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70 Jahre UNESCO – eine Chronik

1995 bis 2004: "Our Creative Diversity" – Kulturpolitik im Interesse der Entwicklung

1995

1995 ist das "Internationale Jahr der Toleranz" der Vereinten Nationen, das von der UNESCO koordiniert wird. Weltweit beschäftigen sich Symposien, öffentliche Aktionen und Schülerwettbewerbe mit dem Thema Toleranz und wenden sich gegen Fanatismus, Fremdenfeindlichkeit und Rassismus. Die UNESCO veröffentlicht eine Sammlung mit über 400 Quellentexten zur Toleranz aus allen Weltregionen (Zaghloul Morsy: Toleranz. Gedanken der Welt). Die UNESCO-Generalkonferenz verabschiedet eine "Erklärung über die Prinzipien der Toleranz" und proklamiert den 16. November zum "Internationalen Tag für Toleranz".

Weltfrauenkonferenz. Im September 1995 findet in Peking die vierte UN-Weltfrauenkonferenz statt. 26.000 Frauen nehmen an dem Forum der Nichtregierungsorganisationen teil und treten für Gleichberechtigung, Frieden und die Menschenrechte ein. Die Weltkonferenz verabschiedet die Pekinger Erklärung über "Frauenrechte als Menschenrechte" und einen 150-seitigen Aktionsplan für alle Bereiche der internationalen Frauenpolitik. Die UNESCO beteiligt sich an der Konferenz mit mehreren Beiträgen, unter anderem mit einer Studie zur Verbesserung der Bildungschancen von Frauen und einer Analyse über die Ursachen und Folgen von Gewalt gegen Frauen als Kriegsmittel.

Die Grube Messel ist ein Schaukasten der Evolution. Foto: Fossil eines Urpferdchens
© S. Tränker/A. Hebs, FIS

Welterbekomitee tagt in Berlin. Das Welterbekomitee der UNESCO tagt im Dezember 1995 erstmals in Deutschland. Mit Botschafter Horst Winkelmann, Auswärtiges Amt, wird erstmals ein Deutscher zum Präsidenten des UNESCO-Welterbekomitees gewählt. Die Grube Messel wird als erstes deutsches Naturdenkmal in die Welterbeliste aufgenommen. Die Fossillagerstätte gibt einzigartigen Aufschluss über die frühe Evolution der Säugetiere. Zu den spektakulären Funden gehören die versteinerten Skelette von mehr als siebzig Urpferden.

1996

Weltatlas der bedrohten Sprachen. Erstmals 1996 gibt die UNESCO den "Atlas der bedrohten Sprachen" heraus. Die UNESCO schätzt, dass knapp die Hälfte der weltweit über 6.000 Sprachen ernsthaft bedroht ist. Der Weltatlas listet rund 2.500 Sprachen und Dialekte nach Name, Bedrohungsgrad und Region auf sowie Sprachen, die seit 1950 ausgestorben sind. Seit 2009 wird der Atlas im Internet veröffentlicht. Die digitale Ausgabe steht in englischer, französischer und spanischer Sprache zur Verfügung.

Delors-Bericht. Im April 1996 erscheint der Delor-Bericht "Lernfähigkeit: Unser verborgener Reichtum". Der Bericht skizziert die Herausforderungen der Bildungspolitik für das 21. Jahrhundert. Bildung umfasst nach Delor vier Lernfelder: Learning to know, Learning to do, Learning to be, Learning to live together. Erstellt wurde der Bericht von einer 15-köpfigen Expertenkommission der UNESCO unter dem Vorsitz des ehemaligen Präsidenten der Europäischen Kommission, Jacques Delors.

10 Jahre Tschernobyl - Internationaler Tag der Solidarität der deutschen UNESCO-Projektschulen
© DUK

10 Jahre Tschernobyl. Anlässlich des zehnten Jahrestages der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl rufen die deutschen UNESCO-Projektschulen zur Solidarität auf. Am Projekttag des deutschen UNESCO-Schulnetzwerks am 26. April 1996 beteiligen sich 800 Schulen und sammeln 80.000 Mark Spenden. Seit dem "Tag der Solidarität" 1996 veranstalten die deutschen UNESCO-Projektschulen alle zwei Jahre einen Internationalen Projekttag, zu dem Partnerschulen aus anderen Ländern eingeladen sind. 

UNESCO-Welttag des Buches und Urheberrechts. Der Weltbuchtag wird erstmals am 23. März 1996 begangen. Er soll an die Bedeutung des Buches und der Leseförderung erinnern und zum besseren Verständnis und zur Einhaltung des Urheberrechts zum Schutz des intellektuellen Eigentums beitragen. In Deutschland etabliert sich der Welttag des Buches durch Aktivitäten des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, der Stiftung Lesen sowie zahlreicher Buchhandlungen als einer der meist beachteten internationalen Tage.

1997

Erster INFOethics-Kongress. Im März 1997 findet in Monte-Carlo, Monaco, der erste UNESCO-Kongress zum Thema Informationsethik statt. 250 führende Experten aus 45 Staaten diskutieren ethische, rechtliche und gesellschaftliche Aspekte digitaler Informationsverarbeitung. Themen sind unter anderem der gleichberechtigte Zugang zu digitaler Information und die Entwicklung der Multimedia-Gesellschaft. Der Kongress geht auf eine gemeinsame Initiative der UNESCO-Kommissionen Deutschlands, Frankreichs und Kanadas zurück.

Erstmals 1997 wird der UNESCO-Preis für Pressefreiheit an die chinesische Journalistin Gao Yu verliehen
© UNESCO

UNESCO-Preis für Pressefreiheit. Erstmals 1997 vergibt die UNESCO den Guillermo Cano-Preis für Pressefreiheit. Der nach dem 1986 in Bogotá ermordeten kolumbianischen Journalisten Guillermo Cano Isaza benannte Preis würdigt besondere Verdienste um die Verteidigung und Förderung der Pressefreiheit. Erste Preisträgerin ist die chinesische Journalistin Gao Yu. Im Kampf um eine freie, pluralistische und unabhängige Presse wurde sie mehrfach inhaftiert. Der UNESCO-Preis zeigte Wirkung. Die Preisträgerin Gao Yu, die sich zur Zeit der Preisverleihung im Gefängnis befand, wurde nach der Verleihung aus der Haft entlassen. Der Preis wird seit 1997 jährlich am 3. Mai, dem Welttag der Pressefreiheit, verliehen. 

Wiederbeitritt Großbritanniens. Nach nahezu zwölfjähriger Abwesenheit kehrt Großbritannien am 1. Juli 1997 in die UNESCO zurück.

Weltkonferenz über Erwachsenenbildung (CONFINTEA) in Hamburg
© UIP

5. Weltkonferenz über Erwachsenenbildung (CONFINTEA) in Hamburg. 1.500 Pädagogen und Vertreter von 134 Regierungen, über 400 NGOs und über 200 Stiftungen treffen sich im Juli 1997 in Hamburg zur Konferenz "Lernen im Erwachsenenalter: Ein Schlüssel zum 21. Jahrhundert". Die Teilnehmer verabschieden die wegweisende "Hamburger Erklärung für Erwachsenenbildung" und eine "Agenda für die Zukunft der Erwachsenenbildung".

Deutschland im Exekutivrat. Auf der 29. UNESCO-Generalkonferenz wird Deutschland für vier weitere Jahre in den Exekutivrat gewählt, vertreten durch Botschafter Christoph Derix (1997-1999) und Botschafter Norbert Klingler (1999-2001).

1998

1995 veröffentlichte die UNESCO den Weltbericht 'Our Creative Diversity' (Unsere kreative Vielfalt)
© UNESCO

UNESCO-Weltkonferenz Kultur und Entwicklung. Die Weltkonferenz (Stockholm, 30. März bis 2. April) steht unter dem Motto "Die Macht der Kultur: Für eine Kulturpolitik im Interesse der Entwicklung". Zur Diskussion steht der 1995 veröffentlichte Bericht "Our Creative Diversity" (Unsere kreative Vielfalt), der von der "Weltkommission Kultur und Entwicklung" unter dem Vorsitz des ehemaligen UN-Generalsekretärs Pérez de Cuéllar im Auftrag der UNESCO erstellt wurde. Über 2.000 Politiker, Kulturexperten und Künstler aus 140 Staaten beraten in Stockholm über die Umsetzung der Empfehlungen des Berichts und verabschieden einen Aktionsplan, der die Weichen für eine neue Kulturpolitik stellen soll. Künftig soll Kulturpolitik als Teil der Entwicklungspolitik verstanden und zu einem Schlüsselelement wirtschaftlicher Entwicklungsstrategie werden. 

Europäische Nationalkommissionen tagen in Köln. Die Deutsche UNESCO-Kommission ist Gastgeber der Konferenz der UNESCO-Nationalkommissionen der Region Europa (Köln, 9. bis 14. Juli). An der Konferenz nehmen rund 100 Vertreter von 47 UNESCO-Nationalkommissionen teil und beraten über die Vorbereitung des UNESCO-Programms 2000-2001.

UNESCO-L'Oréal-Preis. Im Rahmen des Programms "For Women in Science" wird 1998 erstmals der UNESCO-L'Oréal-Preis verliehen. Der mit 100.000 US-Dollar dotierte Preis wird an Wissenschaftlerinnen für herausragende Leistungen in der Forschung vergeben. Zudem werden jährlich 15 internationale UNESCO-L'Oréal-Stipendien an Nachwuchsforscherinnen verliehen. Ziel des Programms "For Women in Science" ist es, weltweit die Stellung der Frauen in den Wissenschaften zu verbessern. Seit 2006 gibt es das deutsche Förderprogramm für Nachwuchswissenschaftlerinnen. Die Deutsche UNESCO-Kommission und L’Oréal Deutschland vergeben in Partnerschaft mit der Christiane Nüsslein-Volhard-Stiftung jährlich drei Förderungen in Höhe von 20.000 Euro zur Förderung exzellenter Doktorandinnen.

'Iran Elections', Preisträger des Deutschen Menschenrechts-Filmpreises 2010
© kfw

Deutscher Menschenrechts-Filmpreis. Am Internationalen Tag der Menschenrechte wird im Dezember 1998 erstmals der Deutsche Menschenrechts-Filmpreis verliehen. Er zeichnet herausragende Film- und Fernsehproduktionen aus, die Menschenrechte thematisieren. Die Deutsche UNESCO-Kommission ist seit 2000 Mitveranstalter des Filmpreises, der alle zwei Jahre in Nürnberg vergeben wird. Die prämierten Filme werden bei der "Langen Nacht des Menschenrechts-Films" in Nürnberg der Öffentlichkeit präsentiert. Seit 2008 wird die Nacht des Menschenrechts-Films in Kooperation mit der DUK auch in weiteren Städten veranstaltet.  

1999

Wissenschaftsethik. Im April 1999 findet in Oslo die erste Tagung der Weltkommission für Ethik in Wissenschaft und Technologie (COMEST) statt. COMEST ist ein beratendes Organ der UNESCO. Der Kommission gehören 18 Experten aus den Bereichen Natur- und Ingenieurwissenschaften, Rechtswissenschaften, Philosophie, Kultur und Politik an. COMEST fördert weltweit wissenschaftsethische Debatten, formuliert wissenschaftspolitische Empfehlungen und erarbeitet internationale ethische Normen.

Lernen für die Welt von morgen
© flickr / Glenn Edwards

Lernen für die Welt von morgen. Die Deutsche UNESCO-Kommission startet im Mai 1999 im Rahmen des UNESCO-Schulnetzwerks ein neues Schulpartnerschaftsprojekt. Unter dem Motto "Lernen für die Welt von morgen" erarbeiten Schülerinnen und Schüler aus Deutschland, Spanien, Venezuela, der Dominikanischen Republik und Kuba gemeinsam Unterrichtsprojekte und erproben kooperative Lernmöglichkeiten im Internet zu gemeinsamen Themen wie Tourismus, Kulturerbe und Jugend. Die besten Projekte werden auf der EXPO 2000 in Hannover vorgestellt. 

Agenda 21 NOW! Seit 1999 gibt es das internationale Internet-Projekt der UNESCO-Projektschulen "Agenda 21 NOW!" Es bietet Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit, einmal im Jahr an einer internationalen Internet-Konferenz teilzunehmen. Tausende junger Menschen aus aller Welt treffen sich dann für 24 Stunden im virtuellen Raum, um über drängende Fragen unserer Zeit zu diskutieren. Abschließend arbeiten sie eine Resolution aus, die der Öffentlichkeit präsentiert wird. Koordiniert wird das Projekt vom Humboldt-Gymnasium Trier und der Kurt-Tucholsky-Schule Flensburg (beides UNESCO-Projektschulen) in Kooperation mit der Deutschen UNESCO-Kommission.

Koïchiro Matsuura, UNESCO-Generaldirektor (1999-2009)
© UNESCO

Koïchiro Matsuura wird Generaldirektor. Die 30. Generalkonferenz wählt im November 1999 den Japaner Koïchiro Matsuura zum UNESCO-Generaldirektor. Er hat das Amt bis 2009 inne. 

2000

Women make the News. Am "Internationalen Tag der Frau" ruft die UNESCO die Redaktionen der Medien weltweit dazu auf, für einen Tag die Verantwortung für die Zusammenstellung der Nachrichten ausschließlich den weiblichen Kollegen zu überlassen. Die Aktion zur Stärkung der Rolle von Frauen in den Medien wird seit 2000 jährlich am Weltfrauentag durchgeführt.

UNESCO-Welttag der Poesie. Erstmals wird am 21. März 2000 der "Welttag der Poesie" begangen. Der Welttag soll an den Stellenwert der Poesie, an die Vielfalt des Kulturguts Sprache und an die Bedeutung mündlicher Traditionen erinnern.

58 Millionen Kinder weltweit gehen nicht zur Schule
© UNESCO / D. Willetts

Weltbildungsforum in Dakar. Zehn Jahre nach der Weltkonferenz "Bildung für alle" findet im April 2000 das Weltbildungsforum in Dakar, Senegal, statt. 1.100 Delegierte aus aller Welt verabschieden einen Rahmenaktionsplan für Bildung. Darin verpflichten sich 164 Länder, sechs Bildungsziele bis zum Jahr 2015 zu erreichen: Ausbau der frühkindlichen Förderung und Erziehung, Grundschulbildung für alle Kinder weltweit, Absicherung der Lernbedürfnisse von Jugendlichen und Erwachsenen, Halbierung der Analphabetenrate unter Erwachsenen, Gleichberechtigung der Geschlechter und Verbesserung der Bildungsqualität. Einen jährlichen Zwischenstand über die Umsetzung der Dakar-Ziele gibt der UNESCO-Weltbildungsbericht. Seit 2003 richten die DUK und das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung den deutschen Launch des UNESCO-Weltbildungsberichts aus. 

Sommerschule "Bildung für nachhaltige Entwicklung". Die Deutsche UNESCO-Kommission veranstaltet im August 2000 die erste UNESCO-Sommerschule "Bildung für nachhaltige Entwicklung". 200 Jugendliche und Lehrkräfte von UNESCO-Projektschulen aus 44 Ländern nehmen an der einwöchigen Sommerschule in Bielefeld teil.

2001

Bildungsserver D@dalos. Auf Initiative der Deutschen UNESCO-Kommission wird 2001 der UNESCO-Bildungsserver D@dalos gestartet. Der Bildungsserver stellt Lehr- und Lernmaterialien zur Demokratie- und Menschenrechtsbildung im Internet bereit. Das Online-Angebot umfasst heute rund 1.900 Seiten Informations- und Unterrichtsmaterialien zu zwölf Themenkomplexen der politischen Bildung. Die Materialien stehen in neun Sprachen zur Verfügung. Hervorgegangen ist das Projekt aus der langjährigen Kooperation der DUK und der Bosnischen UNESCO-Kommission im Rahmen des UNESCO-Schulnetzwerks.

Goethehaus in Weimar
© Geske / Kittel

Erste Konferenz deutscher UNESCO-Welterbestätten. Im Februar 2001 veranstaltet die Deutsche UNESCO-Kommission in Weimar das erste Treffen aller deutschen UNESCO-Welterbestätten. Es führt zur Gründung des Vereins UNESCO-Welterbestätten Deutschland e.V. Ziel des Vereins ist es, durch gemeinsame Aktivitäten die Bekanntheit der deutschen Welterbestätten im In- und Ausland zu steigern und eine hochwertige und denkmalverträgliche touristische Entwicklung zu fördern.

Nürnberg erhält UNESCO-Preis für Menschenrechtsbildung.
Der UNESCO-Generaldirektor Koïchiro Matsuura überreicht am 21. April 2001 den Preis an die Stadt Nürnberg, die sich um die Menschenrechtsbildung besonders verdient gemacht hat, unter anderem durch die Einrichtung eines Menschenrechts-Dokumentationszentrums auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände, durch die Stiftung des Internationalen Menschenrechtspreises und die Ausrichtung der Internationalen Filmtage der Menschenrechte.

Ausgrabung eines Schiffswracks an der Côtes d'Armor
© UNESCO / F. Osada / Drassm

Kulturerbe unter Wasser. Die Generalkonferenz der UNESCO verabschiedet im November 2001 das "Übereinkommen über den Schutz des Unterwasser-Kulturerbes". Archäologisches Kulturgut unter Wasser ist einzigartig. Von der Luft abgeschlossen, ist es in der Regel über Jahrhunderte konserviert und ermöglicht Aussagen zur Kultur- und Umweltgeschichte, wie sie aufgrund anderer Quellen nur schwer oder gar nicht gewonnen werden können. Das Übereinkommen, das im Januar 2009 in Kraft getreten ist, untersagt jeglichen Handel mit Artefakten von Schiffswracks, die älter als 100 Jahre sind.

Deutschland im Exekutivrat. Die Generalkonferenz wählt Deutschland für vier weitere Jahre (bis 2005) in den Exekutivrat, vertreten durch Botschafter Norbert Klingler (bis Mitte 2002) und Botschafter Hans-Heinrich Wrede (ab August 2002).

2002

Jahr des Kulturerbes. Die Generalversammlung der Vereinten Nationen hat das Jahr 2002 zum "Internationalen Jahr des Kulturerbes" erklärt und der UNESCO die Federführung übertragen. Ziel des UN-Jahres ist es, öffentliches Bewusstsein nicht nur für die Bedeutung des eigenen, nationalen Kulturerbes, sondern auch für das Erbe anderer, fremder Kulturen zu schaffen. Hierbei spielt das Welterbeprogramm der UNESCO eine Schlüsselrolle. Die UNESCO feiert 2002 das 30-jährige Bestehen der Welterbekonvention.

Modell der Bibliotheca Alexandrina
© UNESCO / Snoheta Arkitektur

Bibliotheca Alexandrina. 2002 wird nahe der Stätte der antiken Bibliothek von Alexandria die neue Bibliotheca Alexandrina eröffnet. Der Neubau der Bibliothek entstand unter der Schirmherrschaft der UNESCO und der ägyptischen Regierung.

Euro-arabischer Dialog. Als Reaktion auf die Anschläge am 11. September 2001 startet die Deutsche UNESCO-Kommission 2002 ein Projekt zum euro-arabischen Dialog. Im Rahmen des Projekts wird ein bundesweiter Schülerzeitungswettbewerb zum Thema "Euro-arabische Nachbarschaft – Zusammenleben lernen" ausgeschrieben. Das Dialogprojekt wird vom deutschen UNESCO-Schulnetzwerk fortgeführt. In den Folgejahren organisieren die deutschen UNESCO-Projektschulen mehrere internationale Workshops und Seminare mit Teilnehmern aus arabischen Ländern. Lehrkräfte aus Europa und Nahost erarbeiten gemeinsam Modellcurricula zum interkulturellen Lernen.

2003

Internationales Forschungslabor im Nahen Osten. In Jordanien wird im Januar 2003 unter Schirmherrschaft der UNESCO der Grundstein für das International Centre for Synchroton Light for Experimental Sciences and Applications in the Middle East (SESAME) gelegt. Deutschland stellt das Kerngerät für SESAME, die Synchrotronstrahlungsquelle BESSY I, kostenlos zur Verfügung. Dieses erste internationale Großforschungslabor in der arabischen Welt fördert die wissenschaftliche Zusammenarbeit: An dem Projekt sind neben Jordanien auch Ägypten, Bahrain, Iran, Israel, Marokko, Pakistan und die Türkei beteiligt.

Poster zur Weltdekade der Alphabetisierung
© UNESCO

Weltdekade der Alphabetisierung (2003-2012). Am 13. Februar 2003 wird die Weltdekade der Alphabetisierung durch den UN-Generalsekretär Kofi Annan offiziell eröffnet. Er appelliert an die Regierungen aller Mitgliedstaaten der UN, alle Kräfte für Alphabetisierung aufzubieten und bisherige Ungerechtigkeiten und Benachteiligungen in den Bildungssystemen zu bekämpfen. Die UNESCO wird mit der Federführung der UN-Dekade beauftragt. Der internationale Aktionsplan der Dekade wird maßgeblich vom UNESCO-Institut für Pädagogik in Hamburg ausgearbeitet.

Wiederbeitritt der USA. Am 1. Oktober 2003 kehren die USA in die UNESCO zurück. Mit dem Wiederbeitritt der USA ist ein Zuwachs des ordentlichen Haushalts 2004-2005 von bisher 544 auf nunmehr 610 Millionen US-Dollar verbunden. Deutschland ist mit einem Anteil von 8,71 Prozent nach den USA und Japan drittgrößter Beitragszahler der UNESCO.

Das Kutiyattam Sanskrit Theater in Indien ist eine der ältesten theatralischen Erzählformen der Welt
© UNESCO

Konvention zum Schutz des immateriellen Kulturerbes. Die 32. UNESCO-Generalkonferenz verabschiedet am 17. Oktober 2003 das Übereinkommen zur Erhaltung des immateriellen Kulturerbes. Das Übereinkommen soll ein Bewusstsein für die Bedeutung lebendiger kultureller Ausdrucksformen schaffen. Zum immateriellen Kulturerbe zählen Tanz, Theater, Musik und mündliche Überlieferungen wie auch Bräuche, Feste und Handwerkskünste. Das Übereinkommen sieht eine Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes, eine Liste des dringend erhaltungsbedürftigen immateriellen Kulturerbes und ein Register guter Praxisbeispiele zur Erhaltung des immateriellen Kulturerbes vor. Am 20. April 2006 ist das Übereinkommen in Kraft getreten. Im Rahmen des Programms "Meisterwerke des mündlichen und immateriellen Kulturerbes" hatte die UNESCO in den Jahren 2001, 2003 und 2005 bereits 90 besonders erhaltenswerte immaterielle Kulturgüter benannt, die 2008 offiziell in die Repräsentative Liste überführt wurden. Heute verzeichnet die Repräsentative Liste über 300 immaterielle kulturelle Ausdrucksformen aus allen Weltregionen. 

Deutscher Vorsitzender des Exekutivrates. Die Generalkonferenz wählt am 20. Oktober Botschafter Hans-Heinrich Wrede, Ständiger Vertreter Deutschlands bei der UNESCO, zum Vorsitzenden des UNESCO-Exekutivrates. Erstmals wird damit einem Deutschen das Amt des Vorsitzenden – für eine Amtszeit von zwei Jahren (bis 2004) – übertragen.

Weltinformationsgipfel (WSIS). In Genf findet im Dezember 2003 der erste UN-Weltgipfel zur Informationsgesellschaft statt, der sich mit vier Hauptthemen befasst: Überwindung der "digitalen Kluft", Kommunikationsrechte und Pressefreiheit als integraler Bestandteil der Menschenrechte, Bedeutung von Information und Wissen als Wirtschaftsfaktor, Ausgleich zwischen Urheberrechten und öffentlichem Zugang zu Wissen. Die UNESCO trägt dazu bei, dass auf dem Weltgipfel nicht nur technische Aspekte, sondern auch gesellschaftspolitische und soziale Fragen diskutiert werden. Die auf dem Gipfel verabschiedete Grundsatzerklärung und der Aktionsplan beschäftigen sich mit den Bedingungen für eine entwicklungsorientierte und alle Bürger einschließende Informationsgesellschaft. An der Umsetzung der Ergebnisse des Weltgipfels wirkt die UNESCO maßgeblich mit.

2004

Grundlegende Naturwissenschaften. Die UNESCO richtet 2004 das "International Basic Sciences Programme" (IBSP) ein. Das IBSP unterstützt die internationale Zusammenarbeit in den grundlegenden Naturwissenschaften (Mathematik, Physik und Chemie). Ziele des Programms sind der Auf- und Ausbau wissenschaftlicher Forschungsnetzwerke und die Unterstützung von Entwicklungsländern beim Aufbau wissenschaftlicher Kapazitäten.

Zur Teilnahme am Mondialogo School Contest vermittelte die UNESCO jeder Schule eine Partnerschule in einem anderen Kontinent
© UNESCO / Mondialogo

Mondialogo School Contest. Der "Mondialogo School Contest" ist der größte globale Schülerwettbewerb, den es je gab. 25.000 Schülerinnen und Schüler aus 126 Nationen beteiligen sich. 2003 haben die UNESCO und DaimlerChrysler den Schülerwettbewerb als weltweite Initiative zur Förderung des interkulturellen Dialogs ins Leben gerufen. Mondialogo soll junge Menschen dazu bringen, andere mit neuen Augen und sich selbst mit den Augen anderer zu sehen. Dem Aufruf zum interkulturellen Dialog sind Schulen auf allen Kontinenten gefolgt. 1.466 länderübergreifende Schülerteams haben sich zusammengefunden. So sind Schulpartnerschaften entstanden zwischen Belarus und Brasilien, zwischen Bulgarien und Vietnam, Kamerun und Polen, Deutschland und Kuwait, Kambodscha und den USA. Die besten Wettbewerbsbeiträge wurden im September 2004 auf dem Mondialogo-Symposium in Barcelona prämiert.

Europäische Städtekoalition gegen Rassismus. Im Dezember 2004 wird auf einer UNESCO-Tagung in Nürnberg die europäische Städtekoalition gegen Rassismus gegründet. Bis heute haben sich mehr als 100 Städte dem europäischen Netzwerk angeschlossen, das vom Menschenrechtsbüro der Stadt Nürnberg koordiniert wird. Das Konzept basiert auf der Einsicht, dass Diskriminierung vor Ort entsteht und demnach auch vor Ort bekämpft werden muss. Gemeinsam entwickeln die Städte neue Strategien, um Diskriminierung und Rassismus zu überwinden. Inzwischen gibt es auf allen Kontinenten regionale Städtekoalitionen gegen Rassismus, die mit der UNESCO kooperieren.

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