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Gewinner des Jakob Muth-Preises für inklusive Schulen ausgezeichnet

Festakt fand am 25. September in der Zitadelle Spandau in Berlin statt

Am 25. September wurde in der Zitadelle Spandau in Berlin der Jakob Muth-Preis 2019 verliehen. Preisträger waren in diesem Jahr die Staatliche Gemeinschaftsschule Kulturanum in Jena, die Friedenauer Gemeinschaftsschule aus Berlin, die Schule An der Burgweide in Hamburg und die Marie-Kahle-Gesamtschule in Bonn. Das Projekt „Herausspaziert“ der Matthias-Claudius-Gesamtschule in Bochum wurde mit dem zum ersten Mal vergebenen Publikumspreis ausgezeichnet. Die ausgezeichneten Schulen und der Publikumspreis erhalten ein Preisgeld in Höhe von jeweils 3.000 Euro.

Überreicht wurden die Preise vom Beauftragten der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen Jürgen Dusel, dem Thüringer Minister für Bildung, Jugend und Sport Helmut Holter, der Berliner Senatorin für Bildung, Jugend und Familie Sandra Scheeres, der Vorsitzenden des Expertenkreises Inklusive Bildung der Deutschen UNESCO-Kommission Ute Erdsiek-Rave sowie dem Vorstandsmitglied der Bertelsmann Stiftung Jörg Dräger. Im Rahmen einer Podiumsdiskussion betonten sie die Notwendigkeit einer breiten Verankerung von Inklusion im gesellschaftlichen Bewusstsein.

Alle ausgezeichneten Schulen wurden in kurzen filmischen Porträts vorgestellt, in denen nachdrücklich aufgezeigt wurde, wie Inklusion auf schulischer Ebene gelingen kann. Eingerahmt wurde die Verleihung der Preise durch musikalische und künstlerische Darbietungen der Schülerinnen und Schüler der ausgezeichneten Schulen, in denen auch die Themen Vielfalt und Teilhabe aufgegriffen wurden.

Das „Kulturanum“ in Jena hat die Jury des Jakob Muth-Preises durch die systematische Verbindung des inklusiven Lernens mit dem umfassenden kulturellen Bildungsangebot überzeugt. Zu den Stärken der Jenaer Gemeinschaftsschule gehören das durchgängige Konzept des jahrgangübergreifenden und projektorientierten Lernens, die konsequente Einbeziehung des schulischen Umfelds sowie die gute Zusammenarbeit mit den örtlichen Betrieben, Vereinen und weiteren Bildungseinrichtungen.

Ausgezeichnete Schulen überzeugen auf unterschiedliche Art und Weise

Die erst im Jahr 2012 aus insgesamt vier Schulen fusionierte Friedenauer Gemeinschaftsschule überzeugte mit dem Konzept der individuellen Förderung, der engen Verzahnung des Ganztagsangebots mit dem Unterricht sowie den vielfältigen Angeboten zur Berufsvorbereitung für Kinder und Jugendliche mit Förderbedarf. Besonders hervorzuheben ist ihr Einfallsreichtum, um ihr umfassendes Inklusionsverständnis umzusetzen.

Der Schule an der Burgweide in Hamburg gelingt es in einem sozialen Brennpunkt vorbildlich, Kinder mit unterschiedlichem kulturellen Hintergrund und derzeit 29 Muttersprachen sowie mit und ohne sonderpädagogischem Förderbedarf inklusiv zu unterrichten. Jahrgangsübergreifendes Lernen, individuelle Förderung, zahlreiche musikalische und künstlerische Angebote sowie eine systematische Elternarbeit gehören zum gelebten Selbstverständnis der sechsjährigen Grundschule.

Die Marie-Kahle-Gesamtschule in Bonn arbeitet mit der sogenannten Dalton-Methode, einem aus den USA stammenden Unterrichtskonzept, das inklusives Lernen vorbildlich unterstützt und begünstigt. Dabei arbeiten die Schülerinnen und Schüler autonom in ihrem eigenen Tempo und können Raum, Fach und Lernpartner selbstständig auswählen.

Das Projekt „Herausspaziert“ der Matthias-Claudius-Gesamtschule in Bochum zeigt in besonderer Weise, wie Schülerinnen und Schüler, mit und ohne Behinderungen, gemeinsam Herausforderungen außerhalb der Schulmauern meistern.

Hintergrund

Der Jakob-Muth-Preis wird seit dem Jahr 2009 vom Beauftragten der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen, Jürgen Dusel, der Deutschen UNESCO-Kommission und der Bertelsmann Stiftung vergeben. Insgesamt gab es seit der ersten Preisverleihung vor zehn Jahren etwa 700 Bewerbungen auf den Jakob Muth-Preis – rund 670 von Einzelschulen und knapp 30 von regionalen und lokalen Verbünden.

Inklusion ist ein zentrales Ziel der globalen Agenda Bildung 2030. Inklusion im Bildungsbereich bedeutet, dass allen Menschen die gleichen Möglichkeiten offen stehen, an qualitativ hochwertiger Bildung teilzuhaben und ihre Potenziale entwickeln zu können, unabhängig von besonderen Lernbedürfnissen, einer Behinderung, Herkunft, Geschlecht, sozialen und ökonomischen Voraussetzungen.

In Deutschland ist Inklusion eine der größten schulpolitischen Aufgaben. Deutschland hat sich im Jahr 2009 mit der UN-Behindertenrechtskonvention verpflichtet, allen Kindern den Besuch einer Regelschule zu ermöglichen.

Publikation

Reich, Kersten: Inklusive Bildung in Deutschland umsetzen.
Deutsche UNESCO-Kommission, 2018