Oktober 2009
30 Jahre Biosphärenreservat Mittelelbe
Von Lutz Möller
Am 19. Oktober 2009 wurde im Anhaltischen Theater in Dessau das 30-jährige Jubiläum des UNESCO-Biosphärenreservats Mittelelbe gefeiert. Die UNESCO hat das Gebiet 1979 in die Liste der Biosphärenreservate aufgenommen. Heute ist es Teil des vier Bundesländer übergreifenden Biosphärenreservats Flusslandschaft Elbe.
Grußworte zur Jubiläumsveranstaltung überbrachten der Ministerpräsident des Landes Sachsen-Anhalt Prof. Dr. Wolfgang Böhmer, die Ministerin für Landwirtschaft und Umwelt Petra Wernicke, die Vorsitzende des MAB-Nationalkomitees Gertrud Sahler, der Oberbürgermeister der Stadt Dessau-Roßlau Klemens Koschig und Natarajan Ishwaran für die UNESCO per Videobotschaft. Die Festansprache hielt der Präsident der Deutschen UNESCO-Kommission Walter Hirche.
Hirche würdigte die langjährige Erfolgsgeschichte des Biosphärenreservats Mittelelbe. Zusammen mit dem Vessertal in Thüringen sei es das älteste der heute 15 deutschen Biosphärenreservate und damit Vorbild für die Umsetzung des UNESCO-Programms "Der Mensch und die Biosphäre" in Deutschland. Für seinen Erfolg spreche auch, dass das Gebiet des Biosphärenreservats mehrfach erweitert worden sei. Das heutige Biosphärenreservat "Flusslandschaft Elbe" gehöre zu den großflächigsten UNESCO-Modellregionen in Deutschland und umfasse eine einzigartige Natur- und Kulturlandschaft.
Die Erfolgsgeschichte begann am 24. November 1979 mit der Anerkennung des Naturschutzgebietes Steckby-Lödderitzer-Forst als UNESCO-Biosphärenreservat. Dieses kleine, aber ökologisch außerordentlich wertvolle Gebiet im Elbtal, wenige Kilometer westlich von Dessau, wurde erstmals im Jahr 1929 rechtlich unter Schutz gestellt. Man sorgte sich schon damals um den Biber, dessen Bestände stark zurückgegangen waren. Auch in der DDR stand das Gebiet zwischen 1955 und 1961 unter Naturschutz. Entscheidend für die spätere Anerkennung als Biosphärenreservat war, dass mit der "biologischen Station Steckby" zugleich ein anerkanntes Forschungs- und Naturschutzzentrum vorhanden war. Das MAB-Nationalkomitee der DDR empfahl 1978, den Steckby-Lödderitzer Forst mit seiner biologischen Station, zugleich auch das Vessertal in Thüringen, als UNESCO-Biosphärenreservate auszuweisen. Im November 1979 wurden beide Gebiete von der UNESCO in das Weltnetz der Biosphärenreservate aufgenommen.
Erweiterung des Biosphärenreservats
Der Steckby-Lödderitzer Forst, die Keimzelle des Biosphärenreservats, ist ein Gebiet von etwa 4.000 Hektar. 1988 wurde die Kulturlandschaft Gartenreich Dessau-Wörlitz (heute UNESCO-Welterbe) in das Schutzgebiet einbezogen. 1990 wurde es unter dem Namen "Mittlere Elbe" auf eine Fläche von 43.000 Hektar erweitert. Zu dem heutigen Biosphärenreservat "Flusslandschaft Elbe" kam es 1997: Die vier nördlichen Anrainer der Elbe, Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg, brachten weitere Gebiete in das nun länderübergreifende, rund 342.000 Hektar große UNESCO-Biosphärenreservat ein. Sachsen-Anhalt hat an dem Biosphärenreservat den größten Anteil: Das Gebiet "Mittlere Elbe" erstreckt sich auf 126.000 Hektar entlang 303 Flusskilometern.
In praktischer Hinsicht wegweisend für das Biosphärenreservat war der Kabinettsbeschluss Sachsen-Anhalts von 2001, aufgrund dessen die Zuständigkeit der Biosphärenreservatsverwaltung auf das gesamte Gebiet in Sachsen-Anhalt ausgeweitet wurde. Nur durch die Arbeit dieser schlagkräftigen Verwaltungsstruktur führte die turnusmäßige Evaluierung des länderübergreifenden Biosphärenreservats Flusslandschaft Elbe 2007 zu einem sehr positiven Ergebnis.
Großprojekte zum Artenschutz und zur Renaturierung der Flusslandschaft
Aus der laufenden Arbeit des Biosphärenreservats sind zwei Großprojekte besonders hervorzuheben: Der WWF setzt dort seit 2001, mit einem Budget von 15 Millionen Euro, das europaweit größte Projekt zur Deichrückverlegung um. Auf über 33 Kilometern Elbelauf und 9.000 Hektar Fläche zwischen Dessau-Roßlau und Barby hat der WWF Grund erworben. Es werden Schutzgebiete ausgewiesen und Auenwald entwickelt. Auch im Steckby-Lödderitzer Forst werden echte Auenbedingungen auf größerer Fläche geschaffen. Die letzten zusammenhängenden Auenwaldbestände und das historische Rückzugsgebiet des Elbebibers bleiben damit erhalten. Der Biber ist das Wappentier des Naturschutzes im Elbgebiet. Im Biosphärenreservat sind heute wieder 1.200 Tiere heimisch. Im Rahmen der Artenschutzprojekte werden auch in diesem Jahr wieder Elbebiber in den Niederlanden und in Dänemark angesiedelt.
Mit dem Großprojekt "Untere Havelniederung" finanzieren der Naturschutzbund Deutschland (NABU) und die Bundesländer Sachsen-Anhalt und Brandenburg an der Mittelelbe und im Westhavelland die europaweit größte Flussrenaturierung. Das Gesamtvolumen des Projektes beträgt 25 Millionen Euro. Seit 2005 werden Uferbefestigungen zurückgebaut und die Schiffe auf eine schmalere Fahrrinne verwiesen. So können sich natürliche Uferstrukturen entwickeln, das Wasser wird besser gefiltert und zurückgehalten. Die ökologischen Schäden der Flussbaumaßnahmen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts werden somit weitgehend rückgängig gemacht und das bedeutsamste Feuchtgebiet im Binnenland Mitteleuropas wieder zum Leben erweckt. Denn schon heute verzeichnen Teile Deutschlands einen Wassermangel, der sich in den nächsten Jahrzehnten weiter verschärfen wird.
Weitere national und international bedeutende Projekte im Biosphärenreservat sind die schrittweise ökologische Anpassung der Wasserstraßenunterhaltung auf 300 Flusskilometern und die seit 25 Jahren umgesetzte Sanierung von Altwassern der Elbe. Eine Bedrohung für das Biosphärenreservat und das Gartenreich Dessau-Wörlitz ist die Erosion an und in der Elbe. Das Biosphärenreservat arbeitet an einem Projekt mit, um die Erosion im Elbelauf durch ein "Sohlstabilisierungskonzept" zu mindern.
unesco heute online • Redaktion: Dieter Offenhäußer / Kurt Schlünkes
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