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Juni 2010

Die ersten UNESCO-Biosphärenreservate Äthiopiens

Kafa und Yayu mit deutscher Unterstützung eingerichtet

Der Internationale Koordinationsrat des UNESCO-Programms "Der Mensch und die Biosphäre" (MAB) hat auf seiner Sitzung vom 31. Mai bis 4. Juni 2010 in Paris die ersten zwei Gebiete in Äthiopien in das Weltnetz der Biosphärenreservate aufgenommen. Beide Gebiete haben die UNESCO-Auszeichnung mit maßgeblicher Unterstützung deutscher Partner erhalten.

Bergregenwald Yayu

Äthiopien arbeitet schon seit vielen Jahren im MAB-Programm mit, aber erst in jüngster Zeit hat die Regierung die großen Potenziale von Biosphärenreservaten erkannt. Sie bieten die einzigartige Möglichkeit, Schutz und nachhaltige Nutzung von bedrohter biologischer Vielfalt zu verbinden.

Die beiden neuen UNESCO-Biosphärenreservate Kafa und Yayu befinden sich im Südwesten des Landes. Viele der Bewohner hier leben vom Sammeln wilden Kaffees sowie anderer Naturprodukte wie Gewürze oder dem Honig wilder Bienen. Der äthiopische Bergregenwald ist Ursprungsgebiet der berühmten Coffea arabica-Bohnen, die mittlerweile weltweit angebaut und nur durch die Sorte Coffea robusta ergänzt werden. 

Kaffebauern in Kafa (Svane Bender-Kaphengst)

In Äthiopien befindet sich immer noch die größte Genvielfalt der Kaffeesorte Coffea arabica. Jedoch ist der Wald- oder Wildkaffee Äthiopiens nicht nur eine besondere ökologische und wirtschaftliche Ressource für den künftigen Anbau dieser Nutzpflanze – er ist auch wichtige Einkommensquelle für die Äthiopier. Auf die Erhaltung und nachhaltige Nutzung des Wildkaffees legen beide Biosphärenreservate ihren konzeptionellen Schwerpunkt. Damit leisten sie einen Beitrag zur Steigerung der Lebensqualität und zum Schutz der biologischen Vielfalt. Nachhaltige touristische Konzepte sollen zudem Kaffeeliebhaber aus der ganzen Welt anziehen.

Neben der wirtschaftlichen Bedeutung des Wildkaffees sind die beiden Biosphärenreservate auch Teile eines der weltweiten Hotspots biologischer Vielfalt, dem tropischen Hochgebirge Ostafrikas. Mindestens 244 Pflanzen- und 294 Tierarten sind etwa in Kafa zu finden. Seitdem der Plan geschmiedet wurde, Biosphärenreservate einzurichten, gibt es bereits bedeutende Fortschritte hin zu einer nachhaltigen Entwicklung und zur Bewahrung des Regenwalds: Die Abholzung wurde eingeschränkt, definierte Nutzungsrechte wurden an lokale Gruppen und Gemeinschaften vergeben.

Der größte erhaltene Kaffeewald

In Ackerland konvertierter Regenwald in Yayu

Im neuen UNESCO-Biosphärenreservat Yayu liegt trotz der bereits erfolgten Umwandlung von Teilen des Bergregenwalds in Ackerland immer noch der weltweit größte zusammenhängende Kaffeewald. Die genetische Vielfalt wilden Kaffees ist hier am höchsten. Das bedeutet unter anderem, dass der Bestand insgesamt widerstandsfähig gegen Krankheiten ist.

Yayu ist auch die Heimat anderer äußert anpassungsfähiger Pflanzenarten. Doch die biologische Vielfalt, gerade auch der Kaffeebäume, ist durch Abholzung und weitere landwirtschaftliche Nutzung bedroht. Abhilfe versprechen sich lokale Initiativen unter der Führung der NGO "Environment and Coffee Forest Forum" von der nun erfolgten Anerkennung als UNESCO-Biosphärenreservat.

Deutsche Partner

Entwicklungszone Kafa (Svane Bender-Kaphengst)

Unterstützung bei der Gründung leistet das Zentrum für Entwicklungsforschung (ZEF) der Universität Bonn, das in Äthiopien bis 2009 das vom BMBF geförderte Forschungsprojekt "Conservation and use of the wild populations of Coffea arabica in the montane rainforests in Ethiopia" (CoCE) durchführte. Seit 2006 ist auch das Bundesamt für Naturschutz (BfN) ein enger Partner, das auch umfangreiche Erfahrungen aus den deutschen Biosphärenreservaten einbringen konnte.

Mitarbeiter des BfN und des ZEF luden die Yayu-Verantwortlichen in der Gründungsphase des Schutzgebiets zu einem Erfahrungsaustausch mit den Verwaltungen des Biosphärenreservats Rhön ein. Als Anregungen aus diesem Deutschland-Besuch nahmen die Äthiopier unter anderem die Bedeutung von Partnerschaften für den Erfolg des Biosphärenreservats Yayu und die mögliche Schaffung einer Regionalmarke und/oder eines Ökosiegels zu Marketingzwecken mit.

Mit der Einrichtung des Biosphärenreservats hoffen die lokal Verantwortlichen und die Forscher des ZEF die Bewahrung der genetischen Vielfalt des Coffea arabica in Genbanken vor Ort sicherzustellen sowie weitere Fortschritte beim Schutz des tropischen Regenwalds zu erzielen. Zudem soll, ähnlich wie in Kafa, mittels Ökotourismus und nachhaltiger Entwicklung der Lebensstandard der Bevölkerung erhöht werden.

Frisch geernteter Wildkaffee
Kaffeezeremonie

Eine Reihe anderer deutscher NGOs und Firmen, wie GTZ, Deutsche Stiftung Weltbevölkerung, GEO, Schützt den Regenwald e.V., Kraft Foods, Original Food und federführend der Naturschutzbund Deutschland (NABU) e.V., haben die Region Kafa maßgeblich bei der Zonierung des Gebietes, der Beantragung des UNESCO-Titels und beim Aufbau wirtschaftlicher Vermarktungsinitiativen unterstützt. Entstanden ist die Initiative für das Biosphärenreservat Kafa aus einer seit 2004 bestehenden Partnerschaft zwischen öffentlichem und privatem Sektor, die die Vermarktung des wilden Kaffees in Europa zum Ziel hat, die aber auch die Familienplanung und AIDS-Prävention sowie den Schutz des Waldes durch "Participatory Forest Management" (PFM) unterstützte.

Die Gründung eines Biosphärenreservats war die optimale Lösung, um die erzielten Erfolge langfristig zu sichern. Vielfältige Überzeugungsarbeit auf lokaler, regionaler und nationaler Ebene führte schließlich zur Nominierung bei der UNESCO im September 2009 und nun zur Aufnahme ins Weltnetz der UNESCO-Biosphärenreservate.

Mehr als die Hälfte der Fläche des Biosphärenreservats Kafa ist mit Wald, zum großen Teil ein weltweit einmaliger Bergnebelwald, bedeckt, der die wilden Coffea arabica-Bäume als natürlichen Bestandteil beheimatet. Aus den weißen Blüten der bis zu acht Meter hohen Bäume bilden sich die in reifem Zustand rot gefärbten Kaffeekirschen. Diese Früchte sind, geröstet und zermahlen, Grundlage eines von Kennern sehr geschätzten Kaffees. In der größten Stadt des Biosphärenreservats Kafa, Bonga (22.000 Einwohner, etwa 450 Kilometer von der Hauptstadt Addis Abeba entfernt), entsteht ein nationales Kaffeemuseum, das Anfang 2011 offiziell eingeweiht werden soll. 

Auch die Deutsche UNESCO-Kommission hat im Rahmen ihres Programms zur Stärkung afrikanischer UNESCO-Nationalkommissionen mehrfach Workshops organisiert, um ihre Partner über Biosphärenreservate zu informieren und dabei auch mit Vertretern der beiden Initiativen für Kafa und Yayu zusammengearbeitet.

Weitere Informationen:

Yayu und CoCE an der Universität Bonn

NABU: Neues Biosphärenreservat in Äthiopien

Kafa Coffee Biosphere Reserve

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