Deutsche UNESCO Kommission e.V.

SCHRIFTGRÖSSE

November 2009

Weltkulturerbe und Klimawandel

Internationales Forschungsprojekt entwickelt Schutzstrategien

Welche Auswirkungen der Klimawandel und der Tourismus auf die Weltkulturerbestätten der UNESCO haben, untersucht das neue Forschungsprojekt "Climate for Culture". Klimaforscher, Physiker, Architekten, Restauratoren und Ökonomen entwickeln über einen Zeitraum von fünf Jahren präzise Bewertungen, wie sich der Klimawandel auswirkt und wie sich Kulturstätten schützen lassen.

Viele historische Gebäude in Europa – etwa die Londoner Westminster Abbey oder das Kolosseum in Rom – sind aus Marmor und Kalkstein gebaut. Weil es wegen des Klimawandels in Nordeuropa voraussichtlich häufiger regnet und die Temperaturen steigen, wird die Bausubstanz zunehmend angegriffen. Das neue Forschungsprojekt "Climate for Culture" will nun die Auswirkungen des Klimawandels für den Schutz von Kulturstätten untersuchen.

16 Länder in Europa und Nordafrika sind beteiligt

Koordiniert wird das Projekt vom Fraunhofer-Institut für Bauphysik (IBP) in Holzkirchen bei München. Die Europäische Union fördert die Forschungen mit fünf Millionen Euro aus dem siebten Forschungsrahmenprogramm. 30 Einrichtungen aus 16 Ländern in Europa und Nordafrika werden mitarbeiten, darunter mehrere Fraunhofer-Institute, die London School of Economics und die Universitäten Bern und Padua.

Die Untersuchungen reichen von Messungen an Wetterstationen über Computersimulationen bis zu wirtschaftlichen Berechnungen. Vor Ort wird an den Kulturstätten die Belastung durch sauren Regen, Feinstaub oder Smog ermittelt.

Bausubstanz wird stark angegriffen

Das UNESCO-Welterbezentrum hat bereits 2007 eine Studie über die Folgen des Klimawandels veröffentlicht. Demnach sind nicht nur Naturdenkmäler und Artenvielfalt gefährdet, auch archäologische Fundstätten und historische Bauwerke sind bedroht. So bedroht die Ausbreitung von Wüsten die Moschee von Timbuktu in Mali. Durch Überschwemmungen und Temperaturanstieg können noch nicht ausgegrabene Teile der Welterbestätten Schaden nehmen.

Hochwasser in Venedig

Risiken für Kulturerbestätten ergeben sich etwa aus dem steigenden Meeresspiegel. Dies betrifft beispielsweise die Welterbestätten in London und Venedig. Starke Regenfälle und Temperaturschwankungen nagen an der Substanz der Tempel von Hagar Qim in Malta. Gleichzeitig gefährdet der Massentourismus die Kulturstätten. Wegen der vielen Besucher kommt es zu Temperaturschwankungen in den Innenräumen und die Luftfeuchtigkeit steigt.

Quelle: UNESCO Case Studies on Climate Change and World Heritage

 
unesco heute online • Redaktion: Dieter Offenhäußer / Kurt Schlünkes
Deutsche UNESCO-Kommission e.V., Colmantstraße 15, 53115 Bonn
Telefon 0228 / 60497-0, -11  Fax 0228 / 6049730  www.unesco-heute.de