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70 Jahre UNESCO – eine Chronik

1975 bis 1984: Neue Konzepte zu Frieden und Entwicklung

1975

UNESCO-Konferenz zum Internationalen Jahr der Frau. Von links: Dinah Silveira de Queiroz (Brasilien), Bundesministerin Dr. Katharina Focke, Willy Brandt, MdB, Dr. Helga Timm, MdB, und Yasmine Zahran (UNESCO)
© BPA

Internationales Jahr der Frau. Die Vereinten Nationen haben das Jahr 1975 zum "Internationalen Jahr der Frau" erklärt. Die UNESCO beteiligt sich mit Projekten in allen Fachbereichen. Die Deutsche UNESCO-Kommission richtet anlässlich des Weltjahres der Frau in Zusammenarbeit mit der UNESCO eine internationale Konferenz in Bonn aus, an der unter anderem Bundesministerin Katharina Focke, der ehemalige Bundeskanzler Willy Brand, die Bundestagsabgeordnete Helga Timm und Yasmine Zahran, Repräsentantin des UNESCO-Generaldirektors, teilnehmen. 

Erste Frau in leitender Stellung. Am 15. Juli erhält Martha Hildebrandt (Peru) als erste Frau den Posten einer Beigeordneten Generaldirektorin der UNESCO.

UN-Universität. In Tokio nimmt die gemeinsam von der UNESCO und der UN gegründete "Universität der Vereinten Nationen" (UNU) ihre Arbeit auf. Eine Außenstelle der UN-Universität mit dem Forschungsschwerpunkt Umwelt und menschliche Sicherheit wird 2003 in Bonn (UN-EHS) angesiedelt.

Das IHP erforscht die weltweiten Wasserressourcen
© UN Photo / Martine Perret

Internationales Hydrologisches Programm (IHP). In Paris findet die konstituierende Sitzung des Zwischenstaatlichen Rats des Internationalen Hydrologischen Programms der UNESCO statt. Das IHP ist die erste und einzige zwischenstaatliche Institution im UN-System zur Erforschung der weltweiten Wasservorkommen. Zu seinen Aufgaben gehören insbesondere die Erforschung der Wechselbeziehungen zwischen dem Wasserkreislauf und der Umwelt, dem Klima und dem Bevölkerungswachstum. Das IHP entwickelt Methoden zur nachhaltigen Wasserbewirtschaftung und baut weltweit Kapazitäten zur Sicherung der Trinkasserversorgung auf. Über 160 Staaten beteiligen sich an dem Programm und haben IHP-Nationalkomitees eingerichtet. Das deutsche IHP-Nationalkomitee besteht seit 1974 und hat seinen Sitz an der Bundesanstalt für Gewässerkunde in Koblenz. 

1976

Traditionelle Sporterziehung in Japan
© UNESCO / Etienne Bustarret

Weltkonferenz der Sportminister (MINEPS). Im April 1976 findet am Sitz der UNESCO in Paris die erste Weltkonferenz der Sportminister statt. Ziel ist eine Bestandsaufnahme der weltweiten Entwicklungen im Sport und die Formulierung strategischer Ziele der internationalen Sportpolitik. 

Geologischer Weltatlas. Nach zwölfjähriger Vorarbeit erscheint der Geologische Weltatlas der UNESCO. Der Atlas stellt eine Synthese der Erkenntnisse von Geologen aus aller Welt dar. Er erfasst auf 21 Karten im Maßstab 1:10 Mio. alle Kontinente, die Antarktis und die Ozeane.

Erste Biosphärenreservate. Im Rahmen des Programms "Der Mensch und die Biosphäre" (MAB) werden die ersten 37 UNESCO-Biosphärenreservate anerkannt. In den Biosphärenreservaten werden gemeinsam mit den dort lebenden und wirtschaftenden Menschen neue Modelle für eine umweltverträgliche und ressourcenschonende Landnutzung entwickelt.

Generalkonferenz tagt erstmals in Afrika. Die 19. UNESCO-Generalkonferenz (26. Oktober bis 30. November) ist die erste, die in Afrika (Nairobi) stattfindet. Die Generalkonferenz verabschiedet die erste "Mittelfristige Strategie" (1977-1982), in der die prioritären Ziele der Organisation in den kommenden Jahren beschrieben werden; genannt werden unter anderem "Garantie der Menschenrechte", "Der Mensch als Mittelpunkt der Entwicklung" und "Anwendung von Wissenschaft und Technologie im Dienst von Mensch und Gesellschaft".

DDR und Bundesrepublik Deutschland im Exekutivrat. Der Romanist Werner Bahner tritt die Nachfolge von Rita Schober als Vertreter der DDR im Exekutivrat an (bis 1978). Die Generalkonferenz wählt Jens Petersen, Ständiger Vertreter der Bundesrepublik Deutschland bei der UNESCO, ebenfalls in den Exekutivrat (bis 1980).

1977

An den Trainingskursen zum Umweltmanagement haben bis heute über 1.000 Fachkräfte aus 120 Staaten teilgenommen. Foto: Teilnehmer des Trainingskurses an der TU Dresden im September 2014
© TU Dresden

Trainingskurse zum Umweltmanagement. Die Technische Universität Dresden, die UNESCO und UNEP starten 1977 ein internationales Trainingsprogramm zum Umweltmanagement. Seitdem werden die Weiterbildungskurse für Teilnehmer aus Entwicklungsländern jährlich angeboten. Nach dem Beitritt der DDR zur Bundesrepublik Deutschland wird das Trainingsprogramm mit Unterstützung des Bundesumweltministeriums fortgeführt. Bis heute haben über 1.000 Fachkräfte aus 120 Staaten an dem Trainingsprogramm teilgenommen. 

Weiterbildungsprogramm zur Erdbebenforschung. Das Geoforschungszentrum in Potsdam (heute Helmholtz-Zentrum) beginnt 1977 mit internationalen UNESCO-Trainingskursen zur Seismologie, die fortan jährlich angeboten werden. Das Kursprogramm besteht bis heute.

Erste Tagung des Welterbekomitees. Zwei Jahr nach Inkrafttreten des Übereinkommens zum Schutz des Natur- und Kulturerbes der Welt (Welterbekonvention) tritt das Welterbekomitee der UNESCO erstmals im Juni 1977 in Paris zusammen.

Aus Mitteln des UNESCO-Fonds wurde 1977 unter anderem das Kulturfestival in Lagos, Nigeria, unterstützt
© UNESCO / Philip Gaunt

UNESCO-Fonds zur Förderung von Kultur. Mit dem Fonds unterstützt die UNESCO seit 1977 Projekte und Initiativen, die einen Beitrag zur internationalen Verständigung und zur Erhaltung der kulturellen Vielfalt leisten.

Erste Weltkonferenz zur Umweltbildung. Die UNESCO und das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) veranstalten im Oktober in Tiflis, Georgien, die erste Zwischenstaatliche Konferenz über Umweltbildung.

1978

In Wien findet im September 1978 der erste internationale Kongress über Menschenrechte im Unterricht statt. Experten der UNESCO beraten auf dem Kongress, wie die Menschenrechtsbildung an Schulen gefördert werden kann.

Als erste Weltkulturerbestätte in Afrika wurden 1978 die Felsenkirchen von Lalibela anerkannt
© UNESCO

Erste Welterbestätten. Das Welterbekomitee der UNESCO tritt zu seiner zweiten Tagung in Washington, D.C., zusammen. Es beschließt die Aufnahme der ersten zwölf Stätten in die Liste des Welterbes. Dazu zählen die Felsenkirchen von Lalibela (Äthiopien), die Galapagos-Inseln (Ecuador), die Altstadt von Krakau (Polen), der Nationalpark Yellowstone (USA) und der Aachener Dom.

Charta der UNESCO-Nationalkommissionen. Die 20. UNESCO-Generalkonferenz verabschiedet die Charta der UNESCO-Nationalkommissionen. Darin werden erstmals Aufgaben, Rechte und Pflichten der UNESCO-Nationalkommissionen detailliert beschrieben. Die UNESCO ist die einzige Sonderorganisation der Vereinten Nationen mit einem Netzwerk von Nationalkommissionen. Diese bringen die Fachkenntnis von Organisationen, Institutionen und Experten aus der Zivilgesellschaft in die zwischenstaatliche Zusammenarbeit ein. Die Expertise der Nationalkommissionen leistet einen wesentlichen Beitrag zur Qualität der UNESCO-Programme.

UNESCO-Sportausschuss. Als federführende UN-Organisation für den Bereich Sport richtet die UNESCO 1978 den Zwischenstaatlichen Ausschuss für Leibeserziehung und Sport (CIGEPS) ein. Die UNESCO geht davon aus, dass Sport einen wichtigen Beitrag zur internationalen Verständigung und zur Erhaltung des Friedens leisten kann. Am 21. November wird von der UNESCO-Generalkonferenz die "Internationale Charta für Leibeserziehung und Sport" verabschiedet.

Medienzentrum in Addis Abeba, Äthiopien
© UNESCO / Dominique Roger

Erklärung zu Massenmedien und Frieden. Die UNESCO-Generalkonferenz billigt am 28. November 1978 per Akklamation die "Erklärung über die grundlegenden Prinzipien des Beitrags der Massenmedien zur Stärkung des Friedens und der internationalen Verständigung, zur Förderung der Menschenrechte und zur Bekämpfung von Rassismus, Apartheid und Aufhetzung zum Krieg".

1979

Neue Konzepte für Entwicklung. UNESCO-Generaldirektor M'Bow fordert vor dem UN-Ausschuss für die "Internationale Entwicklungsstrategie der 80er Jahre" die Beachtung der Rolle von Bildung, Wissenschaft, Kultur und Kommunikation für Entwicklung. Eine Expertentagung der UNESCO in Quito, Ecuador, befasst sich mit Forschungen zum Konzept einer integrierten Entwicklung. Die Forschungen münden 1981 in "A New Concept of Development" (Grundsätze eines neuen Entwicklungskonzepts).

Biosphärenreservat Vessertal-Thüringer Wald
© DUK / Lutz Möller

Erste Biosphärenreservate in Deutschland. Die UNESCO erkennt 1979 die beiden ersten Biosphärenreservate in Deutschland an: das Biosphärenreservat Vessertal-Thüringer Wald und den Steckby-Lödderitzer Forst. Heute gibt es in Deutschland 15 UNESCO-Biosphärenreservate. Es sind Modellregionen, die das Leitbild nachhaltiger Entwicklung gemeinsam mit der Bevölkerung praktisch umsetzen. Deutschland ist eines der wenigen Länder, in denen Biosphärenreservate gesetzlich verankert sind. Ein Nationalkomitee evaluiert die Biosphärenreservate regelmäßig nach speziellen Kriterien.

1980

Debatte zur "Weltinformationsordnung". Unter dem Titel "Many Voices, One World" (deutsch: Viele Stimmen – Eine Welt) erscheint 1980 der Abschlussbericht der MacBride-Kommission. Die Kommission war 1977 unter Vorsitz des irischen Nobelpreisträgers Sean MacBride einberufen worden, um einen umfassenden Bericht über die weltweite Lage der Kommunikation zu erarbeiten. Der Bericht analysiert die Diskrepanzen bei Kommunikationseinrichtungen – von Telefon und Post bis zu den Massenmedien, Datenbanken und Satelliten – und das Ungleichgewicht der Informationsflüsse zwischen Industrie- und Entwicklungsländern und fordert politische Regulierungen. Die 21. UNESCO-Generalkonferenz beschließt nach kontroverser Diskussion des Berichts, die für die Formulierung praktischer Vorschläge für eine "Neue Weltinformations- und -kommunikationsordnung" erforderlichen Untersuchungen in die Wege zu leiten. Dieser Beschluss führt zu einer heftigen und lang anhaltenden öffentlichen Kontroverse über Informationsfreiheit, die erst mit der Aufgabe der Idee einer Weltinformationsordnung 1989 endgültig beendet wird.

Das IPDC unterstützt den Aufbau von Radiostationen in ländlichen Regionen Afrikas und Asiens
© UNESCO / Alberto Jonquières

Gründung des Internationalen Programms zur Medienentwicklung (IPDC). Das zwischenstaatliche Programm wird zur Förderung der Medien vor allem in Entwicklungsländern eingerichtet. Die Anregung hierfür war auf der 20. Generalkonferenz (1978) von den USA ausgegangen, die sich davon einen Verzicht der Entwicklungsländer auf weitere Bestrebungen nach einer "Neuen Weltinformations- und -kommunikationsordnung" erhofften. Das IPDC setzt dort an, wo das Nord-Süd-Gefälle auf dem Informations- und Medienmarkt am größten ist: bei den Nachrichtenagenturen. In den 80er Jahren werden die "Caribbean News Agency" auf Barbados und mehrere Nachrichtenagenturen in Afrika aufgebaut. Das IPDC unterstützt ebenso den Aufbau von Radiostationen in ländlichen Regionen Afrikas und Asiens und fördert die Ausbildung von Journalisten. Seit seiner Gründung hat das IPDC über 1.500 Projekte in mehr als 140 Ländern mit einem Gesamtvolumen von rund 100 Millionen US-Dollar gefördert. Die Bundesrepublik Deutschland gehört zu den größten Geldgebern des IPDC

Frauen in der beruflichen Bildung. Im Juni 1980 findet in Bonn ein internationaler Kongress der UNESCO zur Situation von Frauen in der beruflichen Bildung statt.

Bundesrepublik Deutschland im Exekutivrat. Auf der 21. Generalkonferenz der UNESCO (Belgrad, 23. September bis 28. Oktober) wird Karl Moersch als Vertreter der Bundesrepublik Deutschland in den Exekutivrat gewählt. Er gehört ihm bis 1985 an.

1981

Weltverband der UNESCO-Clubs. Vom 19. Juni bis 3. Juli findet in Paris der zweite Weltkongress der UNESCO-Clubs statt. Der "Weltverband der UNESCO-Clubs und Vereinigungen" (World Federation of UNESCO Clubs, Centres and Associations / WFUCA) wird gegründet.

Bildung für Menschen mit Behinderung. UNESCO-Experten beraten auf einem Weltkongress im November 1981 in Torremolinos, Spanien, über Projekte und Strategien zur Verbesserung der Bildung und Integration von Menschen mit Behinderung.

Die UNESCO setzt sich für die Erhaltung der kulturellen Vielfalt ein
© Mila Petrillo

1982

Zweite Weltkonferenz über Kulturpolitik. An der zweiten UNESCO-Weltkonferenz über Kulturpolitik im Juli/August 1982 in Mexiko-Stadt beteiligen sich Minister aus 129 Staaten. Die Konferenz prägt den seither gültigen "erweiterten Kulturbegriff". Danach umfasst Kultur nicht nur Kunst, Theater, Literatur und Architektur, sondern auch kulturelle Lebensformen, Grundrechte und Wertesysteme. Die UNESCO-Konferenz hebt hervor, dass jede menschliche Entwicklung eine kulturelle Dimension hat.

Die 4. Außerordentliche Generalkonferenz (Paris, 23. November bis 3. Dezember) beschließt die zweite "Mittelfristige Strategie" der UNESCO. Für die Jahre 1984 bis 1989 werden 14 Hauptprogramme beschlossen. Das Themenspektrum umfasst Zukunftsorientierte Studien zur globalen Entwicklung, Bildung für alle, Ausbildung und Gesellschaft, Wissenschaft und ihr gesellschaftlicher Nutzen, Kommunikation im Dienst des Menschen, Informationssysteme und Zugang zum Wissen, Umwelt des Menschen, Boden und Meeresschätze, Kultur und Zukunft, Beseitigung von Intoleranz, Rassismus und Apartheid, Menschenrechte und Völkerrechte sowie die soziale und rechtliche Stellung von Frauen.

Nachrichtenagenturen in Afrika. Mit der Gründung der "Pan African News Agency" (PANA) in Dakar beginnt ein Programm zum Aufbau regionaler Nachrichtenagenturen in Afrika. Die Mittel für den Aufbau von PANA und drei weiteren Nachrichtenagenturen in Zentralafrika (CANAD), im südlichen Afrika (SEANAD) und in Westafrika (WANAD) stellt das deutsche Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung bereit. Die Fördersumme beträgt insgesamt über 26 Millionen Mark.

1983

Weltakademie der Wissenschaften. Um Wissenschaft und Forschung in Entwicklungsländern zu fördern wird 1983 die "World Academy of Sciences" (TWAS) gegründet. Seit 1991 ist die in Triest, Italien, ansässige Organisation Programmeinheit der UNESCO. TWAS fördert unter anderem durch ein Stipendienprogramm Nachwuchswissenschaftler aus Entwicklungsländern und führt sie an internationale wissenschaftliche Exzellenznetzwerke heran.

Gleichstellung der Frau. UNESCO-Generaldirektor M'Bow setzt einen Koordinator für Aktivitäten im Zusammenhang mit der sozialen und rechtlichen Gleichstellung von Frauen ein. 1983 haben Frauen 47 Prozent der Stellen innerhalb der UNESCO inne, davon 19 Prozent der Stellen im höheren Dienst.

Seit den 60er Jahren ist das deutsche Forschungsschiff Meteor II für die UNESCO/IOC im Einsatz
© Hannes Grobe

1984

Projekte zur Meeresforschung. Die UNESCO beginnt 1984 mehrere Projekte zur Erforschung der Ozeane. Zwei Experimente zu weltweiten Meeresströmungen (World Ocean Circulation Experiment) werden gestartet, eine Studie über Wechselwirkungen zwischen tropischen Ozeanen und der globalen Atmosphäre (Tropical Oceans and Global Atmosphere Programme) und ein Projekt zur einheitlichen Interpretation von ozeanographischen Satellitenbildern. 

Austritt der USA. Am 31. Dezember 1984 treten die Vereinigten Staaten von Amerika aus der UNESCO aus. Als Gründe gibt die Reagan-Regierung die "Politisierung, ideologische Einseitigkeit und ein ineffizientes Management der Organisation" an. Der Wiederbeitritt der USA erfolgt 2003.

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