Deutsche UNESCO Kommission e.V.

Gartenreich Dessau-Wörlitz

Das Gartenreich Dessau-Wörlitz ist "ein herausragendes Beispiel für die Umsetzung philosophischer Prinzipien der Aufklärung in einer Landschaftsgestaltung, die Kunst, Erziehung und Wirtschaft harmonisch miteinander verbindet". So begründet das UNESCO-Welterbekomitee die Aufnahme der Kulturlandschaft in die Welterbeliste im November 2000.

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Gartenreich Dessau-Wörlitz

Die Philosophie des 18. Jahrhunderts spiegelt sich in dieser Kulturlandschaft mit englischen Parkanlagen, Schlössern, Weideflächen, von Tempeln im antiken Stil gesäumten Flüssen und Seen. Zwischen der Bauhausstadt Dessau und der Lutherstadt Wittenberg gelegen, erstreckt sich das Dessau-Wörlitzer Gartenreich auf etwa 150 Quadratkilometern. Das einzigartige Landschaftskunstwerk ist zwischen 1765 und 1800 von Fürst Leopold III. Friedrich Franz von Anhalt-Dessau und seinem Berater, dem Architekten Friedrich Wilhelm von Erdmannsdorff, gestaltet worden. Zahlreiche Anregungen fanden sie auf Bildungsreisen nach England, Frankreich, Italien und den Niederlanden. Der Venustempel oder das Pantheon im Ostteil des Gartens erinnern an römische Vorbilder. Das Schloss im Landhausstil gilt als Gründungsbau des Klassizismus in Deutschland. Heute beherbergt es unter anderem antike Plastiken, Gemälde und Gefäße der berühmten Wedgwood-Manufaktur. Die aufklärerischen und pädagogischen Absichten der Bauherren zeigen sich in der Offenheit der Anlage: Kein Zaun trennte den Garten von der Stadt, jedermann hatte freien Zutritt und konnte sogar das Schloss besichtigen. Neunzehn unterschiedliche Brücken gibt es innerhalb der Wörlitzer Anlagen: Von der Furt und dem einfachen Baumstamm bis zur Gusseisenbrücke zeigen sie dem Besucher die Geschichte des Brückenbaus.

In das weiträumige Gartenreich fügen sich die authentischen Architekturschöpfungen und Baukunstwerke harmonisch ein. Das Rokoko-Schloss Mosigkau beherbergt Meisterwerke flämischer und holländischer Maler wie Rubens oder van Dyck, in vielen Räumen sind Originaleinrichtungen des 18. Jahrhunderts zu sehen. Die Galerie im Schloss Georgium, 1780 von einem Bruder des Fürsten erbaut, vereinigt über 2000 Werke aus den anhaltischen Fürstenhäusern, Gemälde der Dürerzeit, die Hauptwerke von Lucas Kranach oder Johann Georg Trautmann. Die Wörlitzer Anlagen bilden den künstlerischen Höhepunkt des Gartenreiches. Neben dem "Landhaus" ist vor allem das Gotische Haus sehenswert. Es erinnert mit seiner Kanalfront an eine venezianische Kirche und birgt im Innern eine Sammlung schweizerischer Glasgemälde. Neugotik und Klassizismus verbinden sich in der Luisium-Anlage, die Fürst Franz seiner Gemahlin Luise widmete. Wenige Kilometer von Dessau entfernt liegt Oranienbaum, eine barocke Schloss- und Parkanlage. Hier legte der Fürst einen englisch-chinesischen Garten an, angeregt vom englischen Architekten Sir William Chambers, der als erster Europäer die chinesische Gartenkunst erforschte.

Weitere Informationen unter www.gartenreich.com