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Häufig gestellte Fragen zum immateriellen Kulturerbe – allgemein und international

Was versteht die UNESCO unter immateriellem Kulturerbe?

Kulturelles Erbe umfasst nicht nur Baudenkmäler, sondern auch lebendige kulturelle Ausdrucksformen. Hierzu zählen mündliche Traditionen, darstellende Künste, soziale Praktiken, Rituale, Feste, Wissen und Praktiken im Umgang mit der Natur und dem Universum oder Fachwissen über traditionelle Handwerkstechniken. Auch die damit verbundenen Instrumente, Objekte, Artefakte und Kulturräume, die Gemeinschaften, Gruppen und gegebenenfalls Einzelpersonen als Bestandteil ihres Kulturerbes ansehen, gehören zum immateriellen Kulturerbe (Artikel 2 des Übereinkommens).

Immaterielles Kulturerbe wird entscheidend von menschlichem Wissen und Können getragen. Immateriell bedeutet "nicht greifbar". Eine kulturelle Ausdrucksform ist nicht "dinglich" wie Baudenkmäler, Kultur- oder Naturlandschaften. Sie ist trotzdem wichtiger Teil unseres kulturellen Erbes. Immaterielles Kulturerbe ist eine lebendige Form unseres Erbes, das ständig neu geschaffen wird und neu entsteht, wenn Praktiken und Traditionen veränderten Umständen und Zeiten angepasst werden. Menschen, meist kollektiv innerhalb von Gemeinschaften oder Gruppen, spielen dabei die Schlüsselrolle.

Die Ausdrucksformen des immateriellen Kulturerbes werden von Generation zu Generation weitergegeben. Sie stiften Identität und ein kulturelles Zugehörigkeitsgefühl. Immaterielles Kulturerbe stärkt den sozialen Zusammenhalt in der Gemeinschaft.

Immaterielles Kulturerbe ist:

  • zugleich traditionell, zeitgenössisch und lebendig

Es repräsentiert nicht nur geerbte Traditionen, sondern zeitgenössische Praktiken, an denen verschiedene kulturelle Gruppen teilnehmen – Laien wie Profis und alle Zwischenstufen.

  • inklusiv

Es vermittelt ein Zugehörigkeitsgefühl und trägt zur sozialen Kohäsion bei. Die kulturelle Ausdrucksform steht im Einklang mit den universell gültigen Menschenrechten und mit nachhaltiger Entwicklung.

  • gemeinschaftsbasiert

Immaterielles Kulturerbe kann nur als solches gelten, wenn es von der jeweiligen Gemeinschaft oder Gruppe, die es schafft und lebt, als ihr gemeinsames Erbe anerkannt ist.

Während beim UNESCO-Welterbe Baudenkmäler und Naturstätten und beim "Memory of the World"-Programm das Dokumentenerbe im Zentrum des Interesses stehen, ist es beim immateriellen Kulturerbe die praktizierte Ausdrucksform und ihre Bedeutung für die jeweiligen Gemeinschaften.

Warum ist es wichtig, immaterielles Kulturerbe zu erhalten?

Immaterielles Kulturerbe bewirkt, dass Menschen sich einer Gemeinschaft zugehörig fühlen. Die kulturelle Ausdrucksform vermittelt ein Gefühl von Kontinuität und Identität und stärkt den sozialen Zusammenhalt. Insbesondere vor dem Hintergrund des demografischen Wandels ist die Bewahrung traditioneller und zugleich zeitgenössischer kultureller Ausdrucksformen eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe. Im Zeitalter der Globalisierung und in Anbetracht des schnellen gesellschaftlichen Wandels ist die positive Wertschätzung des "Alten" und der "Älteren" eine eigene Herausforderung. Immaterielles Kulturerbe ist immer auch durch Improvisation und Veränderung gekennzeichnet, insbesondere auch durch kreative Anwendungen und Veränderungen durch junge Generationen. Die Beschäftigung mit immateriellem Kulturerbe fördert den interkulturellen Dialog und den Respekt für andere Kulturen.

Immaterielles Kulturerbe hat aber nicht nur eine soziale, sondern auch eine wirtschaftliche Bedeutung: Einerseits sind das über Generationen überlieferte Wissen und die damit verbundenen vielfältigen Fertigkeiten, zum Beispiel Kunst- und Handwerkstechniken oder eine bestimmte Aufführungspraxis, wichtige kulturelle Ressourcen. Sie sind Ausdruck von Kreativität, Inspiration und Erfindergeist einer Gesellschaft. Als gewachsene und tradierte Formen der Kreativität bilden sie die Basis für neue Ideen und Entwicklungen. Andererseits geht es auch um das Produkt dieser Kenntnisse und Fähigkeiten, wie zum Beispiel Naturheilprodukte, und die kommerzielle Nutzung durch Verkauf der Produkte, Eintrittskarten für eine Aufführung oder eine Dienstleistung im Handwerk.

Ein Verlust des immateriellen Kulturerbes führt zu sozialer und kultureller Verunsicherung oder Ausgrenzung, zu Identitätsverlust und sozialen Konflikten, oft mittel- und langfristig auch mit ökonomischen Auswirkungen: Wie viel geht verloren, wenn ein jährlich stattfindendes Festival, das zahlreiche Besucher von außerhalb anzieht, nicht mehr stattfindet? Was wäre notwendig für die Wiedererlangung des Wissens und der Fähigkeiten zur Organisation des Festivals? Oder: Was geht verloren durch die Zerstörung traditioneller landwirtschaftlicher Bewässerungssysteme, wenn kurzfristige Marktorientierung die Anbauweisen dominiert?

Die Konvention aus dem Jahr 2003 betont den besonderen Charakter des immateriellen Kulturerbes, das – im Gegensatz zum materiellen Erbe – an den Menschen und die aktive Überlieferung gebunden ist. Dadurch unterliegt das immaterielle Kulturerbe sehr stark gesellschaftlichen Transformationsprozessen und ist weniger dauerhaft.

Die natürlichen Veränderungsprozesse der Traditionen sollen durch die Konvention und ihre Mechanismen (Verzeichnisse, Gute Praxis-Beispiele, Erhaltungsprojekte usw.) in keiner Weise behindert werden.

Warum ist zur Erhaltung immateriellen Kulturerbes eine Konvention nötig?

Die Verabschiedung der Konvention zur Erhaltung des immateriellen Kulturerbes durch die UNESCO-Generalkonferenz im Jahr 2003 ist das Ergebnis langjähriger Bemühungen der UNESCO-Mitgliedstaaten, rechtliche, administrative und finanzielle Rahmenbedingungen zu schaffen, die der Erhaltung dieses Erbes dienen. Das Übereinkommen ist ein schriftlicher Vertrag zwischen Staaten und damit internationalem Recht unterworfen. Staaten, die das Übereinkommen ratifizieren, willigen ein, daran gebunden zu sein. Wenn sie das tun, werden sie zu Vertragsstaaten. Sie genießen damit alle Rechte und übernehmen alle Pflichten, die das Übereinkommen festlegt. Hauptziele der Konvention sind, immaterielles Kulturerbe zu erhalten, die Achtung vor dem immateriellen Kulturerbe der jeweiligen Gemeinschaften zu gewährleisten, das Bewusstsein für seine Bedeutung zu schärfen und internationale Zusammenarbeit und Unterstützung zu fördern.

Das Übereinkommen rückt über Jahrhunderte überlieferte Traditionen, welche unmittelbar von menschlichem Wissen und Können getragen werden, in den Blickpunkt.

Was bringt der Titel "immaterielles Kulturerbe"?

Der weltweit beachtete Titel "Immaterielles Kulturerbe der Menschheit" beinhaltet keine finanzielle Förderung seitens der UNESCO.

Wird eine kulturelle Ausdrucksform in ein nationales Verzeichnis oder eine der internationalen Listen des immateriellen Kulturerbes aufgenommen, fördert dies den Respekt und die Wertschätzung gegenüber den betreffenden Gemeinschaften, Gruppen und Individuen und ihrem immateriellen Kulturerbe. Eine Anerkennung durch die UNESCO hilft auch, kulturelle Ausdrucksformen dauerhaft durch kulturpolitische Maßnahmen zu schützen. Die Auszeichnung hat auch Bedeutung für den Denkmalschutz und den Tourismus, da sie den Kulturtourismus und die lokale, regionale und nationale Wirtschaft unterstützen kann.

Warum engagiert sich die UNESCO für immaterielles Kulturerbe?

Die Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft und Kultur (UNESCO) ist eine Sonderorganisation im UN-System. Sie fördert die internationale Zusammenarbeit in den Bereichen Bildung, Sozial- und Naturwissenschaften, Kultur und Kommunikation, mit dem Ziel einer friedlicheren Welt. Dabei nimmt die UNESCO verschiedene Funktionen wahr: Sie fungiert als Ideenlabor und als Normgeber, zum Beispiel durch völkerrechtliche Übereinkommen zu ethischen und gesellschaftlichen Fragen. Sie dient als Dokumentationsstelle, um Wissen zu teilen und zu verbreiten. Sie hilft ihren Mitgliedern auch dabei, personelle und institutionelle Kapazitäten in den genannten Tätigkeitsfeldern aufzubauen und weiterzuentwickeln. Die UNESCO ist die einzige Organisation im System der Vereinten Nationen mit einem speziellen Mandat für Kultur. Seit mehr als 60 Jahren fördert sie das Bewusstsein für den Wert immateriellen Kulturerbes. 2003 verabschiedete die UNESCO die Konvention zur Erhaltung des Immateriellen Kulturerbes.

Wie arbeiten die Staaten im Rahmen des Übereinkommens zusammen?

Die Konvention schlägt eine Reihe von Schritten vor, die auf nationaler und internationaler Ebene umgesetzt werden sollen: Auf nationaler Ebene sollen Maßnahmen ergriffen werden, um das immaterielle Kulturerbe im jeweiligen Staatsgebiet zu erhalten. Jeder Staat ist dazu aufgefordert, immaterielles Kulturerbe in seinem Hoheitsgebiet unter Beteiligung der Gemeinschaften, Gruppen und relevanter Nichtregierungsorganisationen (NGOs) zu identifizieren. Vertragsstaaten sollen dafür Verzeichnisse immateriellen Kulturerbes aufstellen und regelmäßig aktualisieren. Die Konvention schlägt auch verschiedene Erhaltungsmaßnahmen (Sicherungsmaßnahmen, Maßnahmen zur Sensibilisierung betroffener Gruppen, Capacity Building und die Förderung von Bildungsmaßnahmen) zum immateriellen Kulturerbe vor.

Staaten, die die Konvention ratifiziert haben, treffen sich alle zwei Jahre zur Generalversammlung der Vertragsstaaten. Die Generalversammlung gibt strategische Orientierungen bei der Umsetzung der Konvention und wählt die Mitglieder des Zwischenstaatlichen Ausschusses, der jährlich zusammentritt. Zu den Aufgaben des 24-köpfigen Ausschusses gehört es, der Generalversammlung Richtlinien zur Umsetzung des Übereinkommens vorzuschlagen. Unter anderem sind darin die Verfahren zur Aufnahme von Formen immateriellen Kulturerbes auf die drei internationalen Listen, die Gewährung finanzieller Unterstützung, die Akkreditierung von beratenden Nichtregierungsorganisationen, die Logonutzung sowie die Einbeziehung der Gemeinschaften bei der Umsetzung des Übereinkommens geregelt.

Welche Rolle spielen Nichtregierungsorganisationen im Rahmen des Übereinkommens?

Die UNESCO-Konvention zur Erhaltung des immateriellen Kulturerbes sieht eine starke Beteiligung von Nichtregierungsorganisationen (NGOs) vor. Die Vertragsstaaten sollen die relevanten NGOs bei der Umsetzung des Übereinkommens, unter anderem bei der Identifizierung und Definition von immateriellem Kulturerbe und bei geeigneten Erhaltungsmaßnahmen auf nationaler Ebene beteiligen. NGOs, die in Bereichen, die das immaterielle Kulturerbe nach Artikel 2 der Konvention betreffen, tätig sind, können sich auf internationaler Ebene auch zur Beratung des Zwischenstaatlichen Ausschusses akkreditieren lassen.

Können Religionen oder Sprachen im Rahmen der Konvention anerkannt werden?

Auch wenn Religionen zweifelsohne ein Gefühl von Identität und Kontinuität vermitteln können, werden sie nicht als immaterielles Kulturerbe im Sinne des Übereinkommens verstanden. Allerdings können kulturelle Praktiken, wie Rituale und Feste, die von Religionen inspiriert sind, durchaus im Rahmen der Konvention erfasst werden.

Durch das Übereinkommen kann auch keine gesamte Sprache (Grammatik, Wortschatz, Syntax) unter Schutz gestellt werden. Ausdrücklich erwähnt ist im Konventionstext jedoch, dass Sprache grundlegendes Mittel zur Weitergabe von immateriellem Kulturerbe ist: Mündliche Traditionen und Ausdrucksformen können nicht ohne Sprache existieren. Zudem sind fast alle Arten von immateriellem Kulturerbe – von Wissen und Praktiken im Umgang mit der Natur und dem Universum bis hin zu Ritualen und Handwerkstechniken – abhängig von Sprache, sei es in der konkreten Praxis oder aber in der Überlieferung von Generation zu Generation.

Werden im Übereinkommen Rechte geistigen Eigentums behandelt?

Die UNESCO-Konvention konzentriert sich auf die Erhaltung des immateriellen Kulturerbes. Der Schutz geistiger Eigentumsrechte fällt auf internationaler Ebene in den Tätigkeitsbereich der Weltorganisation für geistiges Eigentum (WIPO). Das Übereinkommen dürfe laut Artikel 3 nicht so ausgelegt werden, "dass die Rechte und Pflichten der Vertragsstaaten berührt werden, die sich aus einer internationalen Übereinkunft über die Rechte des geistigen Eigentums oder über die Nutzung der biologischen und ökologischen Ressourcen ergeben, deren Vertragsparteien sie sind".

Es ist in mindestens zweifacher Hinsicht problematisch, Rechte an geistigem Eigentum auf die von der Konvention geschützten Elemente anzuwenden. Schwierigkeiten liegen zunächst einmal darin, dass die kulturellen Ausdrucksformen in der Regel nicht von Einzelpersonen, sondern von Gemeinschaften geschaffen und weiterentwickelt werden. Der "Urheberrechtsschutz“ einer bestimmten kulturellen Ausdrucksform, wie etwa die Aufführung eines Tanzes, die aufgezeichnete Interpretation eines Musikstücks oder der patentierte Einsatz einer Heilpflanze, kann zudem das immaterielle Kulturerbe in seiner natürlichen Entwicklung behindern oder gar zu dessen Aussterben führen.

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