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Auf ein Wort: Wir bringen Menschen über Grenzen hinweg zusammen

Interview mit Manfred Kupetz, Vorsitzender des Fördervereins Muskauer Faltenbogen

Was bedeutet die UNESCO-Anerkennung des Muskauer Faltenbogens für Sie und die weiteren im Geopark Engagierten?

Manfred Kupetz © privat

Die Anerkennung des Geoparks durch die UNESCO stärkt das Selbstbewusstsein aller in der Region. Es ist unglaublich wichtig, dass die langjährige Tätigkeit für das geologische Erbe hier eine so hohe Anerkennung erfahren hat. Mit der Schaffung des UNESCO Global Geopark Labels haben sich die Anforderungen an unseren Geopark erhöht. Im Globalen Geopark Netzwerk, das vor 2015 ohne offizielle UNESCO-Anerkennung bestand, waren diese etwas niedriger. Und auch vom Nationalkomitee für die Geoparks in Deutschland kommen jetzt neue Erwartungen auf uns zu, die wir gern erfüllen wollen.

Ihr Geopark ist einer der wenigen grenzüberschreitenden Geoparks. Wie funktioniert die deutsch-polnische Kooperation in diesem Rahmen und welche Vorteile entstehen daraus?

Es gibt mannigfaltige, insbesondere wirtschaftliche Verbindungen zwischen Deutschland und Polen: Hier wird eine Brücke, dort wird ein Klärwerk gebaut. Was wir machen, ist aber etwas anderes, das Zusammenwachsen der Bevölkerung in Deutschland und in Polen, angefangen von der Feuerwehr, die über die deutsch-polnische Grenze hinweg aktiv wird, über den Schulaustausch, über Tourismusverbindungen, über den kleinen Grenzverkehr, der regionale Produkte austauscht. Wir leisten etwas, was andere Strukturen gar nicht können. Es ist einfach noch kein Gemeinplatz, dass Deutsche nach Polen fahren, um die Schönheit des Landes zu entdecken – mit unserem Geopark tragen wir seit der Feier des „Tags des Geotops 2006“ dazu bei.

Sie arbeiten an der Gründung des ersten deutsch-polnischen Europäischen Verbunds für territoriale Zusammenarbeit (EVTZ). Warum tun Sie das, wie soll dieser genau aussehen und was soll er erreichen?

Bei der letzten Überprüfung des Geoparks 2015, noch vor UNESCO-Anerkennung, wurde uns empfohlen, eine unabhängige deutsch-polnische Betreiberstruktur aufzubauen. Wir haben uns für die Rechtsform eines Europäischen Verbunds für territoriale Zusammenarbeit – kurz EVTZ – entschieden, eine Art deutsch-polnischen kommunalen Zweckverband nach EU-Recht. Dessen einzige Funktion besteht darin, den Geopark zu betreiben. Dies ist der erste deutsch-polnische EVTZ, bislang gibt es EVTZ eher mit den westlichen Nachbarn Deutschlands.

Mit dem EVTZ haben wir ein juristisch und wirtschaftlich elegantes Leitungsinstrument in der Hand. Im Sommer 2018 soll der EVTZ stehen. Wir haben allerdings noch Details der Finanzierung und einzelne juristische Fragen zu klären. Zwar sind EVTZ anerkannte EU-Rechtsinstrumente, aber jede Teilhälfte muss dem jeweiligen Landesrecht entsprechen. Alle bisherigen Versuche, deutsch-polnische EVTZ zu etablieren, sind wegen rechtlicher Fragen gescheitert.

Was sind darüber hinaus Ihre Aufgaben im Geopark?

Die eigentliche Geoparkarbeit für die Bürgerinnen und Bürger läuft über die Geschäftsstelle. Sie ist besetzt mit zwei polnischen und zwei deutschen Mitarbeitern. Geoparkführer und Strukturen zu den Landkreisen, zur Stadtverwaltung und zur Kreisverwaltung gibt es auf deutscher und polnischer Seite. Ich selbst leiste Planungs-, Öffentlichkeits- und Entwicklungsarbeit. Seit der ersten Machbarkeitsstudie 2001 für den Geopark haben wir Investitionen im Geopark von etwa 8 Million ausgelöst. Damit war die Machbarkeitsstudie fast ein Masterplan. Seit einem Jahr entwickeln wir einen Masterplan 2.0.

Leistet der Geopark Muskauer Faltenbogen auch Beiträge zur regionalen Entwicklung im größeren Umfeld an der Grenze Brandenburg-Sachsen-Polen?

Im Grenzbereich haben wir Impulse für den Tourismus gegeben, wenn auch in relativ kleinem Maßstab. Es gibt etwa 15 Geoparkführer auf der polnischen Seite, nochmal etwa die gleiche Anzahl auf der deutschen Seite. Und sie ziehen tatsächlich Touristen aus größeren Gegenden an – die Polen sind in Deutschland unterwegs, die Deutschen in Polen. Was können wir mehr leisten, als Menschen ganz persönlich zusammenzubringen!

Was tun sie dazu konkret?

Schon seit 2006 unterstützen wir den Austausch von Schülern der deutschen und polnischen Seite zu gemeinsamen jährlichen Projekten. Wir geben auch eine kleine Schriftreihe heraus, „Geopark mini“, 285 Seiten stark, die im Frühjahr und Herbst zeitgleich in deutscher und polnischer Sprache erscheint. Die Hefte sind auch auf unserer Internetseite verfügbar. Es interessieren sich viele Schulen, Schüler und Lehrkräfte, aber auch Eltern dafür. Zudem führen wir internationale Geocamps durch.

Sie sind nicht nur Geopark, sondern im Gebiet liegt auch eine Welterbestätte. Wie funktioniert die Zusammenarbeit und wie bereichern Sie sich gegenseitig?

Beide, die Welterbestätte Muskauer Park und der Geopark, liegen auf beiden Seiten der Grenze. Tatsächlich fanden die ersten Gespräche 2000 / 2001 zur Entwicklung des Geoparks mit den polnischen Kollegen am Tisch des heutigen Geschäftsführers der für das Welterbe zuständigen Fürst Pückler-Stiftung, Herrn Cord Pannig, statt. Beide Stätten haben das Ziel, die regionale Identität dieser Lausitzer Region, zum einen das kulturelle Erbe Füst Pücklers und zum anderen die landschaftliche Schönheit des Faltenbogens, erlebbar zu machen. Dafür arbeiten wir seitdem eng zusammen.

Dies reicht zurück bis zur öffentlichen Bekanntmachung von Fürst Pückler vom 1. Mai 1815: „Wenn Sie, die Bürger von Muskau, zu einem angemessenen Preis innerhalb eines Jahres Ihren Grund und Boden verkaufen, werde ich einen fantastischen Landschaftspark entwickeln.“ Diese sogenannte Landschaftsdeklaration von Pückler wirkt bis heute. Am 1. Mai 2015, zum 200. Jahrestag der Deklaration, haben wir sie als Landschaftsdeklaration neu aufgelegt als gemeinsame Initiative des Welterbes und des Geoparks, mit den Unterschriften von 40 polnischen und deutschen Kommunalpolitikern sowie Personen öffentlicher Anerkennung.

Ganz konkret: das Welterbe zieht viele Touristen an und ausgehend davon entwickelt sich der Tourismus in den Geopark hinein als eine zusammenwachsende Geschichte mit zwei völlig unterschiedlichen Aspekten: Das eine ist Fürst Pückler, der Gestalter des Muskauer Parks sowie Welt- und Lebemann mit der Kultur, und wir mit unserem Geopark, der Landschaftsentwicklung, der Rohstoffentwicklung, des Rohstoffabbaus und der Gestaltung der Bergbaufolgelandschaft zur heutigen Kulturlandschaft.

Was wird Ihr Hauptprojekt im Jahr 2018 sein?

Das Hauptprojekt wird die Fertigstellung des EVTZ sein. Darüber hinaus beginnen wir ein dreijähriges europäisches Projekt zum Ausbau der touristischen Infrastruktur im Umfang einer halben Millionen Euro, begleitet von Projekten im Umfang von circa 2 bis 3 Millionen Euro in den nächsten drei Jahren auf deutscher und polnischer Seite.

Welche Entwicklung würden Sie sich für das Jahr 2018 wünschen?

Zum einen würde ich mir wünschen, dass sich die weltweite Zusammenarbeit im UNESCO-Geopark Netzwerk mit immer mehr Geoparks weiter so entwickelt wie in der Vergangenheit. Für Deutschland würde ich mir Änderungen in der Gesetzgebung wünschen. Die Naturschutzgesetzgebung sowohl im Bund als auch in Ländern bildet überwiegend den lebenden Teil der Natur - Fauna, Flora und Habitat - ab. Ich würde mir wünschen, dass auch der unbelebte Teil, der geologische Unterbau, und ihre Nutzung durch den Menschen eine ihm zukommende Berücksichtigung findet. Dies ist nicht nur ein Wunsch für ein Jahr. Vielmehr ist es ein Wunsch zum Umdenken in diese Richtung und ein besseres Gesamtverständnis für unsere Mutter Erde. Die gesamte Natur und auch die Landwirtschaft hängen von der Geologie, der Kenntnis über die Erde, ab. Keiner könnte z. B. einen Kohlrabi ohne Böden essen. Hier müssen wir Geoparks Öffentlichkeitsarbeit leisten. Und ich wünsche mir eine stärkere Mitwirkung und auch materielle Unterstützung durch die Bundespolitik.

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