Deutsche UNESCO Kommission e.V.

SCHRIFTGRÖSSE

Februar 2012

Gesellschaftliches Zusammenleben braucht Toleranz

Von Farid Gardizi

In der heutigen globalisierten Welt ist Toleranz wichtiger als je zuvor. Für ein harmonisches Zusammenleben ist es wesentlich, dass Gemeinschaften und Nationen den multikulturellen Charakter der Menschheit anerkennen und respektieren. Die UNESCO setzt sich deshalb weltweit für kulturelle Vielfalt und Toleranz ein. Denn ohne Verständnis ist ein friedliches Miteinander nicht möglich.

Toleranz ist täglich gefordert: in Partnerschaft und Familie, in Freundschaften, in der Schule, am Arbeitsplatz, auf der Straße und nicht zuletzt zwischen Völkern und Kulturen. Wer tolerant ist, hat Verständnis dafür, dass Eigenarten, Meinungen und Verhalten der Mitmenschen von den eigenen Gewohnheiten, den eigenen Ansichten und dem eigenen Geschmack abweichen. Wer tolerant ist, zwingt Anderen nicht seine Ansichten auf. Im besten Fall verfügt er über die innere Freiheit, sich in andere Lebensstile einzufühlen. Ein toleranter Mensch akzeptiert, dass es nicht nur eine Wahrheit geben kann.

Es gibt nicht nur eine Wahrheit

Was passiert, wenn Menschen und Völker andere nicht tolerieren, hat das 20. Jahrhundert auf besonders traurige Weise gezeigt. Weltkriege, Völkermorde und Kolonialismus waren barbarische und demütigende Ereignisse. Vorausgegangen war stets die Abwertung von Menschen und Gruppen. Die Vereinten Nationen verabschiedeten im Angesicht dieser Erfahrungen 1948 die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte. Kern der Erklärung ist der Grundsatz: "Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren." In 30 Artikeln formuliert das Dokument ein universal gültiges Wertesystem für das Zusammenleben aller Menschen. Ob Christ, Moslem oder Atheist – die Menschenrechte stehen allen zu. In gleicher Weise. Unabhängig von Herkunft, Geschlecht, Religion und Alter.

Keine Toleranz für soziales Unrecht

Um die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte in rechtsverbindliche Normen zu verwandeln, haben die Vereinten Nationen in den vergangenen 60 Jahren zahlreiche Vereinbarungen getroffen. Was Toleranz ausdrückt, definierte die UNESCO 1995 in ihrer "Erklärung von Prinzipien der Toleranz", um den Gedanken weltweit aktiv zu verbreiten.

"Praktizierte Toleranz bedeutet weder das Tolerieren sozialen Unrechts noch die Aufgabe oder Schwächung der eigenen Überzeugungen", heißt es in der Erklärung. "Sie bedeutet für jeden einzelnen Freiheit der Wahl seiner Überzeugungen, aber gleichzeitig auch Anerkennung der gleichen Wahlfreiheit für die anderen." Daran erinnert die UNESCO am Internationalen Tag der Toleranz, der jährlich am 16. November gefeiert wird.

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