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Dezember 2014

Deutscher Menschenrechts-Filmpreis 2014

Filmnacht zeigt prämierte Beiträge über Flüchtlinge, Diskriminierung und Ausgrenzung

Die Deutsche UNESCO-Kommission präsentiert am 19. Januar 2015 im LVR-Landesmuseum Bonn eine Auswahl der Gewinner des Deutschen Menschenrechts-Filmpreises 2014. In diesem Jahr nehmen vor allem die Themen "Flucht" und "Diskriminierung" eine besondere Rolle ein. Bereits am 13. Januar findet die lange Menschenrechts-Filmnacht in der Kulturbrauerei in Berlin statt, die ebenfalls von der Deutschen UNESCO-Kommission mitveranstaltet wird.

Der Deutsche Menschenrechts-Filmpreis wurde am 6. Dezember 2014 anlässlich des Internationalen Tages der Menschenrechte in der Nürnberger Tafelhalle vergeben. Die Preise in den sechs Kategorien Langfilm, Kurzfilm, Magazinbeitrag, Filmhochschule, Amateure und Bildung wurden an herausragende Filme verliehen. Der Dokumentarfilm "Camp 14 – Total Control Zone", der die bedrückende Geschichte eines nordkoreanischen Flüchtlings zeigt, gewann in der Kategorie Langfilm. Der Preis für den besten Kurzfilm ging in diesem Jahr an die Dokumentation "Mohammed auf der Flucht", die das Leiden der Kinder im syrisch-türkischen Grenzgebiet thematisiert. Die weiteren Auszeichnungen gingen an den Magazinbeitrag "Yussuf – Die Geschichte einer Flucht“, den Studentenfilm "Nadeshda", das Kurzdrama "Bahar im Wunderland" und den Werbespot "Finde den Fehler".

Kategorie Langfilm

© Deutscher Menschenrechtsfilmpreis

"Camp 14 – Total Control Zone"

Der Preis in der Kategorie Langfilm ging an Marc Wiese. Sein Film über den Nordkoreaner Shin Dong-hyuk, der als Kind zweier Häftlinge im nordkoreanischen Umerziehungslager Camp 14 geboren wurde, zeigt das Grauen eines unmenschlichen Systems.

Shin Dong-hyuk verbringt seine gesamte Kindheit und Jugend in dem Straflager der härtesten Kategorie: Zwangsarbeit seit seinem 6. Lebensjahr, Hunger, Schläge und Folter bestimmen seinen Alltag. Er hat keine Ahnung von der Welt außerhalb der Stacheldrahtzäune. Shin glaubt, dass alle Menschen so leben würden. Erst mit 23 Jahren gelingt ihm durch einen Zufall die Flucht, die ihn über China bis nach Südkorea führt.

Regisseur Marc Wiese ist es gelungen, das Vertrauen Dong-hyuks zu gewinnen: In einem langen, schwierigen Gespräch offenbart sich ein fürchterliches Schicksal, das zugleich die hermetisch verschlossene Welt von Camp 14 offen legt. Dabei bleibt immer die Würde des Opfers gewahrt, unterstützt durch die unaufgeregte, präzise Kameraarbeit von Jörg Adams, der Raum für eigene Gedanken lassenden Montage von Jean-Marc Lesguillons und den einfühlsamen Animationen von Ali Soozandeh.

Kategorie Kurzfilm

© Deutscher Menschenrechtsfilmpreis

"Mohammed auf der Flucht"

Der Preis in der Kategorie Kurzfilm ging an Guido Holz. Sein Film über den 13-jährigen Flüchtling Mohammed und seine Familie thematisiert eines von unzähligen Kinderschicksalen in Konfliktgebieten.

Mohammed ist aus Syrien in die Türkei geflohen. Er lebt unter Plastikplanen, schläft auf der Erde, da im nur ein paar Meter entfernten Flüchtlingslager schon lange kein Platz mehr ist. Er friert, er ist krank, er vermisst seine Heimat und nachts träumt er von den Raketenangriffen auf sein Dorf. Trotzdem versucht er tagsüber das zu machen, was alle Kinder wollen: Spielen, Freunde treffen, für seine Geschwister und Familie da sein.

Guido Holz drehte diesen Film für die KiKa-Reihe "Schau in meine Welt". Es gelang ihm, das schwierige und wichtige Thema so zu erzählen, dass es Kinder erreichen kann und sie sich mit Mohammed identifizieren können, ohne dabei Fakten zu verharmlosen oder verschweigen zu müssen. Diese Balance aus verständlicher, journalistischer Berichterstattung, emotionaler Tiefe und dem Blick auf Augenhöhe für sein junges Publikum gelingt ihm dabei vortrefflich.

Kategorie Magazinbeitrag

© Deutscher Menschenrechtsfilmpreis

"Yussuf – Die Geschichte einer Flucht"

Der Preis in der Kategorie Magazinbeitrag ging an Caroline Walter und Bertram von Boxberg. Ihr Film über den jungen Somalier Yussuf zeigt exemplarisch die zerstörten Hoffnungen vieler Flüchtlinge und ihren lebensgefährlichen Weg in eine neue Zukunft.

Mit seinen 18 Jahren hat Yussuf bereits mehr erlebt als die meisten Erwachsenen: Der Somalier steht vor der Verwirklichung seines großen Traums vom Fußballstar. Gerade ist er in die Jugendnationalmannschaft berufen worden, da wird er von einem mächtigen Clan bedroht: Yussuf soll seinen Platz im Team zugunsten eines Clan-Mitglieds aufgeben – sonst stirbt er. Seine Flucht war dramatisch, immer wieder kämpfte er ums Überleben. Auf der Suche nach Hilfe kam er nach Deutschland, doch hier droht ihm die Abschiebung, zurück nach Italien.

Caroline Walter und Bertram von Boxberg entfalten in nur 8 Minuten eine komplexe und schier unglaubliche Fluchtgeschichte. Voller Empathie begegnet das Filmteam dem traumatisierten jungen Mann, lässt ihn erzählen und macht mit heimlich gefilmtem Archivmaterial die Schrecken einer solchen Flucht greifbar.

Kategorie Filmhochschule

© Deutscher Menschenrechtsfilmpreis

"Nadeshda"

Der Preis in der Kategorie (Film-)Hochschule ging an Anna Frances Ewert und Falk Müller. Die Dokumentation über das bulgarische Roma-Ghetto "Nadeshda" stellt anschaulich das von Träumen und Schicksalen geprägte Leben der dort lebenden Menschen dar.

Das Wort "Nadeshda" bedeutet auf Deutsch "Hoffnung". In diesem Roma-Ghetto, einem der größten in Bulgarien, träumt die 12-jährige Tsveti davon, eines Tages die Musikschule außerhalb der Stadt besuchen zu können. Auch die Eltern von Misho und Zorka träumen davon, das Ghetto verlassen zu können. Der Film begleitet das junge Paar unter anderem bei der Wohnungssuche. Ihre Wünsche sind dabei bescheiden: Sie wollen nicht aufgrund ihrer Postleitzahl abgelehnt werden.

Beiläufig und doch sehr nah dokumentiert die Kamera mit großem Gefühl für Straßen-Atmosphären und für alltägliche Anstrengungen und Konflikte das Leben und Überleben in Nadeshda. Durch die dokumentarische Sicht von Anna Frances Ewert und Falk Müller, deren Kamera stets auf Augenhöhe bleibt, wird der Zuschauer zum direkten Begleiter der Menschen in Nadeshda.

Kategorie Bildung

© Deutscher Menschenrechtsfilmpreis

"Bahar im Wunderland"

Der Preis in der Kategorie Bildung ging an Behrooz Karamizade. Der Kurzfilm zeigt die Geschichte des kleinen Mädchens Bahar auf der langen und beschwerlichen Flucht von Syrien nach Deutschland.

Wohin flüchtest du, wenn dein Leben in Gefahr ist und es keinen Ort gibt, an dem du dich verstecken kannst? Das kurdische Mädchen Bahar glaubt, einen Weg gefunden zu haben. "Bahar im Wunderland" ist die Geschichte eines jungen Mädchens, das kein Kind mehr sein darf. Um ihre Ängste zu überwinden und sich vor den Gefahren der Flucht zu schützen glaubt sie, unsichtbar werden zu können, wenn sie ihre Augen schließt.

"Bahar im Wunderland" wirkt wie ein modernes Märchen. Doch ob am Ende alles gut wird bleibt ungeklärt – Ungewissheit ist eine Konstante in diesem Film. Behrooz Karamizade drehte einen Film, der bewusst keine Antworten gibt, sondern den Zuschauer zum Nachdenken, Innehalten und Zweifeln bringt. Diese Offenheit bietet verschiedene pädagogische Ansatzpunkte zu den Themen Flucht, Asyl und Menschenwürde.

Kategorie Amateure

© Deutscher Menschenrechtsfilmpreis

"Finde den Fehler"

Der Preis in der Kategorie Amateure ging an "all inclusive" – Verein zur Förderung komplementärer Diversitätsstrukturen und Regisseur Gerhard Prügger. Der kurze Werbespot thematisiert Fragen der Gleichstellung und Gleichbehandlung aufgrund sexueller Orientierung.

Ein Film, ein Split-Screen, zwei Liebesszenen und der Titel "Finde den Fehler". Schon suchen wir reflexartig nach den feinen Abweichungen. Links ein homosexuelles Paar, rechts ein heterosexuelles Paar. Beide umarmen und küssen sich genau im selben Bewegungsablauf! Wo ist der Unterschied? Alles läuft exakt identisch wie bei Synchronschwimmern. Die intimen Gesten und Zärtlichkeiten gleichen sich bis auf das Haar. Wo steckt bloß der Fehler?

Gerhard Prügger spielt mit den Vorurteilen eingefahrener Denkkategorien und führt dem Zuschauer sein "Schablonendenken" vor. Homo- und Heterosexualität sind keine Fehler, die es zu finden gilt. Der kurze Werbefilm wirft am Ende eine Frage auf, die in ihrer Metaphorik weit über den Film hinausreicht: Haben wir wirklich geglaubt, die Situation schon auf den ersten Blick erfassen zu können?

Der Deutsche Menschenrechts-Filmpreis

Der Deutsche Menschenrechts-Filmpreis zeichnet herausragende Film- und Fernsehproduktionen aus, die Geschichte, Wirkungen und Bedeutung der Menschenrechte thematisieren. Der Filmpreis soll dazu beitragen, das Bewusstsein für die Menschenrechte in der Öffentlichkeit zu schärfen. Für den diesjährigen Wettbewerb wurden insgesamt mehr als 400 Produktionen eingereicht. Die Preisträger wurden von einer Fachjury aus Film- und Menschenrechtsexperten in einem mehrstufigen Bewertungsverfahren ausgewählt. Dem Veranstalterkreis gehören 18 bundesweit tätige Organisationen der Menschenrechts-, Bildungs-, Kultur- und Medienarbeit an. Die Deutsche UNESCO-Kommission ist Mitveranstalter des Wettbewerbs. Seit 1998 wird der Deutsche Menschenrechts-Filmpreis alle zwei Jahre vergeben.

Die Aufzeichnung der von Christoph Süß moderierten Verleihung des Deutschen Menschenrechts-Filmpreises 2014 zeigt die "Denkzeit" am Samstag, 13. Dezember, 22.30 Uhr in ARD-alpha.

Weitere Informationen:

Website des Deutschen Menschenrechts-Filmpreises

Die Lange Nacht des Menschenrechts-Filmpreises in Bonn (Facebook)

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