Schriftgröße ändern

Zum Ändern der Schriftgröße verwenden Sie bitte die Funktionalität Ihres Browsers. Die Tastatur-Kurzbefehle lauten folgendermaßen:


[Strg]-[+] Schrift vergrößern
[Strg]-[-] Schrift verkleinern
[Strg]-[0] Schriftgröße Zurücksetzen



schließen
MenüService
Suche
  • Home
  • Schriftgröße

Juni 2007

Bedrohtes Welterbe

Welterbekomitee setzt Galapagos-Inseln, Samarra und Nationalpark Niokolo-Koba auf die Liste des gefährdeten Welterbes

KURT SCHLÜNKES

Auf seiner 31. Tagung vom 23. Juni bis 2. Juli 2007 in Christchurch, Neuseeland, hat sich das UNESCO-Welterbekomitee auch mit den besonders gefährdeten Stätten des Kultur- und Naturerbes befasst. Vier Welterbestätten konnten von der "Liste des gefährdeten Welterbes" wieder gestrichen werden, drei Stätten wurden neu in diese Liste eingetragen. Zum Dresdner Elbtal fasste das Komitee den Beschluss, es vorerst auf der Liste des gefährdeten Welterbes zu belassen.

Galapagos-Inseln sind gefährdet

Die Galapagos-Inseln in Ecuador, der Nationalpark Niokolo-Koba in Senegal und die archäologische Stadt Samarra im Irak wurden neu in die Liste des gefährdeten Welterbes aufgenommen.

Riesenschildkröte, Galapagos
© UNESCO / Evergreen

Galapagos gehört wegen der Einzigartigkeit seines Naturraums und seiner reichen biologischen Vielfalt seit 1978 zum Welterbe. Die 19 Inseln des Archipels gelten als "lebendiger Schaukasten der Evolution".

Die weltweite Berühmtheit der Galapagos-Inseln ist zugleich die Ursache für ihre Gefährdung durch touristische Übernutzung. Die Passagiere von Kreuzfahrtschiffen verbringen auf den Inseln heute mehr als doppelt so viel Zeit wie noch vor 15 Jahren. Durch den Tourismus ist der Schiffsverkehr zwischen den Inseln gestiegen, und immer mehr Menschen, die vom Tourismus leben, sind auf die Inseln gezogen. Eine weitere Bedrohung stellt das Eindringen neuer Spezies in den Naturraum der Galapagos-Inseln dar. Mit der Eintragung in die Liste des gefährdeten Welterbes bezweckt die UNESCO, die Schutzmaßnahmen zur Erhaltung des Naturerbes zu verstärken.

Antilope im Naturpark Niokolo-Koba
© UNESCO / Evergreen

Mit dem Nationalpark Niokolo-Koba wird erneut eine Naturerbestätte Afrikas in die Liste des gefährdeten Welterbes eingetragen. Der Nationalpark in Senegal ist ein bedeutendes Schutzgebiet für Antilopen, Elefanten, Schimpansen, Löwen, Leoparden, seltene Vogel-, Reptilien- und Amphibienarten. Der Park ist durch Wilderei gefährdet und durch ein geplantes Staudamm-Projekt am Gambia-Fluss, das den natürlichen Wasserhaushalt des Gebiets zerstören würde und somit eine ernste Bedrohung des Wildbestands darstellt.

Die archäologische Stadt Samarra im Irak wurde von der UNESCO neu in die Welterbeliste aufgenommen und gleichzeitig in die Liste des gefährdeten Welterbes eingeschrieben. Samarra, an den Ufern des Tigris nördlich von Bagdad gelegen, war im 9. Jahrhundert die Hauptstadt der Abbasidischen Kalifendynastie. Die Reste der archäologischen Stadt bezeugen architektonische und künstlerische Innovationen, die seinerzeit großen Einfluss auf die muslimische Welt ausgeübt haben. Zu den herausragenden Baumonumenten von Samarra zählen die Große Moschee und ihr Spiralminarett. 80 Prozent der archäologischen Stätten sind noch nicht freigelegt.

Everglades gerettet

Dank erfolgreicher Rettungsmaßnahmen konnte der Nationalpark Everglades in Florida nach 14 Jahren aus der Liste des gefährdeten Welterbes gestrichen werden. Das Welterbekomitee lobte die Vereinigten Staaten für ihre Bemühungen um die Erhaltung des Naturerbes. Nach den Zerstörungen, die der Hurrikan "Andrew" 1992 angerichtet hatte, und wegen Umweltverschmutzung waren die Everglades 1993 auf die "Rote Liste" gesetzt worden. Für die Wiederherstellung des natürlichen Ökosystems waren umfangreiche Schutzmaßnahmen erforderlich.

Auch die Gefährdungen der Königspaläste von Abomey in Benin, des Biosphärenreservats Rio Plátano in Honduras und des Kulturerbes im Tal von Kathmandu in Nepal konnten erfolgreich abgewendet werden.

Die Königspaläste und das Museum von Abomey erlitten infolge eines Tornados im März 1984 schwere Schäden. Der Welterbefonds der UNESCO hat die Regierung Benins bei den dringenden Erhaltungsmaßnahmen unterstützt.

Dank der Bemühungen der honduranischen Regierung um ein besseres Umweltmanagement im Biosphärenreservat Rio Plátano bleibt eines der letzten Regenwaldgebiete Mittelamerikas erhalten. Intensive landwirtschaftliche Nutzung, Holzhandel und Wilderei hatten 1996 zur Eintragung in die "Rote Liste" geführt.

Tempelanlage in Bhaktapur
© UNESCO / F. Bandarin

Im Tal von Kathmandu waren unkontrollierte Bauprojekte der Anlass, weshalb das Welterbekomitee sich im Juli 2003 für die Eintragung der Kulturerbestätte in die "Rote Liste" ausgesprochen hatte. Nepal hat den Forderungen des Komitees entsprochen, die städtische Entwicklung mit der Erhaltung des einzigartigen architektonischen Designs der Königsstädte Kathmandu, Patan und Bhaktapur in Einklang zu bringen.

Dresden bleibt vorerst auf der Liste

Das Welterbekomitee fasste den Beschluss, dass die Kulturlandschaft Dresdner Elbtal auf der Liste des gefährdeten Welterbes eingetragen bleibt. Die Eintragung erfolgte am 11. Juli 2006 aufgrund des geplanten Bauvorhabens "Waldschlösschenbrücke". Wird diese Planung umgesetzt, könnte Dresden seinen Welterbestatus verlieren. Alternativvorschläge zu den bisherigen Bauvorhaben sollen bis zum 1. Oktober 2007 dem Internationalen Rat für Denkmalpflege (ICOMOS) und dem Welterbezentrum der UNESCO zur Bewertung vorgelegt werden. In einer ersten Stellungnahme zum Beschluss des Welterbekomitees rief die Deutsche UNESCO-Kommission alle Beteiligten dazu auf, den Kompromissweg zu beschreiten. (Siehe Pressemitteilung vom 27. Juni)

Die Liste des gefährdeten Welterbes verzeichnet damit jetzt 30 Kultur- und Naturerbestätten. Nach Artikel 11 der Welterbekonvention werden in diese Liste Stätten des Welterbes aufgenommen, die "durch ernste und spezifische Gefahren bedroht" sind, wie zum Beispiel durch die Einwirkung von Krieg oder Naturkatastrophen, durch Verfall, infolge fehlender Schutzmaßnahmen oder durch Bauvorhaben, die mit der Welterbekonvention unvereinbar sind. Mit der Eintragung in die Liste will das Welterbekomitee die Aufmerksamkeit der politisch Verantwortlichen und das öffentliche Interesse am Schutz der gefährdeten Kultur- und Naturerbestätten wecken. Die Liste ist nicht Selbstzweck, sondern ein Mittel, den Staat zum Handeln und die Staatengemeinschaft zur Unterstützung zu bewegen.

Die Liste des gefährdeten Welterbes wird jährlich auf der Tagung des Welterbekomitees überprüft. Die Eintragung in diese Liste bedarf der Zweidrittelmehrheit der Komiteemitglieder und kann auch ohne die Zustimmung des Unterzeichnerstaates erfolgen.

Suche

Newsletter

Abonnieren Sie unsere verschiedenen Newsletter. mehr...