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Erforschung und Dokumentation von Flur- und Hausnamen in Bayern

(2016 aufgenommen ins deutsche Register Guter Praxisbeispiele der Erhaltung immateriellen Kulturerbes)

© Verband für Orts- und Flurnamenforschung in Bayern
© Verband für Orts- und Flurnamenforschung in Bayern
© Verband für Orts- und Flurnamenforschung in Bayern
© Verband für Orts- und Flurnamenforschung in Bayern

Namen gehören zum ältesten sprachlichen und kulturellen Erbe. Sie wurden bereits vor vielen Generationen geprägt, um Personen und Orte zu kennzeichnen und voneinander zu unterscheiden. Flur- und Hausnamen wurden bis zum 18. Jahrhundert von der Bevölkerung durch natürlichen Gebrauch gebildet und sind so unmittelbarer Ausdruck ihres Interesses an dieses geographischen Orten. Sie sind einzigartige Zeugen der Vergangenheit, die bei näherer Betrachtung eine Fülle von Informationen bezüglich natürlicher Gegebenheiten, Besitzverhältnisse, Nutzung oder Rechtsformen zur Zeit der Benennung offenbaren.

Flurnamen beschreiben Äcker, Wiesen, Wälder, Gewässer und Berge. Allein in Bayern sind 10 Millionen Flurnamen überliefert. Ursprünglich wurden sie nur mündlich (in Mundart) geprägt und gebraucht. Die meisten wurden erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts im Zuge einer einheitlichen Landesvermessung aufgezeichnet.
Unter Hausnamen versteht man die Bezeichnung von Haus und Hof, die bis ins 20. Jahrhundert hinein oft wichtiger war als der Familienname. In Bayern existieren schätzungsweise über 50.000 Hausnamen, die ein wichtiger Bestand der ländlichen Alltagskultur waren. Besonders in weiten Teilen Altbayerns werden Hausnamen heute noch aktiv auch zur Bezeichnung der darin Wohnenden, verwendet.

Wo die Landwirtschaft aufgegeben wird, geht auch der Gebrauch von Flur- und Hausnamen zurück. Sie sind vielerorts kaum noch bekannt und werden dann nur noch selten verwendet. Dabei sind sie für viele Menschen Teil ihres Heimatgefühls, sprachlicher Ausdruck ihrer Beziehung zur sozialen Struktur ihres Ortes.
Seit etwa 100 Jahren gibt es in Bayern intensive Bemühungen, die Namen zu erforschen sowie auf ihre identitätsstiftende Bedeutung hinzuweisen. Der Verband für Orts- und Flurnamenforschung in Bayern e.V., dem die meisten Namenforscher in Bayern sowie andere Interessierte angehören, setzt sich intensiv dafür ein, diese zu erforschen, zu dokumentieren und zu bewahren. In einigen Orten werden heute zur Erhaltung und Kenntlichmachung Schilder mit alten Hausnamen angebracht.

Flurnamen sollen mithilfe von Vorträgen, Veröffentlichungen und Vermittlung in Schulen auch für kommende Generationen erhalten bleiben. Bayernweit laufen vielfältige Bemühungen, Flurnamen zu sammeln, zu erforschen und als prägendes Kulturgut zu erhalten. Durch öffentlichkeitswirksame Aktionen wie die Benennung von Autobahnparkplätzen und die Beschilderungen von Häusern konnten diese Traditionen im Bewusstsein der Bevölkerung wieder stärker verankert werden.

Eine mittlerweile große Resonanz in der Bevölkerung deutet auf einen stetig wachsenden Informationsbedarf. Dadurch und durch das Anlegen von Flurnamensammlungen konnten bereits zahlreiche Flurnamen „wiederentdeckt“ und dokumentiert werden. Die Erforschung und Dokumentation von Flur- und Hausnamen in Bayern stellt in diesem Sinne ein Gutes Praxisbeispiel der Erhaltung Immateriellen Kulturerbes dar.

Kontakt

Verband für Orts- und Flurnamenforschung in Bayern e.V.
Geschäftsführer Dr. Reinhard Bauer
Leonrodstraße 57
80636 München
E-Mail: bauers@online.de

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