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UNESCO veröffentlicht ersten Überblicksbericht zur Ozeanforschung weltweit

Globale Bestandsaufnahme für einen besseren Schutz der Weltmeere

Der ökologische Zustand der Meere ist sehr besorgniserregend, die damit einhergehenden gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Risiken für die Menschen an Land sind hoch. Daher sollte die Erforschung der Ozeane und ihre kontinuierliche Beobachtung zu einer globalen Priorität werden – so der soeben erschienene Sachstandsbericht zur weltweiten Ozeanforschung, erstellt von der Zwischenstaatlichen Ozeanographischen Kommission (IOC) der UNESCO.

Der Global Ocean Science Report wurde am 8. Juni 2017 in New York im Rahmen der ersten Ozeanschutz-Konferenz der Vereinten Nationen vorgestellt. Die Konferenz endete mit dem politischen Handlungsaufruf an alle Regierungen und die breite Öffentlichkeit, gemeinsam die Meere zu retten.

Für die nächsten Schritte der Weltgemeinschaft dient der neue Bericht der UNESCO als Wegweiser: Erstmalig hat die UNESCO die Ozeanforschung in allen Aspekten – von finanzieller und technischer Ausrüstung über Arbeitskräfte und Infrastruktur hin zu wissenschaftlichen Publikationen – auf globaler Ebene erfasst und verglichen. Diese Daten fügen sich zu einem Gesamtbild der weltweiten Ozeanforschung zusammen und zeigen auf, wo Wissens- und Kapazitätslücken klaffen und wo Potenziale für globale Zusammenarbeiten liegen.

Irina Bokova, die Generaldirektorin der UNESCO, macht deutlich, dass der neue Bericht weit mehr leistet als nur Daten zu präsentieren: „Dieser Pilotbericht unterstützt Staaten und alle anderen Akteure dabei, die richtigen Entscheidungen zugunsten der Ozeane zu treffen und klug zu investieren. Der Bericht hilft auch für die erfolgreiche Umsetzung des UN-Nachhaltigkeitsziels Nummer 14 zur Bewahrung der Ozeane.“ Der Sachstandsbericht der UNESCO soll künftig alle fünf Jahre erscheinen.

Zahlen, Daten, Fakten

Wissenschaftliche Forschung auf offener See ist nicht nur fachlich anspruchsvoll – im Vergleich zu anderer Forschung ist sie logistisch besonders aufwändig zu organisieren. Die Ozeanforschung ist wie kaum ein anderer Forschungsbereich auf umfassende Infrastruktur und hochmoderne technische Ausstattung angewiesen. Es sind hochspezialisierte Institute und Labore, die an der Erforschung mariner Ökosysteme, der Ozeanversauerung und den Auswirkungen menschlichen Handelns an Küstenzonen arbeiten. Von allen Ozeanforschungsinstituten widmen sich nur 39 Prozent einem breiten Themenspektrum.

In dem Bericht wird auch ein Blick auf die Menschen geworfen, die im Bereich der Ozeanforschung tätig sind. Allein in China arbeiten rund 38.000 Wissenschaftler und technische Mitarbeiter in den Meereswissenschaften. An zweiter Stelle folgen die Vereinigten Staaten (ca. 4.000 Forscher), gefolgt von Deutschland (ca. 3.300 Forscher), Frankreich (ca. 3.000 Forscher), Südkorea (ca. 2.400 Forscher) und Italien (ca. 2.100 Forscher). Bezogen auf die Einwohnerzahl liegt Norwegen vorne: Auf 1 Mio. Einwohner kommen 364 Forscher und Techniker, die über die Ozeane forschen, gefolgt von Belgien, Finnland und Deutschland auf Rang 4. Noch eine Besonderheit: Der Anteil der Forscherinnen in den Meereswissenschaften ist mit 38 Prozent um zehn Prozentpunkte höher als im Schnitt aller Naturwissenschaften.

Von entscheidender Bedeutung für Ozeanforschung sind Forschungsschiffe. Sie geben der Forschung Zugang nicht nur zur hohen See, sondern auch zu Küstenzonen und zur Tiefsee. Laut Bericht sind aktuell in den Weltmeeren 325 solcher Forschungsschiffe unterwegs. Davon fährt mit 51 Schiffen die größte Zahl unter US-Flagge, gefolgt von japanischen (29), deutschen (28), türkischen (27), südkoreanischen (26), kanadischen und italienischen (je 20) und französischen Schiffen (18). 43 Prozent aller dieser Schiffe sind unter 35 Meter lang und arbeiten in einem begrenzten Umkreis. Weltweit arbeitende Schiffe mit einer Länge von über 65 Metern machen 20 Prozent dieser Schiffe aus. Daneben werden weltweit 784 marine Feldstationen und -labore unterhalten, jeweils knapp über 20 Prozent davon in Asien, Europa und Nordamerika.

Auf Basis dieser Inputfaktoren (Institute, Personal, Labore, Schiffe) ergibt sich ein vielfältiges Bild mit Blick auf die veröffentlichten wissenschaftlichen Ergebnisse der Ozeanforschung. Zwischen 2010 und 2014 zählt der Sachstandsbericht insgesamt 372.852 wissenschaftliche Publikationen. Davon stammt mit 33 Prozent rund ein Drittel aus Europa, gefolgt von Asien mit 28 Prozent und Nordamerika mit 26 Prozent.

Aufruf zu globalen Forschungskooperationen und alternativen Finanzierungsmodellen

Der Bericht macht sehr deutlich: Es braucht globale Kooperation in der Ozeanforschung. Wissenschaftliche Forschung auf offener See ist teuer und erfordert moderne Schiffe und technische Ausstattung, Satellitenzugriff, moderne Messbojen, Unterwasserroboter und ferngesteuerte Fahrzeuge. Auch die Sammlung und Verarbeitung der erfassten Daten durch Tausende von Wissenschaftler kostet Geld. Eine eigene Ozeanforschung mit allen ihren Facetten können sich nur die industrialisierten Staaten leisten. Schwellen- und Entwicklungsländer können sich spezialisieren, brauchen aber auch in diesem Fall eine Kooperation mit den Industriestaaten.

Da Ozeanforschung zu rund 70 Prozent aus öffentlichen Mitteln finanziert wird, machen sich Einschnitte in den nationalen Haushalten, wie aktuell in den USA geplant, empfindlich bemerkbar. Vor diesem Hintergrund und angesichts der gewaltigen wirtschaftlichen Bedeutung der Weltmeere sowie ihrer Schlüsselrolle im Kampf gegen den Klimawandel fordern die Autoren des Sachstandsberichts, die Förderung für Ozeanforschung breiter aufzustellen.

Als mögliche alternative Finanzierungsmodelle nennt der Bericht Beiträge der Wirtschaft; tatsächlich werden Handelsschiffe bereits für die wissenschaftliche Datenerfassung genutzt. Auch Stiftungen wie die Prince Albert II of Monaco Foundation und die David and Lucile Packard Foundation unterstützen Ozeanforschung und Meeresschutz.

Aber diese Beiträge dürften die Forschung in Entwicklungsländern kaum voranbringen. Daher bleibt die Kernforderung der Autoren die Ausweitung und Erleichterung internationaler Wissenschaftskooperationen – nur so werde vielen Ländern überhaupt erst die Durchführung wissenschaftlicher Projekte ermöglicht.

Weitere Informationen

UNESCO-Webseite zum Global Ocean Science Report

Kurzfassung des Global Ocean Science Report

DUK-Webseite zu Ozeanen

(Artikel erstellt am 19. Juni 2017)

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