UNESCO-Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin

Kranichland, Eiszeitlandschaft und Ökolandbau-Pionier

Das UNESCO-Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin nordöstlich von Berlin ist eine eindrucksvolle Kulturlandschaft. Die von der Eiszeit geprägte Landschaft der Uckermark und des Barnims umfasst rund 240 Seen, tausende Moore und ausgedehnte Wiesen und Äcker. Knapp die Hälfte der Fläche ist bewaldet.

Das UNESCO-Weltnaturerbe Grumsin, Teilgebiet der länderübergreifenden Welterbestätte Alte Buchenwälder und Buchenurwälder der Karpaten und anderer Regionen Europas ist als Kernzone des Biosphärenreservats schon seit Jahren streng geschützt. 70 km2 Baltischer Buchenwälder sind ein Alleinstellungsmerkmal, darunter das weltweit größte noch zusammenhängende Vorkommen dieses Waldtyps. Ein großes Netz an Rundwanderwegen macht Schorfheide-Chorin zu einem Magnet für Wanderer.

Die Gletscherschmelze nach der letzten Eiszeit und die jahrhundertelange Bewirtschaftung ließen in der Schorfheide, 75 Kilometer nordöstlich von Berlin, eine reichgegliederte Landschaft entstehen. Ein Wechsel von hügeligen Endmoränenzügen, sanften Tälern und steilen Abbrüchen, Sanderflächen und Mooren, Seen, Feldsöllen und vielen kleinen Feuchtgebieten prägt das Aussehen dieser einzigartigen Kulturlandschaft. Es ist Ergebnis jahrhundertelanger Nutzung und Bewirtschaftung durch den Menschen. Das Land ist heute dünn besiedelt und bietet so zahlreichen Tier- und Pflanzenarten einen Lebensraum. Von den über 1.300 nachgewiesenen Blühpflanzen- und Farnarten ist ein Drittel gefährdet – für 30 Arten hat das Biosphärenreservat eine überregionale Verantwortung. Auch mehrere gefährdete Tierarten sind hier zuhause, zum Beispiel Fischotter und Elbebiber mit jeweils mindestens 100 Revieren. Nicht nur der Kranich ist hier zuhause, sondern auch stark gefährdete Großvogelarten mit vielen Brutpaaren, wie Seeadler, Fischadler, Wanderfalke und Schwarzstorch.

Die Schorfheide und der Choriner Endmoränenbogen sind zwei kulturhistorisch unterschiedliche Landschaften, die sich westlich (Schorfheide) und östlich (Choriner Endmoränenbogen) der Autobahn Berlin-Prenzlau erstrecken. Historische Siedlungen und Bauwerke sind Zeugen der Schorfheider Geschichte. 75 Gemeinden und die Kleinstädte Joachimsthal und Greiffenberg mit insgesamt 35.000 Einwohnern liegen im Biosphärenreservat. Im Süden befindet sich mit der restaurierten Ruine des Klosters Chorin eine besonders sehenswerte Anlage, die zum Choriner Musiksommer jährlich Hunderttausende Musikfreunde anlockt.

Fakten

  • Jahr der Anerkennung: 1990
  • Bundesland: Brandenburg
  • Größe: 1.292km2 (davon 36 km2 Kernzone und 241 km2 Pflegezone)
  • Repräsentierter Landschaftsraum: Norddeutsche Jungmoränenlandschaft
  • Webseite: www.schorfheide-chorin-biosphaerenreservat.de  

Beiträge zur nachhaltigen Entwicklung

Ziel des UNESCO-Biosphärenreservats ist es, die Interessen der im Gebiet lebenden Menschen mit dem Erhalt der Natur- und Kulturlandschaft für eine nachhaltige Entwicklung in Einklang zu bringen. Fast 79 Prozent der gesamten Fläche sind – möglichst nachhaltig - wirtschaftlich zu nutzende Landschaften.

Das Biosphärenreservat fördert unter anderem durch Partner nachhaltiger Landwirtschaft den Erhalt bedrohter Nutzpflanzen wie alter Getreide-, Kartoffel- und Obstsorten. Ökolandbau wird auf knapp einem Drittel der landwirtschaftlichen Fläche betrieben. Hinzu kommen 11 Prozent extensive Grünlandnutzung. Damit hat das Biosphärenreservat einen der höchsten Anteile an Ökolandbau bundesweit.

Das Prüfzeichen des Biosphärenreservates Schorfheide-Chorin, eine Regionalmarke mit Qualitätskriterien, dient seit 1998 der Stärkung regionaler Wirtschaftskreisläufe. Es zeichnet nachhaltig produzierte regionale Produkte und Dienstleistungen aus und unterstützt als Marketing- und Vernetzungsinstrument die regionale Wertschöpfung und zugleich die Naturschutzziele. Unter den etwa 80 Prüfzeichennutzern sind Landwirte, Lebensmittelverarbeiter, Gastronomen, Hoteliers, Händler sowie Baubetriebe, die sich für die regionale Baukultur engagieren. Prüfzeichen gibt es für verschiedene Branchen (zum Beispiel Landwirtschaft, Gartenbau, Imkerei, Fischerei),  verschiedene  Produkte  (zum Beispiel Säfte,  Fleisch-  und  Wurstwaren)  sowie  für Handwerk und auch andere Kunstformen. Das Ökodorf Brodowin ist ein bekannter Musterbetrieb. Seit 2017 besteht zudem die Möglichkeit für Betriebe der Tourismusbranche, „Partner des Biosphärenreservats“ zu werden.

Daneben unterstützt das Biosphärenreservat mit umfangreichen Beratungsangeboten die Siedlungsentwicklung der Dörfer für den Erhalt historischer Bausubstanz und von Gewerbe- und Industriestandorten. Ziel ist es, nachhaltige Bioenergiedörfer zu entwickeln, deren Strom- und Wärmeversorgung durch eine nachhaltige, regenerative Energieerzeugung sichergestellt werden soll. Ein Null-Emissions-Mobilitäts-Netzwerk entsteht und umfasst unter anderm das solare Forschungsschiff „Solar Explorer“ auf dem Werbellinsee.

Das Biosphärenreservat wird häufig von internationalen Gästen besucht, die sich über die Arbeit informieren.

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