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Open Educational Resources als Instrument zur Erreichung der Bildungsziele 2030

Von Jan Neumann

Folgt man der UNESCO, so stellt der allgemeine Zugang zu hochwertiger Bildung den Schlüssel zur Erreichung von Frieden, nachhaltiger, sozialer und ökonomischer Entwicklung sowie interkulturellem Dialog dar. Vieles spricht dafür, dass insbesondere Offene Bildungsmaterialien, sogenannte Open Educational Resources (OER), einen wichtigen Beitrag zur Erreichung der Globalen Nachhaltigkeitsziele (Sustainable Development Goals, SDGs) leisten können.

Die DUK hat einen Leitfaden zu OER herausgegeben

Die UNESCO hat den Begriff der Open Educational Resources mitgeprägt und gehört weltweit zu ihren einflussreichsten Fürsprechern. Umso bedauerlicher ist es, dass OER bei der Definition der SDGs bisher nicht explizit, zum Beispiel in Form eines vierten Implementierungsmechanismus für das Bildungsziel SDG 4 („Bildung 2030“), berücksichtigt worden sind.

Offene Lern- und Lehrmaterialien haben gerade in Deutschland seit dem ersten UNESCO-Weltkongress zu OER in Paris im Jahr 2012 enorm an Bedeutung gewonnen und sind zum festen Bestandteil der bildungspolitischen Diskussion geworden. Dennoch sind sowohl der Begriff als auch die hinter ihm stehenden Konzepte in der Bildungspraxis noch nicht hinreichend bekannt.

Offene Lizenzen

Im Gegensatz zu konventionellen Lehrmaterialien, zeichnen sich OER durch die Verwendung offener Lizenzen, wie beispielsweise jenen von Creative Commons, aus. Juristisch gesehen handelt es sich dabei um einen Vertrag, der zwischen dem Autor beziehungsweise dem Rechteinhaber und dem Nutzer geschlossen wird. Die Lizenz wird direkt mit dem zumeist digitalen Dokument verbunden und erlaubt es jedem Nutzer, der Zugriff auf die Datei erhält, diese zu speichern, zu verwenden, anzupassen und weiterzuverbreiten.

Die Wirkungsweise von OER lässt sich an folgendem Beispiel gut veranschaulichen: Will ein Land des globalen Südens, zum Beispiel Haiti, seinen Lehrern ein hochqualitatives neues Lehrbuch zur Verfügung stellen, so kann es ein bereits existierendes offenes Lehrbuch übersetzen und lokalisieren. Das so entstandene Werk kann dann ohne das Erfordernis einer Tantiemenzahlung oder einer zusätzlichen Erlaubnis durch den Urheber veröffentlicht werden.

Nutzungsformen

Im Einzelnen gibt es überaus viele unterschiedliche Arten und Weisen, wie OER hergestellt und genutzt werden können. Dies reicht von dem Freikaufen bestehender Verlagswerke durch Bibliothekskonsortien über den systematischen Aufbau von OER-Kollektionen mittels öffentlich finanzierter Ausschreibungen  bis hin zur kollaborativen Herstellung von OER durch Lehrkräfte und nicht zuletzt durch die Lernenden selbst.

Ebenso unterschiedlich können die mit der Einführung von OER verbunden Ziele sein. So spielt zum Beispiel für die UNESCO traditionell die Öffnung des Zugangs zu hochqualitativen Bildungsmaterialien eine zentrale Rolle. In den USA, die weltweit führend im Bereich OER sind,  spielt hingegen die Möglichkeit der Kosteneinsparung („Efficiency“) eine wichtige Rolle, um einen drohenden Kollaps des Bildungssystems abzuwenden. Hingegen wird in Deutschland – insofern in Übereinstimmung mit der OECD – häufig das mit der Einführung von OER verbundene Potenzial zur Innovation des Bildungssystems („Innovation“) besonders betont.

OER in Deutschland

Schien Deutschland 2012 im internationalen Vergleich noch weit zurückgefallen, so hat sich die Situation in den letzten vier Jahren stark verbessert. Bemerkenswert ist dabei insbesondere auch die Vielzahl von privaten Initiativen und Startups im Bereich der offenen Bildung. Aber auch im staatlichen Bereich sind gute Fortschritte zu vermelden. So ist aktuell auf Grundlage eines von der Bund-Länder-Arbeitsgemeinschaft vorgelegten Berichts (OER: Bericht der Arbeitsgruppe aus Vertreterinnen und Vertretern der Länder und des Bundes zu Open Educational Resources) sowie zweier vom BMBF geförderter Studien (Wikimedia e.V.: Mapping OER 2016, online verfügbar unter http://mapping-oer.de/ und Deutscher Bildungsserver: Machbarkeitsstudie zum Aufbau und Betrieb von OER-Infrastrukturen in der Bildung, 2016) die „Richtlinie zur Förderung von Offenen Bildungsmaterialien (Open Educational Resources – OERinfo)“ aufgesetzt (siehe Bekanntmachung des BMBF) und mit ihrer Umsetzung begonnen worden (siehe Pressemitteilung des BMBF).

Die Förderrichtlinie zielt ab „auf die breite Sichtbarmachung der mit OER verbundenen Potenziale und auf den Aufbau von Kompetenzen zur Nutzung, Erstellung und Verbreitung von offenen Bildungsmaterialien“. Die Maßnahme stützt sich dabei auf zwei Pfeiler: Zum einen sollen im Rahmen von mehr als 20 Einzelprojekten Multiplikatoren aus allen Bildungssektoren aktiviert und geschult werden. Zum anderen ist der Aufbau einer zentralen Informationsplattform geplant, die vom Deutschen Institut für Internationale Pädagogische Forschung in Kooperation mit verschiedenen weiteren Partnern entwickelt wird.

Insgesamt stellt das OERinfo-Programm damit einen gut konzipierten und sinnvollen ersten Schritt zur flächendeckenden Einführung von OER in Deutschland dar, dem jedoch zeitnah weitere Schritte folgen sollten: Konsens scheint bezüglich der Notwendigkeit der Bereitstellung technischer Infrastruktur, etwa von OER-Repositorien und Suchmaschinen, sowie der Entwicklung technischer Standards zu bestehen. Unbedingt wünschenswert wäre es, darüber hinaus auch die systematische Herstellung von offen lizensierten Inhalten zu fördern, wie dies zum Beispiel bereits in Norwegen der Fall ist (National Digital Learning Arena). So sprechen gute Argumente dafür, dass erst im Zusammenspiel von Know-how-Aufbau, notwendiger Infrastrukturentwicklung und der initialen Bereitstellung hochqualitativer OER-Kollektionen das volle Potenzial von OER effektiv und verzögerungsfrei realisiert werden kann.

Globale OER-Bewegung

Im März 2017 wird im Rahmen der Open Education Global Conference das 10-jährige Bestehen der Kapstadt-Deklaration gefeiert werden. Im September 2017 folgt der zweite UNESCO-Weltkongress zu OER in Ljubljana, Slowenien. In diesem Zusammenhang erarbeitet die UNESCO zurzeit eine Machbarkeitsstudie bezüglich der Entwicklung eines normativen Instruments, das größere Verbindlichkeit als die im Rahmen des ersten Kongresses erlassene Deklaration entwickeln soll und damit die globale Bewegung noch weiter beschleunigen könnte. Ob dies jedoch gelingen wird, kann zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht mit Sicherheit vorausgesagt werden. In jedem Fall aber wird 2017 ein wichtiges Jahr für die globale wie auch für die deutsche OER-Bewegung werden.

Jan Neumann
CC BY SA 3.0, Raimond Spekking

Jan Neumann studierte Rechts-, Wirtschaft- und Systemwissenschaften und ist als Leiter Recht und Organisation für das Hochschulbibliothekszentrum des Landes Nordrhein-Westfalen tätig. Seit 2013 leitet er das OER World Map-Projekt. Er ist Mitglied des Fachausschusses Bildung der Deutschen UNESCO-Kommission, war an der Organisation der deutschen OERde-Konferenzen beteiligt und bloggt zum Thema OER unter www.oersys.org.

OER-Atlas

Der OER-Atlas gibt einen Überblick über die OER-Landschaft im deutschsprachigen Raum. Er wurde unter der Schirmherrschaft der DUK von Jan Neumann, Hochschulbibliothekszentrum Nordrhein-Westfalen, und Jöran Muuß-Merholz, Jöran und Konsorten, herausgegeben.
https://hbz.opus.hbz-nrw.de/files/262/PDFA_OER_Atlas_2016_3.pdf
 
Daten zur weltweiten Bewegung finden sich auf der OER-World Map:
https://oerworldmap.org/

Was sind OER?
 
Die Deutsche UNESCO-Kommission hat eine Informationsbroschüre zu OER herausgegeben:
"Was sind Open Educational Resources? Und andere häufig gestellte Fragen zu OER“

(Artikel erstellt am 6. Februar 2017)

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