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Juli 2012

20 neue Biosphärenreservate

Der Internationale Koordinierungsrat des UNESCO-Programms "Der Mensch und die Biosphäre" hat am 11. Juli 2012 auf seiner Tagung in Paris 20 neue Biosphärenreservate anerkannt. Es sind repräsentative Kulturlandschaften mit einer Vielfalt an Ökosystemen.

Biosphärenreservat Sheka in Äthiopien
© Ethiopian Ministry of Science & Technology

Äthiopien: Sheka
Das Biosphärenreservat Sheka im Südwesten Äthiopiens ist etwa 2.000 Quadratkilometer groß. Es umfasst Bambuswälder, Sumpfgebiete und den afromontanen Wald. Dieser immergrüne Feuchtwald gilt als der letzte indigene Wald Äthiopiens. Er bedeckt fast die Hälfte der Sheka-Region und ist damit die Lebensgrundlage der Bevölkerung von etwa 200.000 Menschen, die die Region nach alter Tradition bewirtschaften. Das Biosphärenreservat soll insbesondere den Zugang zu und die Nutzung der regionalen Heilpflanzen bewahren.

Belarus/Polen/Ukraine: Grenzübergreifendes Biosphärenreservat im westlichen Polesien
Polesien ist der traditionelle Name der Landschaft an der Grenze zwischen Polen, Ukraine und Weißrussland. Diese waldreiche Landschaft ist geprägt von der Flussniederung und den Sümpfen des Flusses Prypjat. Mit etwa 90.000 Quadratkilometern sind die Prypjatsümpfe die größten Europas. Landwirtschaft spielt in dem Gebiet nur eine untergeordnete Rolle, wichtig ist dafür die Forstwirtschaft. Bereits 2008 war die Anerkennung des Gebiets als UNESCO-Biosphärenreservat beantragt, aber wegen fehlender Einigung zwischen den Regierungen über das gemeinsame Management vertagt worden.

China: Jinggangshan
Diese Region im Südosten Chinas zwischen den Provinzen Hunan und Jiangxi ist geprägt von hoher landschaftlicher Vielfalt: Berge von bis zu 1.780 Metern Höhe, Täler und Karst. Die Bewohner leben von Land- und Forstwirtschaft, in den Tälern angebaute Produkte sind Kartoffeln, Gemüse, Bambus und das Öl des Teebaums. Touristen bestaunen nicht nur die Landschaft, sondern auch historische Stätten des chinesischen Bürgerkriegs: Die Region ist in China berühmt als "Geburtsort der roten Armee" und als "Wiege der Revolution", Mao gründete hier seinen ersten Bauernrat. 
 
China: Niubeiliang
Dieses Biosphärenreservat liegt im Osten des Qinling-Gebirges in der Provinz Shaanxi. Die Vegetation besteht großteils aus Berglaubwald, unter den vielen endemischen und geschützten Tierarten sind das Moschustier und das Goldene Takinrind besonders erwähnenswert. Es gibt einige Angebote der Bevölkerung zur Beherbergung von Touristen, auch mehrere Forschungsprogramme sind gut etabliert.

Flusslandschaft der Dordogne in Frankreich
© EPIDOR

Frankreich: Einzugsgebiet des Flusses Dordogne
Das Biosphärenreservat im Südwesten Frankreichs umfasst den gesamten Flussverlauf der Dordogne sowie die angrenzenden Landkreise, somit ein Gebiet von etwa 24.000 Quadratkilometern, in dem etwa eine Million Menschen leben. Die Kernzone des Reservats besteht zum einen aus dem Naturschutzgebiet entlang des Flusslaufs der Dordogne und zum anderen aus den Naturschutzgebieten in der Vulkanregion des Avernerlandes. Die Pflegezone umschließt die Dordogne, ihre beiden Nebenflüsse Vézère und Isle sowie den Zusammenfluss der Quellbäche Dore und Dogne im Avernerland. Das Biosphärenreservat dient dem Schutz der Biodiversität und der nachhaltigen Bewirtschaftung der Region.

Großbritannien: Galloway und südliches Ayrshire
Südwestlich von Glasgow lagen bisher zwei getrennte, von der UNESCO anerkannte Biosphärenreservate, die aber nicht mehr den heute gültigen Kriterien entsprechen. Durch die Zusammenführung in ein übergreifendes Gebiet entsteht ein Biosphärenreservat von über 5.000 Quadratkilometern mit Feldern, Wiesen, Forsten und Sümpfen. Hier leben Moorhühner und Steinadler. Jährlich kommen 850.000 Besucher und bringen wichtiges Einkommen für die von Verlust der Textilindustrie und der Zechen betroffene Region.

Haiti: La Selle
Haitis erstes Biosphärenreservat liegt am Morne la Selle, dem höchsten Berg Haitis, etwa 40 Kilometer südöstlich der Hauptstadt Port-au-Prince. Es umfasst vielfältige Ökosysteme, zum Beispiel die Berglandschaften des Nationalparks Visite, tropische Trockenwälder und küstennahe Ökosysteme. Besonders erwähnenswert sind der "Forêt-des-pins", der hispaniolische Kiefernwald mit der endemischen Art Pinus occidentalis und der Salzwassersee Azuéi, der größte See Haitis. La Selle grenzt an das Biosphärenreservat Jaragua-Bahoruco-Enriquillo in der Dominikanischen Republik an und erweitert somit den "biologischen Korridor der Karibik". Dieses Projekt soll den staatenübergreifenden Schutz gefährdeter Arten und Ökosysteme der Region erleichtern. Vier Prozent der haitischen Bevölkerung lebt in dem Biosphärenreservat, vor allem von Agrarforstwirtschaft, Fischerei, Tourismus und Handwerk. Ein längerfristiges Ziel ist die Verbindung des haitischen Reservats mit dem der Dominikanischen Republik als grenzübergreifendes Biosphärenreservat.

Indien: Achanakmar-Amarkantak
Das Achanakmar-Amarkantak Biosphärenreservat liegt in den zentralindischen Bundesstaaten Madhya Pradesh und Chhattisgarh und umfasst eine Fläche von 3.800 Quadratkilometern. Die Kernzone des Reservats bildet das Naturschutzgebiet Achanakmar. Die Landschaft ist sehr vielfältig: Reisfelder in Bilaspur und Anuppur, Kornfelder in Dindori, das Gebirge Maikal in Satpuras. Hier entspringen mehrere große Flüsse: der Narmada, der Ama Nallah-Strom und die beiden Ganges-Zuflüsse Johilla und Son. In dem Biosphärenreservat gibt es über 1.000 Pflanzenarten, auch die Fauna ist vielfältig. Haupteinnahmequelle der Region ist der Tourismus. Das Schutzgebiet Achanakmar, der Narmada-Tempel und andere religiöse Stätten ziehen viele Touristen an.

Indonesien: Wakatobi
Der 13.000 Quadratkilometer große Meeresnationalpark Wakatobi im Südosten der Insel Sulawesi ist das achte Biosphärenreservat in Indonesien. Besonders an der Region ist das Vorkommen von über 750 Korallenarten – weltweit gibt es ungefähr 850 Arten. Die Korallenriffe sowie die über 940 dort heimischen Fischarten sind bei Tauchern sehr beliebt, durch die auch der Tourismus zu einem immer wichtigeren Wirtschaftsfaktor wird. Deswegen ist entscheidend, die touristische Nutzung mit dem Schutz der Korallenriffe und deren Biodiversität verträglich und nachhaltig zu machen.

Biosphärenreservat Aya in Japan
© Aya Biosphere Reserve

Japan: Aya
Mit dem Aya-Gebiet auf der Südinsel Kyushu hat Japan erstmals seit über 30 Jahren wieder ein Biosphärenreservat bei der UNESCO beantragt. Im östlichen Teil der Insel befindet sich der größte japanische Lorbeerwald, ein immergrüner Feuchtwald im subtropischen Klima. In der Entwicklungszone des Biosphärenreservats liegt die Stadt Aya, mit einer Bevölkerung von etwa 7.300 Menschen. Aya hat als erste Stadt des Landes ein zugleich an Traditionen und Recycling orientiertes landwirtschaftliches System entwickelt, und zwar schon 1988. Dieses System und die regionalen Heilpflanzen regen den Ökotourismus an. Das Biospärenreservat Aya ist sehr klein, die Kernzone ist identisch mit dem Kyushu-Nationalpark, der ausschließlich für die Erforschung des Lorbeerwalds genutzt wird.

Kasachstan: Korgalzhyn
Das erste Biosphärenreservat Kasachstans liegt im Norden des Landes, in der eurasischen Trockensteppe. Es zeichnet sich aus durch seine Feuchtgebiete, seine Süß- und Salzwasserseen, an denen viele Zugvögel rasten, einschließlich vom Aussterben bedrohter Arten wie dem dalmatinischen Pelikan, dem weißen sibirischen Kranich und dem Pallas-Fischadler. Das 16.000 Quadratkilometer große Gebiet ist Teil eines Komplexes von Naturerbestätten im nördlichen Kasachstan. 12.500 Menschen leben in der Region, deren Temperaturen im Jahresverlauf zwischen -45 Grad und +41 Grad schwanken. Viele Menschen sind bereits ausgewandert, weil sich die Umweltbedingungen verschlechtert haben. Mehrere Projekte wurden bereits gestartet, um nicht-nachhaltige Landnutzung zu überwinden und erneuerbare Energien und Ökotourismus zu fördern.

Kroatien/Ungarn: Mur Drau Donau
Die grenzüberschreitende Flusslandschaft entlang der drei Flüsse Mur, Drau und Donau erstreckt sich nicht nur über Kroatien und Ungarn, sondern sogar bis Slowenien und Österreich und bis nach Serbien. Es handelt sich um eines der wichtigsten Feuchtgebiete in ganz Europa, der WWF misst dem Gebiet eine ähnliche Bedeutung zu wie dem Amazonasbecken. Der WWF setzt sich seit langem für ein fünf Länder umfassendes Biosphärenreservat ein. Ein erster Antrag für ein nun anerkanntes Kerngebiet war 2010 von der UNESCO vertagt worden, weil vor allem die zwischenstaatliche Abstimmung erst jetzt deutlich wurde.

Mexiko: Tehuacán-Cuicatlán
Das gebirgige Hochland dieser Region beherbergt eine der höchsten Raten an biologischer Vielfalt in ganz Mexiko und ist ein mustergültiges Beispiel für eine alte Kulturlandschaft in Mittelamerika. Hier wurden erstmals Mais, Gurke, Avocado und Bohne angebaut. Heute leben acht ethnische Gruppen hier. Es gibt sowohl ausgedehnte Wälder des Säulenkaktus als auch tropische Trockenwälder mit vielen endemischen Arten. Bemerkenswert sind auch die Instrumente, mit denen die Bevölkerung in die Verwaltung des Gebiets einbezogen wird; außerdem haben Wissenschaftler einen Dialog etabliert, um das lokal tradierte Wissen einzubeziehen.

Biosphärenreservat Salzburger Lungau und Kärntner Nockberge
© Nockberg National Park

Österreich: Salzburger Lungau und Kärntner Nockberge
Diese Alpenlandschaft zwischen Salzburg und Kärnten ist typisch für die Zentralalpen mit bis zu 3.000 Meter hohen Gipfeln. In dem 1.500 Quadratkilometer großen Gebiet wechseln sich natürliche und vom Menschen geschaffene Landschaftselemente wie Almwiesen ab, die Nockberge beherbergen auch einen Nationalpark. Seit Urzeiten leben hier Menschen von Jagd, Landwirtschaft, Bergbau und Handel. Heute hat das Gebiet etwa 33.500 Einwohner. In den Seitentälern ist der Tourismus der wichtigste Wirtschaftsfaktor.

Russland: Bashkirskiyi Ural
Dieses 3.500 Quadratkilometer große Biosphärenreservat am Westhang des südlichen Urals ist landschaftlich sehr vielfältig: Schluchten, Almen, Auen und Stauseen. Es gibt hier Arten sowohl aus Europa als auch aus Sibirien. Den Kern des Biosphärenreservats bilden fünf Schutzgebiete. 15.000 Menschen leben von Forstwirtschaft, Imkerei und Subsistenzlandbau. Jährlich besuchen 180.000 Touristen das Gebiet.

Sao Tome und Principe: Insel Principe
Der Inselstaat Sao Tome und Principe liegt in Äquatornähe vor der Westküste Afrikas. Principe ist eine der beiden Hauptinseln und die älteste der vulkanischen Inseln in dieser Region. Die Insel verfügt über eine hohe biologische Vielfalt, sowohl an Land als auch vor der Küste; Schildkröten und Vögel ziehen hier ihren Nachwuchs groß. Ein beispielhaft integrierter Ökotourismus hat hier Tradition und soll erweitert werden.

Schweden: Klippenlandschaft am Ostufer des Vätternsees
Der Vätternsee ist der fünftgrößte See Europas. Das Biosphärenreservat am östlichen Ufer des Sees ist etwa 1.000 Quadratkilometer groß und Heimat für 40.000 Menschen. Die Region mit ihren Feldern und Wäldern umfasst nur drei Kleinstädte, aber viele Dörfer und Einzelhöfe. Zur Einrichtung des Biosphärenreservats haben umfassende Konsultationen stattgefunden, das "Biosphärenzentrum" dient der kooperativen Verwaltung des Gebiets. Eine enge Kooperation besteht mit dem Privatsektor, u.a. in der Form sozialen Unternehmertums zur nachhaltigen Nutzung der Wiesen. Zentrale Ziele des Biosphärenreservats sind Klimaschutz und Anpassung an den Klimawandel.

Senegal: Ferlo
Die knapp 20.000 Quadratkilometer große Region Ferlo im Senegal liegt an der Grenze zweier klimatischer Regionen des Sahels, woraus eine hohe Biodiversität resultiert. Zu den hier lebendenden Tierarten zählen der Strauss, Gazellen und Oryx. Eine Forschungsstation wird gemeinsam von vielen, auch internationalen Organisationen betrieben. Die Verwaltung wird durch einen Ausschuss sichergestellt, in den sowohl die Regierung als auch lokale Gemeinschaften eingebunden sind.

Spanien: La Gomera
La Gomera ist bereits die sechste Kanareninsel, die als UNESCO-Biosphärenreservat anerkannt wird. Im Inselinneren, der “Meseta”, liegt der Nationalpark Garajonay, der wegen seines Regenwaldes auch als Weltnaturerbe nominiert ist. Ein bemerkenswertes Landnutzungssystem ist die traditionelle Terrassenlandwirtschaft.

Spanien: Las Ubinas-La Mesa
Auch im kantabrischen Gebirge im Norden Spaniens liegen bereits mehrere Biosphärenreservate. Dieses neue Biosphärenreservat im mittleren Abschnitt des Gebirges, das an vier bestehende Biosphärenreservate angrenzt, umfasst einen urwüchsigen Wald mit hoher Biodiversität und geschützten Arten wie dem Braunbär oder Spechten. Auch bedeutende Kulturerbestätten finden sich hier. Derzeitt arbeitet Spanien an einem Konzept, um die verschiedenen einzelnen Gebiete zu einem großen kantabrischen Biosphärenreservat zusammenzufassen.

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