UNESCO-Biosphärenreservat Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer und Halligen

Meeresgrund trifft Horizont

Das Wattenmeer ist eine der letzten großräumigen Naturlandschaften Deutschlands. Die Naturlandschaft erstreckt sich bis in die Niederlande und nach Dänemark.

Das Wattenmeer wurde länderübergreifend 2009 von der UNESCO als Welterbe anerkannt. Als UNESCO-Biosphärenreservate und Nationalparks sind die Gebiete entsprechend der Bundesländer Niedersachsen, Hamburg und Schleswig-Holstein separat geführt. An der Schleswig-Holsteinischen Nordseeküste umfasst das Biosphärenreservat mit den Halligen zudem eine besondere Landschaftsform, in der die nachhaltige Entwicklung des Wattenmeeres besonders ausgeprägt ist und wo rund 250 Tierarten und unvergleichliche Ökosystemtypen vorkommen. Neben der Hochregion der Alpen ist das Wattenmeer an der Nordseeküste die letzte großflächige Wildnis Europas.

Der Schleswig-Holsteinische Wattenmeer-Nationalpark ist der größte Nationalpark zwischen dem Nordkap und Sizilien. Ein besonderer Lebensraum sind die vom Meer regelmäßig überfluteten Salzwiesen entlang der Wattenmeerküste, die so nirgendwo sonst vorkommen. Das Wattenmeer ist das vogelreichste Gebiet Europas. Allein der schleswig-holsteinische Teil wird im Frühjahr und Spätsommer von mehr als zwei Millionen Watt- und Wasservögeln aufgesucht, die überwiegend an den arktischen Küsten brüten; außerdem leben hier Seehunde oder Schweinswale. Die Halligen und die naturnah erhaltenen Salzwiesen prägen die Landschaft. Im Weltnetz steht das Biosphärenreservat für die Lebensräume Wattflächen, Salzwiesen, Dünen, Strände und Sände.

Fakten

  • Jahr der Anerkennung: 1990
  • Bundesland: Schleswig-Holstein
  • Größe: 4.431 km2 (davon 1.570 km2 Kernzone und 2.840 km2 Pflegezone)
  • Repräsentierter Landschaftsraum: Watten, Inseln und Marschen
  • Webseite: www.nationalpark-wattenmeer.de/sh

Beiträge zur nachhaltigen Entwicklung

Ebenso gern wie die Vögel nutzt der Mensch die Nordseeküste in Schleswig-Holstein. Jährlich eine Million Gäste unternehmen Wattwanderungen, nutzen andere naturkundliche Angebote oder besuchen Informationseinrichtungen. Sanfter Tourismus erhält nicht nur Natur, auch die besondere Kultur der Küste ist lebendig. Neben Plattdeutsch sprechen die Friesen bis heute ihre Sprache. Die Halligen Langeneß, Oland, Gröde, Nordstrandischmoor und Hooge, auf denen knapp 300 Menschen leben, haben sich 2005 auf eigenen Wunsch dem bereits 1990 ausgewiesenen Biosphärenreservat angeschlossen und bilden seine Entwicklungszone. Aber auch weitere Gemeinden in und um das Biosphärenreservat interessieren sich, Teil der Entwicklungszone zu werden.

Landwirtschaft, Küstenschutz und Tourismus sind die Existenzgrundlage der Bewohner der Halligen. Das gesamte Jahr über wird auf den Halligen nachhaltig gelebt und gewirtschaftet. Inzwischen gibt es zudem ein gemeinsames Marketing, mit dem Ziel, die Qualität des Angebots zu steigern und neue Gäste für das Halligleben zu begeistern. Um Akzeptanz für Naturschutzmaßnahmen werben zum Beispiel erfolgreich die „Ringelganstage“. Sie fanden bereits über zwanzig Mal statt und locken mit einem vielseitigen Veranstaltungsprogramm und Exkursionen nicht nur Vogelkundler auf die Halligen.

Seit 2017 und einem neuen Muschelfischereiprogramm mit öffentlich-rechtlichem Vertrag sind 87 Prozent des Schutzgebiets frei von jeglicher Miesmuschelwirtschaft. Auch Krabbenfischerei im Wattenmeer soll künftig MSC zertifiziert werden. Wie die Fischerei auf Miesmuscheln wurde auch die Krabbenfischerei vom MSC als nachhaltige Fischereiform zertifiziert.

"Die Auszeichnung als UNESCO Biosphärenreservat ist etwas Besonderes. Sie ehrt, was für die Halligbewohner Grundlage ihres Lebens ist: die wilde, eigensinnige Natur des Wattenmeeres verbunden mit der Kulturlandschaft – ein einzigartiger Raum, in dem die Menschen hier naturverträglich leben und wirtschaften.“

Robert Habeck, Umweltminister von Schleswig-Holstein

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