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Hochalpine Allgäuer Alpwirtschaftskultur in Bad Hindelang

(2016 aufgenommen ins deutsche Register Guter Praxisbeispiele der Erhaltung immateriellen Kulturerbes)

© Wolfgang B. Kleiner
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© Wolfgang B. Kleiner

Alpen (alemannisch, altbayerisch: Almen) sind Sommerweideflächen im Gebirge, mit denen Bergbauern die Futterbasis im Tal erweitern. Das Vieh weidet bis zum Abtrieb Mitte September in mehreren Nutzungsstockwerken und wird sukzessive von höheren Lagen bergabwärts verlagert. Die Herden folgen dabei der jahreszeitlichen Entwicklung der Vegetation. Den Abschluss der sommerlichen Beweidung bildet der Viehscheid, bei dem das Vieh getrennt und den jeweiligen Besitzern zurückgegeben wird. Auch das zentrale Wirtschaftsgebäude auf dem Gebiet der Weidefläche wird „Alpe“ (Alm) genannt. Betreut werden Alpen vom Alppersonal, den „Älplern“, und Tagwerkern, die gemeinsam die Infrastruktur am Berg unterhalten.

Die Marktgemeinde Bad Hindelang im bayerischen Oberallgäu ist die alpflächenreichste Kommune Deutschlands: Es gibt 45 anerkannte und staatlich geförderte Alpen mit 8.000 Hektar Alpfläche. Es werden drei Arten von Alpen unterschieden, wobei Mischformen nicht unüblich sind: „Galtalpen“ dienen zur Sommerweide von Jungvieh, von „Kuhalpen“ holen Molkereien Mich ab und auf „Sennalpen“ wird vor Ort Milch zu Butter und Käse verarbeitet. In Bad Hindelang prägt die Alpwirtschaft Heimatgefühl, Identität und dörfliches Selbstverständnis sowie auch den Hauptwirtschaftszweig Tourismus. Hier findet beispielsweise einer der ersten und bekanntesten Viehscheide Deutschlands statt.

Die Gemeinde Bad Hindelang praktiziert zur Erhaltung der Hochalpinen Allgäuer Alpwirtschaftskultur seit 1988 erfolgreich das „Ökomodell Hindelang“. Im Rahmen dessen wurde die naturschonende und nachhaltige Wirtschaftsweise der Alpwirtschaft auf kleinbäuerliche Berglandwirtschaften in den Tallagen ausgeweitet. Durch ökologische Ausgleichszahlungen für eine flächendeckende Kulturlandschaftspflege und die Produktion hochwertiger Lebensmittel konnte das Betriebssterben bei den Zuerwerbslandwirten weitgehend gestoppt werden. Die Alpwirtschaft beugt der Landschaftszersiedelung vor und schützt die Kommune vor dem touristischen „Wettrüsten der Täler“. Die Gemeinde setzt auf Naturschutz und Nachhaltigkeit, regionale bzw. direkte Vermarktung und sanften Tourismus. Die hochalpine Alpwirtschaft ist eine extensive Form der Landwirtschaft, die zur Formung einer artenreichen Kulturlandschaft beigetragen und diese bis heute bewahrt hat. Es handelt sich damit um eine lebendige Tradition mit langer Kulturgeschichte. Ziel des Modells war und ist die Weiterführung der Alpwirtschaft als den gesamten Alltag der Betroffenen prägende Kultur ohne eine Musealisierung. Auch begleitende Festanlässe und Wissen um Handwerkstechniken gehören zum Erhaltungsprogramm. Das von der identitätsstiftenden Alpwirtschaftskultur geprägte Landschaftsbild ist heute Hauptbeweggrund für Touristen, die Region zu besuchen.

Trotz aller moderner technischer Hilfsmittel ist die Alpwirtschaft eine archaische Form des Wirtschaftens unter extremen klimatischen Bedingungen bei hohen körperlichen Anforderungen geblieben. Sie wird von Menschen betrieben, die mit Naturzyklen, mit dem Jahreskreis und mit in Jahrhunderten gewachsenen Traditionen leben. Die Hochalpine Alpwirtschaftskultur wirkt auf den ersten Blick „aus der Zeit gefallen“, ist jedoch alles andere als museal. Das Interesse des Nachwuchses ist groß, das Einkommen wird über die Produktion hochwertiger Lebensmittel, Landschaftspflege und sanften Tourismus gesichert. Unabhängig davon verstehen Bergbauern ihre Alpen und das damit verbundene Wissen und Können als unveräußerliches „Erbe“, das es zu schützen und zu pflegen gilt.

Das Wissen wird von den Trägern weitergegeben. Anpassungen an Entwicklungen werden und wurden behutsam und sinnvoll umgesetzt, so etwa die Gründung einer Genossenschaft und Anpassungen bei der Wahl der Nutztiere. 80 Prozent der Gemeindefläche von Bad Hindelang stehen heute unter Landschafts- und Naturschutz, mehrere Alpgebäude unter staatlicher Denkmalpflege. Es bestehen Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten, die von erfahrenen Älplern durchgeführt werden. Die Erhaltung der Tradition wirkt positiv für das Landschaftsbild, ist eine nachhaltige Bewirtschaftungsweise und trägt wesentlich zur Identität der Träger und der Bevölkerung der Region bei.

Kontakt

Marktgemeinde Bad Hindelang
1. Bürgermeister Adalbert Martin
Marktstraße 9
87541 Bad Hindelang
E-Mail: info@badhindelang.de
Internet: www.badhindelang.de

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