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„Erneuerbare Energien sind unerlässlich für Biosphärenreservate“

Interview mit Peter Dogsé auf dem internationalen Workshop „Erneuerbare Energien und Biosphärenreservate“ vom 11. bis 13. September im Biosphärenreservat Bliesgau, Saarland

Peter Dogsé arbeitet in der UNESCO-Abteilung für Umwelt- und Erdwissenschaften, von der auch das Programm „Der Mensch und die Biosphäre“ (MAB) koordiniert wird. Er ist Experte für Erneuerbare Energien und Klimawandel, und einer der beiden Vorsitzenden der UNESCO-internen Arbeitsgruppe für Klimawandel.

Deutsche UNESCO-Kommission: Herr Dogsé, worauf kommt es der UNESCO bei der Förderung von erneuerbaren Energien vor allem an, gerade innerhalb von Biosphärenreservaten?

Peter Dogse ©DUK

Peter Dogsé: Wir haben zwei zentrale Botschaften: Ohne erneuerbare Energien können wir die Ziele nachhaltiger Entwicklung der Vereinten Nationen (Agenda 2030) und das Pariser Klimaabkommen nicht erreichen. Für die Biosphärenreservate kommen weitere Ziele hinzu, nämlich die des Aktionsplans von Lima und der neuen Strategie 2015-2025 des MAB-Programms. Demzufolge müssen Biosphärenreservate dazu beitragen, die Ziele der Agenda 2030 und des Pariser Klimaabkommens zu erreichen. Erneuerbare Energien sind damit auch absolut unerlässlich für Biosphärenreservate.

Können Biosphärenreservate bei erneuerbaren Energien Vorreiter sein?

Biosphärenreservate setzen sich gleichzeitig für Naturschutz und für die nachhaltige Entwicklung der Bevölkerung vor Ort ein. Nicht überall geht das ohne Interessenskonflikte einher: Wir beobachten heute in vielen Orten der Welt, besonders in Europa, dass der Ausbau erneuerbarer Energien auch ganz neue Fragestellungen und Probleme mit sich bringen kann. Gerade hier sind die Biosphärenreservate aber wichtig, um zu neuer Verständigung und einem Interessensausgleich in der Gesellschaft zu kommen. Der Auftrag der Biosphärenreservate gelingt, wenn die beteiligten Akteure ins Gespräch miteinander kommen, ihre Interessen aushandeln, und ganz neue Lösungen finden, die alle mittragen können.

Ist das eine ideale Beschreibung oder spielen Biosphärenreservat heute bereits in der politischen Realität diese Rolle?

Es gibt 669 Biosphärenreservat in 120 Ländern und eine entsprechend große Vielfalt von unterschiedlichen Ausgangssituationen, Herausforderungen und Chancen. Zum Beispiel wird derzeit im marokkanischen Biosphärenreservat „Oasen im Süden Marokkos“ nahe der Stadt Ouarzazate mit dem „Noor-Kraftwerk“ eine der weltweit größten Photovoltaikanlagen gebaut, die bei Fertigstellung bis zu 580 MW liefern soll. Zwar wird diese Anlage nicht wegen des Biosphärenreservats hier gebaut, aber das Biosphärenreservat trägt dazu bei, dass neben Elektrizität für den Export auch Strom für den Verbrauch vor Ort erzeugt wird. Daher passt diese Anlage sehr gut in ein Biosphärenreservat. Nordafrika und der Nahe Osten bieten Platz und intensive Sonneneinstrahlung, also beste Voraussetzungen für Photovoltaik-Kraftwerke. Die Staaten müssen dieses riesige Potenzial aber auch nutzen. Zugleich gibt es ehrgeizige aber eher kleinskalige Beispiele wie die kanarische Insel El Hierro, die als Ganzes als Biosphärenreservat ausgewiesen ist. Die Insel will sich in sehr naher Zukunft mit realistischen Plänen zu 100 Prozent mit erneuerbaren Energien versorgen. Dennoch geht es hier um eine eher kleine Anlage. Zwischen beiden Extremen haben wir eine große Vielfalt verschiedener Ansätze und es gibt auch Herausforderungen, gerade wenn die Bevölkerungsdichte in einem Biosphärenreservat eher hoch ist. In den allermeisten Fällen sind erneuerbare Energien jedoch eine große Chance, die auch sehr einfach ergriffen werden kann.

Wie genau unterstützt die UNESCO Biosphärenreservate dabei, die Chancen erneuerbarer Energien zu ergreifen?

Die UNESCO arbeitet nicht nur mit den Biosphärenreservaten, sondern auch eng mit den Regierungen ihrer Mitgliedstaaten zusammen. Das Engagement von Deutschland möchte ich dabei besonders unterstreichen. Zusammen verbessern wir den Austausch von Informationen zwischen den Biosphärenreservaten über vielversprechende Lösungen. Das passiert zum Beispiel in den vielen Netzwerken des MAB-Programms, wie EuroMAB in Europa. Zudem macht  die UNESCO gegenüber anderen Organisationen und der globalen Gemeinschaft sichtbar, welch großartige Arbeit in den Biosphärenreservaten geleistet wird. Ein Beispiel dafür ist die Vertragsstaatenkonferenz zum Klimaabkommen, die im Herbst 2017 in Bonn stattfinden wird. Die UNESCO wird hier auch mit einem eigenen Pavillon präsent sein wird, dank der Unterstützung durch die Bundesregierung. In Bonn werden wir unter anderem erfolgreiche Beispiele aus Biosphärenreservaten weltweit zum naturverträglichen Ausbau von erneuerbaren präsentieren.

(Artikel erstellt am 27. September 2017)

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