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März 2014

Weltwasserbericht 2014: Zusammenfassung

Wasser und Energie sind eng miteinander verknüpft und wechselseitig abhängig. Entscheidungen in einem Sektor haben direkte und indirekte Auswirkungen auf den jeweils anderen Sektor, im Guten wie im Schlechten. Die Art der Energieerzeugung bestimmt die Menge an benötigtem Wasser. Zugleich bestimmen die Verfügbarkeit und Zuteilung von Süßwasser, wie viel oder wie wenig Wasser für die Energieerzeugung zur Verfügung steht. Entscheidungen über die Nutzung und Bewirtschaftung von Wasser sowie über die Energieerzeugung haben vielfältige und weitreichende, sowohl positive als auch negative Auswirkungen.

Trends künftiger Wassernutzung

Die Herausforderung heute: Die Unversorgten versorgen

Süßwasser und Energie sind entscheidend für das menschliche Wohl und für eine nachhaltige sozio-ökonomische Entwicklung. Ihre wesentliche Rolle bei der Erzielung von Fortschritten bezüglich jedes einzelnen UN-Entwicklungsziels ist heute weithin anerkannt. Globale und regionale Krisen, zum Beispiel hinsichtlich Klima, Armut, Hunger, Gesundheit und Finanzen, sind miteinander verbunden durch Wasser und Energie. Diese Krisen bedrohen das Leben vieler Menschen, vor allem der drei Milliarden Menschen, die von weniger als 2,50 US-Dollar pro Tag leben.

Weltweit haben schätzungsweise 768 Millionen Menschen heute noch keinen Zugang zu guter Wasserversorgung. Nach anderen Schätzungen könnte die Zahl der Menschen, deren Recht auf Wasser nicht erfüllt ist, sogar bei 3,5 Milliarden liegen. 2,5 Milliarden Menschen haben keinen Zugang zu ausreichender sanitärer Versorgung. Mehr als 1,3 Milliarden Menschen haben keinen Strom und rund 2,6 Milliarden verwenden zum Kochen feste Brennstoffe, vor allem Biomasse wie Holz. In den meisten Fällen sind die Menschen, die unter Wassermangel leiden, gleichzeitig von fehlender Energieversorgung betroffen. Dies zeigt sich auch in einer engen Korrelation zwischen einerseits Atemwegserkrankungen durch Innenraum-Luftverschmutzung und anderseits Durchfallerkrankungen infolge von Mangel an sauberem Trinkwasser und sanitären Einrichtungen.

Die Herausforderung morgen: Steigende Nachfrage befriedigen

Die Nachfrage nach Wasser und Energie wird in den kommenden Jahrzehnten weiterhin deutlich steigen aufgrund der Bedürfnisse der wachsenden Bevölkerung und der wachsenden Wirtschaft und aufgrund der sich ändernden Lebensgewohnheiten und Konsummuster. Dies verstärkt erheblich den heute schon gegebenen Druck auf begrenzte natürliche Ressourcen und auf Ökosysteme. Die daraus resultierenden Herausforderungen werden in jenen Ländern am schärfsten sein, die sich beschleunigt transformieren, deren Wirtschaft schnell wächst oder in denen ein großer Teil der Bevölkerung keinen Zugang zu modernen Dienstleistungen hat.

Weltkarte Energieverbrauch

 
Der globale Wasserbedarf in Bezug auf die Entnahme von Wasser wird bis 2050 voraussichtlich um rund 55 Prozent steigen, vor allem wegen der steigenden Nachfrage der industriellen Fertigung (plus 400 Prozent), der thermischen Stromerzeugung (140 Prozent) und der Haushalte (130 Prozent). In diesem Zeitraum wird daher die Verfügbarkeit von Trinkwasser zunehmend schwieriger werden. Mehr als 40 Prozent der Weltbevölkerung werden 2050 voraussichtlich in Gebieten mit starkem Wasserstress leben. Es gibt eindeutige Belege für ein Schwinden der Grundwasservorräte: Schätzungsweise 20 Prozent der Grundwasserleiter weltweit gelten als übernutzt, einige davon kritisch. Die Verschlechterung des Zustands der Feuchtgebiete weltweit verringert die Fähigkeit von Ökosystemen zur Reinigung von Wasser.

Die weltweite Nachfrage nach Energie wird bis 2035 voraussichtlich um mehr als ein Drittel steigen, wobei etwa 60 Prozent des Anstiegs auf China, Indien und den Nahen Osten entfallen. Die Stromnachfrage wird bis 2035 voraussichtlich um etwa 70 Prozent steigen. Dieser Anstieg wird fast ausschließlich auf Länder außerhalb der OECD entfallen, der Anteil Indiens und Chinas an der steigenden Stromnachfrage wird mehr als die Hälfte ausmachen.

Auswirkung der steigenden Energienachfrage auf die Wasserressourcen

Energie gibt es in verschiedenen Formen und kann unterschiedlich erzeugt werden. Jede unterschiedliche Form hat spezifische Auswirkungen auf die Wasserressourcen. Wenn ein Land oder eine Region den Energie-Mix verändert, zum Beispiel weg von fossilen Brennstoffen hin zu erneuerbaren Energien, so ändern sich auch die Auswirkungen auf Wasser und die von dieser Ressource abhängigen Ökosystemleistungen. Etwa 90 Prozent der Stromerzeugung weltweit sind wasserintensiv.

Die Internationale Energieagentur schätzt die Summe der weltweiten Wasserentnahmen für die Energieerzeugung für das Jahr 2010 auf 583 Milliarden Kubikmeter. Dies entspricht rund 15 Prozent der Gesamt-Wasserentnahmen weltweit. Für die Energieerzeugung wurden dabei 66 Milliarden Kubikmeter Wasser verbraucht, also nicht in den Wasserkreislauf zurückgeführt. Bis 2035 könnten die Wasserentnahmen um 20 Prozent und der Verbrauch um 85 Prozent steigen. Effizientere Kraftwerke mit modernen Kühlsystemen verringern die Wasserentnahme, erhöhen aber den Verbrauch. Zu erhöhtem Wasserverbrauch führt ebenso die Produktion von Biokraftstoffen. Die Auswirkungen könnten sogar erheblich sein, da gerade die Produktion von Biokraftstoffen zu den wasserintensivsten Arten der Kraftstoffproduktion gehört.

Trotz stetiger Fortschritte beim Ausbau erneuerbarer Energien wird die Gesamtentwicklung des Energie-Mix global auf einem vorgeschriebenen Pfad bleiben: Die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen wird fortbestehen. Die Förderung von Öl und Gas erfordert große Mengen von "Produktionswasser", das zusammen mit dem Öl und Gas aus den Förderquellen austritt. Dieses Wasser wieder verfügbar zu machen, ist schwer und teuer. Die Förderung von unkonventionellen Öl -und Gasvorkommen ist in der Regel noch wasserintensiver als die von herkömmlichen Vorkommen.

Thermische Kraftwerke sind verantwortlich für etwa 80 Prozent der weltweiten Stromproduktion, und dieser Sektor ist ein wichtiger Wassernutzer. In Europa entfallen auf die Kraftwerkskühlung 43 Prozent aller Wasserentnahmen, in mehreren Ländern mehr als 50 Prozent. In den USA sind es fast 50 Prozent und in China mehr als 10 Prozent der nationalen Maximalwassermenge.

Gemeinsamkeiten und Unterschiede: Jenseits des Nexus Wasser – Energie

Entscheidungen über die Nutzung (bzw. des Missbrauchs) von Wasserressourcen leiten sich aus einer übergeordneten Politik ab. Deren Ziele sind vor allem die industrielle und wirtschaftliche Entwicklung, öffentliche Gesundheit, Investitionen und Finanzierung, Lebensmittelsicherheit und – für diesen Bericht entscheidend – Energiesicherheit. Für Regierungen heißt die Herausforderung im 21. Jahrhundert, die vielfältigen Aspekte, Rollen und Vorteile von Wasser zu berücksichtigen und Wasser in allen wasserabhängigen Sektoren ins Zentrum der Politik zu stellen, einschließlich der Energie.

Energie ist im Vergleich zu Wasser ein großes und gutes Geschäft. Der Energiesektor kann daher viele Hebel in Bewegung setzen. Marktkräfte spielen bei der Entwicklung des Energiesektors meist eine viel wichtigere Rolle als bei der Bewirtschaftung von Wasserressourcen und bei der Verbesserung von Wasserdienstleistungen. Die Dienstleistungen Wasserversorgung und Abwasserentsorgung wurden in der Vergangenheit eher im Zusammenhang mit Gesundheit und sozialer Gerechtigkeit betrachtet. Wasserressourcen werden von einigen als öffentliches Gut gesehen – obwohl die volkswirtschaftliche Definition eines "öffentlichen Gutes" nicht auf Wasser zutrifft. Der Zugang zu sauberem Wasser und Sanitärversorgung ist als Menschenrecht anerkannt. Keines der beiden Konzepte wird üblicherweise auf Energie angewandt. Entsprechend dieser wirtschaftlichen, kommerziellen und sozialen Unterschiede zieht Energie in den meisten Ländern mehr politische Aufmerksamkeit auf sich als Wasser.

Verfügbarkeit Wasser weltweit

 
Die steigende Nachfrage nach begrenztem Wasserangebot erhöht den Innovationsdruck auf die Erzeuger von wasserintensiver Energie, vor allem dort, wo Energie mit anderen wichtigen Wassernutzern wie Landwirtschaft, Industrie, städtische Trinkwasser- und Sanitärversorgung in Konkurrenz steht, oder dort, wo Wassernutzung zur Bewahrung der Gesundheit von Ökosystemen eingeschränkt ist. Unsichere Trends und der Anstieg der Energieerzeugung weltweit, beispielsweise durch vermehrte Nutzung unkonventioneller Gas- und Ölvorkommen oder durch Biokraftstoffe, stellen für die Wasserressourcen ein Risiko dar. Eine Politik zum Wohle eines Sektors kann zu erhöhten Risiken und nachteiligen Auswirkungen in anderen Sektoren führen, ebenso aber auch zu positiven Nebenwirkungen. Kompromisse müssen über mehrere Sektoren hinweg gestaltet und positive Nebenwirkungen maximiert werden – ein drängendes, kritisches Thema.

Planer und Entscheidungsträger im Wassersektor, die den Wasserbedarf des Energiesektors bewerten müssen, brauchen entsprechendes Wissen über Stromerzeugung und Technologien zur Kraftstoffextraktion und deren mögliche Auswirkungen auf die Ressource. Planer und Investoren des Energiesektors müssen die Komplexität des hydrologischen Kreislaufs und konkurrierende Formen der Wassernutzung bei der Bewertung von Plänen und Investitionen berücksichtigen.

Thematische Herausforderungen und Antworten

Für die gemeinsame Entwicklung von Infrastruktur und Technologien und zur ausgewogenen Nutzung von Wasser und Energie gibt es viele Optionen, um die Vorteile zu maximieren und schlechte Kompromisse zu minimieren. Energie und Wasser können gemeinsam und synergetisch produziert werden, zum Beispiel durch eine Kombination von Kraftwerken und Entsalzungsanlagen, Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen, die Nutzung alternativer Wasserquellen für thermische Kraftwerkskühlung und sogar Energierückgewinnung aus Abwasser. Neben der Suche nach neuen technischen Lösungen braucht es geeignete politische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen für eine bessere Zusammenarbeit und integrierte Planung der Sektoren. Innovative Ansätze zur Ausgabeneffizienz können zur Bewältigung der Infrastrukturfinanzierungslücke beitragen, die auch für Energie groß, für Wasser aber weit größer ist: Beispiele sind branchenübergreifende, synergieorientierte Zusammenarbeit, integrierte Planung von Wasser und Energie zur Senkung von Kosten und Steigerung der Tragfähigkeit, die landesweite Bewertung von Kompromissen, nachfrageseitige Interventionen und Dezentralisierung von Dienstleistungen.

Ein zunehmend ernsthafter Konflikt droht zwischen Energieerzeugung, anderen Wassernutzern und dem Umweltschutz im Zusammenhang mit der thermischen Stromerzeugung. Zielkonflikte können manchmal durch technischen Fortschritt reduziert werden, aber Fortschritt kann erneut zu Zielkonflikten führen. Aus Sicht des Wassersektors sind Photovoltaik und Windenergie eindeutig die nachhaltigsten Formen von Stromerzeugung. Da aber Photovoltaik und Wind nicht durchgängig verfügbar sind, braucht es zur Lastverteilung andere Formen der Stromerzeugung, welche mit Ausnahme der Geothermie Wasser erfordern. Es braucht eine drastische Erhöhung der Unterstützung zum Ausbau der erneuerbaren Energien, welche weltweit gesehen weit unter der für fossile Energieträger liegt. Sonst gibt es keine signifikanten Änderungen im globalen Energie-Mix und daher auch nicht in der entsprechenden Wassernachfrage. Erdwärme zur Stromerzeugung wird weiter wenig genutzt und ihr Potenzial wird stark unterschätzt. Sie ist klimaneutral, sie produziert geringe oder kaum Treibhausgas-Emissionen, sie verbraucht kein Wasser und sie ist in menschlichen Zeitskalen unendlich lang verfügbar.

Die Landwirtschaft ist derzeit global gesehen mit etwa 70 Prozent der Gesamtentnahme der wichtigste Wassernutzer. Die Nahrungsmittelerzeugung und ihre Versorgungskette verbrauchen etwa ein Drittel der weltweiten Gesamtenergie. Die Nachfrage nach landwirtschaftlichen Ausgangsmaterialien für Biokraftstoffe ist die seit Jahrzehnten wichtigste neue Ursache für Nachfrage nach landwirtschaftlichen Erzeugnissen und war ein treibender Faktor für die globale Rohstoff-Preisspitze 2007-2008. Biokraftstoffe brauchen Wasser auch für die einzelnen Stufen ihrer Verarbeitung, daher kann der Wasserbedarf von Biokraftstoffen aus bewässerten Kulturen viel größer sein als der von fossilen Brennstoffen. Energiesubventionen, auch für Pumpen, verleiten Landwirte zur nicht-nachhaltigen Extraktion von Grundwasser und haben zur Erschöpfung von Grundwasserreserven geführt. Maßnahmen zur Energieeffizienz auf dem Bauernhof und auf allen anschließenden Stufen entlang der Lebensmittelkette können Einsparungen bringen, in direkter Weise durch Änderungen der Technik und des Verhaltens oder indirekt durch die Nebenwirkungen beim Einsatz agro-ökologischer Anbaumethoden. Ein flexibler, zuverlässiger und effizienter Einsatz von Wasser ist möglich durch wissensbasierte Präzisionsbewässerung, ergänzt durch Defizit-Bewässerung und Wiederverwendung von Abwasser.

Viele schnell wachsende Städte in Entwicklungsländern haben bereits Wasser- und Energieprobleme und haben kaum die Mittel, darauf zu reagieren. Für Wasser- und Abwasserunternehmen stellt Energie oft der größte Ausgabenposten dar; Audits können Wasser -und Energieverluste identifizieren, reduzieren und die Effizienz steigern; dies kann zu erheblichen Energie-und Kosteneinsparungen führen. Der künftige Wasser-und Energieverbrauch einer neuen bzw. einer expandierenden Stadt kann in den frühen Phasen der Stadtplanung reduziert werden, etwa durch die Entwicklung von kompakten Siedlungen und Investitionen in integrierte Systeme für die städtische Wasserbewirtschaftung. Zu solchen Systemen und Praktiken kann man zählen: Quellenschutz, Diversifizierung von Wasserquellen – einschließlich Regenwassersammlung und -bewirtschaftung sowie die Wiederverwendung von Abwasser – und die Behandlung von Wasser in Einsatz-angemessener Qualität anstatt der Behandlung allen Wassers in Trinkwasserqualität. Die chemisch in Abwasser gebundene Energie kann für Kochen und Heizen im Haushalt verwendet werden, als Treibstoff für Fahrzeuge und Kraftwerke oder für den Betrieb von Kläranlagen. Dieses Biogas kann fossile Brennstoffe ersetzen, die Menge an zu entsorgendem Schlamm reduzieren und finanzielle Einsparungen für die Kläranlage bewirken.

Die Industrie strebt nach Effizienz beim Einsatz von Wasser und Energie, obwohl beides nicht immer kompatibel ist und obwohl Wasser- und Energieeffizienz nicht das Hauptziel ist, sondern die Verfügbarkeit von Wasser und Energie zu niedrigsten Preisen. Je einzeln und kombiniert implizieren Wasser- und Energieeffizienz verschiedene Kompromisse, die kurzfristig oft Kosten anheben und erst langfristig Einsparung bedeuten, die Wasser- und Energieverbrauch ausbalancieren, sowie Kompromisse mit anderen Faktoren wie Arbeits-, Transport- und Rohstoffkosten und Ansiedelungsort. Großunternehmen und multinationale Konzerne gerade aus der Lebensmittel- und Getränkebranche verbessern Wasser- und Energieeffizienz schon seit geraumer Zeit. Solche Unternehmen bewerten Effizienz nicht nur in monetärer, sondern auch in gesellschaftlicher Hinsicht. Kleine und mittlere Unternehmen (mit bis zu 20 Beschäftigten) haben in den meisten Volkswirtschaften einen Anteil von mehr als 70 Prozent der Unternehmen. Obwohl sie als Gruppe einen erheblichen Einfluss auf die Wasser- und Energieeffizienz haben können, haben sie weniger Ressourcen und sind auf zusätzliches Kapital angewiesen.

Die Verfügbarkeit von angemessener Menge an Wasser von ausreichender Qualität hängt ab von gesunden Ökosystemen und kann als Ökosystemdienstleistung angesehen werden. Natürliche Kreisläufe aufrecht zu erhalten, heißt, diese und andere Ökosystemdienstleistungen zu ermöglichen, welche von grundlegender Bedeutung für dauerhaftes Wirtschaftswachstum und menschliches Wohlergehen sind. Ökosystemdienstleistungen sind weltweit gefährdet und der Sektor Energieerzeugung trägt hierzu einiges bei. Natürliche oder grüne Infrastruktur kann die Leistungen von traditionellen Ingenieur-Infrastrukturen ergänzen, erweitern oder ersetzen; dadurch können zusätzliche Vorteile in Bezug auf Kosten, Risikomanagement und nachhaltige Entwicklung insgesamt entstehen. Der ökonomische Wert von Ökosystemen wird formal anerkannt und monetarisiert, gerade von Nutzern wie Unterliegern an Flüssen durch Zahlungen für Umweltleistungen. Dies heißt, dass Unterlieger Landwirten Zahlungen oder grüne Bonus-Leistungen für gute Bewirtschaftungspraktiken leisten, welche also Ökosystemdienstleistungen regeln und unterstützen, wodurch Wasserressourcen in Verfügbarkeit und Qualität bewahrt werden.

Regionale Schwerpunkte

Der Ausbau der Wasserkraft als wichtige erneuerbare Energiequelle ist in fast allen Weltregionen ein kritisches Thema, gerade angesichts begrenzter Wasserressourcen und von steigender Konfliktgefahr zwischen verschiedenen Interessen darüber.

In Europa und Nordamerika werden Wasserknappheit, hydrologische Variabilität und die Auswirkungen des Klimawandels auf die Wasserverfügbarkeit und die Energieerzeugung zunehmend als kritisch und wechselseitig abhängig erkannt. Angesichts der Ziele zur Steigerung des Anteils erneuerbarer Energien gibt es neues Interesse am Ausbau von Pumpspeichern. In Zentralasien und Südosteuropa wiederum wird die Wasserkraft ausgebaut, nicht immer abgestimmt mit anderen Wassernutzungsformen. Hinsichtlich des möglichen Ausbaus von unkonventionellen Gas- ("Fracking") und Ölvorkommen ("Ölsande"), was jeweils große Mengen an Wasser erfordern würde, werden Risiken für die Wasserqualität, die menschliche Gesundheit und Nachhaltigkeit gesehen.

In der Region Asien-Pazifik steigt die Energienachfrage exponentiell, was zu großen Herausforderungen für die Versorgung führt. Der heute in der Region am weitesten verbreitete Energieträger Kohle wird auch künftig der wichtigste bleiben, trotz ernsthafter Sorgen über die Verschlechterung der Wasserqualität als Folge des Kohlebergbaus und über die zur Kühlung thermischer Kraftwerke benötigten Wassermenge. Zunehmend wird das Potenzial Asiens erkannt, sich zu einem bedeutenden Markt für und einem Exporteur von Biokraftstoffen zu entwickeln. Für mehrere Entwicklungsländer stellt dies eine Hoffnung auf neue Arbeitsplätze dar.

In der arabischen Region fällt es Ländern mit niedrigem bis mittlerem Einkommensniveau schwer, die steigende Nachfrage nach Wasser- und Energiedienstleistungen zu bedienen. Das Verständnis der Zusammenhänge zwischen der Bewirtschaftung der Ressourcen Wasser und Energie ist begrenzt und hat eine Koordinierung zwischen Strategien im Wasser- und Energiesektor behindert und eine Koordinierung zwischen den Sektoren Wasser, Energie, Strom und Landwirtschaft aufgrund von Zielkonflikten nur eingeschränkt ermöglicht. Solarbetriebene Meerwasserentsalzung und Energierückgewinnung aus Abwasser sind zwei vielversprechende Technologien, die für diese Region besonders gut geeignet sind.

In Lateinamerika und der Karibik steigt das Interesse an Biokraftstoffen. Hier ist auch von Interesse, wie wassersparende (aber energieintensivere) Bewässerungsmethoden und Strom-Subventionen für Landwirte Grundwasserleiter und ihre nachhaltige Bewirtschaftung beeinträchtigen. Die meisten Wasserversorgungsunternehmen der Region können sich kaum selbst refinanzieren, und Energie stellt mit 30 bis 40 Prozent oft den größten Einzelposten der Betriebskosten dar. Steigende Energiekosten haben daher direkte Auswirkungen auf Preise und Finanzierungsfragen des Sektors.

Der Großteil der ländlichen Bevölkerung in Afrika südlich der Sahara ist auf traditionelle Formen der Energieversorgung angewiesen. Meist ist dies unverarbeitete Biomasse, deren Verbrennung erhebliche Umweltverschmutzung und Gesundheitsprobleme verursacht. Dies ist weltweit die einzige Region, in der die absolute Zahl der Menschen ohne Zugang zu Strom steigt. Afrika hat sein erhebliches Potenzial für Wasserkraft-Ausbau im Wesentlichen noch gar nicht erschlossen. Daher sollte es aus positiven wie auch negativen Aspekten der Nutzungspraktiken der Wasserkraft anderer Nationen Lehren ziehen.

Günstiges Umfeld

Einige Beobachter haben aus dem Zusammenhang zwischen Wasser und Energie die Forderung nach einer Integration der beiden Sektoren abgeleitet. Auch wenn dies möglich und unter bestimmten Umständen vorteilhaft sein könnte, geht es eher um mehr Zusammenarbeit und Koordination, was in fast allen Situationen positive Ergebnisse hat. Wirksame Zusammenarbeit erfordert weder, dass Verantwortlichkeiten für Wasser und Energie im selben institutionellen Portfolio zusammengefasst sind, noch würde dies kohärente Zusammenarbeit gewährleisten. Vielmehr müssen sich Akteure der Sektoren Wasser und Energie untereinander austauschen und gegenseitiges Verständnis suchen. An beide Sektoren wurde traditionell die Erwartung gerichtet, sich auf ein schmales Mandat und auf die Erfüllung der je eigenen Ziele und Aufgaben zu konzentrieren. Oft gibt es nur geringe oder gar keinerlei Anreize, politische Ansätze über sektorale Institutionen hinweg zu koordinieren oder zu integrieren. Entscheidungsträger, Planer und Praktiker beider Sektoren müssen die existierenden Barrieren zwischen den Sektoren Wasser und Energie gemeinsam identifizieren und überwinden.

Die Dilemmata, die Risiken und die Chancen, die diese fünfte Ausgabe des Weltwasserberichts der Vereinten Nationen präsentiert, werden meist beantwortet mit der Forderung nach Verbesserungen von Effizienz und Nachhaltigkeit der Wasser- und Energienutzung und nach Win-Win-Optionen, Einsparungen und Synergien. Aber nicht jede Situation erlaubt solche Antworten. In manchen Situationen besteht Wettbewerb um Ressourcen oder es bestehen sogar echte Konflikte zwischen Wasser- und Energiezielen, was gewisse Kompromisse erfordert. Kompromisse können Verhandlungen erfordern, welche ihre ganz eigenen Vorteile haben, insbesondere wenn internationale Fragen im Raum stehen. Wo die Konkurrenz zwischen verschiedenen Ressourcensektoren wahrscheinlich ansteigt, steigt auch die Notwendigkeit, bewusst Kompromisse zu schließen und zu verwalten, vorzugsweise durch Zusammenarbeit und in koordinierter Weise. Dafür braucht es bessere und auch neue Daten.

Die Anreize zur Effizienzsteigerung mit Blick auf die beiden Sektoren sind asymmetrisch verteilt: Energienutzer weltweit haben aufgrund des geringen Preises meist wenig oder keinen Anreiz, Wasser zu sparen. Aber Wassernutzer zahlen normalerweise für Energie, auch wenn die Preise oft subventioniert sind. Die Preise für Wasser und Energie sind stark geprägt von politischen Entscheidungen und Subventionen, die wichtige Sektoren wie Landwirtschaft und Industrie unterstützen. Und diese Subventionen verzerren oft die wahren wirtschaftlichen Zusammenhänge zwischen Wasser und Energie. Besonders der Wasserpreis spiegelt die Kosten selten getreu wider – oft ist er niedriger als die Kosten der Versorgung.

Eine kohärente Politik, das heißt eine angemessene Antwort auf die Zusammenhänge zwischen Wasser, Energie und anderen Sektoren, erfordert mehrere gezielte Aktionen. Dazu gehören:

  • Entwicklung einer kohärenten nationalen Politik für die verschiedenen Sektoren,
  • Schaffung von rechtlichen und institutionellen Rahmenbedingungen zur Förderung solcher Kohärenz,
  • Erhebung verlässlicher Daten und Statistiken für Entscheidungen und Überwachung von deren Umsetzung,
  • Sensibilisierung durch Bildung, Weiterbildung und Öffentlichkeitsarbeit,
  • Unterstützung von Innovation, Forschung  und technischer Entwicklung,
  • Bereitstellung von Finanzmitteln,
  • Unterstützung für Märkte und Unternehmen.

Zusammen können diese Maßnahmen ein günstiges Umfeld schaffen, das Voraussetzung ist für den Wandel hin zu einer nachhaltigen und wechselseitig kompatiblen Entwicklung von Wasser und Energie. Die internationale Gemeinschaft kann Akteure zusammenbringen und Unterstützung für Regierungen auf nationaler und kommunaler Ebene sowie für Versorgerunternehmen katalysieren, die eine wichtige Rolle für den Wasser-Energie-Nexus auf nationaler und lokaler Ebene spielen.

Es braucht eine Anerkennung der verschiedenen "politischen Ökonomien" von Wasser und Energie, da diese das Ausmaß, die Geschwindigkeit und die Richtung der Veränderung im jeweiligen Sektor bestimmen. Der Energiesektor hat in der Regel großen politischen Einfluss, der Wassersektor meist nicht. Teils hat dies zur Folge, dass sich die Geschwindigkeit des Wandels aufgrund von Markt- und Technologieentwicklungen stark unterscheidet. Daher müssen die Verantwortlichen im Wassersektor ihre Reformbemühungen beschleunigen, sonst wird der Druck von Entwicklungen im Energiesektor immer restriktiver; die Aufgaben der Wasser-Planer und das Ziel sicheren Wassers wären viel schwieriger zu erreichen. Ein Versagen des Wassersektors hätte wiederum Ausfälle im Energiesektor und anderen entwicklungskritischen Branchen zur Folge.

Wasser und Energie: Acht Schlüsselaussagen des Weltwasserberichts 2014

  1. Die Nachfrage nach Energie und nach Wasser wird in den kommenden Jahrzehnten steigen. Dieser Anstieg führt zu erheblichen Herausforderungen und Belastungen in fast allen Regionen, vor allem in Entwicklungs- und Schwellenländern.
  2. Die Versorgung mit Wasser und die Versorgung mit Energie sind wechselseitig abhängig. Entscheidungen in einem Sektor haben positive und negative Auswirkungen auf den jeweils anderen Sektor.
  3. Politik und Verwaltung, Planer und Praktiker können die Barrieren zwischen ihren jeweiligen Sektoren schrittweise überwinden. Der Staat kann durch innovative und pragmatische Ansätze die Versorgung mit Wasser und Energie effizienter machen und Kosten sparen.
  4. Der Preis für Energie- und Wasserdienstleistungen sollte die Kosten für Bereitstellung und sozio-ökologische Folgen so berücksichtigen, dass die Grundbedürfnisse der Armen und Benachteiligten nicht beeinträchtigt werden.
  5. Der private Sektor kann eine größere Rolle bei Investitionen, Wartung und Betrieb von Wasser- und Energieinfrastruktur spielen.
  6. Sowohl die Beteiligung des Privatsektors als auch die staatliche F&E-Unterstützung sind entscheidend für die Entwicklung alternativer, erneuerbarer und weniger wasserintensiver Energieformen.
  7. Wasser und Energie stehen im Zentrum nachhaltiger Entwicklung und müssen solchermaßen anerkannt werden.
  8. Entscheidungen über die gemeinsame Nutzung, Zuteilung, Produktion und Vertrieb von Wasser und Energie haben erhebliche Auswirkungen auf die Gesellschaft, auch im Hinblick auf die Gleichstellung der Geschlechter. Wasser- und Energieverwaltungen müssen offen sein für Gleichstellungsfragen.
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