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"Chancen und Probleme von Biosphärenreservaten unterscheiden sich weltweit überraschend wenig"

Bericht vom ersten Jugendforum des UNESCO-MAB-Programms

Theresa Reß hat ihr freiwilliges ökologisches Jahr im UNESCO-Biosphärenreservat Rhön geleistet, Julian Schwabe war dort Praktikant. Zusammen berichten sie stellvertretend für die insgesamt fünf deutschen Teilnehmer vom weltweit ersten Jugendforum des UNESCO-Programms „Der Mensch und die Biosphäre“(MAB), das vom 17. –23. September 2017 im italienischen Biosphärenreservat Po-Delta stattgefunden hat.

 

3. v. l. Julian Schwabe, 4. v. l. Theresa Ress, ©Theresa Ress

Die 282 Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Alter von 18 bis 35 Jahren kamen aus über 100 Ländern und fast durchgängig aus Biosphärenreservaten. Ziel des Jugendforums war es, die Ideen und Ansichten der jungen Generation zu den aktuellen Herausforderungen und Zielen einer nachhaltigen Entwicklung in den Biosphärenreservaten auszutauschen und zu diskutieren. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer entwickelten einen Aktionsplan, der den UNESCO-Gremien vorgelegt werden soll. Er soll nachhaltige Entwicklung in den Biosphärenreservaten, ihren Netzwerken und bei ihren Partnern weiter stärken.

Theresa Ress (BR Rhoen) und Vusi Tshabalala (BR K2C) ©Theresa Ress

Das Jugendforum fand im Kongresszentrum Rosolina Mare in Rosapineta statt. Ab dem ersten Tag war besonders beeindruckend, so viele interessante Menschen aus den verschiedensten Ecken der Welt kennenzulernen. Mehrere Programmpunkte dienten dem gegenseitigen Kennenlernen. Besonders schön war das Zusammentreffen mit Shoki und Job, den zwei Teilnehmenden aus dem Partner-Biosphärenreservat der Rhön, Kruger to Canyons in Südafrika. Am Anfang waren einigen der Teilnehmenden die teils enormen Reisestrapazen zwar anzumerken, die gemeinsamen Ideen motivierten jedoch zu sehr guten Ergebnissen innerhalb des Forums. 

Das offizielle Programm begann am 18. September mit verschiedenen Präsentationen, zeitgleich an unterschiedlichen Orten. Überraschend war, dass viele Präsentationen den Zusammenhang zu nachhaltiger Entwicklung in Biosphärenreservaten erst auf den zweiten Blick offenbarten. Mehrere Jugendliche hielten selbst Präsentationen, zum Beispiel Eve Fergusson aus Kanada, die über die Entwicklung einer „MAB Global Communication Strategy“ berichtete. Diese soll die Zugehörigkeit der Bewohner zu ihren Biosphärenreservaten stärken. Giampiero Riva, ein bekannter „Iphonographer“ auf Instagram, gab hilfreiche Tipps zur Nutzung von Bildern und Videos mit dem Handy, gerade für die im Marketing tätigen Teilnehmer. Jüngere Generationen müssen heutzutage auch über die modernen Medien wie Facebook und Instagram angesprochen werden. Gianluca Costantini, ein bekannter italienischer Maler, sprach über „Drawing a territory“. Die Teilnehmer zeichneten hier zum Beispiel Vögel mit der linken Hand oder in Paaren, um verschiedene Ansichten auf ganz alltägliche Dinge zu erkennen. Die Bilder wurden teilweise auf Instagram gepostet. Marena Heindrup aus Schweden präsentierte die von ihr mit initiierte Entwicklungsstrategie der dortigen Biosphärenreservate zur Implementierung der Agenda 2030. 

Alle Teilnehmer sollten im Anschluss die aktuelle Arbeit in ihren Biosphärenreservaten hinsichtlich der Agenda 2030 beurteilen und Handlungsbedarf herausstreichen. Zwar kämpfen alle Regionen mit teils anderen Problemen, Kommunikation und Geschlechtergerechtigkeit wurden aber global als verbesserungswürdig erachtet.

Am zweiten Tag begannen wir in Gruppen den Aktionsplan zu erstellen. Wir begannen mit  SWOT-Analysen (Stärken, Schwächen, Chancen und Gefahren) und sammelten in Gruppen Ideen zur besseren Integration junger Menschen in die Biosphärenreservate und das MAB-Programm insgesamt. 

Die SWOT-Analyse war hochinteressant, vor allem die Diskussionen haben immer wieder viele neue Ansichten, Problematiken und Unterschiede zwischen den Biosphärenreservaten aufgezeigt und es war sehr spannend zu sehen, dass viele Probleme nicht spezifisch sind, sondern in verschiedener Form in vielen Biosphärenreservaten weltweit auftreten. Jede Region und Kultur geht damit aber ganz unterschiedlich um, so dass sehr interessante Diskussionen zustande kamen und viel Kompromiss-bereitschaft erforderlich war, um zu Ergebnissen zu kommen. Besonders war oft unklar, auf welcher Ebene Probleme bestehen (Biosphärenreservate, Nationalkomitees, MAB-Programm global). Darauf aufbauend entwickelten wir am Folgetag Aktionen und Ideen, wie wir unsere Ziele in den Biosphärenreservaten umsetzen können. Unsere Sammlung von nötigen Zielen war in der Zwischenzeit gruppenübergreifend von den MAB-Organisatoren ausgewertet worden. Insgesamt war die Lösungssuche allerdings wesentlich schwieriger als die Zielsuche. Wir mussten häufiger Ideen verwerfen, da sie nicht für alle Gegenden geeignet und realistisch umsetzbar waren. Dennoch sind wir am Ende auf sehr gute Ansätze und Ideen gekommen, auf welche wir auch sehr stolz waren. Beispiele sind ein Glossar für Jugendliche in einfacher Sprache, eine Internetplattform, Jugendaustausche und digitale Spiele für Kinder, internationale Kooperationen, Austausch, Crowdfunding und Sommerschulen. Der Aufbau und die Pflege einer digitalen Open-Access-Plattform mit Datenbanken, Forschungsergebnissen, sozialen Netzwerken und Online-Kursen wird zwar eine große Herausforderung darstellen, kann jedoch auf den Einsatz und die Motivation der jungen Teilnehmer zählen. Gerade im Rückblick wurde deutlich, wie sehr sich die Probleme aller Biosphärenreservate in ihren verschiedenen Ausprägungen doch ähneln: Ein Mangel an Information und besonders Kommunikation in und zwischen den einzelnen Regionen.

Workshop outdoor ©Theresa Ress

Am Abschlusstag bestand die Chance zur Teilnahme an externen Veranstaltungen, z.B. der „Zweiten Internationalen Konferenz für Deltas und Lagunen – Klimawandel und seine Auswirkungen auf Küstengebiete“ oder „Stadterneuerung und Kontemporalität: Eine mögliche Verbindung zwischen Welterbestätten und Biosphärenreservaten“. Weitere Workshops schlossen sich an, zum Beispiel Storytelling-Workshops mit dem Social-Media-Team des Forums, oder ein Workshop mit Luca Natale und Enzo Romano über Methoden, sich Gehör zu verschaffen und Orte zu kommunizieren. Sabrina Pesarini berichtete über Wege, einen Ort via Digital Destination Marketing hochwertig zu platzieren; Ludovica Caselatti zeigte Entwicklungsmöglichkeiten von Parks und Regionen am Beispiel des Fahrradtourismus auf. 

Spätestens nach dem zweiten Tag intensiver Arbeit hatten sich auch die letzten Hürden aufgelöst und jeden Einzelnen noch ein bisschen mehr geöffnet, fachlich wie persönlich. Die Basis für eine besser vernetzte und sich besser verstehende Weltjugend in den Biosphärenreservaten und darüber hinaus wurde gelegt. Die Abschlusszeremonie war noch wesentlich schöner und interessanter als die Begrüßungszeremonie, gerade auch wegen der größeren Einbeziehung der Teilnehmenden des Forums. Philippe Pypaert, dem zuständigen Mitarbeiter des MAB-Sekretariats, haben wir besonders gedankt, da er mit dem MAB-Youth Forum wirklich sehr gute Arbeit geleistet hat. Bei der Abschlusszeremonie wurde von den Teilnehmenden auch die „Final Declaration“ verlesen, welche wir im Rahmen dieses Forums erarbeitet hatten.

Das Programm war immer wieder aufgelockert durch kürzere und längere Exkursionen, zum Beispiel zum Nationalen Archäologischen Museum, zum Botanischen Garten in Padova, zur „Radicchio-Messe“ in Bosco Mesola, zu Fischfarmen, zu einem Forschungszentrum für nachhaltige Landwirtschaft oder einer Ocarina-Werkstatt sowie den vielen Lagunen und Naturlandschaften im Po-Delta, unter anderem per Fahrrad oder Kanu. Auch Konzerte und andere kulturelle Elemente konnten wir genießen. Als nachteilig haben wir allerdings die sehr hohe Erzeugung von Müll beim Jugendforum empfunden, durch Angebot von viel Fertignahrung und abgepackter Snacks  aus Automaten in Plastiktüten. Auch war der Zeitplan teils zu straff. Aber die Logistik, die hohe Motivation, Freundlichkeit und der Einsatz von Personal und Freiwilligen waren wirklich sehr lobenswert und haben unsere Zeit während des Forums zu einem Erlebnis gemacht.

Alles in allem war es eine wirklich einmalige Erfahrung, vor allem aufgrund hunderter persönlicher Kontakte und neuer Freundschaften. Wir haben es geschafft, eine „Final Declaration“ zu erarbeiten, welche hoffentlich einen positiven Einfluss auf das MAB-Programm haben wird. Für die Möglichkeit der Teilnahme sind wir sehr froh und bedanken uns bei allen, die dies ermöglicht haben. Die vielen Gespräche mit anderen Teilnehmern haben zudem bewirkt, dass wir uns unserem eigenen Biosphärenreservat Rhön noch verbundener fühlen. Leider wurde uns auch bewusst, dass sich jüngere Generationen im Biosphärenreservat Rhön noch zu wenig mit ihm identifizieren. Dies zu ändern, dazu möchten wir gerne einen Beitrag leisten und das Bewusstsein für unser Biosphärenreservat stärken. 

Eine weitere gute Idee wäre ein deutschlandweites MAB-Jugendforum. Mit 16 Biosphärenreservaten in ganz Deutschland wäre es wesentlich kleiner und somit auch leichter umzusetzen, auch gibt es keine Sprachhindernisse oder teure Anreisen. Zwar gibt es bereits ähnliche Formate für jüngere Altersgruppen, aber die Altersgruppe 18 –35 wird vernachlässigt. Die Umweltbildungsstätte in Oberelsbach in der Rhön würde ideal geeignete Räumlichkeiten für Seminare und Gruppenarbeiten bieten. Auch die Bevölkerung könnte integriert werden. Es könnte dadurch ein deutschlandweites Netzwerk geschaffen werden, welches die Kommunikation zwischen den jungen Menschen in den Biosphärenreservaten erheblich verbessern würde. 

(Artikel erstellt am 8. November 2017)

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