Oktober 2009
Irina Bokova ist neue UNESCO-Generaldirektorin
60 Jahre nach ihrer Gründung steht die UNESCO vor einer neuen Ära: Zum ersten Mal in der Geschichte übernimmt eine Frau die Leitung der UN-Sonderorganisation für Bildung, Wissenschaft, Kultur und Kommunikation. Die Bulgarin Irina Bokova leitet ab Mitte November als neue Generaldirektorin die UNESCO.
Die 35. UNESCO-Generalkonferenz wählte Irina Bokova am 15. Oktober in Paris zur Nachfolgerin von Koïchiro Matsuura. Bokova bekam in der geheimen Abstimmung 166 Stimmen. 182 Staaten waren wahlberechtigt. Matsuuras Amtszeit als UNESCO-Generaldirektor endet im November nach zehn Jahren. Eine Wiederwahl war nicht mehr möglich.
Der Präsident der Deutschen UNESCO-Kommission, Walter Hirche, sieht mit der Wahl von Irina Bokova gute Chancen, dass die UNESCO den unter Matsuura beschrittenen Reformweg konsequent fortsetzt. "Frau Bokova bringt alle notwendigen Qualitäten mit, um die Organisation erfolgreich zu führen. Angesichts der globalen Herausforderungen wird die UNESCO künftig noch mehr gefordert sein", sagte Walter Hirche.
Auf Irina Bokova wartet ein schwieriges Amt. Die 193 Mitgliedstaaten erwarten von ihr, dass sie die begonnenen Reformen zügig umsetzt. Die Bulgarin sagte, als Osteuropäerin habe sie Erfahrung damit, Reformen umzusetzen. Das Management der Organisation solle transparenter und verantwortungsbewusster werden. Die UNESCO müsse sich zudem auf eine geringe Zahl von Prioritäten konzentrieren – die Felder, in denen die Kompetenz der Weltorganisation besonders groß sei.
In ihrem neuen Amt will Irina Bokova drei Schwerpunkte setzen: Humanismus, Toleranz und kulturelle Vielfalt. Die UNESCO soll in ihrer Amtszeit eine noch aktivere Rolle im Dialog der Kulturen, in Fragen des Klimawandels und des gerechten Zugangs zum Wasser spielen.
In einer Vorentscheidung im UNESCO-Exekutivrat hatte sich Bokova Ende September gegen den ägyptischen Kulturminister Faruk Hosni durchgesetzt. Hosni hatte zunächst als Favorit gegolten, war dann aber wegen israelfeindlicher Äußerungen in die Kritik geraten. Insgesamt hatten sich neun Kandidaten um den Posten des UNESCO-Generaldirektors beworben, darunter auch die österreichische EU-Außenkommissarin Benita Ferrero-Waldner.
Bokova begann ihre politische Karriere nach dem Ende des Ost-West-Konfliktes. Von 1995 bis 1997 war sie erste Stellvertreterin des Außenministers und Koordinatorin für die Beziehungen Bulgariens mit der Europäischen Union, von November 1996 bis Februar 1997 Außenministerin. Als Abgeordnete der Sozialistischen Partei (BSP) war sie von 2001 bis 2005 Mitglied im bulgarischen Parlament. Seit 2005 war sie Botschafterin ihres Landes in Frankreich und vertrat Bulgarien bei der UNESCO. Bokova, geboren 1952 in Sofia, ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder.
unesco heute online • Redaktion: Dieter Offenhäußer / Kurt Schlünkes
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