Juni 2011
Perspektiven der Welterbepädagogik
Erstes interdisziplinäres Arbeitskreistreffen "World Heritage Education"
Experten der Welterbepädagogik und verantwortliche Akteure von UNESCO-Welterbestätten trafen sich am 6. Mai 2011 in Heidelberg zum ersten interdisziplinären Arbeitskreis "World Heritage Education". Ziel dieses Arbeitskreises ist es, durch Diskurs und Vernetzung neue Konzepte der Welterbebildung zu entwickeln und Beiträge der Welterbestätten mit einer bildungsorientierten Perspektive anzuregen.
Initiiert und organisiert wurde der Arbeitskreis vom Fachbereich Geografie der Pädagogischen Hochschule Heidelberg und dem Fachbereich Kunst der Universität Paderborn in Kooperation mit der Deutschen UNESCO-Kommission.
"Bildung ist ein wesentlicher Aspekt im Welterbeprogramm der UNESCO und gehört zu den Aufgaben der Welterbestätten. Es sind transkulturelle Lernorte – das zeichnet sie gegenüber anderen historischen Denkmälern aus", so Dieter Offenhäußer, stellvertretender Generalsekretär der Deutschen UNESCO-Kommission. Um die kulturelle Bildung an Welterbestätten zu fördern, regte Offenhäußer mehr Kooperation und Partnerschaften mit den UNESCO-Lehrstühlen und UNESCO-Projektschulen an. Die Welterbestätten müssten noch stärker in die Werteerziehung und kulturelle Bildung einbezogen werden.
Welterbestätten vermitteln Schlüsselkompetenzen
Das erste Arbeitskreistreffen zeigte die große Spanne der Forschungsaktivitäten zur Welterbepädagogik auf. Die Keynote hielt Prof. Dr. Jutta Ströter-Bender von der Universität Paderborn: "Für die Entwicklung gesellschaftlich-kultureller Praxen von Bildung, Wissensintegration und der Dynamisierung von Wissen stehen UNESCO-Welterbestätten als Denkmale von außerordentlicher universaler Bedeutung im Zentrum der World Heritage Education." Im vergangenen Jahrzehnt habe sich dieser Forschungs- und Bildungsbereich in Deutschland wie auch international rasant entwickelt.
Im deutschsprachigen Raum sind die Universitäten Cottbus, Heidelberg und Paderborn durch entsprechende Studiengänge in Forschung und Lehre besonders aktiv. In den Lehr- und Forschungskonzepten dieser Universitäten seien Welterbestätten Orte, die Schlüsselkompetenzen vermitteln, so Ströter-Bender.
Erfolgreiche Praxismodelle, die insbesondere Jugendlichen die Idee des Welterbes näher bringen, gibt es zum Beispiel an der UNESCO-Welterbestätte Zeche Zollverein in Essen. Die Stiftung Zollverein hat das Projekt "Welterbestättenvermittlung – Zollverein macht Schule" entwickelt. Das Kloster Lorsch organisiert an Schulen mehrtägige Unterrichtsprojekte zum Thema Welterbe und hat ein internationales Schüler-Austauschprogramm in Kooperation mit dem Kloster Haein-sa in Südkorea auf den Weg gebracht.
"Welterbestätten sind exemplarische Orte, die kulturelle Vielfalt ermöglichen und Identität stiftende Funktionen wahrnehmen", so Dr. Hermann Schefers, Leiter der UNESCO-Welterbestätte Kloster Lorsch. Welterbebildung beziehe sich daher mit einem partizipatorischen und dialogischen Ansatz auf alle Gruppen der Bevölkerung. Schefers sprach sich deshalb für eine Zusammenarbeit des Arbeitskreises auch mit Experten der Erwachsenenbildung und der beruflichen Bildung aus.
Eine digitale Plattform "World Heritage Education"
Der Arbeitskreis regte als zentrale Basis für die zukünftige Zusammenarbeit in der Welterbebildung eine Kommunikationsplattform im Internet an. Bestehendes Wissen könnte so international vernetzt werden. Eine digitale Plattform "World Heritage Education – Science and Research Community“ würde Kommunikationsstrukturen von Wissenschaftlern, kooperierenden Welterbestätten und Institutionen öffnen und gleichzeitig durch die Bereitstellung von Materialien und Forschungsinformationen für die nicht-wissenschaftlichen Kreise zur Popularisierung der Welterbebildung beitragen.
Zahlreiche Welterbestätten benötigen Bildungsmaterialien, die auf digitalen Bildungsportalen mit Modulen für unterschiedliche Zielgruppen bereitgestellt werden könnten. Diese Arbeit wird bisher nur vereinzelt von Universitäten geleistet. Über neue Ansätze, Methoden und Arbeitsmaterialien zur Welterbepädagogik informiert der Fachbereich Kunst der Universität Paderborn in der seit 2009 erscheinenden Internetzeitschrift "World Heritage and Arts Education". Darin werden aktuelle theoretische Positionen, Unterrichtsprojekte und Anregungen zur Vermittlung des Weltkulturerbes im schulischen Kunstunterricht, in der Museumspädagogik und in der kulturellen Bildung vorgestellt.
Der nächste Arbeitskreis ist im Herbst 2011 an der Universität Paderborn vorgesehen.
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