UNESCO-Weltdokumentenerbe Waldseemüllerkarte von 1507

Eine neue Weltsicht entsteht

Waldseemüllerkarte von 1507
Die Waldseemüllerkarte von 1507

Die Weltkarte „Universalis cosmographica secundum Ptholomaeie traditionem et Americi Vespucii aliorumque Lustrationes“ gilt international als die erste Landkarte, welche die westliche Hemisphäre und den Pazifischen Ozean getreu wiedergibt. Sie entstand im Gymnasium Vosagense in St. Dié, Frankreich und wurde unter der Leitung von Martin Waldseemüller 1507 in St. Dié oder Straßburg gedruckt. Die Karte ist ein herausragendes Beispiel für einen kulturellen Wendepunkt im Übergang von antiker zu moderner Weltsicht. Auf ihr erscheint zum ersten Mal der Name 'Amerika' als Ehrbezeichnung gegenüber der Schifffahrtsleistung von Amerigo Vespucci.

Illustration Weldokumentenerbe

Waldseemüller gilt als einer der ersten wissenschaftlichen Spezialisten unter den polyhistorisch eingestellten Humanisten seiner Zeit. Er baute auf Ptolemäus auf, erkannte aber dass dessen kartographisches Weltbild überholt war. Von Karte zu Karte entwarf er eine neue Weltsicht, indem er das geographische Wissen des Mittelalters mit den Ergebnissen der Entdeckungen der Portugiesen und Spanier zusammenbrachte. Mit der Straßburger Ptolemäus-Ausgabe vollzog er 1513 bewusst die Trennung zwischen antiker und moderner Kartographie.

Seit 2005 ist die Waldseemüllerkarte Teil des Weltdokumentenerbes als gemeinsamer Vorschlag der Library of Congress in Washington D.C. und des deutschen Nominierungskomitees für das Memory of the World-Programm. Bis 2003 war die Waldseemüller-Karte im Besitz von Johannes Fürst zu Waldburg-Wolfegg und Waldsee mit Standort in der Bibliothek von Schloss Wolfegg. Seitdem befindet sie sich in den Vereinigten Staaten von Amerika. Die Erlaubnis zum Verkauf der Karte wurde vom Land Baden-Württemberg und von der Bundesregierung erteilt.

Fakten

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