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Dezember 2008

Nacht des Menschenrechts-Films

DUK betont Pressefreiheit am Tag der Menschenrechte

Bei der "Nacht des Menschenrechts-Films" hat die Deutsche UNESCO-Kommission die Gewinner des diesjährigen Deutschen Menschenrechts-Filmpreises präsentiert. Über 600 Zuschauer kamen zur Vorstellung am 9. Dezember 2008 in Berlin und am 10. Dezember im Rheinischen Landesmuseum in Bonn anlässlich des 60. Jahrestags der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte. Fünf Filme in den Kategorien Profifilm, Amateurfilm, Filmhochschule, Kurzfilm und Bildung wurden in diesem Jahr mit dem Filmpreis ausgezeichnet. Die Preisverleihung fand am 6. Dezember in Nürnberg statt.

"Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren", heißt es in Artikel 1 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, die am 10. Dezember 1948 von der Generalversammlung der Vereinten Nationen verabschiedet wurde. Die Präambel der Allgemeinen Erklärung fordert, dass "jeder einzelne und alle Organe der Gesellschaft sich diese Erklärung stets gegenwärtig halten und sich bemühen, durch Unterricht und Erziehung die Achtung vor diesen Rechten und Freiheiten zu fördern". Die Förderung der Menschenrechtsbildung und des öffentlichen Bewusstseins für die Menschenrechte ist das Ziel des Deutschen Menschenrechts-Filmpreises.

"Wir nehmen Menschenrechtsverletzungen oft nur dann wahr, wenn Intellektuelle in fernen Ländern betroffen sind – kubanische Schriftsteller, russische Journalisten oder chinesische Menschenrechtler. Das ist aber nur die Spitze des Eisberges", sagte Dieter Offenhäußer, stellvertretender Generalsekretär und Pressesprecher der Deutschen UNESCO-Kommission, der den einführenden Vortrag zur Nacht des Menschenrechts-Films hielt. Er hob besonders Artikel 19 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte hervor, der jedem Menschen das Recht auf Meinungsfreiheit und freie Meinungsäußerung garantiere. "Die UNESCO ist die einzige UN-Organisation mit einem ausdrücklichen Mandat zur Pressefreiheit. Presse- und Meinungsfreiheit sind zentral für das Funktionieren demokratischer Gemeinwesen. Pressefreiheit ist die Voraussetzung für die Verwirklichung der Menschenrechte und das Barometer für Demokratie", so Offenhäußer. Der Deutsche Menschenrechts-Filmpreis solle eine Ermutigung sein für alle Filmemacher, Redakteure und Programmverantwortlichen, die mit ihrem Engagement dazu beitragen, die Menschenrechte stärker in das mediale Blickfeld zu rücken. Er solle denen in den Sendeanstalten den Rücken stärken, deren Sendeplätze immer weiter in die frühen Morgenstunden verschoben werden.

Filmnacht in Bonn

Als Gastgeberin der Bonner Filmnacht begrüßte Dr. Gabriele Uelsberg, Direktorin des Rheinischen Landesmuseums, die rund 250 Zuschauerinnen und Zuschauer. Michael Möller von der Filmhochschule Ludwigsburg führte durch das Programm und stellte die bei der Filmnacht anwesenden Regisseure und Autoren vor.

Vier der herausragenden Film- und Fernsehproduktionen, die in diesem Jahr mit dem Deutschen Menschenrechts-Filmpreis ausgezeichnet wurden, waren bei der Bonner Filmnacht zu sehen. Dazu gehörte der Kurzfilm "Italiens harte Hand – Fingerabdrücke für Roma-Kinder" von Clemens Riha und Alessandro Allaria. Er schildert das Vorgehen der italienischen Behörden gegen Roma und Sinti. Die ganze Volksgruppe wird unter den Generalverdacht der Kriminalität gestellt, sogar die Kinder müssen ihre Fingerabdrücke abgeben. Dagegen richten sich Proteste von Prominenten, die aus Solidarität auch ihren Fingerabdruck abgeben.

Der Dokumentarfilm "Kindersklaven" von Rebecca Gudisch und Tilo Gummel zeigt Bilder, die unter die Haut gehen: das blinde Auge eines Jungen, der ohne Schutzbrille Schweißarbeiten verrichten musste, die von Schwerstarbeit gezeichneten Hände eines Kindes, das in indischen Steinbrüchen Pflastersteine schlagen muss. Als Großhändler aus Deutschland getarnt, mit versteckten Kameras dringt das Reporterteam in das System der Kindersklaverei ein und spürt Schlepper und Unterhändler auf. Der Film erhielt den Preis in der Kategorie Bildung, denn er führt uns vor Augen, dass wir nicht in der Position des gerührten Zuschauers verharren dürfen, und fordert dazu auf, Missstände aufzudecken und zu ändern. Er macht uns bewusst, dass die Frage nach Schuld und Verantwortung vor unsere Haustür führt.

"Wir fordern einfach nur das Recht zu existieren, das Recht in diesem Land zu leben, wie jeder andere Mensch auch!" Mit dieser Botschaft der "Menschen ohne Papiere" beginnt der Dokumentarfilm "Comme tout autre humain" von Christiane Schmidt, der mit dem Preis in der Kategorie Filmhochschule ausgezeichnet wurde. Thematisiert wird die Situation von Asylbewerbern, die als "Illegale" in Belgien leben. Sie fordern vom belgischen Staat Regularisierung. Um ihrer Forderung Nachdruck zu geben, halten sie die Kirche Saint Florence in Brüssel besetzt. Viele leben schon seit Monaten in der Kirche, ohne Aussicht auf Anerkennung als Asylsuchende.

Besonderen Applaus des Bonner Publikums erntete der semidokumentarische Amteurfilm "Oury Jalloh" von Simon Jaikiriuma Paetau. Der Film knüpft an ein wahres Ereignis an: Oury Jalloh verbrannte am 7. Januar 2005, an Händen und Füßen gefesselt, in einer Dessauer Polizeizelle. Erst durch die Mobilisierung seiner Freunde kam der Fall, zwei Jahre später, vor Gericht. Der Film untersucht jedoch nicht die Umstände seines Todes, sondern fragt danach, wie es dazu kam. Im Fokus steht die alltägliche Erfahrung von Repressionen, Fremdbestimmung und sozialer Ausgrenzung. Der Film endet mit der Szene, wie Jalloh verhaftet wird – aus nichtigem Anlass.

Auf die Frage aus dem Publikum, warum er den Film gemacht habe, antwortete der Bonner Regisseur Simon Jaikiriuma Paetau: "In den Medien ist viel über Oury Jalloh berichtet worden, aber wir wollten ihn nicht als tragisches Einzelschicksal betrachten. Systematische Ausgrenzung von Asylbewerbern ist an der Tagesordnung. Das ist alltägliche Realität."

Filmnacht in Berlin

Außer in Bonn wurden die Siegerfilme des Wettbewerbs bei der Langen Nacht des Menschenrechtsfilms am 9. Dezember in Berlin präsentiert. Bei der 5-stündigen Veranstaltung vor überwiegend jungem Publikum im Haus der Kulturen der Welt in Berlin war auch der Siegerfilm in der Kategorie Profis zu sehen.

Der Film "Im Schatten des Bösen" von Susanne Babila schildert das Schicksal von Frauen und Mädchen im Nordosten des Kongo. Dort herrscht noch immer Krieg. Ruandische Rebellen und kongolesische Banditen marodieren durch die unzugänglichen Wälder. Sie töten, plündern, brandschatzen. Frauen und Kinder werden systematisch vergewaltigt und misshandelt. Das Filmteam hat die Frauen, die schwer verletzt und traumatisiert im Krankenhaus Panzi in Bukavu behandelt werden, sechs Wochen lang begleitet. In der Dokumentation schildern sie eindringlich, welchen unvorstellbaren Grausamkeiten und Erniedrigungen sie ausgesetzt waren. Babila: "Vergewaltigung ist eine der perfidesten Waffen im Krieg, die sich gegen den intimsten Bereich der Menschen richtet, um Macht und Überlegenheit zu demonstrieren, den anderen zu erniedrigen und zu demütigen."

Menschenrechtsschutz für Kinder und Frauen war in diesem Jahr ein Schwerpunktthema vieler Produktionen. Mit 226 Einreichungen verzeichnete der Wettbewerb erneut eine deutliche Steigerung der Teilnehmerzahl. Der Deutsche Menschenrechts-Filmpreis wird seit 1998 im zweijährigen Rhythmus vergeben. Er würdigt das Engagement von Filmemachern, die mit ihren Produktionen einen unverzichtbaren Beitrag zur gesellschaftspolitischen Debatte um den Schutz der Menschenrechte leisten.

Weitere Informationen auf der Website des Deutschen Menschenrechts-Filmpreises www.menschenrechts-filmpreis.de

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