiedet. Am 20. April 2006 trat es in Kraft, nachdem 30 Staaten es ratifiziert hatten.

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Ziele des Übereinkommens sind:

  • Schutz und Erhaltung des immateriellen Kulturerbes auf nationaler Ebene durch Erstellung von regionalen und/oder nationalen Verzeichnissen
  • Schutz und Erhaltung des immateriellen Kulturerbes auf internationaler Ebene durch eine Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes, eine Liste des dringend erhaltungsbedürftigen immateriellen Kulturerbes und ein Register guter Praxisbeispiele mit Programmen, Projekten und Aktivitäten zur Erhaltung des immateriellen Kulturerbes
  • die Förderung des Bewusstseins für die Bedeutung des immateriellen Kulturerbes und seiner gegenseitigen Wertschätzung auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene
  • Sicherung der historischen Kontinuität der jeweiligen Ausdrucksformen durch Anerkennung von ausgewählten Gebräuchen, Handwerkstechniken und Wissensüberlieferungen als "immaterielles Kulturerbe der Menschheit"
  • die Förderung der internationalen Zusammenarbeit und Unterstützung (Informationsaustausch, Bereitstellung von Personal, Capacity Building u.a.)

Zum immateriellen Kulturerbe zählen laut dem Übereinkommen "Bräuche, Darstellungen, Ausdrucksformen, Wissen und Fertigkeiten – sowie die dazu gehörigen Instrumente, Objekte, Artefakte und kulturellen Räume – (...), die Gemeinschaften, Gruppen und gegebenenfalls Einzelpersonen als Bestandteil ihres Kulturerbes ansehen".

In Artikel 2 heißt es: "Dieses immaterielle Kulturerbe, das von einer Generation an die nächste weitergegeben wird, wird von den Gemeinschaften und Gruppen in Auseinandersetzung mit ihrer Umwelt, in ihrer Interaktion mit der Natur und mit ihrer Geschichte fortwährend neu gestaltet und vermittelt ihnen ein Gefühl von Identität und Kontinuität, wodurch die Achtung vor der kulturellen Vielfalt und der menschlichen Kreativität gefördert wird."

Träger immateriellen Kulturerbes sind zivilgesellschaftliche Gemeinschaften, Gruppen und Einzelpersonen. Die Vertragsstaaten verpflichten sich in dem Übereinkommen daher, bei der Umsetzung partnerschaftlich mit Nichtregierungsorganisationen zusammenzuarbeiten. NGOs sollen auf nationaler Ebene bei der Inventarisierung, Bestandsaufnahme und Dokumentation des immateriellen Kulturerbes und bei der Revitalisierung von in ihrem Bestand gefährdeten kulturellen Ausdrucksformen mitwirken.

Für NGOs besteht die Möglichkeit, auch auf internationaler Ebene an der Umsetzung der Konvention mitzuarbeiten. NGOs können sich bei der UNESCO für eine Akkreditierung zur Beratung des Zwischenstaatlichen Ausschusses der Konvention bewerben. Akkreditierte NGOs arbeiten u.a. an der Bewertung von Nominierungen für die Liste des dringend erhaltungsbedürftigen immateriellen Kulturerbes und bei der Auswahl von Projekten für das Register guter Praxisbeispiele mit.

Das Übereinkommen hebt die Wechselwirkung zwischen dem immateriellen Kulturerbe und dem materiellen Kultur- und Naturerbe hervor. Es ergänzt die Welterbekonvention der UNESCO von 1972. Gleichzeitig betont es den besonderen Charakter des immateriellen Kulturerbes, das – im Gegensatz zum materiellen Erbe – lebendig und damit weniger dauerhaft ist und gesellschaftlichen Transformationsprozessen unterliegt. Ausschlaggebend für die Erhaltung des immateriellen Kulturerbes ist, dass die Menschen ihre Traditionen und Werte, ihr Wissen und ihre künstlerischen und handwerklichen Fertigkeiten von Generation zu Generation weitergeben.

Das Übereinkommen bietet die Chance, Modellprojekte zu entwickeln und eine moderne Kultur der Pflege des immateriellen Erbes voranzubringen.

 
Weitere Informationen:

Übereinkommen zur Erhaltung des immateriellen Kulturerbes (offizielle deutsche Übersetzung)

Convention for the Safeguarding of the Intangible Cultural Heritage (Originalfassung)

Daten und Fakten