Juli 2009
Welterbe in Gefahr
Drei neue Einträge in die Liste des bedrohten Welterbes
Von Friederike Johnigk und Kurt Schlünkes
Das UNESCO-Welterbekomitee hat auf seiner 33. Tagung vom 22. bis 30. Juni 2009 in Sevilla drei Stätten auf die Liste des gefährdeten Welterbes gesetzt: das Barrier-Riff in Belize, den Nationalpark Los Katios in Kolumbien und die historischen Kirchen von Mzeheta in Georgien. Als nicht mehr gefährdet gilt die Altstadt von Baku in Aserbaidschan.

- © UNESCO
Die Insellandschaft am Barrier Riff in Belize ist durch die Abholzung der Mangrovenwälder gefährdet, ein großer Teil der Nutzfläche wurde verkauft, ein Managementsystem fehlt. Das Welterbekomitee forderte, die Entwicklungen innerhalb der Schutzzone besser zu kontrollieren. Das Barrier Riff in Belize ist das größte Korallenriff der nördlichen Hemisphäre. Zu der Naturerbestätte gehören auch zahlreiche Lagunen, Sand- und Mangroveninseln.
Die historischen Kirchen von Mzeheta in Georgien wurden wegen ihres schlechten Zustandes in die Liste des gefährdeten Welterbes aufgenommen. Das Mauerwerk ist baufällig, die Fresken in der Kirche müssen dringend restauriert werden. Um die Kirchen vor dem Verfall zu retten, hat das Welterbekomitee Georgien gebeten, einen Managementplan zu entwickeln.
Im Nationalpark Los Katios in Kolumbien ist der Bestand des tropischen Regenwaldes gefährdet. Teile des Parks und der Waldgebiete in der Umgebung der Welterbestätte wurden illegal gerodet, um Bauholz zu gewinnen. Außerdem gefährden Wilderei und illegaler Fischfang die außergewöhnliche biologische Vielfalt der Naturlandschaft. Auf Wunsch der kolumbianischen Regierung wurde der Nationalpark auf die Liste des bedrohten Welterbes gesetzt, um internationale Hilfe zu mobilisieren.

- © UNESCO / G. Gonzalez-Brigas
Altstadt von Baku gerettet
Der ummauerte Teil von Baku mit dem Shirwan Shah Palast und dem Mädchenturm in Aserbaidschan konnte nach sechs Jahren wieder aus der Liste des gefährdeten Welterbes gestrichen werden. Die Altstadt von Baku war bei einem Erdbeben im November 2000 schwer beschädigt worden und stand seit 2003 auf der "Roten Liste". Das Welterbekomitee sprach Aserbaidschan seine Anerkennung aus für die erfolgreichen Erhaltungsmaßnahmen.
Die Liste des gefährdeten Welterbes verzeichnet jetzt 31 Kultur- und Naturerbestätten. Nach wie vor stehen auf dieser Liste auch die Kulturlandschaft des Bamiyan-Tals in Afghanistan, die Altstadt von Jerusalem und die Galapagos-Inseln in Ecuador.
Die Liste des gefährdeten Welterbes wird jährlich auf der Tagung des Welterbekomitees überprüft. Nach Artikel 11 der Welterbekonvention werden in diese Liste Stätten des Welterbes aufgenommen, die "durch ernste und spezifische Gefahren bedroht" sind – etwa durch Krieg, Naturkatastrophen, Verfall, fehlende Schutzmaßnahmen oder Bauvorhaben. Das Welterbekomitee will mit einem Eintrag in die Liste die Aufmerksamkeit der politisch Verantwortlichen erreichen und das öffentliche Interesse am Schutz der gefährdeten Kultur- und Naturerbestätten wecken. Die Liste des gefährdeten Welterbes ist nicht Selbstzweck, sondern ein Mittel, damit ein Staat handelt.
Weitere Informationen unter www.unesco.de/rote-liste.html
unesco heute online • Redaktion: Dieter Offenhäußer / Kurt Schlünkes
Deutsche UNESCO-Kommission e.V., Colmantstraße 15, 53115 Bonn
Telefon 0228 / 60497-0, -11 Fax 0228 / 6049730 www.unesco-heute.de



