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© DUK

39. Tagung des UNESCO-Welterbekomitees

Das UNESCO-Welterbekomitee hat vom 28. Juni bis 8. Juli 2015 in Bonn getagt. Über 2.200 Teilnehmer aus 160 Ländern nahmen an dieser 39. Sitzung des Komitees teil. Der Schutz gefährdeter Welterbestätten, die Einschreibung neuer Stätten in die Welterbeliste und die Strategie zur nachhaltigen Entwicklung des Welterbes standen auf der Tagesordnung des Komitees. Die Sitzung wurde von der UNESCO und dem Auswärtigen Amt in Kooperation mit der Deutschen UNESCO-Kommission ausgerichtet.

Globale Koalition "Unite4Heritage" gegründet

Kampagne 'Unite4Heritage'
© UNESCO

Gezielte und irreversible Zerstörungen von Welterbestätten sind seit Jahren Teil eines terroristischen Kulturkampfes. In der Wüstenstadt Timbuktu in Mali zerstörten Islamisten im Jahr 2012 heilige Grabstätten und ein Jahr darauf antike Schriften in der Ahmed-Baba-Bibliothek. Auch die Plünderungen in Nimrud und Hatra sowie des Museums von Mossul im Irak und der Angriff auf Palmyra in Syrien zeigen, dass Extremisten Angriffe auf Welterbestätten gezielt als Kriegsinstrument einsetzen. Angesichts dieser Entwicklungen hat die UNESCO am 29. Juni die Globale Koalition "Unite4Heritage" gegründet. Die Globale Koalition hat das Ziel, die Zusammenarbeit mit allen Partnern zum Schutz des Welterbes zu stärken, einschließlich der Polizei, bewaffneter Truppen, Interpol, der Weltzollorganisation, der Zivilgesellschaft, Medienvertretern, Museen und dem Kunsthandel.

Die UNESCO kann mit der Gründung der Koalition auf laufende Schutzmaßnahmen aufbauen. Bereits in der Vergangenheit setzte sie sich in Konfliktfällen für Lösungen auf diplomatischem Weg ein. Sie nutzt ihre Expertennetzwerke zur Dokumentation der konkreten Vorgänge und der entstandenen Schäden, sodass Kriminelle gerichtlich zur Verantwortung gezogen werden können. Der Einsatz der UNESCO hat bereits dazu geführt, dass Entscheidungsträger auf höchster Ebene den Schutz von Kulturstätten als humanitäres und Sicherheitsthema aufgegriffen, dies in Resolutionen des UN-Sicherheitsrats und der UN-Generalversammlung deutlich gemacht und etwa in das Mandat der Friedensmission in Mali (MINUSMA) aufgenommen haben.

Auch vor Ort ist die UNESCO aktiv: In Palmyra beobachtet sie beispielsweise gemeinsam mit UN-Partnerorganisationen die Entwicklungen mittels Satellitenaufnahmen. Sie hat einen Schutzkreis um syrische Stätten eingerichtet, um sicherzustellen, dass kein Raubgut das Land verlässt. Denn der illegale Handel mit Kulturgütern trägt zur Finanzierung extremistischer Taten bei.

Bonner Erklärung zum Welterbe verabschiedet

© DUK / Kolja Matzke

Das Welterbekomitee hat zu Beginn seiner Tagung die "Bonner Erklärung zum Welterbe" verabschiedet. Darin verurteilt das Komitee die Zerstörung und Plünderung von Welterbestätten als Kriegsinstrument. Es empfiehlt dem UN-Sicherheitsrat, den Schutz von Kulturgütern in Friedensmissionen aufzunehmen und alles dafür zu tun, den  internationalen Handel mit gestohlenen Kulturgütern zu unterbinden. Die Delegierten des Welterbekomitees verabschiedeten die Bonner Erklärung einstimmig.

Die Vorsitzende des Welterbekomitees, Staatsministerin Maria Böhmer, sagte zur Bonner Erklärung: "Sie unterstreicht den gemeinsamen Willen zum Schutz und Erhalt von Welterbestätten gegen jede Bedrohung, wo auch immer in der Welt. Taten wie in Syrien und im Irak sind Kriegsverbrechen, die von jedem Staat verfolgt werden müssen."

Rote Liste des gefährdeten Welterbes

Hatra im Irak
© UNESCO / Véronique Dauge

Nach den syrischen Weltkulturerbestätten im Jahr 2013, setzte das UNESCO-Welterbekomitee in diesem Jahr die Partherstadt Hatra im Irak und die Altstädte von Sana'a und Shibam im Jemen auf die Liste des gefährdeten Welterbes. Das Weltkulturerbe von Hatra im Irak wurde durch die Terrororganisation ISIS schwer beschädigt. Die Mitglieder des Welterbekomitees zeigten sich erschüttert über die gezielte Zerstörung irakischer Kulturstätten. Sie erklärten ihre Bereitschaft, dem Irak beim Wiederaufbau der Stätte zu helfen, sobald die Sicherheitslage vor Ort es zulasse. Die Parthertstadt Hatra war die Hauptstadt des ersten arabischen Königreichs. Die hellenistischen und römischen Tempel von Hatra zeugen von der großen Bedeutung der Stadt in der Antike. Die irakischen Welterbestätten Samarra und Assur stehen ebenfalls bereits auf der Roten Liste.

Auch zwei Welterbestätten im Jemen wurden auf die Liste des gefährdeten Welterbes gesetzt. Die Altstadt von Sana'a hat durch die bewaffneten Konflikte schwere Schäden erlitten. Besonders betroffen ist das Al-Qasimi-Viertel in der jemenitischen Hauptstadt. Die Al-Mahdi-Moschee und die umliegenden Häuser wurden zerstört oder beschädigt. Das Welterbekomitee beschloss, auch die Altstadt von Shibam auf die Rote Liste zu setzen, da sie ebenfalls durch die Konflikte bedroht sei.

Das Komitee betonte, die Einschreibung der drei Stätten in die Liste des gefährdeten Welterbes sei ein Mittel, um die Unterstützung der internationalen Gemeinschaft für die bedrohten Kulturerbestätten zu mobilisieren.

Gute Nachrichten für Great Barrier Reef und Nationalpark Los Katíos

Nationalpark Los Katíos in Kolumbien
© Archivo Parques Nacionales Colombia / Melissa Valenzuela

Das Welterbekomitee hat intensiv über die von der australischen Regierung ergriffenen Maßnahmen für den Schutz des Great Barrier Reefs beraten. Die Landwirtschaft, der Ausbau mehrerer Häfen und der Ausbau der Kohleförderung an der Küste von Queensland haben dem Riff in den vergangenen Jahren stark zugesetzt. Mehr als die Hälfte der Korallen wurde in den letzten dreißig Jahren zerstört. Das Komitee äußerte erneut ernsthafte Bedenken über den Erhaltungszustand des Weltnaturerbes, würdigte aber auch die im Reef-2050-Plan von der australischen Regierung aufgelisteten Schutzmaßnahmen und beschloss, das Great Barrier Reef nicht in die rote Liste einzuschreiben. Australien wurde aufgefordert, das Welterbekomitee im Jahr 2017 über den Erhaltungszustand des Korallenriffs zu informieren. Umweltminister Greg Hunt betonte, dass die Regierung den Warnschuss der UNESCO gehört habe und den Reef-2050-Plan nun systematisch umsetzen werde.

Der Nationalpark Los Katíos in Kolumbien wurde aus der roten Liste ausgetragen. 2009 hatte die UNESCO die Weltnaturerbestätte Los Katíos als gefährdet eingestuft. Gründe dafür waren der Raubbau am tropischen Regenwald, Wilderei und illegaler Fischfang. Die kolumbianische Regierung hatte den Eintrag in die Liste des bedrohten Welterbes befürwortet, um konkrete Schutzmaßnahmen auf nationaler und internationaler Ebene in Gang zu bringen. Das Welterbekomitee bezeichnete Los Katíos als "ein hervorragendes Beispiel für die Wirksamkeit dieser Liste". Dank der gemeinsamen Anstrengungen sei es gelungen, die Gefährdung des Weltnaturerbes abzuwenden und die illegalen Aktivitäten zu stoppen. Los Katíos hat aufgrund seines außergewöhnlichen Artenreichtums weltweite Bedeutung für den Schutz der biologischen Vielfalt.

24 neue Welterbestätten eingeschrieben

Speicherstadt in Hamburg
© Denkmalschutzamt Hamburg / Nicolai Wieckmann

Das Welterbekomitee der UNESCO hat im Rahmen seiner 39. Sitzung 24 Stätten neu in die Liste des Welterbes aufgenommen. Dazu zählen die historische Weinbaulandschaft der Champagne, die Forth Bridge in Schottland und die antike Stadt Ephesus in der Türkei. Erstmals sind Jamaika und Singapur in der Welterbeliste vertreten. Drei Welterbestätten wurden erweitert. Damit stehen nun weltweit 1.031 Stätten in 163 Ländern auf der UNESCO-Welterbeliste: 802 Kulturerbestätten und 197 Naturerbestätten, 32 Stätten zählen sowohl zum Kultur- als auch zum Naturerbe.

Deutschland verzeichnet mit der Speicherstadt und dem Kontorhausviertel mit Chilehaus in Hamburg bereits seine vierzigste Welterbestätte. Das Komitee betonte, dass die Stätte auf einzigartige Weise die Folgen des rasanten internationalen Handelswachstums im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert symbolisiere. Die zwischen 1885 bis 1927 erbaute "Stadt aus Speichern" mit ihrem Verbindungsnetz aus Straßen, Kanälen und Brücken sowie die moderne Backsteinarchitektur der Bürohauskomplexe aus den 1920er bis 1940er Jahren habe einen außergewöhnlichen universellen Wert. Dr. Verena Metze-Mangold, Präsidentin der Deutschen UNESCO-Kommission betonte: "Dieses größte zusammenhängende, einheitlich geprägte Speicherensemble der Welt vermittelt in einzigartiger Weise die maritime Industriearchitektur des Historismus und Modernismus. Ich freue mich sehr, dass das Welterbekomitee das Ensemble heute in eine Reihe mit den Pyramiden Ägyptens, dem Mont Saint-Michel, dem Tadsch Mahal oder der Inkastadt Machu Picchu gestellt hat. Nun ist es unsere Aufgabe, die Stätte zu schützen und für den interkulturellen Dialog zu nutzen."

Ein bewegender Moment war die Bekanntgabe der Entscheidung des Welterbekomitees, die japanischen Stätten der industriellen Revolution in der Meiji-Zeit in die Welterbeliste aufzunehmen. Im Rahmen der Welterbekomiteesitzung erklärte Japan erstmals, dass in den 1940er Jahren Menschen aus Südkorea gegen ihren Willen in den Industriestätten unter harten Bedingungen arbeiten mussten. Die japanische Regierung sagte, dass sie auch diesen Teil der Historie der Welterbestätte der Öffentlichkeit vermitteln werde. Das Ensemble von insgesamt 23 Industriedenkmälern an elf Standorten zeigt die beispiellose industrielle Revolution des Landes nach dem Vorbild der westlichen Welt.

Weitere Informationen zu den 24 neuen Welterbestätten 

Nachwuchsexperten aus 31 Ländern erforschen Welterbe

Teilnehmer des Young Expert Forums
© DUK / Kolja Matzke

Welterbenachwuchsexperten kamen vom 18. bis 29. Juni 2015 im Oberen Mittelrheintal und in Bonn im Rahmen der 39. Sitzung des Welterbekomitees zu dem Young Expert Forum "Towards a Sustainable Management of World Heritage Sites" zusammen. Die jungen Experten aus 31 Ländern aller Weltregionen beschäftigten sich in Workshops, praktischen denkmalpflegerischen Arbeiten und bei einem Planspiel mit Themen des Welterbes und bewegten sich dabei über ihren nationalen und regionalen Erfahrungshorizont hinaus. In dem Forum diskutierten die 20- bis 30-jährigen Teilnehmenden Fragen des nachhaltigen Managements von Welterbestätten und positionierten sich als wichtige Akteure beim Erhalt des Welterbes, indem sie sich mit einer Deklaration im Rahmen der Eröffnung der Welterbekomiteesitzung direkt an das Welterbekomitee wandten.

Organisiert wurde das Young Experts Forum von der Deutschen UNESCO-Kommission und dem Land Rheinland-Pfalz in Kooperation mit der Nichtregierungsorganisation European Heritage Volunteers. Das Auswärtige Amt finanzierte das Forum.

Die UNESCO-Welterbekonvention und das Komitee

Das "Übereinkommen zum Schutz des Kultur- und Naturerbes der Welt" wurde 1972 von der UNESCO verabschiedet. Inzwischen haben 191 Staaten die Konvention unterzeichnet. Es ist das international bedeutendste Instrument, das jemals von der Völkergemeinschaft zum Schutz ihres kulturellen und natürlichen Erbes beschlossen wurde. Dem Welterbekomitee gehören 21 Staaten aus allen Kontinenten an, darunter seit 2011 auch Deutschland. Staatsministerin Prof. Dr. Maria Böhmer war Vorsitzende der 39. Welterbekomiteesitzung. Die nächste Sitzung des Komitees findet vom 10. bis 20. Juli 2016 im türkischen Istanbul statt.

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