Deutsche UNESCO Kommission e.V.

UNESCO-Biosphärenreservat Schwäbische Alb

Das UNESCO-Biosphärenreservat Schwäbische Alb wird in Baden-Württemberg gemäß dem Landesnaturschutzgesetz als „Biosphärengebiet“ bezeichnet. Es ist 85.000 ha groß, erstreckt sich auf Teile der Landkreise Reutlingen, Esslingen und Alb-Donau-Kreis und umfasst 29 Gemeinden. Herzstück ist der 2005 aufgegebene Truppenübungsplatz Münsingen, mit knapp 7.000 ha eine der größten unzerschnittenen Flächen Baden-Württembergs. Den „Gutsbezirk Münsingen“ nutzten außer dem Militär in den letzten hundert Jahren nur Schäfer mit bis zu 30.000 Schafen in traditioneller Hütehaltung; diese Fläche wird als Pflegezone auch künftig durch Schafe offen gehalten. Als Folge wird dort auch künftig eine für die Albhochfläche des 19. Jahrhunderts typische Offenlandschaft bewahrt.

© Maichle & Schmitt, Münsingen-Bremelau
Blick über die Schwäbische Alb

Wesentliche Voraussetzung für die Akzeptanz der Einrichtung eines UNESCO-Biosphärenreservats waren die Impulse durch etwa 300 Projekte zur nachhaltigen Regionalentwicklung des Landesförderprogramms PLENUM und des Bundesförderprogramms „Regionen aktiv“, mit einer Gesamtinvestition von rund 9 Millionen Euro. Viele der resultierenden Produkt- und Vermarktungsinnovationen sind heute landesweit bekannt. Diese Projekte zeigten der Region, dass sich Naturschutz für den Bürger und die Gemeinden lohnen kann. Die Projektförderung wird durch PLENUM und das Biosphärengebiet fortgesetzt.

Eine so hohe Vielfalt der Landschaft, insbesondere der Strukturreichtum der Wald- und Offenlandbereiche, ist in keinem anderen Biosphärenreservat in Deutschland anzutreffen. Einzigartige Bedeutung besitzen die Hangbuchenwälder am Albtrauf, die Schlucht- und Blockwälder sowie die Steppenheidewälder an den Steilhängen des zergliederten Albtraufs mit seinen Tälern und den Donau-Seitentälern. Diese Waldgesellschaften haben einen Alleinstellungswert im Vergleich zu anderen Biosphärenreservaten. Im Offenland sind die durch Wanderschäferei entstandenen Wacholderheiden in ihrer Ausprägung als Kalkmagerweiden, Kalkmagerrasen und Trockenrasen eine Besonderheit. Weiterhin beeindrucken die Streuobstwiesen des Albvorlandes. Sie sind als wertvolle Kulturlandschaftselemente von deutschlandweiter Bedeutung - mit ihren großen Flächen und dem national vergleichsweise guten Erhaltungszustand. Die hohe Biodiversität der Schwäbischen Alb, sowohl der Flora als auch der Fauna, hängt gerade von der Vielfalt der Lebensräume ab, die durch weitere sehr unterschiedliche Biotopstrukturtypen ergänzt werden.

Zahlreiche Projekte nachhaltiger Land- und Forstwirtschaft entstanden bereits im Vorfeld der Beantragung des Biosphärenreservats; sie werden heute durch ähnliche Initiativen fortgesetzt. Ein Beispiel ist das Vermarktungsprojekt "Albkorn", an dem sich 40 Landwirte, eine Mühle und neun Bäckereien beteiligen. In ähnlicher Form wurden Projekte zur Förderung der Vermarktung regionaler Säfte, Cidre und Most unterstützt und ein Vermarktungsprojekt für Kernholz auf den Weg gebracht. Immer häufiger werden erfolgreich ökologische Produkte wie Alb-Mozarella, Albwacholderprodukte, Dinkel- und Emmernudeln oder Albschnecken auf den Markt gebracht. Regionale Märkte und der Bauernhofbrunch "Frühstück mal regional" auf landwirtschaftlichen Betrieben tragen zur Vermarktung der nachhaltig erzeugten Produkte bei, genau wie das "Regionale Regal" für den Einzelhandel oder das "Biosphärenlädle".

Einen Schwerpunkt bildet die Unterstützung eines nachhaltigen Tourismus über die Vermarktungsplattform "Reiseziel Natur", in Zusammenarbeit mit den Tourismusverbänden. Diverse Infozentren und touristische Attraktionen werden bei ihrer Weiterentwicklung unterstützt. Schon in der Vergangenheit entstand die Radwandertour "Albhoftour" mit 16 direkt vermarktenden Betrieben sowie ein Netzwerk von 19 Wanderreitstationen. Es wurde ein Besucherlenkungskonzept für das Biosphärengebiet erarbeitet und ein "Biosphärenbus" fährt Besucher und Einheimische durch das Gebiet. "Biosphärenbotschafter" bieten Landschaftsführungen im Biosphärengebiet an.

  • Jahr der Anerkennung durch die UNESCO: 2009
  • Fläche: insgesamt 850 km2 (davon 26 km2 Kernzone, 354 km2 Pflegezone)
  • Repräsentierter Landschaftsraum:
    Südwestdeutsches Schichtstufenland, Mittelabschnitt Europäisches Jura
  • Repräsentative Lebensräume:
    Hang- und Schluchtwälder am Albtrauf, Wacholderheiden, Streuobstwiesen des Albvorlandes
  • Beispiele für Biosphärenreservatsfunktionen:
    partizipative Vorgehensweise, zahlreiche Projekte zur nachhaltigen Regionalentwicklung z.B. im Bereich Land- und Forstwirtschaft, Regionalvermarktung, kultur-historisches Erbe und nachhaltiger Tourismus, Koordination Forschung und Umweltbeobachtung, Bildung für nachhaltige Entwicklung, Netzwerk Informationszentren
  • Nationale und Internationale Partnerschaften
    Geopark Schwäbische Alb im Netzwerk der UNESCO-unterstützten nationalen Geoparks
  • Bundesland: Baden-Württemberg
  • Landkreise: Reutlingen, Esslingen, Alb-Donau-Kreis
  • Zuständiges Ministerium: Ministerium für Ernährung und Ländlichen Raum Baden-Württemberg
  • Verwaltung:
    Geschäftsstelle Biosphärengebiet Schwäbische Alb
    Von der Osten Straße 4, 6 (Altes Lager)
    72525 Münsingen-Auingen
    Telefon (07381) 93293810
  • Internet-Link zur Darstellung der UNESCO:
    www.unesco.org/mabdb/br/brdir/
  • Internet-Link zur Verwaltung:
    www.biosphaerengebiet-alb.de
  • Seite auf den Nationalen Naturlandschaften:
    Biosphärengebiet Schwäbische Alb