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März 2012

Weltwasserbericht 2012: Trends in Afrika

Von Lutz Möller und Farid Gardizi

Nach Jahrzehnten schwachen Wirtschaftswachstums haben mehrere afrikanische Länder in jüngster Zeit ein hohes Wachstum erlebt. Diese positive Entwicklung kann sich laut Weltwasserbericht 2012 nur dann fortsetzen, wenn sich die Wasserversorgung in diesen Ländern weiterentwickelt. Soziale und ökonomische Herausforderungen wie die weitverbreitete Armut und unsichere Nahrungsversorgung hängen in Afrika mit der Ressource Wasser zusammen. Das Problem ist jedoch nicht der Mangel an Wasser, sondern der Zugang zu Wasser, wo es gebraucht wird.

Das Wasser wird in Kanister abgefüllt
© UN-HABITAT/Julius Mwelu

Wasserinfrastruktur: Afrika verfügt über reichlich Wasser. Gerade einmal fünf Prozent der Wasserressourcen werden verwendet. Der Weltwasserbericht betont, dass ein enormes Potenzial besteht, mit Wasserkraft erneuerbare Energie zu gewinnen. Der Kontinent hat ausgedehnte Feuchtgebiete und Grundwasserressourcen. Es fehlt jedoch an Infrastruktur und an angemessenen ökonomisch-regulativen Rahmenbedingungen, um die Bevölkerung auf dem Land oder in den Städten mit sauberem Trinkwasser zu versorgen. Die politischen und wirtschaftlichen Herausforderungen in Afrika sind so komplex, dass eine nachhaltige Nutzung der Wasserressourcen auf dem Kontinent in weiter Ferne ist. Über Wasserressourcen wird meist aufgrund von drängenden Problemen wie Armut oder Bevölkerungswachstum entschieden, nicht aufgrund langfristiger Strategien. Vielerorts fehlt es an wirksamen Strategien, mangelt es an regionaler Zusammenarbeit, ist die Infrastruktur unzureichend, sind die finanziellen Zwänge groß, ist die Anpassungsfähigkeit gering. Das Problem lässt sich laut Weltwasserbericht nur lösen, wenn afrikanische Länder stärker in den Aufbau, die Wartung und den Betrieb von Wasserinfrastrukturen investieren.

Trinkwasser: Der Zugang zu sauberem Wasser ist ein zentrales Milleniumsziel, das im Jahr 2000 von den Vereinten Nationen  für 2015 formuliert wurde. 89 Prozent der Weltbevölkerung haben heute bereits Zugang zu sauberem Trinkwasser. Damit ist dieses Millenniumsziel zwar quantitativ erreicht. Doch in Afrika und Nahost ist das Problem nach wir vor akut. Südlich der Sahara haben immer noch mehr als 60 Prozent der Menschen keinen Zugang zu sauberem Wasser. Frauen und Kinder müssen meist Stunden laufen, um Trinkwasser zu besorgen. Oder  es wird zu einem sehr hohen Preis bei Händlern gekauft.

Sanitäre Einrichtungen: Eine noch größere Herausforderung ist die Verfügbarkeit von sanitären Einrichtungen. Nur 31 Prozent der Afrikaner haben Zugang zu ihnen, selbst in den Städten sind es nur 44 Prozent. In vielen Gewässern befinden sich daher Krankheitserreger aus menschlichen Ausscheidungen, weshalb Durchfall und andere leicht zu verhindernde Erkrankungen weit verbreitet sind. Kenia und Südafrika sind die einzigen Länder, in denen mehr als 75 Prozent der Menschen über sanitäre Einrichtungen verfügen. Weil es in Afrika an sauberem Trinkwasser und angemessenen Sanitäranlagen fehlt, sind nicht nur die menschliche Gesundheit und das Wohlbefinden gefährdet, sondern auch Wachstum und Sicherheit.

Wirtschaft: Afrika hat beim Wirtschaftswachstum aufgeholt. Zwischen 2000 und 2010 befanden sich von den zehn weltweit am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften sechs südlich der Sahara. Dennoch hat die Hälfte der Afrikaner heute weniger als einen Dollar pro Tag zur Verfügung, das durchschnittliche Wachstum des Bruttosozialprodukts ist das niedrigste aller Kontinente. Die vom Regen abhängige Subsistenzlandwirtschaft wird auf 97 Prozent der Fläche betrieben, sie trägt wesentlich zum Wirtschaftswachstum bei, beschäftigt 60 Prozent der Bevölkerung und produziert 20 Prozent der Exporte. Wenn bis 2025 alle Menschen in Afrika ernährt werden sollen, muss sich die landwirtschaftliche Produktion auf dem Kontinent pro Jahr um 3,3 Prozent erhöhen. Das wird laut Weltwasserbericht nur möglich sein durch den Ausbau von Bewässerungsanlagen und der Verbesserung der Subsistenzwirtschaft. Derzeit werden nur fünf Prozent der Anbauflächen in Afrika bewässert. Der Ausbau der Bewässerung gilt in Afrika als wirksamste Maßnahme, das Einkommen zu steigern.

Madagaskar gehört zu den ärmsten Ländern der Welt, das Überleben hängt von der Nutzung natürlicher Ressourcen ab
© UNEP/Peter Prokosch

Bevölkerung: Seit den 1960er Jahren ist die landwirtschaftliche Produktion um weniger als zwei Prozent jährlich gestiegen und damit langsamer gewachsen als die Bevölkerungszahl.  In Afrika leben derzeit etwa 840 Millionen Menschen. Die Bevölkerung wächst pro Jahr um 2,6 Prozent. Im Jahr 2050 wird eine Bevölkerungszahl von über 2 Milliarden prognostiziert. Noch leben 61 Prozent der Afrikaner auf dem Land, aber das städtische Bevölkerungswachstum ist überproportional. Ohne radikale Maßnahmen wird sich die Slumbevölkerung auf 400 Millionen verdoppeln.

Wasserkraft: Nur jeder vierte Afrikaner hat Strom, und die Stromversorgung ist häufig unzuverlässig. Die Wasserkraft liefert heute 32 Prozent der afrikanischen Gesamtenergieversorgung. Nur drei Prozent der erneuerbaren Wasserressourcen werden für die Wasserkraft genutzt. Dabei könnte eine Nutzung der Wasserkraft nicht nur die Wirtschaft in vielen afrikanischen Ländern ankurbeln, betont der Weltwasserbericht. Ein besonders großes Potenzial besteht in Zentralafrika, wo die Stromnetze am schlechtesten ausgebaut sind. Wasserkraft ermöglicht auch eine Abkehr von der Nutzung traditioneller Biomasse wie Feuerholz und produziert weniger Treibhausgase. Außerdem bietet Wasserkraft eine zuverlässige Grundlast, die wiederum andere erneuerbare Energiequellen ermöglichen kann.

Frauen sammeln Feuerholz am ausgetrockneten Flussbett des Nigers
© UN Photo/Ian Steele

Klimawandel: Dass so wenige Afrikaner ausreichend mit Wasser versorgt sind, hängt damit zusammen, dass der Niederschlag regional und über das Jahr sehr ungleich verteilt ist. Besonders viel Regen fällt am Äquator, so gut wie keiner in der Sahara. In Westafrika fällt der Niederschlag sehr unregelmäßig, Dürren und Hochwasser wechseln sich ab. Dies hat auch Einfluss auf die Grundwasservorkommen, auf die derzeit drei von vier Afrikanern angewiesen sind. Deshalb ist die Speicherung von Niederschlagswasser notwendig. Experten rechnen damit, dass mit dem Klimawandel Regen noch unregelmäßiger fallen wird. Damit wird auch die Dürregefahr steigen. Gleichzeitig wird damit gerechnet, dass die Hochwasserereignisse zunehmen. Im Jahr 2000 waren in Mosambik über zwei Millionen Menschen davon betroffen, und das Land verlor 20 Prozent seines Bruttosozialprodukts.

Wasser in der Politik: In der Wirtschaftsorganisation NEPAD haben sich die afrikanischen Regierungen auf die "Africa Water Vision 2025" geeinigt. Ziel ist es, starke Institutionen zu schaffen, die eine integrierte Bewirtschaftung der Wasserressourcen (IWRM) erlauben. Eine Studie aus dem Jahr 2010 hat den jährlichen Finanzbedarf für Trinkwasserinfrastruktur und sanitäre Anlagen in Afrika auf 22 Milliarden Dollar beziffert, um nationale Ziele und die Millenniumsziele zu erreichen. Hinzu kommt ein Investitionspotenzial von etwa 20 Milliarden Dollar für eine bessere Bewässerung, sowohl für große als auch für kleinskalige Systeme. Die afrikanischen Staaten müssen bei der Bewirtschaftung von Flussgebieten enger zusammenarbeiten. Praktisch alle Staaten liegen an grenzüberschreitenden Flussgebieten. Zur Kooperation in der Fluss-Bewirtschaftung existieren bereits über 90 internationale Abkommen. Bislang gibt es aber kaum eine faire Aufteilung der Ressource Wasser zwischen den Oberliegern und Unterliegern an einem Fluss. Um die institutionellen Rahmenbedingungen zu verbessern, gibt es vielversprechende Ansätze, unter anderem durch Institutionen wie den Afrikanischen Wasser-Ministerrat oder durch den Kooperationsrahmen zur Wasserkraft im südlichen und westlichen Afrika.

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