Deutsche UNESCO Kommission e.V.

SCHRIFTGRÖSSE

Juni 2010

Kulturelle Bildung dauerhaft stärken

Ergebnisse der 70. DUK-Hauptversammlung 

"Kulturelle Bildung für Kulturelle Vielfalt" war das Thema der 70. Hauptversammlung der DUK, die vom 24. bis 25. Juni 2010 in der Zeche Zollern in Dortmund stattfand. Bei der öffentlichen Podiumsdiskussion diskutieren Bildungs- und Kulturexperten, wie durch kulturelle Bildung Fantasie, Kreativität und Innovation gefördert werden können. Die Hauptversammlung verabschiedete eine Resolution, die eine dauerhafte Stärkung der kulturellen Bildung fordert. Bei den turnusgemäßen Wahlen wurde Walter Hirche als Präsident der Kommission in seinem Amt bestätigt.

Von Piccolo bis Picasso: ein Projekt der "Offensive Bildung" zur kulturellen Bildung in Kindertagesstätten
© BASF SE/Offensive Bildung

Mit dem Thema "Kulturelle Bildung für Kulturelle Vielfalt" hat die Hauptversammlung die aktuelle internationale Debatte der UNESCO-Weltkonferenz "Arts in Society – Education for Creativity" aufgegriffen. Bei dieser zweiten Weltkonferenz zur kulturellen Bildung im Mai 2010 in Seoul haben Experten aus über 100 Staaten in der "Seoul-Agenda" das Ziel formuliert: Kulturelle Bildung soll den Menschen bessere Entwicklungschancen ermöglichen.

Die Bedeutung kultureller Bildung müsse neu bewertet werden. "Kulturelle Bildung muss als Grundlage einer ausgewogenen kognitiven, emotionalen, ästhetischen und sozialen Entwicklung von Kindern und Jugendlichen begriffen werden", so die Seoul-Agenda.

Kulturelle Bildung kein Luxus

Auf der Hauptversammlung der DUK diskutierten Bildungs- und Kulturexperten, wie kulturelle Bildung dauerhaft wirken kann. Brecht Demeulenaere von der belgischen Kulturorganisation Canoon Cuulturcel hielt den einführenden Impulsvortrag: "The True Thoughts Tellers". Er stellte neuere Erkenntnisse der Lernforschung und Angebote zur kulturellen Bildung in Flandern vor.

In Deutschland und Europa hat die kulturelle Bildung deutlich an Gewicht gewonnen. Doch man könne nicht zufrieden sein, betonten die Teilnehmer der Podiumsdiskussion. In der Praxis gebe es noch deutliche Defizite, es fehle an qualitativ hochwertigen Angeboten zur kulturellen Bildung.

Podiumsdiskussion auf der 70. Hauptversammlung der DUK
© DUK

Bildung werde zu oft auf Wissen und Denken reduziert. Doch Bildung sei vor allem Lebenskompetenz, dies schließe emotionale Fähigkeiten, soziale Kompetenz, Kreativität und Fantasie ein. Kulturelle Bildung stehe zudem im Kontext der UN-Dekade "Bildung für nachhaltige Entwicklung" und gebe eine Antwort auf die Herausforderungen des notwendigen gesellschaftlichen Wandels.

Aufgabe kultureller Bildung sei es, mit künstlerischen Methoden, mit Musik, Tanz und Theater zukünftige Schlüsselkompetenzen zu vermitteln und das Selbstvertrauen von Kindern und Jugendlichen zu stärken. "Es wurde mit wissenschaftlichen Evaluationen belegt, wie etwa Theaterprojekte die soziale Kompetenz fördern. In solchen Projekten erleben wir, wie Kinder aufblühen und Selbstvertrauen gewinnen", sagte Prof. Dr. Max Fuchs, Vorsitzender des Deutschen Kulturrats und Direktor der Akademie Remscheid für musische Bildung und Medienerziehung.

Prof. Dr. Eckart Liebau, Inhaber des UNESCO-Lehrstuhls für Kunst und Kultur in der Bildung an der Universität Erlangen-Nürnberg
© DUK

Prof. Dr. Eckart Liebau, Inhaber des neu eingerichteten UNESCO-Lehrstuhls für Kunst und Kultur in der Bildung an der Universität Erlangen-Nürnberg, sagte: "Kunst und kulturelle Bildung können zum Rückgrat der Lernkultur werden. Die Weiterentwicklung von Schule für die Generation iPad steht auf der Tagesordnung."

Um die langfristige Wirkung kultureller Bildung besser zu erfassen, sei auf der zweiten Weltkonferenz zur kulturellen Bildung kontinuierliche internationale Zusammenarbeit vereinbart worden. Der neue UNESCO-Lehrstuhl stärke die internationale Zusammenarbeit in der praxisorientierten Bildungsforschung.

Kulturelle Bildung sei kein Luxus, so der Tenor der Podiumsdiskussion. Die Teilnehmer unterstrichen die Ziele der Seoul-Agenda. Qualitativ hochwertige kulturelle Bildung soll, so eine wesentliche Forderung, nicht nur in der Schule angeboten werden, sondern in Kooperation mit Künstlern und Pädagogen auch in Stadt- und Jugendzentren, in Museen und Volkshochschulen für alle Altersgruppen.

Es gehe um flächendeckende Angebote zur kulturellen Bildung. Die politische Herausforderung sei, allen Menschen die Möglichkeit zu geben, aktiv am kulturellen Leben teilzuhaben. Beispielhaft seien hier Leuchtturmprojekte wie "Jedem Kind ein Instrument" oder "Kinder zum Olymp", die bundesweit dazu beitragen, die Menschen mit Kunst und Kultur vertraut zu machen. Deutschland könne zwar vielfältige Angebote der kulturellen Bildung vorweisen, der geforderte Standard sei jedoch nicht für alle Regionen und vor allem nicht für alle Bevölkerungsgruppen gleichermaßen erreicht. Diese Unterschiede auszugleichen, sei eine große Herausforderung.

Resolution verabschiedet

Wie kulturelle Bildung in Deutschland gefördert werden kann, hat die Hauptversammlung der Deutschen UNESCO-Kommission in der Resolution "Kulturelle Bildung für Kulturelle Vielfalt dauerhaft stärken" formuliert. Sie begrüßt die Entscheidung der Kultusministerkonferenz, kulturelle und musisch-ästhetische Bildung zum Schwerpunkt des Bildungsberichts 2012 zu machen.

In der Resolution unterstützt die Hauptversammlung der DUK auch den Vorschlag der Bundesweiten Koalition für Kulturelle Vielfalt, einen Modellversuch zur Erprobung unterschiedlicher Formate kultureller Bildung im Kontext von Inter- und Transkulturalität zu initiieren.

Die DUK appelliert an Bund und Länder und die Partner aus den Bereichen Kultur, Bildung und Jugend, die vom EU-Rat formulierten Prioritäten zur Förderung der nächsten kreativen Generation in der Europäischen Union weiter umzusetzen und damit einen Beitrag zur Bewusstseinsbildung im Sinne des UNESCO-Übereinkommens zur Vielfalt kultureller Ausdrucksformen zu leisten.

Sie bittet Bund und Länder, sich auch aktiv dafür einzusetzen, im neuen Förderprogramm ab 2014 ein EU-Gemeinschaftsinstrument "Kulturelle Bildung für Kulturelle Vielfalt" mit zu verankern. Dieses Programm solle "die Bereiche Kultur, Bildung und Jugend auf innovative Weise miteinander verknüpfen".

Walter Hirche als Präsident der DUK wiedergewählt

Walter Hirche, Präsident der DUK
© DUK

Bei den turnusgemäßen Wahlen der Deutschen UNESCO-Kommission wurde ein Teil der Kommissionsmitglieder neu gewählt. Als Präsident der Kommission wurde der frühere niedersächsische Wirtschaftsminister Walter Hirche wiedergewählt. Hirche hat dieses Amt seit 2002 inne.

Erste Vizepräsidentin der DUK bleibt Dr. Verena Metze-Mangold, Geschäftsführerin der Filmförderung des Hessischen Rundfunks. Als zweiter Vizepräsident wurde Prof. Dr. Christoph Wulf, Professor im Fachbereich Erziehungswissenschaft und Psychologie an der Freien Universität Berlin, wiedergewählt.

Weitere Informationen:

Resolution "Kulturelle Bildung für Kulturelle Vielfalt dauerhaft stärken" 

Kulturelle Bildung gewinnt weltweit an Bedeutung. Zweite UNESCO-Weltkonferenz zur kulturellen Bildung in Seoul

unesco heute online • Redaktion: Dieter Offenhäußer / Kurt Schlünkes
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