Auf ein Wort,

„In unserem Wirtschaftssystem werden nachhaltig agierende Unternehmen benachteiligt“

Als Geschäftsführerin des Familienunternehmens VAUDE setzt Dr. Antje von Dewitz in allen Unternehmensbereichen auf Nachhaltigkeit. Mit der Deutschen UNESCO-Kommission sprach sie über ihre Erfahrungen und das Verhältnis von BNE und Wirtschaft.

Seit Sie das Unternehmen 2009 übernommen haben, haben Sie in allen Unternehmensbereichen auf Nachhaltigkeit gesetzt. Warum?

Als Tochter eines Unternehmers bin ich in einem kleinen schwäbischen Dorf aufgewachsen. Zu dieser Zeit war in dieser ländlichen Gegend das Misstrauen gegenüber Unternehmen relativ groß – erst recht, wenn sie in Asien produzierten. Das hat den Wunsch nach Transparenz und nach einem guten, nachhaltig agierenden Unternehmen in mir sehr stark werden lassen. Neben meinem Vater habe ich eine sehr nachhaltigkeitsbewegte Mutter, die schon immer  systemkritisch war. So haben wir oft am Abendbrottisch intensiv darüber diskutiert, in was für einem System wir eigentlich leben und wie gutes Wirtschaften aussieht. Außerdem hatte ich eine tolle Lehrerin, die sehr systemorientiert über die Zusammenhänge in der Welt berichtet hat.

Als ich dann beschlossen hatte, das Unternehmen zu übernehmen und dies mit meinem Vater besprochen hatte, war für mich schon klar: Ich möchte ein Unternehmen, in dem alles transparent ist und zwar überall auf der Welt, wo wir produzieren.

Ihr Ziel ist es, fair und umweltfreundlich zu agieren und gleichzeitig den Erfolg des Unternehmens zu fördern. Wie gut lassen sich diese beiden Ziele miteinander vereinbaren?

Extrem schwer. Denn in dem Wirtschaftssystem, in dem wir uns bewegen, sind nachhaltig agierende Unternehmen benachteiligt. Für sie ist der Aufwand extrem hoch, die Zielkonflikte und die Komplexität sind riesig. Umweltfreundliche Materialien etwa sind wesentlich teurer. Wenn man sich für faire Arbeitsbedingungen weltweit einsetzt, bedeutet das einen größeren Aufwand und ist kostenintensiv. Da ökologische und soziale Verantwortung gesetzlich nicht gefordert wird, stehen wir als nachhaltig agierendes Unternehmen im direkten Wettbewerb mit solchen, die sich nicht darum kümmern. Diese Unternehmen können Preise anbieten, die weit unter unseren liegen. Oder sie streichen viel höhere Margen ein und können damit deutlich mehr Geld für Marketing und Kommunikation ausgeben.

Das ist aber nur eine Seite der Medaille. Die andere Seite zeigt, dass wir durch unseren Weg neue Zielgruppen gewinnen und stetig neue Kundinnen und Kunden auf uns aufmerksam machen. Es kommt uns entgegen, dass immer mehr Menschen weltweit bewusst und mit gutem Gewissen konsumieren möchten. Das entspricht unserer Ausrichtung und wir haben es geschafft, eine Marke des Vertrauens für diesen Kundenkreis zu werden. Es ist also die Mischung aus beidem.

Sie gehen diesen Weg seit etwa zehn Jahren. Haben Sie mittlerweile ein Level erreicht, auf dem es leichter wird?

Die ersten fünf Jahre hat uns die Komplexität dieses Vorhabens mit dem damit verbundenen Aufwand, den Kosten und den Zielkonflikten sehr gefordert. Zunächst mussten wir intern die erforderlichen Kompetenzen aufbauen und viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter schulen. Durch all diese Maßnahmen war unsere Innovationskraft in anderen Bereichen eingeschränkt. Denn zunächst hieß es vor allem Hausaufgaben machen und auf einen guten Stand kommen, was etwa Schadstoffe und Arbeitsbedingungen angeht.

Heute sind wir einen großen Schritt weiter und erschließen Themen, die unserer Marke ihre Einzigartigkeit und Innovationskraft geben. Es ist leichter geworden, unter anderem weil wir als Familienunternehmen ein begehrter Entwicklungspartner und Arbeitgeber sind. Als Innovationspartner von vielen Universitäten und Materialherstellern haben wir ganz neue und innovative Materiallösungen entwickeln können, wie beispielsweise ein neuartiges Holzfaser-Fleece, das kein Mikroplastik in den Meeren freisetzt. Das sind die Themen, die uns Spaß machen und uns eine enorme Innovationskraft verleihen.

Das komplette Interview finden Sie im BNE-Portal.

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