UNESCO-Biosphärenreservat Thüringer Wald

Biosphärenreservat Thüringer Wald

Das UNESCO-Biosphärenreservat Thüringer Wald liegt mitten im gleichnamigen Mittelgebirge. Der Großteil des Gebiets ist bewaldet, auf den Höhen und in den tief eingeschnittenen Tälern. Bergwiesen reichen bis an die Orte heran oder liegen mosaikartig im Wald. Das Gebiet ist ein Hotspot der biologischen Vielfalt und ein Juwel landschaftlicher Schönheit. Daher hat der Tourismus eine lange Tradition, bekannt ist vor allem der Höhenwanderweg „Rennsteig“, der etwa 30 Kilometer durch das Gebiet führt.

Größere Siedlungen liegen am Gebirgsrand, die kleineren Orte in den Tälern und auf den Hochflächen. Im Weltnetz der Biosphärenreservate steht der Thüringer Wald für die Lebensräume Wälder des gemäßigten Europa, Bergwiesen, Hochmoore, und naturnahe Bergland-Fließgewässer.

Als eines der ältesten Biosphärenreservate Deutschlands umfasste es 1979 ausschließlich das Vessertal und wurde daher nach diesem benannt. Mit der Erweiterung 1990 kamen bereits weitere Täler und Flächen hinzu, verbunden mit der Namensänderung in Vessertal-Thüringer Wald. Mit der Erweiterung 2016 wurde die Fläche verdoppelt. Zur Stärkung der Identität erfolgte die Namensänderung in Thüringer Wald.

Das Biosphärenreservat liegt mitten im Thüringer Wald zwischen Ilmenau, Oberhof, Schleusingen, Suhl und Masserberg. Der insgesamt 170 Kilometer lange Wanderweg "Rennsteig" lädt im Biosphärenreservat auf 30 Kilometern dazu ein, die Natur zu Fuß zu erkunden. Ein sehr großer Teil der Fläche ist von bergigen Buchen- und Fichtenwäldern bedeckt, tief in den Tälern finden sich artenreiche, landschaftlich reizvolle Wiesen und Weideflächen. Hier sind seltene Tierarten wie der Schwarzstorch oder der Feuersalamander beheimatet. Von Bedeutung sind die Bergwiesen um Schmiedefeld am Rennsteig, Neustadt am Rennsteig, um Suhl und Schönbrunn. Das Biosphärenreservat gehört mit mehr als der Hälfte der Fläche zum europäischen Schutzgebietssystem „NATURA 2000“.

Fakten

  • Jahr der Anerkennung: 1979 (1. Erweiterung 1986, 2. Erweiterung 1990, 3. Erweiterung 2016)
  • Bundesland: Thüringen
  • Größe: ca. 337 km2 (davon Kernzone 10,4 km2 und Pflegezone 79,3 km2)
  • Repräsentierter Landschaftsraum: Thüringisch-Fränkisches Mittelgebirge
  • Webseite: www.biosphaerenreservat-thueringerwald.de

Beiträge zur nachhaltigen Entwicklung

Der Tourismus hat im Thüringer Wald eine lange Tradition und ist heute ein wichtiger Wirtschaftszweig. Im Mittelpunkt stehen Angebote zum Naturerlebnis. Mit Rangern und zertifizierten Naturführern können die Gäste die Natur hautnah erleben. Mehr als 10 Hotels und Gastronomiebetriebe wurden bereits im Rahmen der Partnerinitiative unter Aspekten der Nachhaltigkeit zertifiziert und bieten entsprechende Hotelpauschalen an. Künftig soll das Biosphärenreservat als touristische Produktmarke entwickelt werden.

Besondere Produkte aus dem Biosphärenreservat sind Kräuter, Honig, Fisch und Wildbrett. Genuss-Wochenenden und ein jährlicher Biosphärenmarkt fördern die regionale Vermarktung und die Bildung weiterer Netzwerke.

Zum nachhaltigen Tourismus gehört eine nachhaltige Mobilität, auch als Beitrag zum Klimaschutz. Das Biosphärenreservat ist durch seine zentrale Lage in Deutschland mit der Bahn sehr gut erreichbar. Als Mitglied der Kooperation Fahrtziel Natur wird es von der Deutschen Bahn bundesweit beworben. Für die Gäste im Biosphärenreservat wurden neue Mobilitäts-und Serviceangebote entwickelt. Vor Ort sind Urlauber seit 2015 mit der Gästekarte mit integriertem Rennsteig-Ticket kostenfrei mobil. Sie können die Busse der Region nutzen und an Wochenenden den RennsteigShuttle vom Bahnhof Ilmenau zum Bahnhof Rennsteig. Damit ist eine Bahnstrecke, die 1998 stillgelegt wurde, mit touristischem Verkehr wieder belebt. Ein besonderer Anlaufpunkt ist das 2015 eröffnete Informationszentrum Biosphärenreservat mit seinen ganzjährigen Veranstaltungen.

Das Projekt KOMET verfolgt eine nachhaltige Siedlungsentwicklung, um die vom demographischen Wandel betroffenen Orte beim Umgang mit Leerstand zu unterstützen, die Einwohner zu sensibilisieren und in Entscheidungen einzubinden. Dadurch sollen die Orte auch in Zukunft lebendig und lebenswert bleiben. Die Orientierung auf die Bedürfnisse und auf die Innenentwicklung der Orte spielt dabei eine wichtige Rolle.

Seit 2013 steht ein Modellvorhaben von ThüringenForst „Waldumbau in den Kammlagen des Thüringer Waldes unter den Aspekten des Klimawandels“ mit einer Laufzeit von 10 Jahren und einem Finanzvolumen von ca. 7,5 Mio. Euro im Mittelpunkt. Dabei geht es auch  um die Einbringung der Weißtanne, ein spezifisches Jagdmanagement und Anpassungsstrategien an den Klimawandel auf Basis des EU-Projekts „Adaptive Management of Climate-induced Changes of Habitat Diversity in Protected Areas“ (HABIT-CHANGE).

Darüber hinaus werden die Fachbeiträge Wald und Fachbeiträge Offenland für die Pflegezonen im Rahmen der FFH-Managementplanung erarbeitet.

Seit 2011 renaturiert die Naturstiftung Davis als Projektträger gemeinsam mit ThüringenForst und weiteren Partnern schmale Waldbäche in kompletten Gewässersystemen. Im Projektgebiet Gera (mit 2 FFH-Gebieten) werden bis 2019 ca. 80 Kilometer Quellarme der Zahmen und Wilden Gera renaturiert. Im Mittelpunkt stehen die Erhaltung, Entwicklung und Vernetzung von Vorkommen von Feuersalamandern.

Angebote der Bildung für nachhaltige Entwicklung für Kinder sind u.a. Projekttage, die Biosphärenreservats-Ralley, Ferienangebote, Programme für Kindergärten und Regelschulen und das Junior-Ranger-Programm. Seit 2010 besteht ein Kooperationsvertag mit dem Dr.-Max-Näder-Gymnasium, einer UNESCO-Projektschule, in Königsee, jährlich gibt es gemeinsame Aktionen und Projekte. Ausgebaut wird die Zusammenarbeit mit Schullandheimen und Jugendherbergen. Für Erwachsene stehen die Angebote der Ranger und Naturführer sowie eine Wildtierbeobachtung im Programm. Es finden Fachexkursionen, Lehrerfortbildungen und Aktionen im Rahmen von „Ehrensache Natur- Freiwillige in Parks“ von EUROPARC statt.

Im Biosphärenreservat wurde mit der Erstaufnahmen der Kernzonen begonnen. Im Jahr 2018 wird das Konzept „Forschung und Monitoring“ vorliegen.