UNESCO-Geopark Vulkaneifel

Lehrbuch der Erdgeschichte

Von der Mosel bis hin zur belgischen Grenze erstreckt sich quer durch die westliche Eifel eine Landschaft, die in Europa ihresgleichen sucht. Vulkanische Aktivitäten haben deutliche Spuren in der Region hinterlassen und die Landschaft zu einem Lehrbuch der Erdgeschichte gemacht. Doch nicht nur für Vulkanforscher ist die Region ein begehrtes Ziel: Gerade in touristischer Hinsicht hat die Vulkaneifel eine Menge zu bieten. Vulkankegel, Mineralwasserquellen und eine große Dichte an besonderen Naturphänomenen prägen den UNESCO-Geopark Vulkaneifel.

Der UNESCO-Geopark Vulkaneifel befindet sich im nordwestlichen Teil des rheinischen Schiefergebirges, in der Eifel rund um die Städte Daun, Hillesheim und Gerolstein. Bekannt ist der Geopark vor allem für seine Maare – durch vulkanische Wasserdampfexplosionen geschaffene Krater. Sie entstehen, wenn aufsteigendes Magma mit wasserführenden Schichten in Kontakt gelangt und dadurch schlagartig große Mengen Wasserdampf erzeugt werden. Umgebende Gesteine werden durch Schockwellen zerrüttet und explosionsartig nach oben ausgeworfen. In den ausgesprengten Hohlraum brechen wiederum Gesteinsschollen ein, bis ein trichterförmiger Einbruchkrater entstanden ist. Die Vulkaneifel gilt als das klassische Maargebiet der Erde; der Mundartbegriff „Maar“ aus dem Dauner Raum ist heute die in fast allen Sprachen weltweit gültige Bezeichnung für diese geologische Erscheinungsform.

„Die Erde unter der Vulkaneifel ist immer noch in Bewegung; jedes Jahr rückt die Erdoberfläche einen Millimeter nach oben. Wann der nächste Ausbruch stattfindet, kann niemand vorhersagen.“

In einem Gebiet von etwa 30 mal 55 Kilometer finden sich rund 350 große und kleine Eruptionszentren. Bei den meisten handelt es sich um sogenannte Schlackenkegel und Schichtvulkane, die durch den Auswurf von Lava, Aschen und Schlacken und z.T. auch durch den Ausfluss von Lavaströmen entstehen. In 75 Fällen handelt es sich um Maartrichter, von denen heute zwölf noch einen Maarsee enthalten – die „Augen der Eifel“.

Eine erste vulkanische Phase ließ vor 45 –35 Millionen Jahre Vulkane entstehen. Vor 700.000 Jahren begann dann eine zweite Phase vulkanischer Aktivität. Die meisten der heute mit Wasser gefüllten Maare entstanden vor rund 20.000 bis 40.000 Jahren. Vor rund 11.000 Jahren brach das Ulmener Maar aus, Deutschlands jüngster Vulkan. Die Erde unter der Vulkaneifel ist noch in Bewegung und die Eifel hebt sich jedes Jahr um bis zu einen Millimeter. Es gibt unzählige Kohlendioxidquellen und unter der Vulkaneifel befindet sich eine heiße Zone, die bis weit in den Erdmantel reicht. Dies sind Indizien dafür, dass auch der Vulkanismus in der Region noch nicht beendet ist – er hat nur eine Ruhepause eingelegt. Wann der nächste Ausbruch stattfindet, kann niemand vorhersagen.

Darüber hinaus bietet die Vulkaneifel Fossilien von Weltrang, wie zum Beispiel das Eckfelder Urpferdchen, die älteste bisher bekannte Honigbiene oder die fossilen Riffwelten der Gerolsteiner Dolomiten.

2005 wurde das Gebiet als Nationaler Geopark anerkannt, nachdem es ein Jahr zuvor bereits in das Netzwerk Globaler Geoparks aufgenommen worden war. 2015 folgte die UNESCO-Anerkennung.

Ein Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung

Der UNESCO-Geoparks Vulkaneifel bewahrt und entwickelt das geologische Erbe und die Landschaft in einer Weise, dass gleichzeitig die wirtschaftliche Existenz der dort lebenden Menschen gestärkt wird. Gerade vor dem Hintergrund des demographischen Wandels arbeitet der Geopark als Investition in eine zukunftsorientierte Infrastruktur, die auch den kommenden Generationen zugutekommt. Um die Geopark-relevanten Themen wie Geologie, Wirtschaft, Gesellschaft, Kultur und Umwelt dabei unter der gemeinsamen Leitidee einer Nachhaltigen Regionalentwicklung zusammenzubringen, hat der Geopark bereits 2012 einen Masterplan erstellen lassen.

Heute findet in der Vulkaneifel ein ausgeprägter Geotourismus statt. Fünf Geo-Museen bringen Besucherinnen und Besuchern die Vielzahl der naturwissenschaftlichen Phänomene der Vulkaneifel näher. Jedes Museum hat seine thematischen Schwerpunkte und widmet sich verschiedenen Facetten geowissenschaftlicher, aber auch naturkundlicher, geschichtlicher, kultureller und technischer Besonderheiten der Vulkaneifel – darunter Themen wie die Eisenindustrie, Fossilien und vulkanische Phänomene. Den Themen der Vulkaneifel widmen sich zudem zahlreiche regionale Erlebniswege, wie z.B. „Mühlstein- und Eishöhlen“ oder „Wüsten, Wasser und Vulkane“. Bildungspakete, die sich gleichermaßen an Besucherinnen und Besucher als auch die Menschen vor Ort richten, sowie eine kreative Öffentlichkeitsarbeit sollen die Identifikation der Menschen mit ihrer Region weiter bestärken.

Internationale Partnerschaften

Mit dem chinesischen UNESCO-Geopark Wudalianchi, der ebenfalls in einem Vulkangebiet liegt, besteht seit 2008 eine enge Kooperation. Insbesondere tauschen die beiden Partner sich über Vulkane als Alleinstellungsmerkmal für Geoparks aus.

Fakten

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