Deutsche UNESCO Kommission e.V.

SCHRIFTGRÖSSE

August 2010

21 neue Welterbestätten

34. Tagung des UNESCO-Welterbekomitees in Brasília

Von Dieter Offenhäußer, Christiane Rhede und Kurt Schlünkes

Das Welterbekomitee der UNESCO hat auf seiner 34. Tagung vom 25. Juli bis 3. August 2010 in Brasília insgesamt 21 Stätten neu in die Liste des Welterbes aufgenommen. Davon zählen 15 zum Kulturerbe und fünf zum Naturerbe, eine Stätte zählt sowohl zum Kultur- als auch zum Naturerbe. Das Schutzgebiet Ngorongoro in Tansania, das seit 1979 zum Weltnaturerbe gehört, wurde zusätzlich unter kulturellen Kriterien anerkannt.

Die UNESCO-Liste verzeichnet jetzt insgesamt 911 Stätten: 704 Kulturerbestätten, 180 Naturerbestätten und 27 Stätten, die zu beiden Kategorien zählen. Erstmals sind Kiribati, die Republik Marshallinseln und Tadschikistan in der Liste vertreten. Von den 187 Vertragsstaaten des UNESCO-Übereinkommens zum Schutz des Kultur- und Naturerbes der Welt sind jetzt 151 Staaten in der Welterbeliste repräsentiert.

Danxia
© UNESCO/Tan Qingju

Naturerbestätten

China: Für die Danxia-Landschaften in der subtropischen Zone im Südwesten Chinas sind die rot gefärbten klastischen Sedimentablagerungen charakteritisch. Die spektakuläre Gebirgslandschaft mit steilen Felskliffen, aufragenden Säulen und Türmen, tiefen Schluchten und zahlreichen Wasserfällen gehört zu den schönsten Naturlandschaften Chinas und beherbergt circa 400 seltene Tier- und Pflanzenarten.

Vulkanlandschaft auf La Réunion
© UNESCO/Hervé Douris

Frankreich: Vulkanlandschaft auf La Réunion. Die tropische Insel La Réunion ist ein französisches Überseegebiet und zählt zur Inselgruppe der Maskarenen.Sie liegt knapp 800 Kilometer östlich von Madagaskar im Indischen Ozean. Als Weltnaturerbe hat die UNESCO ein Schutzgebiet entlang der quer über die Insel verlaufenden Vulkankette ausgewiesen. Die höchsten Gipfel sind der Piton de Neiges (3.069 Meter) und der noch aktive Piton de la Fournaise (2.632 Meter). Im Inneren der Vulkanlandschaft befinden sich imposante Talkessel und tiefe Felsschluchten. Wegen der extremen Höhenunterschiede gibt es auf der Insel unterschiedliche Mikroklimata, die die Lebensbedingungen für eine vielfältige Flora und Fauna schaffen. Durch ihre abgelegene Lage hat sich auf den Maskarenen eine außergewöhnliche Tier- und Pflanzenwelt erhalten mit einem hohen Anteil endemischer Arten, darunter der farbenprächtige Taggecko und das Pantherchamäleon.

Meeresschutzgebiet Phoenixinseln
© UNESCO

Kiribati: Das Meeresschutzgebiet Phoenixinseln im Südpazifik ist mit über 400.000 Quadratkilometern das größte Meeresschutzgebiet der Welt. Als einziges Gebiet in den Tropen umfasst es Unterwasserberge mit Gipfeln bis zu 5.000 Metern über dem Meeresboden. Zum Schutzgebiet gehören kleinere Inseln, Lagunen, Korallen- und Tiefseeriffe, Unterwassergebirge und Schutzzonen im offenen Ozean. Die Phoenixinseln beheimaten viele endemische und gefährdete Tierarten wie den Napoleonfisch oder seltene Arten der Sturmvögel.

Putorana-Plateau
© UNESCO/A. Romanov

Russland: Das Putorana-Plateau im Mittelsibirischen Bergland ist eine unberührte Naturlandschaft von besonderer Schönheit. Über Millionen von Jahren sind spektakuläre Gebirgsformationen mit zahlreichen bis zu 100 Meter hohen Wasserfällen und vielfältigen Landschaftsformen entstanden. In das bis zu 1.600 Meter hohe Basaltmassiv haben die Flüsse tiefe Schluchten und tausende fjordähnliche Seen geschnitten. Das arktische und boreale Klima hat die typische Vegetation geprägt, mit Teppichen aus Flechten und großen Waldflächen. Das Putorana-Plateau ist die Heimat von Braunbären, Elchen, Rentieren und seltenen Arten wie dem Schneeschaf. Für die Erforschung des Klimawandels in arktischen Ökosystemen liefert das Putorana-Plateau wertvolle Informationen.

Hochland von Sri Lanka
© UNESCO/Namal Kamalgoda

Sri Lanka: Das zentrale Hochland von Sri Lanka umfasst drei Schutzgebiete: den Nationalpark Horton Plains, das Waldschutzgebiet Knuckles und das Naturschutzgebiet Peak Wilderness. Die drei Gebiete zeichnen sich durch ihren außergewöhnlichen Artenreichtum aus. Sie sind der Lebensraum seltener Pflanzen und Tiere, darunter der Sri-Lanka-Leopard und bedrohte Affenarten wie Languren und Loris. Die Bergwälder des Hochlands erstrecken sich in Höhen bis zu 2.500 Metern. Die Region gilt als Hotspot für biologische Vielfalt.

Kultur- und Naturerbe

Nogorongoro
© UNESCO/Andrew Schoeman

Tansania: Das Schutzgebiet Ngorongoro gehört seit 1979 zum Weltnaturerbe. Das Welterbekomitee hebt jetzt auch die kulturelle Bedeutung Ngorongoros hervor als "außergewöhnliches Zeugnis menschlicher Evolutionsgeschichte". Von einzigartiger Bedeutung sind die 3,6 Millionen Jahre alten fossilen menschlichen Fußabdrücke in Laetoli und die Fundstellen in der Olduvai-Schlucht, wo Spuren des Paranthropus boisei, Homo habilis und Homo erectus entdeckt wurden. Im Ngorongoro-Krater finden sich zudem Zeugnisse für die Entwicklung von Steinwerkzeugen und die erste Verwendung von Eisen.

Meeresschutzgebiet Papahānaumokuākea
© UNESCO

Vereinigte Staaten von Amerika: Das Meeresschutzgebiet Papahānaumokuākea im Pazifischen Ozean umfasst eine Gruppe kleiner Inseln und Atolle, die sich von Hawaii aus nordwestlich ausbreiten. Mit über 360.000 Quadratkilometern ist es eines der größten marinen Schutzgebiete der Welt. Das biologisch außerordentlich vielfältige und intakte Ökosystem ist Lebensraum seltener Fisch- und Korallenarten, zahlreicher Seevogelarten und endemischer Pflanzenarten. Darüber hinaus hat das Gebiet eine wichtige spirituelle und kulturelle Bedeutung für die Hawaiianer. Zu den archäologischen Schätzen von Papahānaumokuākea zählen die Heiau-Tempel auf den Inseln Nihoa und Mokumanamana. Sie gehören zu den frühesten Zeugnissen des religiösen Lebens der hawaiianischen Ureinwohner und der soziokulturellen Entwicklungsgeschichte im pazifischen Raum.

Kulturerbestätten

Historische Strafgefangenenlager in Australien
© UNESCO/Mark Mohell/DEWHA

Australien: Die historischen Strafgefangenenlager in Australien aus dem 18. und 19. Jahrhundert erinnern an die Strafgefangenentransporte zu den Kolonien des britischen Königreiches. Das Komitee hat eine repräsentative Auswahl von elf Gefangenenlagern in die Welterbeliste aufgenommen. Sie befinden sich an der Küste von Sydney, auf Tasmanien, auf der Norfolkinsel und an der Westküste bei Fremantle. Jedes der Strafgefangenenlager besaß eine spezifische Funktion, die dem Aufbau der Kolonie durch den Bau von Häusern, Häfen, Infrastruktur und Bergwerken diente. In den Lagern lebten zehntausende Männer, Frauen und Kinder, die in Großbritannien zu Gefängnisstrafen oder zu Zwangsarbeit verurteilt worden waren. Die Härte der Strafen als Abschreckung sowie das Ziel der Resozialisierung durch Arbeit und Disziplin beeinflusste die Entwicklung von Strafmodellen in Europa und Amerika. Viele der Strafgefangenen blieben nach ihrer Freilassung als Siedler in Australien und sind die Vorfahren der heutigen australischen Bevölkerung europäischen Ursprungs. Durch die britischen Bemühungen, den gesamten australischen Kontinent zu erobern und zu besiedeln, wurden die Aborigines in das Hinterland gedrängt.

Der Platz São Francisco in São Cristóvão
© UNESCO

Brasilien: Der Platz São Francisco in São Cristóvão ist ein wichtiges Zeugnis der brasilianischen Kolonialgeschichte. Die ehemalige Hauptstadt des Bundesstaates Sergipe entstand, als Spanien und Portugal unter gleicher Krone regiert wurden. Der São Francisco war Mittelpunkt der Altstadt, hier befanden sich die Hauptgebäude der zivilen und religiösen Macht. Zu den herausragenden Baudenkmälern zählen der Provinzpalast aus dem 19. Jahrhundert sowie – als typische Beispiele sakraler Architektur des Franziskanerordens im nordöstlichen Brasilien – die Klosteranlage aus dem 17. Jahrhundert mit der Kirche São Francisco und der Santa Casa de Misericórdia.

Zhongyue-Tempel auf dem Heiligen Berg Songshan
© UNESCO/Conrad Forbes

China: Die historischen Stätten in Dengfeng im "Zentrum von Himmel und Erde" repräsentieren die vielfältige chinesische Kulturgeschichte aus der gesamten Zeitspanne von 118 v. Chr. bis zum 20. Jahrhundert. Dengfeng gilt als Zentrum des Konfuzianismus und als Geburtsstätte des Chan-Buddhismus. Zu den bedeutendsten Bauten gehören die Tempelanlagen auf dem Berg Songshan, einem der Fünf Heiligen Berge Chinas im Taoismus. Sie gelten als Symbol für die Einheit des Reiches. Die chinesischen Kaiser bestiegen die Berggipfel, um am Schnittpunkt zwischen Himmel und Erde Kontakt mit den Ahnengeistern zu suchen. Zum Kulturerbe von Dengfeng gehört außerdem das älteste in China erhaltene Observatorium. Es wurde zwischen dem 13. und 16. Jahrhundert erbaut und spielte eine herausragende Rolle für die Entwicklung des astronomischen Weltbilds im alten China.

Bischofsstadt Albi
© UNESCO/Michel Ravassard

Frankreich: Die außergewöhnlich gut erhaltene Bischofsstadt Albi am Ufer des Tarn im Südwesten Frankreichs ist ein repräsentatives Zeugnis der Architektur- und Stadtgeschichte im Europa des Mittelalters und der Renaissance. Durch die konsequente Verwendung von gebranntem Backstein aus der Region ist ein besonders einheitliches und harmonisches Stadtbild entstanden. Mit den albigensischen Kreuzzügen im 13. Jahrhundert wurde Albi zur Bischofstadt. Herausragende Bauwerke aus dieser Zeit sind der Bischofspalast und die gotische Kathedrale Sainte-Cécile.

Jantar Mantar
© UNESCO

Indien: Das "Jantar Mantar" in Jaipur ist das bedeutendste und besterhaltene historische Observatorium Indiens. Es steht in der Tradition der ptolemäischen Astronomie und wurde für die Beobachtung von Planetenbewegungen mit bloßem Auge entwickelt. Die Hauptinstrumente des Observatoriums stammen aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts, darunter das "Brihat Samrat Yantra", eine fast 20 Meter hohe Sonnenuhr. Nach den Plänen von Jai Singh II. erbaut, ist das Observatorium ein Symbol seiner königlichen Autorität. Es ermöglichte die Kontrolle der Zeit und kosmologische Vorhersagen.

Ensemble Scheich Safi al-din Khānegāh in Ardabil
© UNESCO/Iran Images/Mohammad Tajik

Iran: Das Ensemble Scheich Safi al-din Khānegāh in Ardabil im Nordwesten des Irans ist ein einzigartiger Gebäudekomplex aus dem 16. bis 18. Jahrhundert mit Basaren, öffentlichen Bädern, Wohnhäusern, religiösen und öffentlichen Einrichtungen. Während der Herrschaft der Safawiden war das Khānegāh in Ardabil das größte Sufi-Zentrum im Iran. Mit dem Schrein des Begründers der Dynastie hatte es große politische und nationale Bedeutung. Ardabil entwickelte sich zu einer Pilgerstätte des Sufismus mit herausragender sakraler Architektur und Kunst. Die Ornamentik und die Raumgestaltung zeigen Einflüsse der ilkhanidischen und timuridischen Kultur mit der religiösen Botschaft des Sufismus. Die Anlage der Gebäude, ihre architektonische Gestaltung und Dekoration, verbinden spirituelle und ästhetische Aspekte in einem harmonischen Gesamtkunstwerk, dessen authentisches Bild bis heute erhalten ist.

Historischer Basar in Täbris
© UNESCO/Iran Images/Mohammad Tajik

Iran: Der historische Basar in Täbris im Nordwesten des Irans ist ein herausragendes Beispiel für eine durch die Wechselbeziehung von Handel und Kultur geprägte Stadtarchitektur. Die Gassen, Hallen und Innenhöfe des Basars bilden einen spannungsvollen Raum mit verschiedenen Funktionen. Handwerk und Gewerbe, Finanzwesen, soziale und religiöse Aktivitäten sind eng miteinander verflochten. Täbris liegt am Kreuzpunkt von historischen Fernhandelswegen wie der Seiden- und der Gewürzstraße. Die Stadt war zwischen dem 12. und 18. Jahrhundert eines der wichtigsten internationalen Handels- und Kulturzentren. Der Basar ist bis heute ein Zentrum des kulturellen Lebens.

Historisches Dorf Hahoe
© UNESCO/Seong Jan Cho

Republik Korea: Die historischen Dörfer Hahoe und Yangdong aus dem 14. und 15. Jahrhundert repräsentieren die charakteristische Siedlungsform der Joseon-Dynastie nach den Regeln des Pungsu Jiri (Geomantie). Auf der einen Seite durch Berge geschützt, öffnen sich die Dörfer zum Fluss hin und zu weiten Feldern. Die Anordnung und Gestaltung der Gebäude spiegeln die strengen sozialen Strukturen der aristokratischen konfuzianischen Kultur wider. In den Häusern der Oberschicht "Yangban" sind die Räume der Ahnen, von Mann und Frau sowie von Herren und Bediensteten strikt getrennt. Ebenso strikt ist die Anordnung der Dorfstruktur, in der die Häuser der Oberschicht den Mittelpunkt bilden, umgeben von den einfachen Bürgerhäusern aus Lehm und Fachwerk mit Reisstrohdach.

Atombombentestgebiet Bikini-Atoll
© UNESCO/Eric Hanauer

Marshallinseln: Das Atombombentestgebiet Bikini-Atoll im Pazifischen Ozean ist ein zeitgeschichtliches Zeugnis von internationaler Bedeutung. Es steht für den Beginn des nuklearen Zeitalters und des Kalten Krieges. Durch die Durchführung von 67 US-amerikanischen Atom- und Wasserstoffbombentests in den Jahren 1946 bis 1958 wurde das Bikini-Atoll weltweit bekannt. Entsprechend einer Zerstörungskraft von rund 7.000 Hiroshima-Bomben haben die Tests ihre Spuren hinterlassen: abgetragene und verschwundene kleine Inseln, radioaktiv verseuchter Boden und Bombenkrater. Insbesondere der 60 Meter tiefe Krater der Bravo-Explosion von 1954 und die gesunkenen Schiffe in der Lagune sind sichtbare Zeugnisse der Geschichte. Noch heute leidet die Bevölkerung unter den Tests, die Krankheiten, Zwangsumsiedlung und soziale Entwurzelung zur Folge hatten. Mit dem Testgebiet Bikini-Atoll direkt verbunden sind auch immaterielle Zeugnisse wie Bilder und Symbole des nuklearen Zeitalters sowie die internationale Bewegung zur atomaren Abrüstung.

Handelsweg Camino Real de Tierra Adentro
© UNESCO

Mexiko: Der historische Handelsweg Camino Real de Tierra Adentro, auch "Silberstraße" genannt, führt von Mexico City nach Texas und New Mexiko. Seit Mitte des 16. Jahrhunderts diente er dem Handel mit Silber aus den Minen Zacatecas, Guanajuato und San Luis Potosí in Mexiko und Quecksilber aus Europa. Entlang der 2.600 Kilometer langen Route, von denen 1.400 Kilometer nun Welterbe sind, befinden sich zahlreiche historische Stätten, darunter fünf Welterbestätten, die unmittelbar mit dem Silberhandel verbunden sind: Brücken, ehemalige Haziendas, historische Handelsstädte und ehemalige Klöster.

Mexiko: Die prähistorischen Höhlen von Yagul und Mitla im Tal von Oaxaca sind ein wertvolles Zeugnis für die Anfänge der Landwirtschaft und des halbsesshaften Lebens in Zentralamerika. In den Höhlen Guilá Naquitz und Cueva Blanca und dem Feldlagerplatz Gheo Shih sind unter anderem 10.000 Jahre alte Samen und Steinwerkzeuge entdeckt worden.

Singelgracht in Amsterdam
© UNESCO/Robert de Jong

Niederlande: Das Stadtviertel und Kanalsystem innerhalb der Singelgracht in Amsterdam repräsentiert die Stadtentwicklung und Architektur Amsterdams im 16. und 17. Jahrhundert, als die Stadt ein internationales Zentrum für den Handel und den Austausch in Wissenschaft und Technik war. Die Architektur des Stadtviertels und des Kanalsystems ist ein Meisterwerk der Technik, Planung und des Bauwesens. In dem Quartier zwischen Verteidigungskanal und Singelgracht wurde eine neue, künstliche Hafenstadt errichtet. Entstanden ist ein einzigartiges homogenes Ensemble mit einem Netzwerk aus Kanälen und Straßen. Amsterdam wurde als Verwirklichung einer idealen Stadt verstanden und zum Vorbild für die Stadtarchitektur in der modernen Welt.

At-Turaif
© UNESCO/ADA

Saudi-Arabien: Der Distrikt At-Turaif in Ad-Dir’iyah ist ein außergewöhnliches kulturelles und architektonisches Zeugnis des ersten saudischen Staates. At-Turaif wurde im 15. Jahrhundert als Oasensiedlung gegründet. Im 18. und 19. Jahrhundert war At-Turaif mit seiner Zitadelle das Zentrum der Macht des Hauses Saud und Ausgangspunkt für den wahhabitischen Islam. Die Salwa-Paläste in At-Turaif zählen zu den bedeutendsten Bauwerken der Saud-Dynastie. Die Oasensiedlung ist darüber hinaus beispielhaft für die dem Wüstenklima angepasste Lehmarchitektur im Nadschd.

Archäologische Stätte Sarazm
© UNESCO/Roland Besenval

Tadschikistan: Die archäologische Stätte Sarazm im Flusstal des Serafschans nahe der usbekischen Grenze ist ein einzigartiges Zeugnis für die Siedlungs- und Kulturgeschichte in Zentralasien vom 4. bis 3. Jahrtausend vor Christus. Die ehemalige Stadtstruktur ist noch erkennbar. Wohnhäuser, Werkstätten und Getreidespeicher sowie Paläste und Sakralbauten zeugen vom sozialen und kulturellen Leben der frühen Stadtgesellschaft. Sarazm gilt als eine der Geburtsstätten der transeurasischen Handelsrouten, die die turkmenische, mesopotamische und Induskultur verbanden.

Kaiserliche Zitadelle von Thang Long
© UNESCO

Vietnam: Die kaiserliche Zitadelle von Thang Long im heutigen Hanoi wurde im 11. Jahrhundert von der Lý-Dynastie erbaut als Zeichen der Unabhängigkeit des Staates Dai Viet. Die Zitadelle wurde auf den Resten einer chinesischen Festung aus dem 7. Jahrhundert im unteren Tal des Roten Flusses in Hanoi errichtet. Thang Long war über 13 Jahrhunderte hinweg kontinuierlich ein Zentrum politischer Macht in Südostasien. Die Stätte ist eine einzigartige Synthese von verschiedenen kulturellen Elementen. Sie spiegeln die künstlerischen, moralischen, philosophischen und religiösen Ideen, die die südostasiatische Kultur an der Kreuzung zwischen China im Norden und dem alten Königreich von Champa im Süden geprägt haben. Der Bereich umfasst die wenigen erhaltenen Bauten wie den Flaggenturm von 1805 sowie archäologische Stätten mit bedeutenden Funden, die die verschiedenen Zeiten repräsentieren.

Erweiterungen

Der Nationalpark Pirin in Bulgarien, der seit 1983 zum Weltnaturerbe gehört, wurde um ein Hochgebirgsgebiet erweitert. Der Nationalpark zeichnet sich durch eine urwüchsige und artenreiche Berglandschaft mit großen Gletschern und glazialen Seen aus.

Oberharzer Wasserwirtschaft, Oderteich
© UNESCO/Justus Teicke

Deutschland: Die Kulturerbestätte "Bergwerk Rammelsberg und Altstadt von Goslar" wurde um die Oberharzer Wasserwirtschaft erweitert. Das von Zisterziensermönchen im 12. und 13. Jahrhundert angelegte Wassersystem diente der Energieversorgung des Bergbaus. Zwischen dem 16. und 19. Jahrhundert wurde die Anlage ausgebaut. Sie besteht aus künstlichen Teichen, Wassergräben und unterirdischen Entwässerungskanälen mit Dämmen und Wasserrädern. Die Oberharzer Wasserwirtschaft ist ein einzigartiges vorindustrielles Energieversorgungssystem und die weltweit größte und bedeutendste Anlage ihrer Art im Bergbau (weitere Information).

Italien/Schweiz: Die Naturerbestätte Monte San Giorgio wurde um den italienischen Teil des über 1.000 Meter hohen Berges im Süden des Luganosees erweitert. Der Monte San Giorgio steht seit 2003 auf der Welterbeliste.

Bergbausiedlung in Røros
© UNESCO/Jiri Havran

Die Kulturerbestätte Røros in Norwegen wurde um die landwirtschaftlich und industriell geprägte Kulturlandschaft erweitert. Røros ist bereits seit 1980 Welterbe. Als traditionelle nordische Bergbausiedlung ist die Stadt eng mit dem Kupferabbau vom 17. bis 20. Jahrhundert verbunden.

Die Welterbestätte Altstadt von Graz in Österreich wurde um das Schloss Eggenberg erweitert. Es wurde Anfang des 17. Jahrhunderts erbaut und repräsentiert die Entwicklung der Architektur in der Spätrenaissance am Übergang zum Barock.

Auferstehungskirche des Klosters Suceviţa
© UNESCO/Petrut Calinescu

Rumänien: Seit 1993 zählen die bemalten Kirchen in der nördlichen Moldau zum Weltkulturerbe. Mit der Auferstehungskirche des Klosters Suceviţa wurde ein weiteres Beispiel dieser in Europa einzigartigen Kirchenmalerei in die UNESCO-Liste aufgenommen. Die Wandgemälde an den Außenmauern der Kirchen stammen aus dem 15. und 16. Jahrhundert.

Die altsteinzeitlichen Felsritzungen in Siega Verde, Spanien, am Ufer des Flusses Águeda, zeigen über 600 Darstellungen von Tieren sowie schematische und geometrische Figuren. Diese Felszeichnungen ergänzen die prähistorischen Felsritzungen im Tal von Cõa in Portugal, die bereits 1998 in die Welterbebliste aufgenommen wurden.

unesco heute online • Redaktion: Farid Gardizi / Kurt Schlünkes
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